Astrofotografie Anleitung – Nachthimmel fotografieren

Es gibt wohl nichts anspruchsvolleres für einen Fotografen als die Astrofotografie. Als ich mit dem Fotografieren begann, setzte ich mir ein ultimatives Ziel: Ich wollte endlich ein ausdrucksstarkes Bild vom Nachthimmel aufnehmen. 

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13 Jahre später (ist es wirklich schon so lange her?) denke ich nun daran zurück und muss darüber lachen, wie unmöglich mir dieses Foto des Nachthimmels damals vorkam. Es erschien mir unmöglich, ein Bild zu produzieren, das den Mond, die Sterne oder gar eine Galaxie zeigen könnte. Ich nahm an, ein solches Bild ließe sich nur mit einer teuren Kamera oder irgendeiner Art magischer Fotoausrüstung erstellen. Damit lag ich vollkommen falsch. In Wirklichkeit hast du wahrscheinlich schon alles, was du brauchst, um in der Astrofotografie sofort durchzustarten!

Was versteht man unter Astrofotografie?

Unter dem Begriff Astrofotografie versteht man einfach nur alle Fotos, die astronomische Objekte und den Nachthimmel selbst abbilden. Der Mond, die Sterne, Konstellationen, Galaxien und sogar die Sonne sind solche astronomischen Objekte. In diesem Artikel wirst du lernen wie leicht es eigentlich ist, tolle Aufnahmen von den Wundern zu machen, die in den Weiten des Nachthimmels beheimatet sind. Dafür benötigst du nur eine grundlegende Fotoausrüstung und etwas Geduld. Komplizierte Focus-Stacking-Software, Objektive zu astronomischen Preisen oder eine professionelle Kamera sind nicht erforderlich. Also, los geht’s!

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Astrofotografie Ausrüstung

Zunächst einmal wollen wir uns mit es der Grundausrüstung beschäftigen, die du für deine Astrofotos brauchen wirst.

1 – Eine Kamera mit manuellem Modus

Du solltest so viele Faktoren wie möglich selbst kontrollieren können. Deshalb ist es unerlässlich, dass du im manuellen Modus fotografierst. Langzeitbelichtung ist ein Vorteil, jedoch nicht unbedingt notwendig. Bei der Langzeitbelichtung beginnt die Belichtungszeit sobald du den Verschluss öffnest – sie dauert so lange bis du den Prozess beendest, indem du den Verschluss wieder schließt. Diese Einstellung ist mittlerweile selbst bei den kostengünstigsten Spiegelreflex- oder Systemkameras enthalten (bis zu einem gewissen Punkt gibt es diese Funktion sogar bei Kompaktkameras).

2 – Das schnellste (größte Blende) Objektiv, das du hast

Weitwinkelobjektive werden oft als einzige passende Brennweite für Astrofotografie angesehen – aber das stimmt nicht. Der Schlüssel zur soliden Astrofotografie ist die Verwendung eines Objektivs, das möglichst viel Licht einlassen kann. Diese Objektive machen eine niedrige Blendenzahl und oft auch eine feste Brennweite aus. Weitwinkelobjektive geben dir einen weiten Blick auf den Himmel, trotzdem solltest du deine mittleren Teleobjektive nicht außen vor lassen.

3 – Ein stabiles Stativ

Ein verlässliches, solides Stativ ist die Grundlage für ein scharfes Astrofotografie-Bild. Ungewollte Bewegung ist dein Feind No.1. Deshalb brauchst du ein Stativ, das das Gewicht deiner Kamera tragen kann und sie vollkommen still hält. Außerdem spielt die Befestigung – mit der die Kamera verbunden ist – eine große Rolle für dein Ergebnis. Eine Kugelkopf-Befestigung von niedriger Qualität kann unter dem Kameragewicht während langer Belichtungen manchmal schwanken. Es lohnt sich auf jeden Fall, etwas Geld in ein gutes Stativ zu investieren. Ich selbst verwende ein Manfrotto 190X für ca. 160 Euro und bin sehr zufrieden damit.

4 – Ein Mikrofaser-Objektivtuch

Für die meisten deiner Aufnahmen wirst du dein Objektiv zum Nachhimmel ausrichten. Vorallem in den Sommermonaten wirst du mit Feuchtigkeit und Tau rechnen müssen, was für klare Astrobilder hinderlich ist. Nimm deshalb in jedem Fall mindestens ein sauberes Mikrofaser-Objektivtuch mit. Damit kannst du Flüssigkeit die sich während der langen Belichtungen auf der Linse ansammelt vollständig entfernen. Es ist ein kleines Stück Ausrüstung, von dem das Gelingen oder Scheitern deiner Bilder abhängen kann. Die meisten Reinigungssets für Kameras enthalten ein Mikrofasertuch. Hier gibts ein tolles Set für schlappe 10 Euro.

