ISO Wert in der Fotografie – Einfach erklärt mit praktischen Tipps

Der ISO Wert deiner Kamera ist eine der drei wichtigsten Kameraeinstellungen in der Fotografie. Er kann das Aussehen und sogar die Wirkung deiner Bilder stark beeinflussen. Was ist der ISO Wert genau und wie wirkt er sich auf deine Bilder aus? Gut, dass du dich als Fotografie Anfänger damit beschäftigst. Ein wichtiger erster Schritt. In diesem Artikel erkläre ich dir was ISO ist und wie du es effektiv einsetzen kannst, um mit deiner Kamera bessere Ergebnisse zu erzielen.

ISO Werte Kamera Erklärung

ISO Wert in der Fotografie einfach erklärt.

Was ist der ISO Wert?

Einfach gesagt ist der ISO eine Kamera-Einstellung, die deine Fotos aufhellt oder abdunkelt. Wenn du den ISO erhöhst, werden deine Bilder heller. Wenn du ihn verkleinerst, werden sie dunkler. Dadurch kann der ISO bei Aufnahmen in dunkler Umgebung sehr nützlich sein. Er ermöglicht dir auch, verschiedene andere Einstellungen wie die Verschlusszeit und die Blende flexibler einzustellen. Mehr dazu aber später. Auf unserem Beitrag übers Fotografieren lernen bekommst du übrigens einen guten Überblick, und kannst dann in verschiedene Themen wie eben ISO eintauchen.

ISO Werte deiner Kamera

Der ISO Wert ist abgestuft. In den meisten Kameras ist der kleinste ISO Wert gleich 100. Es gibt aber auch welche, die bereits bei 50 starten. Jede Kamera hat einen anderen ISO-Wertebereich (manchmal auch als ISO-Empfindlichkeit bezeichnet), den du verwenden kannst. Danach verdoppelt sich der einstellbare Wert jeweils, wodurch sich eine Reihe ergibt mit der Folge:

  • ISO 100 (tief), 200, 400, 800, 1600, 3200, 6400 (hoch)

Die Bedeutung dieser Zahlen ist dabei ganz einfach: Wenn du den ISO verdoppelst, verdoppelt sich die Helligkeit des Bildes. Ein Bild mit dem ISO 400 ist also unter ceteris paribus doppelt so hell wie ein Bild mit dem ISO 200. Irgendwann ist dann aber auch Schluss. Im folgenden Bild siehst du, wie stark sich das Bild verändert, wenn man den ISO von 100 auf 1600 erhöht:

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Vergleich ISO 100 bis ISO 1600, Florenz IT (@Claudio Fleischmann)

Ist ein hoher ISO Wert also besser?

Nein. Im Gegenteil. Das Erhöhen des ISO bringt immer auch Konsequenzen mit sich. Ein Foto mit einem hohen ISO Wert enthält eine starke Körnung, die als „Bildrauschen“ bezeichnet wird. Ein Bild mit zu starkem Bildrauschen kann möglicherweise nicht mehr verwendet werden. Das Aufhellen eines Bildes durch Erhöhung der ISO Einstellung ist daher immer ein Kompromiss. Falls irgendwie möglich, solltest du für die Anpassung der Helligkeit immer zuerst versuchen die Verschlusszeit zu erhöhen, oder die Blende weiter zu öffnen, um bessere Ergebnisse zu erzielen. In manchen Situationen ist das aber leider nicht möglich. Zum Beispiel, wenn ein Objekt durch längere Belichtungszeit unscharf wird. Dazu aber später mehr.

ISO Definition in der Fotografie

Das Kürzel „ISO“ steht für „International Organization for Standardization„, auf Deutsch „Internationale Organisation für Normierung“. Der ISO der Kamera verweist jedoch nicht direkt auf diese Organisation, die verschiedene Standards in der Technologie und der Forschung schafft. Vor dem ISO Wert gab es zwei andere Normen: ASA und DIN. Im Jahr 1974 wurden diese dann zur ISO-Norm zusammengeführt. Obwohl die ISO-Norm ursprünglich nur die Filmempfindlichkeit definierte, wurde sie später von Herstellern von Digitalkameras mit dem Ziel übernommen, ähnliche Helligkeitsstufen wie bei den Filmen beizubehalten. Diese Norm wird seither sowohl in der Foto- als auch in der Videografie verwendet. Habe ich dein Interesse an der Geschichte der Fotografie geweckt?

