Brennweite und Brennpunkt verstehen: besser fotografieren

Eines der wichtigsten gestalterischen Mittel in der Fotografie ist der Zoom und damit auch die Brennweite. Denn wie sicherlich jeder (Hobby-) Fotograf weiß, lassen sich mit unterschiedlichen Ausschnitten verschiedenen Situationen auf dem späteren Foto erzeugen. In dieser Anleitung lernst du alles, was du über die Brennweite wissen musst, um noch besser zu fotografieren.

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Definition der Brennweite

Nun wird es kurz etwas physikalisch: Die Brennweite wird immer in Millimeter gemessen und angegeben und ist der Abstand zwischen der Linse des Objektives und dem Brennpunkt. Also der Abstand von Punkt A am Objektiv und Punkt B dem Brennpunkt. Die Brennweite steht auch in engem Zusammenhang mit der Blende. Falls du dich da noch nicht auskennst, lies doch auch unseren Artikel über die Blende und Tiefenschärfe.

Was ist nun aber der Brennpunkt?

Der Brennpunkt ist der Ort, wo Lichtstrahlen von der Linse (Brennglas) in einem Punkt zusammen fokussiert werden.

Ist die Entfernung am Objektiv auf ‚unendlich‘ eingestellt, so liegt der Punkt gerade auf dem Sensor. Ein Objektiv besteht meistens aus mehreren Linsen. Auch solch einer Linsengruppe kann eine Brennweite zugeordnet werden. Diese Linsengruppe könnte man theoretisch durch eine Linse mit derselben Brennweite ersetzen.

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Bildquelle: wissen.de

Festbrennweite oder Zoomobjektiv?

Grundsätzlich kann man Objektive in zwei verschiedene Gruppen einteilen – nämlich in  Festbrennweiten und Zoomobjektive. Unter die Zoomobjektive fallen dann meist auch alle bekannten Objektive wie ein Tilt-Shift-Objektiv, ein Makroobjektiv oder auch ein Fisheye-Objektiv.

So funktioniert die Festbrennweite

Eine Festbrennweite verfügt, wie der Name schon vermuten lässt, über eine feste Brennweite welche sich nicht ändern lässt. Somit kann man den Bildausschnitt, den man fotografiert nur durch eigene Bewegung verändern. Häufig wird eine Brennweite von 50 mm als „Normalobjektiv“ bezeichnet. Denn 50 mm-Objektive haben einen Blickwinkel von 46° und entsprechen so nahezu dem Blickwinkel des menschlichen Auges.

Darüber hinaus sind Festbrennweiten meist sehr Lichtstark und ermöglichen so auch Aufnahmen bei schlechten Lichtverhältnissen ohne einen Blitz einsetzen zu müssen.

Objektive mit variabler Brennweite: der Zoom

Anders als Festbrennweiten haben Zoomobjektive einen Vorteil: Sie verfügen über bewegliche Linsen(-gruppen). Durch die Veränderung des Abstandes der Linsen im Inneren des Objektives lässt sich der Zoom variieren und so Motive näher an sich heranholen.

Bei Zoomobjektiven unterscheidet man folgende Bereiche:

  1. Brennweite kleiner als 20 mm: Ultraweitwinkel
  2. Brennweite kleiner als 50 mm: Weitwinkel
  3. Brennweite ca. 50 mm: Normalobjektiv
  4. Brennweite größer als 50 mm: Teleobjektiv
  5. Brennweite großer 300 mm: Ultrateleobjektiv

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Brennweite Normalobjektiv

Das Normalobjektiv bündelt auftreffende Lichtstrahlen, führt sie durch den Brennpunkt (1) und projeziert sie dann auf die Aufnahmefläche (2). Bei einem Aufnahmewinkel von etwa 40-50 Grad spricht man von einem Normalobjektiv.

Die meistverkauften Normalobjektive sind:

Brennweite Weitwinkelobjektiv

Bei Weitwinkel-Objektiven liegt der Brennpunkt (1) dichter an der Optik. Man spricht deshalb von einer kürzeren Brennweite. Du nimmst damit einen grösseren Blickpunkt auf – bei gleichem Motivabstand siehst du also mehr vom Motiv (2).

Die beliebtesten Weitwinkel-Objektive:

Brennweite Teleobjektiv

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Bei Tele-Objektiven ist der Abstand zwischen Objektivmitte und Brennpunkt (1) grösser. Du hast damit eine lange Brennweite. Deshalb fotografierst du nur einen engen Blickwinkel und weit entfernte Motive.

Die meistgekauften Teleobjektive:

Einfluss auf den Preis des Objektivs

Sobald die Brennweite des Objektives in ein Extrem geht – sowohl geringe, als auch sehr große Brennweite – wird es zunehmend schwerer gute Qualitätslinsen zu einem annehmbaren Preis herzustellen. So sind diese Objektive in der Regel teuer. Verfügen sie zusätzlich noch über eine Zoom, dann schnellen die Preise schnell in den Himmel.

Brennweite berechnen

Die Angabe der Brennweite bei jedem Objektiv erfolgt auf Basis einer Kleinbildkamera. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass digitale Sensoren in verschiedenen Größen erhältlich sind und somit die Brennweite immer umgerechnet werden müsste. Je größer der Sensor, desto größer ist die Brennweite zu wählen, um den gleichen Bildausschnitt zu erhalten.

