Sternschnuppen fotografieren – Die 8 wichtigsten Tipps

Sternschnuppen werden deinen Fotos vom Nachthimmel eine einzigartige Note verleihen. Wenn du also deine Nachtaufnahmen unter all den anderen hervorheben möchtest, solltest du dir den nächsten grossen Meteoritenschauer im Kalender markieren und deine Nachtaufnahmen mit ein paar Sternschnuppen erweitern. Wir teilen mit dir unsere besten Tipps zur Sternschunppenfotografie. Bereit?

Sternschnuppen Titelbild

Sternschnuppe am Nachthimmel (@Neale LaSalle, pexels)

Es gibt nur wenige Dinge, die deine Astrofotografie auf eine so einzigartigere Weise verbessern, wie ein heller Sternschuppenstreif durch das Bild. Es ist jedes mal ein tolles Gefühl, wenn man „glücklicherweise“ eine Sternschnuppe fotografieren konnte. Leider ist es generell unmöglich, Sternschnuppen mit irgendeiner Genauigkeit vorherzusagen. Trotzdem kannst du ein paar Dinge tun, um deine Chancen zu erhöhen.

Was ist eine Sternschnuppe überhaupt?

Eine Sternschnuppe ist eigentlich gar kein Stern. Sie ist ein Meteor, der mit hoher Geschwindigkeit auf die Erdatmosphäre trifft und verbrennt. Der brennende Teil ist der Teil, den wir sehen und dementsprechend fotografieren. Diese Meteore beginnen im Weltraum als interplanetare Trümmer. Wenn sie sich durch die Atmosphäre bewegen, können sie manchmal verschieden farbig aussehen, was sie noch fotogener macht. Gelegentlich können Meteore den Eintritt in die Atmosphäre überleben und als Meteoriten auf die Erdoberfläche treffen. Aber man muss sich deshalb keine Sorgen machen. Dies geschieht sehr selten und es ist viel wahrscheinlicher, dass ein Meteor auf unbewohnten Teilen der Welt (normalerweise in einem der Ozeane) und nicht an deinem Standort landet.

Sternschnuppen Meteor Krater

Luftbild des Barringer-Kraters (@Wikipedia)

Das soll aber nicht heissen, dass es völlig unmöglich ist, dass du getroffen wirst. Im Jahr 2013 verletzte der Knall des Aufpralls eines Meteoriten Hunderte von Menschen in der Region Tscheljabinsk in Russland. Und 1954 wurde Ann Hodges aus Sylacauga, Alabama, USA, direkt von einem fallenden Meteoriten getroffen. Sie überlebte diesen Unfall jedoch. Dies ist bis anhin auch der einzige bekannte Fall, bei dem ein Mensch direkt von einem Meteoriten getroffen wurde.

Meteoritenschauer als Sternschnuppen fotografieren

Sternschnuppen fotografieren gelingt am besten während einem aktiven Meteoritenschauer. Meteorschauer sind periodische Erhöhungen der Meteoraktivität. Sie werden durch Spuren von Schutt verursacht, die von Asteroiden hinterlassen werden, während sie die Sonne umkreisen. Diese Trümmer durchqueren die Umlaufbahn der Erde und die damit verbundenen Schauer neigen dazu, immer etwa zur gleichen Zeit im Jahr ihren Höhepunkt zu erreichen. Einer der beliebtesten Meteoritenschauer jedes Jahr ist der Perseiden Meteoritenschauer, der Mitte August seinen Höhepunkt erreicht.

Ein weiterer massiver Meteoritenschauer findet jeweils Mitte Dezember (was für die meisten von uns wärmere Kleidung erfordert) statt. Dieser hat meistens das Potenzial, die Perseiden vom Sommer zu überbieten. Er ist der Meteoritenschauer der Geminiden. Die Geminiden haben den Vorteil, dass sie kurz nach Sonnenuntergang in einer guten Position sind, sodass du nicht bis in die frühen Morgenstunden aufbleiben musst, um die besten Teile zu fotografieren. Jede dieser Meteoritenschauer hat das Potenzial, mehr als 100 Sternschnuppen pro Stunde zu produzieren. Die American Meteor Society hat eine grosse Liste von einigen der aktivsten Meteoritenschauer in 2017 erstellt.

Die Richtung von Meteoritenschauern

Jeder Meteoritenschauer ist nach dem Sternbild benannt, aus dem er stammt. Dies gibt uns eine grobe Richtung, in die wir unsere Kameras richten sollten. Jedoch ist dies nur eine Faustregel, da die Sternschnuppen an jedem Punkt des Himmels auftauchen können. Im Jahr 2015 war ich mit einer Gruppe von Menschen unterwegs, um die Perseiden zu fotografierten. Einige meiner besten Meteoritenaufnahmen entstanden, indem ich die Kamera in die entgegengesetzte Richtung des Sternbildes Perseus gestellt habe.

