Bildausschnitt festlegen | 6 Methoden für die beste Bildwirkung

In der Regel erfolgt das Festlegen eines Bildausschnitts in der Nachbearbeitung. Du kannst das Bild aber auch schon direkt auf der Kamera zuschneiden. Wie geht das? Das erfährst du in diesem Artikel. Ich werde dir nämlich sechs Methoden vorstellen, wie du einen optimalen Bildausschnitt festlegen kannst.

Bildausschnitt festlegen Rahmen

Setze mit einem Bildausschnitt verschiedene Elemente ganz bewusst in Szene.

Warum ist der Bildausschnitt so wichtig?

Bilder zuzuschneiden und einen passenden Bildausschnitt zu finden, ist ein wichtiger Bestandteil der Fotografie. Wenn du an Workshops und Kursen zum Thema Fotografie teilgenommen hast, ist dir das „Cropping“ sicherlich schon ein Begriff. Das Zuschneiden eines Bildes auf deiner Kamera führt zu gut komponierten Fotos und verkürzt deine Zeit in der Nachbearbeitung der Bilder.

Du wirst in deiner Fotografie-Karriere immer weider Bilder bearbeiten müssen. Manche Fotos haben möglicherweise störende Elemente im Hintergrund oder vielleicht entspricht die Komposition nicht deinen Vorstellungen. Besonders beim Fotografieren von Porträts kann schon das kleinste Detail die Aufmerksamkeit des Betrachters auf etwas Anderes lenken. Deshalb ist die Festlegung des Bildausschnitts so entscheidend.

Bevor du „drauflosschnippselst“

Erinnerungen sind kostbar und sollten aufbewahrt werden. Bevor du fleissig mit dem Cropping beginnst, solltest du die folgenden Punkte im Hinterkopf behalten:

1. Point of No Return

Es gibt verschiedene Programme, in denen du einen Bildausschnitt festlegen kannst. Hierbei ist wichtig, dass du eine Plattform benutzt, auf der du immer wieder zum Originalbild zurückkehren kannst. Bist du nämlich nicht zufrieden mit deinen Änderungen, kannst du diese immer wieder rückgängig machen.

Luminar, Lightroom und Photoshop eignen besonders gut, um deine RAW Files (die digitalen Negative) zu bearbeiten. Die ursprüngliche RAW-Datei änderst du damit nicht. Aber auch da empfehle ich dir, eine Kopie zu machen. Natürlich bevor du das zugeschnittene Bild speicherst. Welches Programm wähle ich? Das erfährst du in den folgenden Artikel:

2. Seitenverhältnisse

Willst du das zugeschnittene Foto später drucken lassen, so sollte das Seitenverhältnis deines Zuschnitts den Druckgrössen entsprechen. Druckereien ziehen es oft vor, mit Standarddruckgrössen zu arbeiten. Dies kann den Zuschnitt deines Bildes ein wenig einschränken, hat aber dennoch seine Vorteile (mehr dazu später).

3. Grösse des Bildbereiches

Vermeide es, Fotos auf kleine Bildbereiche zuzuschneiden. Denn das verringert die Auflösung deines Bildes erheblich. Mit dem Zuschneiden vergrösserst du einen Bildausschnitt und somit alle „Fehler“, die sich in diesem Teil eingeschlichen haben. Dazu ein Beispiel: Hast du ein wenig Unschärfe auf deinem Bild, wird diese Unschärfe nach dem Zuschneiden noch stärker vergrössert und somit besser sichtbar. Sei also bitte vorsichtig, speziell auch bei Bildern mit hohem Bildrauschen.

Ein Beispiel. Im oberen Bild siehst du keine Unschärfen. Im unteren Bild habe ich einen sehr kleinen Ausschnitt zugeschnitten. Nun sieht das Bild schon bei dieser kleinen Grösse sehr unscharf aus. Vergrösserte ich das Bild noch weiter, würde man schlussendlich keine klaren Strukturen mehr erkennen.

Bildausschnitt Unschärfe vorher

Vor der Bearbeitung.

