Belichtungsmessung – Die 4 wichtigsten Messmethoden deiner Kamera

Jede moderne Digitalkamera hat eine sogenannte Belichtungsmessung. Für dich als Fotograf ist es wichtig zu verstehen, wie die verschiedenen Messmethoden funktionieren. Denn wenn du die Lichtmessung beherrschst, kannst du auch in ungewöhnlichen Lichtsituationen bessere Bilder aufnehmen. Nachfolgend erkläre ich dir, was die Belichtungsmessung ist und wie sie funktioniert.

Belichtungsmessung zu dunkel und zu hell

Belichtungsmessung: zu dunkel und zu hell / @pexels James Wheeler

Als ich zu fotografieren begann, waren die Bilder immer entweder zu hell oder zu dunkel. Ich hatte keinen Plan, was die Ursache dafür ist, bis ich mich mit der Belichtungsmessung auseinandersetzte.

Was ist die Belichtungsmessung

Die Belichtungsmessung stellt mithilfe der einfallenden Lichtmenge und des ISO-Wertes zwei wichtige Faktoren fest. Nämlich die Verschlusszeit und die Grösse der Blende. Früher war in den Kameras kein Belichtungsmesser oder Sensor verbaut, welcher die Lichtmenge und -intensität ermittelte. Fotografen mussten Handbelichtungsmesser verwenden, um die optimale Belichtung zu bestimmen. Da die Fotos auf Filmrollen aufgenommen wurden, konnten sie die Bilder nicht direkt nach der Aufnahme in einer Vorschau anschauen. Deshalb verliessen sie sich auf ihre Belichtungsmesser. Wenn du im manuellen Modus fotografierst, kannst du die Belichtungsmessung in Aktion sehen. Wenn du in den Sucher schaust, kannst du unten in der Mitte einen Balken sehen, der sich bewegt (wie unten im Bild zu sehen ist).

Belichtungsmessung verstehen

Balken, der die Belichtungsmessung live anzeigt / @pixolum

Die drei wichtigsten Messmethoden

Heutzutage verfügt jede DSLR über einen integrierten Belichtungsmesser, der das reflektierte Licht automatisch misst und die optimale Belichtung ermittelt. Als Fotograf musst du aber unbedingt in der Lage sein, die verschiedenen Lichtverhältnisse und Quellen einzuschätzen. Lerne dafür die 8 Lichtarten und ihre Eigenschaften kennen – definitv etwas für unters Kopfkissen. Heute werden die folgenden drei Messmethoden am häufigsten verwendet:

  1. Mehrfeldmessung (Canon: Evaluative / Nikon: Matrix)
  2. Mittenbetonte Messung
  3. Spotmessung

Manche Canon EOS Modelle haben auch noch eine „Selektivmessung“, welche jedoch mit der Spotmessung zu vergleichen ist. Der einzige Unterschied ist, dass der abgedeckte Bereich größer ist (ungefähr 8% des Sucherbereichs in der Nähe der Mitte verglichen mit 3,5 % bei der Spotmessung).

Mehrfeldmessung

Bei den meisten DSLRs ist die Mehrfeldmessung der Standard-Messmodus. Dies funktioniert ähnlich wie im obigen Beispiel, indem das gesamte Bild in mehrere Zonen unterteilt wird. Diese Zonen werden dann alle einzeln auf helle und dunkle Lichtverhältnisse analysiert. Einer der Hauptfaktoren (neben Farbtemperatur, Entfernung, Motiven, Glanzlichtern, etc.), der die Mehrfeldmessung beeinflusst, ist der Fokuspunkt der Kamera. Nachdem sie die Informationen aus allen einzelnen Zonen analysiert hat, prüft sie, in welcher Zone sich die Objekte befinden und markiert diese Zonen als wichtiger als die anderen. Bei diesem Vorgehen gibt es jedoch große Unterschiede von Hersteller zu Hersteller. Nikon vergleicht beispielsweise auch Bilddaten mit einer Datenbank von tausenden Bildern zur Belichtungsberechnung.

Belichtungsmessung Mehrfeldmessung

Mehrfeldmessung / @pexels Pixbay

Du solltest diesen Modus bei den meisten deiner Fotografien verwenden, da er in der Regel bei der Ermittlung der korrekten Belichtung sehr hilfreich ist. Ich persönlich benutze diesen auch meistens, einschließlich in der Landschafts- und Portraitfotografie.