5 – Einen Fernauslöser (optional)

Wenn du nicht gerade mit Langzeitbelichtung arbeitest, ist ein Fernauslöser nicht unbedingt notwendig. Allerdings erleichtert er das Fotografieren und hilft dabei, verwackelte Bilder zu vermeiden. Wenn du keinen Fernauslöser verwendest, benutze die 2-Sekunden-Verzögerung für den Auslöser, damit deine Kamera nicht wackelt wenn du den Knopf drückst.

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Kameraeinstellungen für Astrofotografie

Da du nun weißt, was für eine Ausrüstung du brauchen wirst, schauen wir uns als nächstes deine Voreinstellungen an. Die folgenden Informationen erklären, warum welche Einstellungen am besten funktionieren. Falls du es aber eilig hast:

 

  • Blende so offen wie möglich: f1.8 – f4.0
  • Belichtungszeit: generell 15-20 Sekunden, jedoch abhängig von der Brennweite (Berechnung siehe weiter unten)
  • ISO möglichst tief, um Rauschen zu vermeiden

Verschlusszeit und Sternspuren

Zweifelsohne ist die wichtigste Frage in der Astrofotografie: „Wie lange soll ich mein Bild belichten?“ Die Antwort hängt davon ab, was für ein Bild du machen möchtest. Der Nachthimmel ist dynamisch. Alles was du siehst, ist in Bewegung. Auch wenn es mit bloßem Auge nicht erkennbar ist. Ich vergleiche das Fotografieren des Nachthimmels oft mit Aufnahmen von Wasser. Wenn du Bewegungsunschärfe (Sternspuren) auf deinen Bildern beabsichtigst, braucht es eine längere Belichtungszeit. Willst du die Bewegung einfrieren (für Konstellationen und Galaxien), benötigst du eine kürzere Belichtungszeit.

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Sternspuren bei langer Belichtungszeit – die Sterne bewegen sich.

 

Meiner Erfahrung nach trifft man – abhängig vom ISO-Wert und der Blende (mehr dazu gleich) – den richtigen Punkt für Fotos von Sternen und der Milchstraße ohne Sternspuren bei ungefähr 15-20 Sekunden. Auch wenn es natürlich keine universelle Formel gibt, ist die 600er-Regel eine gute Orientierung. Sie ähnelt stark der Reziprozitäts-Regel, die bei instabilem Stand oder Handkameras angewendet wird.

Die 600er-Regel: Berechnen der maximalen Belichtungszeit

Die 600-Regel besagt, dass das Verschwimmen durch die himmlische Bewegung reduziert wird, indem die Belichtungszeit nicht mehr beträgt als 600 dividiert durch die Brennweite. Machen wir ein Beispiel um die maximale Belichtungszeit zu berechnen:

 

  • Linse mit einer Brennweite von 50mm
    600 / 50 (Brennweite) = 12 Sekunden Belichtungszeit
  • Linse mit einer Brennweite von 14mm
    600 / 14 (Brennweite) = 42 Sekunden
  • Linse mit einer Fokuslänge von 24mm
    600 / 24 (Brennweite) = 25 Sekunden

 

Diese Regel in der Astrofotografie beruht auf  digitalen Vollbildsensoren und erlaubt den Sternenschweifen nur eine geringe Breite unterhalb von 8 Pixeln. Solltest du eine APS-C Kamera (Kamera mit Crop-Faktor: beidseitige Perforation des Kleindbildfilms) benutzen, halte dich besser an die Richtzahl 400 statt 600, um ähnlich zufriedenstellende Ergebnisse zu erhalten.

Die Blende und Fokusvergrösserung

Die Blende regelt, wie viel Licht in deine Kamera eindringt. Gerade in der Astrofotografie steigt die Qualität deiner Bilder je nachdem, wie viel Licht dir zur Verfügung steht. Du solltest deine Astrofotos also mit möglichst weiter Blende aufnehmen. Denke aber auch daran, dass alle Linsen voreingestellte Blenden besitzen und die Linsenöffnung (weiteste Blende) oft von der übergeordneten Gesamtschärfe beeinflusst wird. Kurz gesagt: die Nutzung einer weiten Blende ist fast immer erstrebenswert, denn sie erlaubt eine maximale Lichteinwirkung. Damit werden deine Sterne heller und die kleinen Himmelsdetails kommen viel besser zur Geltung.

Beim Großteil meiner Astrofotografien habe ich mit einer Blende unter f/1,8 bis zu f/3,5 und sogar f/4 gearbeitet. Erinnere dich auch daran, dass bei weiter Blende ein präziseres Fokussieren erforderlich wird, weil die Tiefe des Bildausschnittes sinkt. Manuelles fokussieren ist deshalb hilfreich. Wenn deine Kamera über eine Funktion zur Fokusvergrößerung verfügt, benutze diese beim Heranzoomen von dominanten Sternen oder dem Mond. Das garantiert dir den „schärfstmöglichen“ Fokus. Verlasse dich dabei nicht auf Entfernungsmarkierungen an deiner Linse (oftmals sind diese ungenau).