Bildausschnitt Unschärfe nachher

Nach der Bearbeitung.

4. Kleine Bildbereiche

Nehmen wir einmal an, dass du dennoch einen Bildausschnitt festlegen möchtest, der extrem klein ist. Beginne in diesem Fall am besten mit einem Bild, das bei Vollbildansicht 100% scharf ist. Wenn das Bild rauschfrei und sehr scharf ist, kannst du es auf Pixelebene zuschneiden. Dabei musst du dir keine Sorgen machen, dass die Qualität des Endbildes beeinträchtig ist.

Die Mathematik hinter dem Zuschneiden

Bevor wir uns zu sehr in die Kunst des Zuschneidens vertiefen, müssen ein paar grundlegende Prinzipien der Zuschneide-Technik geklärt werden. Dafür brauchst du grundlegendes Verständnis zum vieldiskutierten Thema Megapixel. Hier die wichtigsten Fakten:

  • Die meisten modernen Digitalkameras verfügen über 16 bis 24 Megapixel.
  • Mobiltelefone haben in der Regel etwa 12 und einige sehr teure DSLRs haben 36 – 100 Megapixel.
  • Im Folgenden werde ich hier 20 Megapixel als Basis für die Erklärungen verwenden.

Druckgrösse: Soviel kannst du ausscheiden

Wenn du deine Fotos ausdrucken möchtest, sollten sie mindestens 200 dpi (Dots per Inch) haben. Das bedeutet, dass du ein nicht zugeschnittenes Bild von einer 20-Megapixel-Kamera nehmen und ein makelloses Bild mit einer Breite von 69 cm drucken kannst.

Wenn du standardmässige 10×15 cm-Ausdrucke machst, ist die Bildqualität sogar noch besser. Ein 200-dpi-Ausdruck in dieser Grösse enthält etwa 1 Million Pixel. Diese 1 Million Pixel sind fünf Prozent von dem, was die 20-Megapixel-Kamera zu bieten hat. Innerhalb dieser Megapixel hast du also eindeutig viel Platz, nach Herzenslust zuzuschneiden. Willst du deine Bilder nicht gerade in wandgrosse Poster verwandeln, kannst du ziemlich grosszügig ab- und zuschneiden.

Minimale Online-Grösse

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Bei Online-Uploads ist es wichtig, dass du die Breite oder Höhe auf maximal 2’048 Pixel beschränkst. Das bedeutet also, dass du von den Pixeln, die dir von einer 20-Megapixel-Kamera zur Verfügung stehen, 16 Millionen (fast 80 Prozent!) wegschneiden kannst. Und trotzdem reicht die Schärfe noch für den klassischen Online-Gebrauch.

Natürlich gibt es immer wieder Ausnahmen. Zudem möchten einige Websites vielleicht, dass deine Bilder grösser als 2’048 Pixel sind. Aber wenn du sie auf Facebook, Instagram, Flickr oder anderen beliebten Websites postest, ist diese Grösse mehr als genug.

Bildausschnitt festlegen: 6 beste Methoden

1. Umwandlung horizontal-vertikal

Die grundlegendste Zuschneideoption ist die Umwandlung eines horizontalen Bildes in ein vertikales und umgekehrt. Diese Art des Umwandelns ist äusserst einfach durchzuführen. Dazu nimmst du einfach das Zuschneidewerkzeug und ziehst ein Rechteck innerhalb des Bildes, das dem Layout des Originalbildes entgegengesetzt ist. Möglicherweise ist es hier sinnvoll, das ursprüngliche Seitenverhältnis beizubehalten. Sowohl Luminar, Lightroom als auch Photoshop stellen diese Werkzeuge zur Verfügung. Somit lässt sich das leicht bewerkstelligen.

bildausschnitt horizontal vertikal

Das Bild ist so nicht ganz optimal. Zu viel Raum im oberen Bildbereich. Wie sieht es im Querformat aus?

bildausschnitt horizontal vertikal bearbeitet

Horizontales Bild nach der Bearbeitung.