Sternschnuppen Meteoritenschauer

Die Software Stellarium zeigt die Richtung der Meteoritenschauer (gelb) am Himmel im Dezember 2017. (@Claudio Fleischmann, pixolum)

Benötigte Ausrüstung um Sternschnuppen zu fotografieren

Wenn du Meteoriten fotografieren willst, benötigst du natürlich eine Kamera. Da fast jede Kamera einen hellen Meteoriten aufnehmen kann, kannst du ein Setup wählen, dass du auch für die Landschaftsfotografie benutzen würdest.

Die Kamera

Zum Sternschnuppen fotografieren, kannst du mit einer Wechselobjektivkamera (DSLR oder DSLM) beginnen. Neuere Kameras verfügen eher über Sensoren, die in Bezug auf hohe ISO-Leistung und Rauschunterdrückung besser sind. Die letzten paar Male als ich versucht habe, Sternschnuppen zu fotografieren, konnte ich mich auf meine Canon 70D und meine Canon 6D Mark I verlassen.

Das Objektiv

Zunächst solltest du über ein Weitwinkelobjektiv verfügen, das eine grosse Blende hat (f/2,8 oder grösser). Die Meteore bewegen sich oft schnell und sind manchmal ziemlich schwach. Ich habe drei Samyang Objektive, die ich immer verwende, um Sternschnuppen zu fotografieren. Das 16 mm f/2.0 (nur APS-C), das 24mm f/1.4 und das 14mm f/2.8.

Ein Objektiv, das ich das nächste Mal ausleihen werde, ist das Sigma 14mm f/1.8 ART. Dieses Objektiv würde dazu beitragen, die eher schwachen Sternschnuppen aufzuhellen und die „Trefferquote“ der Sternschnuppen zu erhöhen. Die 14 mm-Brennweite ist auch für diese Art der Fotografie sehr attraktiv, da sie einen grossen Teil des Himmels auf einmal abdeckt und damit die Chancen erhöht, Sternschnuppen fotografieren zu können.

Anderes Zubehör

Es gibt noch einige andere Dinge, die dir dabei helfen können, Sternschnuppen zu fotografieren. Ein robustes Stativ ist hilfreich, da die Belichtungszeiten lang sind. Ebenfalls hilfreich ist ein kabelgebundener Intervallometer oder ein einfacher Auslöser, der den Verschluss verriegelt, um eine Aufnahme nach der anderen aufzunehmen. Einige Kamerasysteme haben einen Intervallometer eingebaut. Zusätzlich hilfreich:

  1. Weitere Kamerabatterien
  2. Handwärmer (die um die Linse in der Nähe des vorderen Elements gewickelt werden können, um die Bildung von Tau zu verhindern)
  3. ein bequemer Campingstuhl

Kameraeinstellungen

  • Blende: f/1.4
  • ISO: 6400 – 12800
  • Belichtungszeit: 30 Sek.
  • Objektiv: Weitwinkel
Sternschnuppen Sternschnuppe

Sternschnuppe (@Lukas Hartmann, pexels)

Die Verschlusszeit für Astrofotografie

Die Verschlusszeit wird ziemlich ähnlich sein wie die bei Aufnahmen der Milchstrasse oder ähnlichen Nachtaufnahmen. Oftmals kann es gut aussehen, Sternenspuren als Teil des endgültigen Bildes zu haben. Also zögere nicht, eine längere Belichtungszeit einzustellen. Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit 30 Sekunden gemacht. Wenn du allerdings keine Sternenspuren in deinen Bildern haben möchtest, kannst du die beliebte 600er-Regel verwenden, bei der du 600 geteilt durch deine effektive Brennweite rechnest, um die Verschlusszeit zu erhalten. Jedoch muss man aber auch sagen, dass die 600er-Regel bei genauerer Betrachtung oft scheitert.

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Wenn du grossformatig drucken willst, solltest du vielleicht ein wenig über die NPF-Regel recherchieren, die Sensorgrösse, Pixelgrösse, Pixelanzahl und Deklination (wo am Himmel deine Kamera ausgerichtet ist) berücksichtigt. Diese Zeiten sind oft viel kürzer als die 600er-Regel vermuten lässt. Wenn du aber noch zuverlässigere Ergebnisse möchtest, hilft dir unser Liste mit den besten Fotografie Apps.

Blende

Die Blendenöffnung ist eine sehr wichtige Einstellung. Oftmals sind Meteore schwach. Da du sie aber dennoch auf deinem Bild haben möchtest, ist mein Vorschlag, die grösste Blende zu verwenden, die dir zur Verfügung steht. Deshalb habe ich soeben mein eigenes Interesse am Sigma 14mm f/1.8 erläutert.

