Belichtungskorrektur | Richtige Anwendung und Tipps

In diesem Artikel werden wir das Thema Belichtungskorrektur behandeln. Wir werden dir zeigen, wie du die Belichtungskorrektur an deiner Digitalkamera einstellen kannst. Du wirst auch erfahren, wie du diese Technik nutzen kannst, um optimale Anpassungen an deiner Belichtung vorzunehmen. Jede moderne Kamera verfügt heutzutage über eine integrierte Belichtungskorrektur. Diese hilft dir dabei, die beste Helligkeitseinstellung für dein Bild zu finden. Die Funktion lässt sich meistens auf einer eigenen Taste oder als Einstellrad finden. Damit kannst du schnell von der positiven zur negativen Belichtungskorrektur wechseln.

belichtungskorrektur sunset

Sonnenuntergang mit guter Belichtungskorrektur (@Krivec Ales, pexels.com)

Was ist die Belichtungskorrektur?

Einfach ausgedrückt geht es darum, die Helligkeit eines Bildes so zu steuern, dass es nicht zu hell oder zu dunkel aussieht. Um dies zu ermöglichen, muss man die Belichtungskorrektur verwenden. Dies ist in Kameramodi wie zum Beispiel Blendenpriorität, Verschlusspriorität, Programmmodus usw. möglich. Typischerweise steht die Belichtungskorrektur als Taste oder Einstellrad an der Kamera zur Verfügung, sodass du einfach von einer positiven zur negativen Belichtung wechseln kannst. Lass uns nun einen Blick darauf werfen, wie du diese besondere Funktion deiner Kamera nutzen kannst und die volle Kontrolle über deine Belichtung behältst.

Bevor wir dir jedoch zeigen, wie du die Belichtungskorrekturfunktion deiner Kamera richtig nutzen kannst, untersuchen wir erst einmal einige Dinge zur Belichtungskorrektur. Wie funktioniert sie überhaupt? In welchen Kameramodi setze ich die Funktion am besten ein? Diese Fragen werden wir klären. Zuallererst hilft es, ein gutes Verständnis der Belichtung zu haben.

Die Belichtung stellt die Summe der drei wichtigsten Einstellungen in der gesamten Fotografie dar: Verschlusszeit, Blende und ISO. Zusammen bilden sie das sogenannte Belichtungsdreieck. Wie genau diese drei Einstellungen Einfluss aufeinander haben und wie du sie richtig orchestrierst, findest du in unserem extra Beitrag zum Belichtungsdreieck. Hier aber einmal eine Übersicht:

fotografieren lernen belichtungsdreieck

Wann brauche ich die Belichtungskorrektur?

Die Belichtungskorrektur ermöglicht es Fotografen, Bilder vor der Aufnahme zu verdunkeln oder aufzuhellen. Dies geschieht, indem die vom Belichtungsmesser der Kamera vorgenommenen Belichtungseinstellungen überschrieben werden. Die Belichtungsmesser der Kamera funktionieren durch die Auswertung von Licht, das von Objekten reflektiert wird. Die Belichtung wird aufgehellt, wenn du die Kamera auf etwas dunkles richtest. Richtest du sie jedoch auf etwas sehr helles, dann sorgt der Belichtungsmesser dafür, dass das Bild dunkler wird. Der Belichtungsmesser der Kamera versucht immer, ein Mittelgrau (auch bekannt als 18 % grau) mit der Belichtung zu erreichen. In den meisten Fällen funktioniert dies recht gut.