2. Eine andere Perspektive zeigen

Manchmal habe ich mehrere Bilder, die ein und dasselbe Motiv zeigen. Ich möchte aber lieber nicht Duplikate löschen, die ich vielleicht irgendwann doch brauchen könnte. Also schneide ich das Foto zu, um einen anderen Bildausschnitt zu zeigen. Somit stelle ich mit dem genau gleichen Bild ganz verschiedene Szenen dar. Übrigens kannst du dies auch mit einem einzigen Bild tun, indem du einfach eine Kopie erstellst.

Im oberen Bild siehst du die unbearbeitete Version. Das Land im unteren Teil des Bildes dient zur Orientierung. Im unteren Bild siehst du nun die bearbeitete Version davon. Wirkt ganz anders, oder?!

Bildausschnitt Perspektive vor Bearbeitung

Vor der Bearbeitung (@amandabereckonedwith).

Bildausschnitt Perspektive nachher

Nach der Bearbeitung.

3. Zuschneiden für Nahaufnahme und Drittelregel

Das Komponieren eines Bildes muss erlernt werden und setzt viel Erfahrung voraus. Manchmal sehe ich Fotos, bei denen sich das Hauptmotiv genau in der Mitte des Bildes befindet. Laut der Drittelregel der Fotografie ist diese Komposition nicht die optimalste für das menschliche Auge. Das Motiv rückt leider oft in die Mitte, wenn sich deine Kamera im AF-C-Modus befindet und der Autofokus auf den Auslöser eingestellt ist. Aber wie gesagt, in der Nachbearbeitung kannst du den Bildausschnitt immer noch so festlegen, dass die Drittelregel eingehalten wird.

Bildausschnitt Drittelregel

Das Motiv befindet sich im rechten Drittel des Bildes.

4. Ausschneiden von störenden Elementen

Oft enthalten Fotos störende Elemente. Manchmal hat man einfach nicht den Luxus, sich selbst oder die Objekte im aktuellen Bildausschnitt zu bewegen.Damit wird es schwierig, sauberere und ablenkungsfreie Aufnahmen zu schiessen. Manchmal kannst du nichts anderes tun, als das Foto später in der Nachbearbeitung zuzuschneiden. Teilweise bemerkt man ja Ablenkungen erst im Nachhinein.

Im folgenden Foto haben mich die Rucksäcke links unten etwas gestört, weshalb ich diese im unteren Bild ausgeschnitten habe. Leider stimmt das Format nun aber nicht mehr und das Bild hat irgendwie seine Wirkung verloren. Du musst also immer etwas abwägen. Mir geht es oft so, dass ich einen anderen Bildausschnitt nehme, der mir dann aber doch nicht gefällt.

Bildausschnitt Ablenkungen vorher

Vor dem Zuschneiden.

Bildausschnitt Ablenkung nachher

Nach dem Zuschneiden.

5. Entfernen von ungenutztem Platz

Schon einmal vom negativen Raum gehört? Eine wirklich gute Sache. Nur ist es manchmal etwas zu viel des Guten, und man kann mit gutem Gewissen etwas wegschneiden.

Vielleicht hast du vor dem Schiessen eines Fotos eine bestimmte Vorstellung, wie die Aufnahme aussehen soll. Du machst dich also an die Aufnahme und merkst im Nachhinein, dass irgendetwas nicht stimmt. Vielleicht stört dich der ungenutzte Platz und die Leere in deinem Bild. Dann ist es am besten, diesen leeren Raum auszuschneiden.

Bildausschnitt ungenutzter Platz zuschneiden

Vor dem Zuschneiden.

Bildausschnitt ungenutzter Platz zugeschnitten

Nach dem Zuschneiden.