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ISO-Einstellungen

Den ISO-Wert für deine Astrofotografie festzulegen ist eine gute Übung um zu lernen mit Kompromissen umzugehen :). Hohe ISO-Werte eignen sich besser für Aufnahmen unter lichtarmen Bedingungen, führen am Ende jedoch zu körnigen Fotos mit Rauschen. Einen angenehmen Mittelwert zu finden ist oft schwierig. Benutze deshalb den höchsten ISO-Wert, welcher dir „gefühlt“ die geringste Körnigkeit und Unruhe verschafft, aber dennoch die Verwendung deiner bevorzugten Verschluss- und Blendeneinstellungen erlaubt. Wir passen den ISO Wert also den anderen Einstellungen an.

 

Heutzutage besitzen die meisten Kameras eine eingebaute Software, welche das Rauschen bei hohen ISO-Werten abschwächt. Ich empfehle diese Funktion auszuschalten – und zwar aus folgendem Grund: Die Reduzierung von Rauschen funktioniert heute mit allgemeinen Bildbearbeitungsprogrammen besser als mit der kamera-internen Software. Denn leider verringert die interne Software oftmals nicht nur das Rauschen, sondern auch den Kontrast und die Bildschärfe.

Aufnahmen im RAW-Modus

Vielleicht hast du schon einmal von den Vorteilen gehört, die das Fotografieren im RAW-Modus mit sich bringen. In der Astrofotografie ist das Arbeiten mit dem RAW-Modus extrem hilfreich. Die gewonnenen Zusatzinformationen mit RAW fügen den Bildern eine gewaltige Menge dynamischer Reichweite hinzu, welche du in der Entwicklung/Nachbearbeitung nach deinem Geschmack gestalten kannst. Zudem kannst du deine Fotos damit später in größeren Formaten entwickeln lassen. Eine Abschwächung der Unruhe in den Bildern wird ebenfalls effizienter möglich, wenn du in RAW fotografierst.

 

Tipps, die deine Astrofotografie außergewöhnlich werden lassen

Einbezug externer Elemente in die Szenerie

Während die meisten Objekte am Nachthimmel allein schon atemberaubend schön sind, wird das Hinzufügen interessanter Akzente deine Astrofotografie noch beeindruckender wirken lassen. Ergänze Orientierungspunkte wie Bäume oder Gebäude. Halte Ausschau nach Elementen, die deine Bildkompositionen harmonischer erscheinen lassen und gut zu deinen astronomischen Motiven passen.

astrofotografie bildkomposition

Lichtverschmutzung kann nützlich sein

Zwar stellen dunkle Himmel in der Astrofotografie ein anvisiertes Ideal dar, dennoch sind externe Lichtquellen nicht grundsätzlich eine schlechte Sache. Manchmal spielen Stadtlichter oder andere Lichteinflüsse deiner Szenerie zu, erhöhen die Wirkung deiner Komposition und fügen deinem Bild Kontrast hinzu.

Experimentiere mit Farben

Die Astrofotografie lebt von Farben. Hab keine Angst davor, die Sättigung und Farbtöne in der Nachbearbeitung der Bilder zu erhöhen oder ganz zu verändern. Experimentierfreudigkeit mit Farben wird deine Fotos zu ganz persönlichen Kunstwerken machen, statt zu simplen Abbildern. Achte aber trotzdem darauf, dass deine Fotos nicht unrealistisch wirken oder Details verloren gehen. Wie immer gilt: manchmal ist weniger mehr.

astrofotografie farben experimentieren

Astrofotografie ist also herausfordernd, macht Spaß, lohnt sich und ist zudem lehrreich. Das Erstellen von Himmelsbildern ist ein ausgezeichneter Weg, um deine Fertigkeiten als Fotograf weiterzuentwickeln. Gleichzeitig kreierst du wunderschöne Bilder von Dingen, denen die meisten Menschen bislang keine Aufmerksamkeit geschenkt haben. Heute machen Kameras und Bildbearbeitungsprogramme es uns leicht, großartige Bilder vom Nachthimmel aufzunehmen. Auf jeden Fall bist du nun mit diesen Informationen tiptop vorbereitet damit du selbst aufregende Astrofotos schießen kannst!

 

Lies weitere Infos zu Himmelskörpern

Wir haben eine ganze Reihe von Anleitungen zur Himmelsköper-Fotografie. Vielleicht interessieren dich auch folgende Artikel:

 

 

 

Und jetzt auf mit dir, geh den Mond einfangen!

 

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