Welchen ISO Wert wann verwenden

Viele Fotografen wissen grundsätzlich, was der ISO ist. Sie sind sich aber trotzdem oft nicht sicher, welchen ISO-Wert sie tatsächlich beim Fotografieren wählen sollen. In der Praxis gibt es einen Grund, warum eine Kamera so viele ISO-Einstellungen zulässt: Unterschiedliche Situationen erfordern unterschiedliche ISO-Werte. Nachfolgend findest du einige Szenarien, auf die du  möglicherweise einmal stossen könntest. Vorab eine ganz einfache Übersicht mit der ISO Werte Tabelle, welche du dir noch einfach im Kopf merken kannst.

ISO Wert Tabelle

Tageszeit / Lichtart ISO Bereich Empfohlener ISO Wert
A) Grelles Licht / Gute Ausleuchtung Tief (Base ISO) 50
B) Helles / Normales Tageslicht Tief 100 – 200
C) Bedeckter Himmel / Dämmerung Mittel 400 – 800
D) Nachts oder in dunklen Innenräumen Hoch 1600 – 6400 – High ISO

Schauen wir uns diese Wertebereiche etwas genauer an. Wie kannst du die Bereiche in der ISO Werte Tabelle nun richtig anwenden?

A) „Base ISO“ bei guter Ausleuchtung

Der sogenannte „Base ISO“ ist der niedrigste ISO, mit dem deine Kamera Bilder aufnehmen kann. Dieser spielt in der Fotografie aus zwei Gründen eine sehr wichtige Rolle:

Erstens haben die mit ihm aufgenommenen Bilder die bestmöglichste Bildqualität und zweitens kann man mit ihm das Bildrauschen so minimal wie möglich halten. Einige ältere DSLR-Kameras und eine kleine Auswahl von modernen, wie zum Beispiel die Fuji X-T2, haben einen Base ISO von 200. Die Anderen haben praktisch immer einen Base ISO von 100.

Im Optimalfall solltest du deine Bilder also mit dem Base ISO aufnehmen, um die beste Bildqualität zu erhalten. Dies ist jedoch nicht immer möglich, insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen.

B) „Tiefer ISO“ bei Ausreichend Umgebungslicht

Wie oben bereits erklärt, solltest du versuchen, grundsätzlich den niedrigsten ISO (Base-ISO) deiner Kamera zu verwenden. Normalerweise also ISO 50 oder 100. Wenn viel Umgebungslicht vorhanden ist, kannst du einen niedrigen ISO-Wert verwenden und so das Auftreten von Rauschen so gering wie möglich halten. Licht ist das A und O in der Fotografie. Deshalb solltest du dich auch möglichst bald mit den 8 verschiedenen Lichtarten vertraut machen.

C) „Mittlerer ISO“ bei unzureichendem Umgebungslicht

Du merkst schnell, wenn deine Bilder etwas zu dunkel werden. Nähere dich also von tiefem ISO Wert immer weiter an, bis dein Bild die richtige Helligkeit hat. Im Bereich von 400-800 ISO kannst du immer noch bedenkenlos fotografieren – denn die Körnung beginnt erst ab diesem oberen Bereich von 800 – 1600. Dieser ISO Bereich wird oft auch in der Sportfotografie oft verwendet. Die sich schnell bewegenden Motive muss man mit einer sehr kurzen Verschlusszeit fotografieren, damit das Motiv scharf bleibt. Kurze Verschlusszeit bedeutet, dass weniger Licht auf den Sensor gelangt. Genau hier hilft dieser ISO Bereich wunderbar. Er kann also auch angewendet werden, wenn eigentlich genug Licht vorhanden, aber gleichzeitig extrem schnelle Verschlusszeiten gefordert sind.

D) „Hoher ISO“ bei Nacht oder dunklen Räumen

In der Abenddämmerung nimmt das menschliche Auge bereits weniger Licht wahr. Sehr hohe ISO Werte bei Vollformat-Kameras wie der Canon 5D erlauben es einem, über diese Grenzen hinauszugehen und praktisch im Dunkeln (natürlich ohne Blitz) zu fotografieren. Der Sensor wird mit einem extrem hohen ISO Wert (z.B. 51200) derart eingestellt, dass dieser immer noch Rest-Licht aufnehmen kann, welches für uns nicht mehr sichtbar ist. Ähnlich wie in der Infrarotfotografie. Sei aber vorsichtig mit derart hohen ISO Werten. Auf deinem Kamera-Display wirst du die Körnung nie gleich wahrnehmen wie auf dem Bildschirm zuhause. Professionell fotografieren kannst du dunklen Räumen mit günstigen Objektiven nicht mehr. Da hilft dann auch ISO nichts mehr. Einzig ein Lichtstarkes Objektiv lässt dich noch weiter fotografieren. Vergleichbar mit einem Allrad-Auto, wenn alles anderen am Berg stehen bleiben. 🙂