Über- und Unterbelichtung

Es kann zu Über- oder Unterbelichtungen kommen, wenn du mit schwierigen Lichtverhältnissen zu kämpfen hast. Dort stellt der Belichtungsmesser dann die Belichtung viel zu aggressiv ein. Hier kommt nun die Belichtungskorrektur ins Spiel. Der Fotograf kann die Helligkeit des Bildes manuell bestimmen. So kann er selbst die Belichtungskorrektur der Kamera überschreiben. Wirf mal einen Blick auf die folgende Aufnahme, wo das Messsystem der Kamera schlechte Arbeit geleistet hat, um die Szene richtig darzustellen:

belichtungskorrektur badexample

Unterbelichtetes Bild basierend auf dem Kamerameter (@Gregory Galas, pexels.com)

Während der Aufnahme im Blendenprioritätsmodus wurde das Bild mit dem Messgerät der Kamera unterbelichtet. Der Grund dafür war, dass die Szene ziemlich anspruchsvoll war – der Himmel und die vielen grünen Pflanzen im Vordergrund waren hell, so dass die Kamera das gesamte Bild verdunkelte. Dies führte dazu, dass die Motive in der Szene viel zu dunkel wirkten.

Um dieses Problem zu beheben, kann man einfach die Belichtungskorrektur der Kamera verwenden und beispielsweise +1 EV (Exposure Value) wählen, was zu einem viel helleren Bild führt:

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Richtig belichtetes Bild nach Auswahl von +1EV mit Belichtungskorrektur (@Gregory Galas, pexels.com)

Das Bild ist nun richtig belichtet, wobei die gesamte Szene viel heller erscheint, verglichen mit dem, was die Kamera für die richtige Helligkeit hielt. Durch die Verwendung der Belichtungskorrektur war Kamera war es möglich, das Problem in wenigen Sekunden zu lösen.

Hinweis: Wenn du dich fragst, wie sich verschiedene Messmodi auf deine Bilder auswirken, lies bitte unseren ausführlichen Artikel über Belichtungsmessung.

Wie verwendet man die Belichtungskorrektur?

Du musst dich in einem bestimmten Kameramodus befinden, um die Belichtungskorrektur verwenden zu können. Konkret muss es sich um einen Modus handeln, in dem die Kamera die Belichtung automatisch durchführt. Dazu zählen beispielsweise die Modi der Blendenpriorität, Verschlusspriorität, der Programmmodus oder ein anderer Szenenmodus. Wenn du Auto ISO nicht eingeschaltet hast, wird die Belichtungskorrektur im manuellen Modus absolut nichts bewirken. Sobald du den richtigen Kameramodus ausgewählt hast, kannst du die Helligkeit des Bildes mithilfe der Belichtungskorrekturfunktion der Kamera einstellen.

belichtungskorrektur highkey

Anwendung von Überbelichtung (@Adil Gökkaya, pexels.com)

Wo findest du denn nun die Belichtungskorrekturfunktion deiner Kamera? Leider variiert das je nach Kameramodell. Die meisten Kameras verfügen über eine spezielle Taste auf der Ober- oder Rückseite der Kamera. Es kann auch sein, dass einige Kameras diese Funktion nur über ein Einstellrad nutzen. Du kannst die Belichtungskorrektur-Taste an deiner Kamera relativ einfach finden – schau einfach nach einer Taste mit Plus- und Minuszeichen.

Hilfe, ich kann die Taste dafür nicht finden!

Falls du eine solche Taste nicht finden kannst, gibt es möglicherweise ein Einstellrad auf der Ober- oder Rückseite der Kamera. Ein solches Einstellrad geht von einem negativen Wert zu einem positiven Wert, wie z. B. -3 bis +3, mit kleinen Schritten dazwischen. Falls du immer noch Schwierigkeiten hast, die Taste oder das Einstellrad für die Belichtungskorrektur zu finden, dann schaust du am besten in deinem Kamerahandbuch nach. Ansonsten kannst du dein Kameramodell unten in den Kommentaren posten, allenfalls können wir oder jemand mit der gleichen Kamera weiterhelfen.

ISO Kamera Knopf Canon

  • Wenn du eine Nikon DSLR verwendest, dann ist die Taste höchstwahrscheinlich in der Nähe des Auslösers:
  • Wenn du eine Canon DSLR verwendest, befindet sich möglicherweise eine „AV“-Taste auf der Rückseite deiner Kamera. Bei einigen Kameras, insbesondere spiegellosen Kameras im Retrodesign, findest du den Belichtungskorrektur-Regler auf der Oberseite der Kamera.