Formatfaktor (Crop Faktor) zur Umrechnung

Den Brennweiten Umrechnungsfaktor zum Kleinbildformat (35-mm-Film) nennt man Formatfaktor (manchmal auch Verlängerungsfaktor, englisch meist ‚crop‚). Wenn das Objektiv einer digitalen Kompaktkamera zum Beispiel eine Objektivbrennweite von 12 mm hat und dies 54 mm im Kleinbildformat entspricht, so ist der Formatfaktor 4,5 (da 12 * 4,5 = 54).

Wenn das bereits erwähnte Objektiv beispielsweise auf 36 mm ausgefahren wird, so beträgt die Brennweite im Kleinbildformat dann 36*4,5 mm, also 162 mm.

Die Brennweite eines Objektives lässt sich mithilfe der Brennweiten Formel bestimmen. Diese ist aber sehr kompliziert und würde hier zu weit führen. Wenn du es trotzdem genauer wissen möchtest, kannst du hier auf wikipedia mehr darüber lesen. Oder aber du verwendest eine App wie „Deep Fokus“, mit welcher du die Brennweite einfach ausrechnen kannst. PS: Hier gibts eine Liste mit den 7 Fotorgafie Apps, die jeder Fotograf haben muss.

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Wann ist welche Brennweite sinnvoll?

Diese Frage lässt sich pauschal nicht beantworten. Die zu verwendende Brennweite hängt sehr stark vom Einsatzgebiet und den lokalen Gegebenheiten ab. So verwenden viele passionierte Fotografen gerne eine 50 mm Festbrennweite, um Portraits anzufertigen. Denn diese kommt dem menschlichen Auge sehr nahe. Lies hier unsere 102 Portraitfotografie Tipps, um mehr in diesem Bereich zu lernen. Sportfotografen schwören jedoch auf Teleobjektive mit einem großen Zoom-Bereich, da die Sportler sich meist in einiger Entfernung befinden.

Hat man die Möglichkeit, sich im Raum frei zu bewegen und den Abstand zum Objekt bei Bedarf zu vergrößern, so lässt sich zu einer Festbrennweite raten. Ist die Position jedoch nicht all zu flexibel, wäre ein Zoomobjektiv zu bevorzugen.

Weiß man nicht worauf man sich einstellen soll, so macht man mit einem guten Allround-Zoom-Objektiv nicht allzu viel falsch.

pixolum Autor und Fotograf pixolum
Über den Autor

Patrick ist der Gründer von pixolum und versorgt dich seit 2012 mit spannendem Fotografie-Stoff. Neben seiner Leidenschaft für Kameras & Design unterstützt er kreative Köpfe beim Aufbau ihres Business. Er trinkt jeden Tag 7 Kaffees aus der pixolum Tasse, ist absoluter SEO Nerd und beginnt mehr, als er zu Ende bringen kann.

6 Gedanken und Fragen

  1. KingTrode

    Hallo,
    habe den Beitrag mit Freude gelesen und finde alles sehr einleuchtend. Nur am Ende hätte ich gern nochmal ein Beispiel gehabt, in welchem Brennweiten-Rahmen sich eine „gutes Allround-Zoom-Objektiv“ bewegt.
    Vielen Dank für den tollen Artikel

    Trode

    Antworten
    1. pixolum

      Hallo King! Nun, „Zoom“ beginnt ja ab einer Brennweite vom 50mm, was dem menschlichen Auge entspricht. Ein Allrounder Zoom hat eine Brennweite von 70-200mm.

      Liebe Grüsse,
      Patrick

      Antworten
  2. Michael Otto

    Hallo, bringt ein kleiner Bildsensor z.B. 1/2,5 Zoll bei einer Panasonic HC-X1500/2000 weniger gute Ergebnisse z.B. Schärfe, Dynamik, „Knackigkeit“? Ich habe eine Lumix TZ 101, die aber leider, die Anfangsbrennweite von 24 mm im Fotomodus auf 37 mm im Videomodus – 4K verkürzt. Die Bildqualität finde ich sehr gut. Diese Kamera hat einen 1-Zoll Sensor. Ich persönlich hätte lieber scharfe Bilder, als ein „modernes“ Bokeh. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Otto

    Antworten
    1. pixolum

      Lieber Michael. Das hast du richtig erkannt – ein grosser Sesor bietet meist auch einen besseren Dynamikumfang. Auch die Schärfe wird damit beeinflusst. Aber nicht nur. Ein top Sensor bringt bekanntlich nichts, wenn ein mittelmässiges Objektiv aufgeschraubt wird. Wenn du aber mit Kompakt- oder Bridgekameras fotografieren willst und das Objektiv nicht wechseln kannst, dann ist die Sensorgrösse schon sehr entscheidend. Lies doch dazu auch noch unseren Artikel zu den Sensorgrössen. Liebe Grüsse, Pat

      Antworten
      1. Michael Otto

        Vielen Dank für die schnelle Antwort. Da ich gerne Videofilme mache, wegen der Bewegung, möchte ich mir entgegen des allgemeinen Trends noch einen Camcorder zulegen. Ich habe im Netz geschaut und Kameras mit großem Sensor sind sehr schwer und vor allem auch sehr teuer. Ob sich eine derartige Investition für mich als Urlaubs- und Freizeitfilmer lohnt, glaube ich nicht. Vielleicht kennen Sie aus ihrem Wissen heraus eine Consumercamera, die auch gute und scharfe Filme macht.
        Vielen Dank für Ihre Mühen
        Mit freundlichen Grüßen
        Michael Otto

        Antworten

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