X) High und Low-ISO Werte

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Einige Kameras haben erweiterte Einstellungen für den ISO. Die sogenannten High und Low ISO Werte. Diese gehen über den von der Kamera abgedeckten ISO-Bereich hinaus. Meistens werden bei diesen jedoch nur die Bilder von der Kamera aufgehellt oder abgedunkelt. Dadurch verliert das Bild an Qualität. Deshalb empfehlen wir dir, diese Bereiche/Einstellung nicht zu benutzen.

Auto-ISO

Bei den meisten Kameras gibt es eine Auto-ISO-Einstellung, die in Umgebungen mit schlechten Lichtverhältnissen meist hervorragend funktioniert. Das Schöne an dieser Einstellung ist, dass du den maximalen ISO-Wert eingeben kannst den du verwenden möchtest. Die Kamera wird diesen Grenzwert dann nicht überschreiten. Ich persönlich setze ich meine maximale ISO auf etwa ISO 800 oder 1600, wenn ich das Bildrauschen in einem Foto einschränken möchte. Der Nachteil ist, dass die Kamera zunehmend längere Verschlusszeiten verwendet, wenn sie diese ISO-Grenze erreicht hat. Dies führt dann wiederum zu mehr Bewegungsunschärfe. So gesehen ist also alles ist ein Kompromiss und du solltest deine Bilder laufend auf dem LCD kontrollieren, nicht dass zuhause dann die grosse Überraschung folgt.

ISO als Ausgleich zur Blende & Verschlusszeit

fotografieren lernen belichtungs-triangel

Belichtungsdreieck. Diese Grössen haben Einfluss auf die Helligkeit deines Bildes.

Eigentlich haben wir gelernt, dass bei wenig Licht ein hoher ISO notwendig ist und umgekehrt. Das stimmt grundsätzlich. Aber nicht nur der ISO Wert nimmt Einfluss auf die Helligkeit des Bildes, sondern auch die Verschlusszeit und die Blende. Auf der obigen Infografik mit dem Belichtungsdreieck wird das schnell ersichtlich.

Es gibt also drei Wege, wie du ein Bild heller fotografieren kannst.

  • Mit einer offenen Blende (z.B. f/2.8). Durch die grössere Öffnung kann mehr Licht einfallen und das Bild wird so stärker belichtet. Der zweite Effekt der Blende ist die Schärfentiefe. Je offener die Blende, desto verschwommener ist der Hintergrund. Alles zur Blende kannst du hier nachlesen.
  • Durch eine längere Verschlusszeit. Wenn der Verschluss länger offen bleibt (z.B. 1/50 Sekunde), dann fällt über einen längeren Zeitraum Licht auf den Sensor. Ein Beispiel mit Bild findest du gleich nachfolgend.
  • Durch einen höheren ISO Wert. Aber das weisst du ja nun bereits.

Es gibt wie du siehst verschiedene Wege für ein helles Bild und damit auch die Möglichkeit, den ISO Wert tief zu halten. Selbst in dunklen Umgebungen kannst du einen niedrigen ISO-Wert verwenden. Zum Beispiel, wenn du deine Kamera auf einem Stativ montierst oder auf eine stabile Unterlage stellst. In diesem Fall kannst du einen niedrigen ISO-Wert verwenden und dein Foto stattdessen über eine lange Belichtungszeit aufhellen, da das Bild mit dem Stativ nicht verwackelt. Mit der Kamera in der Hand kannst du nur bis zu einer bestimmten Verschlusszeit fotografieren, bevor das Bild unscharf wird. Lies dazu den Artikel zur Freihandgrenze.