Mittenbetonte Belichtungsmessung

In manchen Fällen jedoch macht es keinen Sinn, das gesamte Bild für die Bestimmung der Belichtung zu verwenden. Was ist zum Beispiel, wenn du versuchst, ein Foto einer Person zu schiessen, die direkt vor der Sonne steht? Hier bietet sich dann die mittenbetonte Messung an. Sie wertet das Licht in der Mitte des Bildes aus und ignoriert dabei die Ecken. Im Gegensatz zur Mehrfeldmessung wird bei der mittenbetonten Messung nicht die von der Kamera gefundenen Zonen, sondern nur die Mitte beachtet.

Mittenbetonte Messung der Lichtintensität

Mittenbetonte Messung / @pexels Pixbay

Verwende diesen Modus, wenn die Kamera die Bildmitte priorisieren soll. Dies eignet sich besonders für Nahaufnahmen und relativ große Motive, die sich in der Bildmitte befinden. Wenn du zum Beispiel eine Person vor der Sonne fotografierst, wird die Kamera die Person korrekt belichten (wie im Bild unten zu sehen ist), obwohl alles andere sonst stark überbelichtet wäre.

Belichtungsmessung Mittenbetonte Messung

Person vor der Sonne im Gegenlicht / @unsplash matthew_t_rader

Spotmessung

Spotmessung Kamera Einstllungen

Spotmessung

Die Spotmessung wertet nur das Licht um den von dir gewählten Fokuspunkt aus und ignoriert alles andere. Sie wertet einzig die gewählte Zone aus und berechnet die Belichtung des Bildes anhand von dieser. Ich persönlich benutze diesen Modus häufig für die Vogelfotografie, da die Vögel meistens einen kleinen Bereich des Bildes einnehmen und ich sicherstellen muss, dass ich sie richtig belichte, unabhängig davon, ob der Hintergrund hell oder dunkel ist. Da das Licht dort ausgewertet wird, wo ich meinen Fokuspunkt platziere, kann der Vogel auch dann genau belichtet werden, wenn er sich am Rand des Bildes befindet.

Auch beim erstellen von Timelapses wird die Spotmessung bevorzugt. Die Lichtverhältnisse ändern sich während den Aufnahmen. Somit ist es umso wichtiger, dass immer der gleiche Spot auf dem Bild für die Messung verwendet wird.

Belichtungsmessung Spotmessung

Spotmessung / @pexels Pixbay

Probleme mit der Belichtungsmessung

Die Belichtungsmessung funktioniert hervorragend, wenn das Bild gleichmäßig hell ist. Für den Belichtungsmesser wird es jedoch schwierig, die Belichtungzeit zu bestimmen, wenn sich Objekte mit unterschiedlichen Lichtstärken auf dem Bild befinden. Wenn du beispielsweise ein Bild des blauen Himmels ohne Wolken oder Sonne aufnimmst, wird das Bild korrekt belichtet, da nur eine Lichtstärke zur Verfügung steht. Wenn du aber ein paar Wolken in das Bild einfügst, wird es für die Kamera etwas schwieriger. Der Belichtungsmesser muss nun die Helligkeit der Wolken im Verhältnis zur Helligkeit des Himmels bewerten und versuchen, die optimale Belichtung zu ermitteln (wie im Bild unten zu sehen ist).

Himmel mit Wolken

Die Kamera wird bei diesem Bildausschnitt Mühe haben, automatisch die richtige Belichtung zu wählen.

Infolgedessen könnte die Kamera den Himmel ein wenig aufhellen, um die weissen Wolken richtig freizulegen – andernfalls würden die Wolken zu weiss oder „überbelichtet“ aussehen. Doch was würde passieren, wenn auf dem Bild zusätzlich noch ein grosser Berg zu sehen wäre? Die Kamera würde ein Objekt erkennen, welches viel dunkler als die Wolken und der Himmel ist. Sie würde versuchen, einen Mittelwert zu finden, sodass sowohl der Berg als auch der Himmel und die Wolken richtig belichtet sind. Normalerweise betrachtet die Kamera die Lichtverhältnisse im ganzen Bild und versucht einen Belichtungswert zu finden, der die hellen und die dunklen Stellen im Bild ausgleicht. Die unterschiedlichen Lichtintensitäten bereiten auch dem automatischen Weissabgleich Probleme.

Wovon gehen die Kamera aus? 18% Grau.