Wie stelle ich die Belichtungskorrektur ein?

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Die Verwendung der Belichtungskorrektur ist sehr einfach. Wenn dir ein Bild zu dunkel ist, wählst du eine positive Zahl (+EV). Wenn das Bild zu hell erscheint, dann wählst du eine negative Zahl (-EV). Bei Kameras mit einer Taste gibt es zwei Möglichkeiten, wie sie funktionieren können:

  • Erste Möglichkeit: Taste gedrückt halten und über einen Drehregler den Wert einstellen
  • Zweite Möglichkeit: Taste einmal drücken und den Belichtungswert über den Bildschirm einstellen

Am besten probierst du es einfach aus, welche der beiden Möglichkeiten bei deiner Kamera funktioniert. Bei Kameras mit nur einem Drehregler ist es sogar noch einfacher – du musst den Regler nur in die richtige Richtung bewegen und die Belichtung sollte dementsprechend angepasst werden.

Der Belichtungskorrekturbereich

Da DSLR-Kameras über optische Sucher verfügen, besitzen sie auch einen Belichtungskorrekturbereich innerhalb des Suchers, welcher so aussieht:

Richtig belichtetes Bild nach Auswahl von +1EV mit Belichtungskorrektur (@Gregory Galas, pexels.com)

Wenn du damit beginnst, die Belichtung durch die Belichtungskorrektur anzupassen, wirst du einen Balken sehen („Lichtwaage“ genannt), der nach links oder rechts vom mittleren „0“-Wert geht. Das bedeutet, dass du eine negative (-) oder positive (+) Belichtungskorrektur wählst.

Wenn du eine Systemkamera verwendest, sollte die Einstellung der Belichtungskorrektur das Bild auf dem Kamerabildschirm aufhellen und verdunkeln. Du solltest das Endergebnis dadurch gut erkennen können. Neben den automatischen Helligkeitsanpassungen sollte es eine Anzeige für den aktuellen Belichtungswert geben.

So funktioniert die Belichtungskorrektur

Die Belichtungskorrektur funktioniert durch Anpassen der Belichtungsvariablen – je nachdem, welchen Kameramodus du verwendest. Wenn du im Blendenprioritätsmodus fotografierst, stellst du die Blende der Kamera ein. Währenddessen stellt die Kamera automatisch die Verschlusszeit für dich ein. Die Verschlusszeit wird dabei in Abhängigkeit von dem Belichtungsmesser der Kamera eingestellt. Wenn du nun die Belichtungskorrektur selbst einstellt, überschreibst du im Wesentlichen die von der Kamera eingestellte Verschlusszeit. Wirf ein Blick auf folgende Beispieltabelle, in welcher wir versuchen werden, die Belichtung im Blendenprioritätsmodus anzupassen:

Anpassung der Belichtungskorrektur im Blendenprioritätsmodus

KAMERAMESSBARE BELICHTUNG (BLENDENPRIORITÄT)
f/1.4 f/2.0 f/2.8 f/4.0 f/5.6
1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60

Die Auswahl von -1 EV über die Belichtungskorrektur erhöht die Verschlusszeit von 1/250 Sekunden auf 1/500 Sekunden, während die Blende konstant bleibt:

BLENDENPRIORITÄT, -1 EV BELICHTUNGSKORREKTUR
f/1.4 f/2.0 f/2.8 f/4.0 f/5.6
1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60

Das Bild wird dadurch wesentlich dunkler, da weniger Licht auf den Sensor trift. Andererseits, wenn wir +1 EV wählen, werden wir ein helleres Bild erhalten. Die Verschlusszeit wird halbiert, was zu einem helleren Bild führt:

BLENDENPRIORITÄT, +1 EV BELICHTUNGSKORREKTUR
f/1.4 f/2.0 f/2.8 f/4.0 f/5.6
1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60