Lange belichten bedeutet, dass der Verschluss lange offen gehalten wird und damit über einen längeren Zeitraum Licht auf den Sensor fällt. Sei jedoch vorsichtig bei langer Belichtung, da bewegte Motive wie unten dargestellt damit einen Schleier ziehen können:

ISO Kamera Geist Langzeitbelichtung Tiefer ISO

„Geister“ durch eine lange Belichtung (@isaw, unsplash)

Ein hoher ISO ist nicht immer umgänglich

Auch wenn es besser ist, einen niedrigen ISO zu verwenden, kommt man manchmal nicht um das Erhöhen des ISO-Wertes herum. In vielen Fällen ist es sogar erforderlich, um überhaupt ein brauchbares Bild aufzunehmen. Der einfache Grund ist, dass du häufig gegen Bewegungsunschärfe kämpfst. Das heisst, lange belichten ist keine Option, da sonst alles verschwommen wäre. Du wirst also gezwungen, zwischen einem scharfen Foto mit hohem ISO oder einem unscharfen Foto mit niedrigem ISO zu wählen. Schau dir das folgende Bild an:

ISO Kamera fliegende Vögel

Fliegender Vogel mit hohem ISO Wert (@AS R, pexels)

Dieses Bild wurde mit ISO 4000 aufgenommen und ist deshalb etwas körnig. Doch wie hätte das Bild ausgesehen, wenn der Fotograf es mit ISO 100 und dafür einer längeren Verschlusszeit (zum Beispiel mit 1/50 Sekunde) aufgenommen hätte? Ein Foto mit diesen Einstellungen hätte eine Menge unerwünschte Bewegungsunschärfe mit sich gebracht. Kurz gesagt, hätte der Fotograf das Bild dadurch ruiniert.

Die Quintessenz

Die Quintessenz ist, dass du den ISO erhöhen solltest, wenn nicht genug Licht für die Kamera vorhanden ist um ein scharfes, helles Foto auf andere Weise aufzunehmen. Wenn ich ohne Stativ in Innenräumen ohne Blitz fotografiere, stelle ich die ISO-Empfindlichkeit immer auf einen höheren Wert ein.

ISO Kamera Einstellung

Der Weg zur ISO Kamera Einstellung kann von Kamera zu Kamera stark variieren. Nachfolgend ein paar gängige Wege, den ISO deiner Kamera zu ändern.

ISO Kamera Knopf Canon

ISO-Knopf bei einer Canon DSLR (@sharegrid, unsplash)

  • Zuerst musst du die Kamera in einen Modus stellen, bei dem du den ISO überhaupt manuell einstellen kannst. Verlasse dafür den Automatikmodus und wechsle entweder komplett in den manuellen Modus. Alternativ kannst du einen Modus wählen, bei welchem du den ISO selbst einstellen kannst und die Kamera die beiden anderen Werte (Blende und Belichtungszeit) automatisch einstellt. Diese Modi heissen Verschlussprioritätsmodus, Blendenprioritätsmodus oder Programmautomatik. Ich bevorzuge in der Regel den Blendenprioritäts- oder den manuellen Modus.
  • Bei Kameras der Einsteigerklasse musst du wahrscheinlich ein Einstellungsmenü oder ein Schnellmenü öffnen. Dort sollte es dann ein Abschnitt für den ISO haben. Da kannst du dann den gewünschten Wert wählen oder den automatischen ISO aktivieren.
  • Kameras der Mittel- und Oberklasse haben oft einen eigenen Knopf, um den ISO-Wert anzupassen. Dafür musst du diesen Knopf drücken oder gedrückt halten und gleichzeitig an einem Rad der Kamera drehen. Wenn deine Kamera jedoch keinen Knopf mit der Beschriftung „ISO“ hat, kannst du in den Kameraeinstellungen wahrscheinlich einen Knopf als ISO-Taste programmieren.
  • Es gibt allerdings auch Kameras, die dediziert ein Rad haben, mit dem man den ISO-Wert anpassen kann.

Wenn du dir trotzdem noch nicht sicher bist, wie du den ISO bei deiner Digitalkamera einstellen kannst, hilft dir das Handbuch oder die Bedienungsanleitung deiner Kamera sicher weiter. Es lohnt sich auf jeden Fall, dass du den sicheren Umgang mit der ISO Einstellung übst. Oft musst du in der Lage sein, diesen Wert innert kürzester Zeit anzupassen – insbesondere wenn du bei schlechten Lichtverhältnissen ohne Stativ oder Blitz fotografierst.