6. Ändern der Seitenverhältnisse

Schneide ich Fotos zu, so behalte ich praktisch immer die Standard-Seitenverhältnisse bei. Es gibt mehrere Gründe dafür:

  1. Unser Auge ist daran gewöhnt, rechteckige Fotos zu sehen
  2. Für mich ist es einfacher, Komposition und Rahmung mit einem rechteckigen Foto zu visualisieren
  3. Rechteckige Bilder sehen besser aus, wenn sie auf Websites veröffentlicht werden. Denn quadratische Bilder können zu viel Platz einnehmen, wenn sie vollständig gestreckt werden.
  4. Ich habe viele Druck- und Rahmungsoptionen für Standard-Seitenverhältnisse und muss mich nicht mit benutzerdefinierten Rahmungen befassen.
  5. Da es meinen Arbeitsprozess standardisiert, beschäftige ich mich lieber mit einem einzigen Seitenverhältnis. Ich möchte nicht mit Bildern in allen möglichen Formen und Grössen enden. Denn das stört nur meine visuelle Gesamtwahrnehmung.

Das ist aber nur meine persönliche Präferenz. Manche Leute stört es nicht, die Seitenverhältnisse während des Zuschneidens zu ändern. Es ist absolut nichts Falsches daran, diesen Weg zu gehen. Und es gibt auch keine fotografiesche Regel die besagt, dass das ursprüngliche Seitenverhältnis beibehalten werden muss.

Die meisten DSLRs haben ein Seitenverhältnis von 3:2, währenddessen Micro-Four-Thirds-Kameras ein Seitenverhältnis von 4:3 haben (daher der Name). Das sieht etwas weniger wie ein Rechteck aus. Einige 120mm-Filmkameras haben ein Seitenverhältnis von 1:1, so dass sie immer quadratische Bilder erzeugen. Fügst du Panoramabilder mit Stiching zusammen, können die Seitenverhältnisse stark variieren.

Verwendung von Führungslinien

Führende Linien (sogenannte „leading lines„) sind ein weiterer wichtiger Aspekt beim Festlegen des optimalen Bildausschnitts. Auch wenn du dein Bild bei der ersten Aufnahme noch nicht perfekt komponiert hast, kannst du beim Zuschneiden darauf achten. Somit kannst du das Beste aus deiner Aufnahme holen und eine maximale Wirkung erzielen.

Hast du’s gewusst?

Uns Menschen gefallen Bilder mir diagonalen Linien. Wir fühlen uns davon irgendwie magisch angezogen. Achte bei deinen Kompositionen vermehrt auf diesen Fakt.

Bildausschnitt Führungslinie

Dank Führungslinien kann sich der Betrachter besser im Bild orientieren.

Zuschneiden aus Spass

Geht es um künstlerische Tätigkeiten wie die Fotografie, gibt es eine Million Richtlinien, aber nur sehr wenige strenge Regeln. Und selbst diese sollten ab und zu gebrochen werden. Sei also mutig und lege auch einmal einen Bildausschnitt fest, der zunächst unkonventionell erscheint.

Manchmal gefällt mir ein Bild eigentlich schon recht gut. Trotzdem „zwinge“ ich mich ab un zu, einen weiteren Bildausschnitt auszuprobieren. In 95% der Fälle bleibe ich beim Original. Aber die 5% haben schon einige sehr tolle Bilder ergeben, die einfach noch viel besser wirkten.

Benutze das Zuschneidewerkzeug nach Herzenslust! Dazu musst du nicht einmal einen triftigen Grund haben.

Beim ersten Mal alles richtig machen

Ich muss diesen Artikel mit einem ziemlich wichtigen Vorbehalt schliessen:

Es ist immer besser, das Bild bereits während dem Fotografieren zu Komponieren.

Das Zuschneiden ist in Ordnung und kann sicherlich mit grosser Wirkung eingesetzt werden. Aber noch besser ist es, die richtige Komposition vor Ort, durch den Sucher, mit all den Regeln der Bildkomposition und ohne Ablenkugen im Bild zu machen.

Fazit

Gehörst du zu den Fotografinnen oder Fotografen, die nur das Originalbild verwenden? Oder ziehst du es vor, deine Bilder zuzuschneiden, um den Bildeffekt zu maximieren? Hast du noch andere Gedanken oder Tipps zum Zuschneiden? Ich freue mich über deine Inputs!

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