DSLR / DSLM – Unterschied Spiegelreflexkamera und Systemkamera

Die hochwertige Spiegelreflexkamera bekommt Konkurrenz: Immer stärker sind auf dem Markt auch Systemkameras zu finden. Nicht nur professionelle Fotografen, auch Laien fragen sich: Was hat die Systemkamera der Kompaktkamera voraus? Und kommt sie an die Qualität der Bilder von Spiegelreflexkameras heran? Hier werden die wichtigsten Unterschiede zwischen Spiegelreflexkameras (DSLR) und Systemkameras (DSLM) erläutert.

 

 

unterschied systemkamera spiegelreflexkamera

 

  • Ganz unten in unserem Fazit findest du die Vor- und Nachteile von Systemkameras und Spiegelreflexkameras im Überblick!

 

 

 

Was heisst DSLR und DSLM?

Die heutigen digitalen Kameras haben mehr gemeinsam als man vielleicht denkt. Bevor wir also zu den Unterschieden kommen, sehen wir uns die Gemeinsamkeiten an. Ein Gehäuse, einen Bildsensor, einen Sucher und die Möglichkeit verschiedene Objektive (Linsen) anzubringen. Das sind die Dinge, welche in beiden Kameratypen vorkommen.

 

Die ersten drei Buchstaben „DSL“ haben die beiden Kamera Arten gemeinsam. DSL steht für „digital single lens – also eine einzelne Linse in einer digitalen Kamera. Der letzte Buchstabe „R“ steht bei der Spiegelreflexkamera für „reflex“. Reflex daher, weil der Spiegel in einer DSLR Kamera das Licht umleitet, oder eben reflektiert. Das „M“ bei Systemkameras steht für „mirrorless“, was auf den fehlenden Spiegel hindeutet.

 

 

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Systemkamera Olympus M10 – Kompakt und leicht

 

 

 

Unterschiede zwischen DSLR und DSLM

Der größte Unterschied zwischen DSLR (Spiegelreflexkamera) und DSLM (Systemkamera) besteht darin, dass der Systemkamera die mechanische Spiegelkonstruktion fehlt, die der Spiegelreflexkamera ihren Namen gibt. Die DSLM funktioniert ohne Spiegel und ist deshalb sehr viel leichter als die Spiegelreflexkamera. Warum kann man den Spiegel einfach weglassen?

 

 

 

Spiegel in der Spiegelreflexkamera für den Sucher

Die wichtigste Funktion des Spiegels ist die Spiegelung der Umgebung (des Lichts), damit man den Bildausschnitt sieht wenn man durch den Sucher guckt. Ohne diesen würde man sozusagen blind fotografieren. Der Spiegel wird in der Spiegelreflexkamera mechanisch hochgeklappt, wenn man den Auslöser drückt. Das muss passieren, damit der Spiegel nicht zwischen Linse und Sensor steht.

 

spiegelreflex-spiegel-hochklappen

Bild: Wikipedia

 

 

Der Spiegel zeigt im Sucher also genau das, was reflektiert wird. Vor allem bei Dämmerung oder bei Nacht sieht man meist wenig bis nichts, weshalb auch das Fokussieren eine echte Herausforderung werden kann. Die Kameraeinstellungen wie z.B. die Blende oder Belichtungszeit haben darauf keinen Einfluss. Damit erkennen wir auch schon den ersten Nachteil des Spiegels. Das Bild sieht am Schluss meist anders aus als das, was man durch den Sucher sieht. Die Systemkamera verfügt über einen elektronischen Sucher, was vieles vereinfacht. Mehr dazu später.

 

 

 

  • Bildqualität bei DSLR und DSLM

Entscheidend für die Bildqualität ist der Sensor, und nicht die Art der Kamera. Je grösser die Fläche des Sensors, desto besser die Qualität des Bildes. Bei den Spiegelreflexkameras bekannter Hersteller wie Sony, Canon oder Nikon setzt man je nach Preisklasse auf APS-C Sensoren (der kleinste und günstigste), Vollformat-Sensoren (Mittelklasse, z.B. Canon 5D) und auf Mittelformat-Kameras mit den grössten Sensoren für den High End Bereich. Da es DSLR Kameras schon länger gibt als DSLMs, wurde das Zusammenspiel der Komponenten über die Zeit perfektioniert. Technisch ist die DSLR also immernoch ausgereifter und verbreiteter als Systemkameras.

 

dslr dslm bildqualität

 

 

Lange Zeit gab es für den High End Bereich keine Mittelformat-Systemkameras, wodurch mit einer DSLR die bessere Bildqualität erzielt werden konnte. Die Entwicklung der DSLM Technik schreitet aber weiter voran! Erst im letzten Jahr wurde die erste Mittelformat Systemkamera von Phase One veröffentlicht. Die Kosten allein für die Kamera liegen bei ca. 42’000 EUR. Dazu kommen teure Objektive und weitere Ausrüstung. Der Umstieg von Spiegelreflexkamera auf Systemkamera kann richtig ins Geld gehen, denn leider sind die meisten DSLR Objektive nicht mit DSLM Kameras kompatibel.