Die richtige Technik

Die Technik für diese Art von Fotografie ist sehr einfach. Stelle zuerst eine Vermutung an, wo die Meteore fallen werden. Beginne dann mit der Aufnahme von Bildern. Mache einfach eine Aufnahme nach der anderen und warte, bis eine Sternschnuppe darin auftaucht. Wie bereits erwähnt, werden längere Belichtungen verwendet. Gehe nach draussen, während diese Schauer aktiv sind und suchen dir einen dunklen Ort, um zu Fotografieren. Der Mond kann die Schauer stören, aber es ist immer noch sehr gut möglich, eine helle Sternschnuppe zu sehen und zu fotografieren.

Meine Lieblingstechnik

Eine meiner Lieblingstechniken ist es, zwei Kameras parallel laufen zu lassen. Eine wird in die Richtung des Sternbildes gerichtet, aus der die Meteore kommen sollen und macht eine Aufnahme nach der anderen – genau wie beim Erfassen von Sternenspuren. Nebenbei nutze ich die zweite Kamera, um verschiedene Kompositionen zu sammeln. Dadurch kann man die Bilder aufnehmen, die die anderen Fotografen auch machen. Zusätzlich fotografiert man aber eventuell auch andere Sternschnuppen, die die anderen Fotografen nicht sehen.

Besondere Aufmerksamkeit solltest du auf den Bildausschnitt legen. Es besteht die Versuchung, deine Kamera in Richtung des letzten Meteoriten zu richten. Wenn du dies machst, folgt in der Regel ein Meteor, der durch den Teil des Himmels streift, den du in deiner vorherigen Komposition abgedeckt hättest. Ich habe schon viele frustrierte Menschen gesehen, die genau diesen Fehler gemacht haben.

Ist das eine Sternschnuppe?

Oft sehe ich jubelnde Leute, die vermeintlich gerade eine Sternschnuppe fotografiert haben. Jedoch ist es sehr wahrscheinlich, dass sie etwas ganz anderes aufgenommen haben. Der häufigste Irrtum ist die Verwechslung eines Sterns mit einem gewöhnlichen Flugzeug.

Sternschnuppen Ist das eine?

Flugzeug vs. Sternschnuppe (@@lucamicheli, unsplash)

Weitere Irrtümer sind Satelliten im Orbit. Einige davon – insbesondere die der Internationalen Raumstation – können sehr hell sein und sind leicht mit Sternschnuppen verwechselbar.

Sternschnuppen ISS

Die ISS am Himmel von Deutschland (@dilucidus, unsplash)

Auch oft mit Sternschnuppen verwechselt werden Iridium-Flares. Nachdem du ein Foto von einem gesehen hast, wirst du es sofort verstehen. Iridium-Flares werden durch Sonnenlicht verursacht, das von der Antenne von einem der vielen Iridium-Satelliten (Kommunikationssatelliten) reflektiert wird. Von blossem Auge gesehen, sind diese leicht von Sternschnuppen zu unterscheiden, da sie sich viel langsamer bewegen. Aber auf einem Foto sehen sie sich wirklich sehr ähnlich. Das sehr coole an diesen Leuchtfeuern ist, dass man sie mit grosser Genauigkeit vorhersagen kann.

Sternschnuppen Iridium Flare

Iridium Flare (@Wikipedia)

Zusammenfassung zum Sternschnuppen fotografieren

Sternschnuppen fotografieren erfordert etwas Glück. Beachte aber folgende Punkte, um deine Chancen zu erhöhen:

  • Fotografiere während eines Meteoritenschauers (zum Beispiel die Perseiden im August oder die Geminiden im Dezember).
  • Finde einen dunklen Ort und hoffe, dass der Mond nicht stört.
  • Richte deine Kamera auf die Sternbilder, aus der die Meteore kommen sollen.
  • Verwende ein Weitwinkelobjektiv (14 mm funktioniert hervorragend).
  •  Mache Langzeitbelichtungen mit der grössten (offenen) Blende.
  • Scheue dich nicht davor, hohe ISO-Werte zu verwenden, um die Meteore aufzuhellen.
  • Wenn möglich, versuche mit zwei Kameras gleichzeitig zu fotografieren.
  • Verwende Drahtauslöser oder Intervallometer, damit die Kamera ständig Fotos aufnimmt.
pixolum
Über den Autor

Patrick ist der Gründer von pixolum und versorgt dich seit 2012 mit spannendem Fotografie-Stoff. Neben seiner Leidenschaft für Kameras & Design unterstützt er kreative Köpfe beim Aufbau ihres Business. Er trinkt jeden Tag 7 Kaffees aus der pixolum Tasse, ist absoluter SEO Nerd und beginnt mehr, als er zu Ende bringen kann.

0 Gedanken und Fragen

Hinterlasse deine Meinung und Fragen

 

Magst du diesen Beitrag?