Bildrauschen

Wie vorhin bereits erwähnt, tritt bei einem Foto mit einem hohen ISO-Wert ein sogenanntes Bildrauschen auf. Lies hier nach, wie du Bildrauschen vermeiden oder in der Nachbearbeitung entfernen kannst. Je höher der ISO Wert, desto wahrscheinlicher ist es, dass das Foto körnig wirkt. Dieses Körnige wird auch als Helligkeits- oder Luminanzrauschen bezeichnet, welches ca. ab ISO 400 erkennbar wird. Trotz des Rauschens kann das Bild aber scharf und richtig belichtet sein – resp. die richtige Helligkeit haben. Die meisten Fotografen nehmen lieber ein etwas körniges und scharfes Bild in Kauf, statt ein zu dunkles und unscharfes Bild. Zudem kann das Rauschen später während der Bildbearbeitung mit einem Grafikprogramm wie Photoshop mit Filtern reduziert werden (Anleitung dazu weiter unten).

Beispiel Luminanzrauschen

Um dir einen Eindruck zu vermitteln, wie Bildrauschen aussieht, habe ich zwei Bilder aufgenommen. Die Motive darauf sind identisch. Jedoch habe ich beim Ersten den ISO 100 und beim Zweiten den ISO 800 verwendet. Die Helligkeitsunterschiede habe ich bei der Aufnahme mit der Belichtungszeit korrigiert, sodass die Bilder auf den ersten Blick vergleichbar bleiben:

ISO Kamera Vergleich Bildrauschen

Starkes Bildrauschen im 2. Bild, Zürich (@Claudio Fleischmann)

Und genau aus diesem Grund solltest du hohe ISO-Werte wenn möglich vermeiden. Siehst du auch die farblichen Unterschiede? Beim hohen ISO Wert wirkt das Bild blasser. Da der Dynamikumfang des Sensors mit einem hohen ISO Wert sinkt, verschlechtert sich auch der Kontrast und die Farbintensität, was auch als Farbrauschen bezeichnet wird.

Nachteile des Rauschfilters in der Kamera

Einige Kameras haben einen integrierten Rauschfilter, welcher das Rauschen bereits auf der Kamera reduziert. Grundsätzlich eine nette Hilfe, die aber mit Vorsicht zu geniessen ist. Die Kamera speichert meist ein Bild in JPEG ab, falls du nicht nur in RAW fotografierst. JEPG ist ein Bildformat, welches bereits komprimiert ist, um Platz zu sparen. Um ein Bild zu komprimieren werden unter anderem Pixel mit ähnlichen Informationen zusammengefasst. Existiert ein Rauschen auf dem Bild durch einen hohen ISO Wert, dann verstärkt sich dieser Komprimierungs-Effekt noch weiter, da sich die Pixel bei „Rauschen“ eben bereits weniger unterscheiden.

ISO Kamera Titelbild

Bildrauschen mit hohem ISO, St. Gallen (@Claudio Fleischmann)

Bildrauschen entfernen mit Photoshop

In Photoshop findest du unter „Filter“ > „Rauschfilter“ die beiden Optionen „Rauschen entfernen“ und „Rauschen reduzieren“. Wo liegt der Unterschied? Wählst du Rauschen entfernen, so wird der Effekt sofort angewendet. Damit hast du keine weitere Einstellmöglichkeit. Dieser Schnelleffekt eignet sich eher bei Bildern mit wenig Details und geringem Rauschen. Bessere Resultate kannst du durch feinere Einstellungen mit dem „Rauschen reduzieren“ Regler erzielen:

  • Mit „Stärke“ wird das Luminanzrauschen gleichzeitig auf allen Bildkanälen „Rot“, „Blau“ und „Grün“ reduziert
  • Damit Kanten und Details erhalten bleiben, setzen Sie „Details erhalten“ auf 100 %
  • Mit „Farbrauschen reduzieren“ stellt man das chromatische Rauschen ein
  • Wie erwähnt kann durch den Rauschfilter die Schärfe des Bildes verloren gehen. Dem kann man mit „Details scharfzeichnen“ etwas entgegenwirken.
Rauschen Reduzieren Photoshop

Anleitung Bildrauschen reduzieren mit Photoshop.

Bildqualität maximieren

Einige Fotografen sind der Meinung, dass es für Bilder mit guter Qualität essenziell ist, dass sie mit dem tiefstmöglichen ISO aufgenommen werden. Wie oben gezeigt, ist dies jedoch nicht immer der Fall. Manchmal hat man in dunklen Umgebungen keine andere Wahl, als einen höheren ISO-Wert zu verwenden. Es gibt aber eine wunderbare Abfolge, mit welcher du sicherstellen kannst, dass du immer die optimale ISO Empfindlichkeit einstellst:

  1. Wähle die Blendeneinstellung, die dir die gewünschte Tiefenschärfe liefert.
  2. Stelle den ISO auf den Base-ISO Wert und regle die Helligkeit mit der Verschlusszeit.
  3. Wenn das Motiv unscharf ist, erhöhe die ISO-Empfindlichkeit schrittweise und verwende eine kürzere Verschlusszeit, bis die Bewegungsunschärfe verschwindet.
  4. Wenn dein ISO-Wert zu hoch wird und du immer noch die Möglichkeit hast, eine grössere Blende zu verwenden, öffne diese, bis der ISO einen besser beherrschbaren Wert erreicht. Mit der Öffnung der Blende wird der Hintergrund deines Motivs zunehmend verschwommen. Beachte diesen Fakt, falls du dir eigentlich durchgehende Schärfe wünschst.

Das ist alles, was es braucht. Wenn du diese Schritte befolgst, wird jedes deiner Bilder die maximale Bildqualität besitzen. Dadurch findest du die ideale Balance zwischen Rauschen, Bewegungsunschärfe und Schärfentiefe.

ISO Mythen und Missverständnisse

Rund um ISO Fotografie gibt es viele Mythen und Missverständnisse. In diesem Abschnitt stelle ich dir ein paar von diesen vor und stelle sie gegebenenfalls richtig.

1. „Der ISO ist die Empfindlichkeit des Sensors“

Dies ist der häufigste Mythos im Zusammenhang mit ISO. Man findet ihn überall im Internet und in Büchern. Obwohl es hilfreich sein kann, sich den ISO als eine Art Sensorempfindlichkeit der Kamera vorzustellen, ist dies in Wirklichkeit nicht der Fall. Stattdessen haben digitale Sensoren unabhängig von ihrem ISO Wert nur eine einzige Empfindlichkeit. Korrekterweise ist ISO ein Faktor um deiner Kamera mitzuteilen, wie hell das ausgegebene Foto bei einer bestimmten Belichtung sein sollte.

2. „Der ISO ist Teil der Belichtung“

Nein. Der ISO ist nicht Teil der Belichtung. Verschlusszeit und Blende erhellen dein Foto, indem sie je nach Einstellung mehr Licht auf den Sensor lassen. Der ISO hingegen macht das nicht. Stattdessen wird das bereits aufgenommene Foto aufgehellt. ISO ist also kein Bestandteil der Belichtung.

3. „Der ISO und das Aufhellen in der Nachbearbeitung sind dasselbe“

Diese Aussage müsst gemäss der vorherigen Aussage eigentlich stimmen. Es ist also eine kluge Frage – aber auch hier handelt es sich einfach um ein Missverständnis. Das Aufhellen eines Fotos in der Nachbearbeitung (hier findest du die besten kostenlosen Bildbearbeitungsprogramme) kann auf viele Arten ähnlich dem Erhöhen des ISO-Wertes erfolgen. Das Rauschen ist aber beim Aufhellen in der Nachbearbeitung besser sichtbar. Der einfache Unterschied ist, dass das Erhöhen des ISO-Werts in der Kamera fast immer eine bessere Bildqualität liefert als das Aufhellen eines Fotos in der Nachbearbeitung. Mit anderen Worten: es ist besser, bei Bedarf ISO 800 zu verwenden, als ein ISO 100-Foto mit einer Fotosoftware wie Lightroom in hohem Masse aufzuhellen.

ISO in der analogen Fotografie

In der analogen Fotografie hat man nicht den Luxus, die ISO Lichtempfindlichkeit direkt an der Kamera einzustellen. Der Fotograf muss die Lichtverhältnisse im Vornherein kennen, um den richtigen Film mit der passenden Empfindlichkeit einzulegen. Zudem muss er sich zusätzlich für einen Farb- oder Schwarz-Weiss Film entscheiden. Das kostet einiges an Flexibilität. Bei einem Wetterumschlag oder bei starker Änderung der Lichtverhältnisse müsste der Film wieder angepasst und ausgetauscht werden. Was heute ISO heisst, wurde früher übrigens DIN (Deutsches Institut für Normung) oder ANSI (American Standards Association) genannt. Die beiden Normen wurden zusammen zur ISO Einheit kombiniert.

Zusammenfassung

  • Fotografiere wenn möglich immer mit dem niedrigsten ISO Wert der deine Kamera erlaubt- dem Base-ISO.
  • Steuere die Belichtung dann mit der Blende oder der Belichtungszeit.
  • Erhöhe den ISO nur, wenn du eine schnelle Bewegung einfrieren möchtest und daher eine geringe Belichtungszeit einstellen musst.

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