 

Bei der Bildqualität zu einem vernünftigen Preis kann die DSLM definitv noch etwas aufholen. Trotzdem liefert auch die DSLM durch eine optimale Abstimmung der Sensorgröße, dem Systemaufbau und der Bildverarbeitung tolle Bilder! Letztendlich ist das Können und die Erfahrung des Fotografen entscheidender als die Kameraart.

 

 

 

  • Unterschiede in Autofokussystemen

Zu den Unterschieden zwischen DSLR und DSLM gehört zudem, dass sie mit unterschiedlichen Autofokussystemen arbeiten. Systemkameras berechnen die Fokuspunkte, was einiges an Rechenleistung verschlingen kann. Gerade bei Systemkameras mit dürftiger Chip-Leistung führt das oft zu mühsamen Verzögerungen. Zu Beginn der Systemkameras war z.B. die Sportfotografie nahezu unmöglich, da die Fokusberechnung schicht der Geschwindigkeit des bewegten Motives nicht nachkam. Beim Kauf einer Systemkamera sollte man sich also unbedingt über die Leistungsfähigkeit des Autofokussystems informieren.

 

 

 

  • Geräuschloses Fotografieren mit der DSLM

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Durch die Spiegelmechanik der Spiegelreflexkamera hört man beim Auslösen immer das typische Klicken. Das Geräusch entsteht, wenn der Spiegel hochgeklappt wird. Das fehlt der Systemkamera, wodurch das geräuschlose Fotografieren möglich ist. Das kann vor allem in geräuschempfindlichen Kulissen ein großer Vorteil sein. Bei Hochzeiten in einer Kirche, im Theater oder auch in der Street-Fotografie bei welcher man möglichst unauffällig fotografieren möchte, kann dies ein entscheidender Vorteil sein. Wäre es nicht schade, die schöne Stimmung und die Ruhe die dieses Paar auf dem Bild geniesst zu stören?

 

 

Elektronischer Sucher in der Systemkamera – WYSIWYG

Ein weiterer großer Unterschied zwischen DSLR und DSLM liegt in der Suchfunktion. Bei einer Systemkamera wird durch den elektronischen Sucher exakt das Bild angezeigt, das das Objektiv in diesem Moment aufnimmt. So weiß man schon vor dem Auslösen genau, wie das Bild abgespeichert werden wird. Die ganzen Kameraeinstellungen sind bei vielen Systemkameras laufend sichtbar. Somit kann man allein mit dem Sucher schon erkennen, ob das Bild z.B. überbelichtet ist. Das Beobachten der Lichtwaage und des Histograms kann man sich damit sparen. Vor allem für Fotografie-Anfänger kann das eine Erleichterung sein, da sie besser einschätzen können, wie das Endresultat aussehen wird. WYSIWYG – What You See Is What You Get!

 

Bei einer Spiegelreflexkamera fehlt durch die mechanische Technik immer ein Stück des Bildformats, was für weniger erfahrene Fotografen immer zu einer kleinen Überraschung führen kann.

 

 

 

Fazit: Systemkamera vs. Spiegelreflexkamera

Man kann sagen, dass die Unterschiede zwischen DSLR und DSLM bereits in der Handhabung spürbar sind. Für professionelle Fotografen wird jedoch mittelfristig der Weg an der Spiegelreflexkamera nicht vorbei gehen. Der Grund liegt vor allem darin, dass die DSLM-Technik noch am Anfang steht und die Auswahl an passenden Objektiven noch vergleichsweise gering ist. Das System der Spiegelreflexkamera ist hingegen weithin etabliert, und bietet Fotografen so eine größere Bandbreite an Variationsmöglichkeiten.

 

 

Vor- und Nachteile der Sucher im Überblick

 

Systemkamera DSLM Spiegelreflexkamera DSLR
Vorteile
  • Weniger Gewicht, da kein Spiegel vorhanden
  • Kompakter als DSLRs, Zweitkamera nicht nötig
  • WYSIWYG: Das digitale Bild ist beriets durch den Sucher sichtbar
  • Schwarzweiss Liveview möglich
  • Bessere Nachtsicht als bei DSLRs
  • Geräuschloses Fotografieren
  • Ausgereift, grosse Variation an Zubehör
  • Meist grössere Sensoren verbaut als bei DSLMs: Höhere Bildqualität
  • Viele gebrauchte Objektive auf dem Markt, für günstigen Einkauf
  • Tiefere Preise durch Konkurrenzkampf – mehr Hersteller
  • Grosse Community – schnelle Hilfestellung bei Problemen und Tutorials

 

Nachteile
  • Teilweise langsamer Autofokus
  • Hohe Batteriebelastung durch Berechnungen
  • Begrenzte Auswahl an Objektiven
  • Technik noch nicht voll ausgereift
  • Mögliches Flimmern bei starken Lichtquellen
  • Durch den Sucher ist nicht das Bild erkennbar, welches letztendlich gemacht wird
  • Schwer, und mit viel Zubehör grosser Platzbedarf
  • Geräusche beim hochklappen des Spiegels
  • Höhere Wartungskosten als bei DSLR Kameras

 

 

Trotzdem sind die Unterschiede zwischen DSLR und DSLM nicht so prägnant, als dass man nicht mit beiden System hochqualitative Fotos machen könnte. Es kommt auf die Erfahrung und die Professionalität des Fotografen ab, welches Ergebnis später auf der Speicherkarte landet.

 

 

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