Anpassung der Belichtungskorrektur im Verschlussprioritätsmodus

Wenn du im Verschlussprioritätsmodus fotografierst, wirkt sich die Belichtungskorrektur anstelle der Verschlusszeit auf die Blende der Kamera aus. Zuerst einmal die Grundbelichtung, bei der wir die 1/250stel Sekunde als Verschlusszeit einstellen:

KAMERAMESSBARE BELICHTUNG (VERSCHLUSSPRIORITÄT)
f/1.4 f/2.0 f/2.8 f/4.0 f/5.6
1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60

Wenn du -1 EV über die Belichtungskorrektur auswählst, wird die Blende der Kamera von f/2.8 bis f/4.0 eingestellt. Die Verschlusszeit bleibt dabei konstant:

VERSCHLUSSZEIT, -1 EV BELICHTUNGSKORREKTUR
f/1.4 f/2.0 f/2.8 f/4.0 f/5.6
1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60

Wenn du jedoch +1 EV auswählst, öffnet sich die Blende auf f/2.0 und das Bild wird heller:

VERSCHLUSSPRIORITÄT, +1 EV BELICHTUNGSKORREKTUR
f/1.4 f/2.0 f/2.8 f/4.0 f/5.6
1/1000 1/500 1/250 1/125 1/60

Im manuellen Modus ist die Kamera-ISO die einzige Variable, welche sich ändern kann. Zuerst muss die Kamera jedoch auf Auto ISO eingestellt werden, wie bereits erwähnt. Es würde ähnlich wie in den obigen Fällen funktionieren, ausser dass sowohl Blende als auch Verschlusszeit konstant bleiben.

Fortschrittliche Messsysteme

Zu Beginn des Artikels haben wir erwähnt, dass die Belichtungskorrektur einer Kamera versucht, ein mittelgraues Bild zu erreichen. Es gibt mittlerweile viele moderne Kameras mit ausgeklügelten Messsystemen, welche unter anderem in der Lage sind, Szenen basierend auf vorgeladenen Daten zu erkennen und notwendige Anpassungen an der Belichtung vorzunehmen. Die Verwendung der manuellen Belichtungskorrekturfunktion wird dadurch wesentlich minimiert.

Einige Kameras sind auch dazu imstande, die Anwesenheit von Personen in einem Bild zu erkennen. Die Belichtung basiert in erster Linie auf den Hauttönen der Menschen, um die Wahrscheinlichkeit einer Über- oder Unterbelichtung zu verringern. Aufgrund solcher Fortschritte benötigen unsere Kameras immer weniger manuelle Eingriffe im Stil der Belichtungskorrektur. Es ist jedoch immer noch wichtig zu wissen, wie man die Belichtung schnell anpassen kann. Nicht nur, weil man sie vielleicht eines Tages benutzen muss, sondern auch, weil man die Grenzen seiner Kamera ausreizen kann, in dem man Techniken wie die Belichtung nutzt.

belichtungskorrektur exposingtotheright

Anwendung der „Exposing to the Right“-Technik (@brittany, pexels.com)

Es gibt keine „richtige Belichtung“ für jede Szene. Du kannst trotzdem in einigen Fällen mit der Belichtungskorrektur das Beste aus jedem Bild herausholen. Fotografen versuchen oft, die relative Helligkeit der Szene in Abhängigkeit von dem anzupassen, was sie zu porträtieren zu versuchen. Diese Technik wird als Unterbelichten (‚Exposing to the Right‘) bezeichnet. Sie ermöglicht es dir, Bilder so hell wie möglich zu machen, ohne Highlights auszulassen. Du erhältst dabei Bilder von höchster Qualität. Wir müssen dich jedoch warnen, da es sich hierbei um keine Anfängertechnik handelt. Die Aufnahme der Bilder ist im RAW-Format notwendig, um die besten Ergebnisse zu erhalten.

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