Unsere Fotoausrüstung

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Ausrüstung anzeigen

Kameras müssen davon ausgehen, dass Ihr Motiv einen durchschnittlichen Grauton aufweist.  (historisch gesehen „18% Grau„). Sozusagen ein Referenzpunkt, an welchen eine Standardbelichtung geknüpft wird. Dies ist jedoch häufig gar nicht der Fall. Zwei Beispiele sind die mythische schwarze Katze in einem Kohlekeller und eine Braut in einem weißen Hochzeitskleid. Die Kamera hat keine Ahnung, dass die Katze schwarz, resp. die Braut weiss sein soll. Das Beste, was sie also tun kann, ist eine Belichtung zu wählen, bei der eine Regulierung von 18% Grau erzielt wird.

Das ist offensichtlich nicht richtig, und deshalb haben alle Kameras Belichtungskorrekturregler, damit Fotografen die Belichtung korrigieren können. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Manuelle Belichtungskorrektur – EC

Jeder der oben genannten Messmodi kann eine Funktion verwenden, die als Belichtungskorrektur (EC) bezeichnet wird. Wenn diese Option aktiviert ist, funktioniert die Messberechnung weiterhin wie gewohnt, das endgültige Belichtungsziel wird jedoch durch den EC-Wert kompensiert. Dies ermöglicht dir manuelle Belichtungs-Korrekturen, wenn du auf der Lichtwaage siehst, dass das Bild durchgehend unter- oder überbelichtet ist. Die meisten Kameras ermöglichen eine Belichtungskorrektur von bis zu 2 Blendenstufen, wobei jede Blende eine Verdopplung oder Halbierung des Lichts im Vergleich zum sonst üblichen Messmodus bewirkt. Eine Einstellung von Null bedeutet, dass keine Kompensation angewendet wird (dies ist die Standardeinstellung).

Die Belichtungskorrektur ist ideal zum Korrigieren von Messfehlern in der Kamera, die durch das Reflexionsvermögen des Motivs verursacht werden. Unabhängig davon, welcher Messmodus verwendet wird, unterbelichtet ein Belichtungsmesser in der Kamera fälschlicherweise ein Motiv wie z. B. eine weiße Taube in einem Schneesturm. Fotos im Schnee erfordern daher immer eine Belichtungskorrektur um +1, wohingegen ein Low-Key Bild möglicherweise eine negative Korrektur erfordert.

Messfehler korrigieren mit RAW-Files

Bei Aufnahmen im RAW-Modus unter schwierigen Lichtverhältnissen ist es manchmal nützlich, eine geringfügig negative Belichtungskorrektur (0,3-0,5) einzustellen. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit von überbelichteten Stellen und ermöglicht es dennoch, die Belichtung danach zu erhöhen.

Knifflige Paxisbeispiele

Schauen wir uns ein paar alltägliche und dennoch knifflige Situationen an, welchen jeder Fotograf einmal begegnen wird.

Motive mit Hintergrundbeleuchtung

Wenn du eine Person mit der Sonne im Hintergrund fotografierst, die jedoch nur einen kleinen Teil des Bildes einnimmt oder sich nicht in der Mitte des Bildes aufhält, empfiehlt es sich auch den Spotmessungs-Modus zu verwenden. Wenn die Motive nicht viel Platz auf dem Bild einnehmen und sie von hinten beleuchtet sind, können die Mehrfeldmessung oder die Mittenbetonte Messung zu einer Silhouette führen. Daher eignen sich sowohl die Spotmessung als auch die mittenbetonte Messung hervorragend für Motive mit Hintergrundbeleuchtung.

Spotmessung bei Hintergrundbeleuchtung

Verwende die Spotmessung, wenn die Sonne dein Motiv von hinten beleuchtet.

Mondfotografie

Ein weiteres gutes Beispiel für die Spotmessung sind Mondfotografien. Da der Mond nur einen kleinen Teil des Bildes einnimmt, empfiehlt es sich auch hier, die Spotmessung zu verwenden. Auf diese Weise betrachten wir zur Berechnung der Helligkeit ausschließlich die vom Mond kommende Lichtstärke. Einige Spiegelreflexkameras, wie zum Beispiel die Canon 1D/1Ds sind in der Lage, mehrere Messpunkte gleichzeitig zu erfassen. Dadurch kann man mehrere Messpunkte auswählen, um das Licht zu messen und einen Durchschnittswert für eine gute Belichtung zu erhalten.

Wie wechselt man den Messungsmodus

Leider ist dies nicht nur von Hersteller zu Hersteller, sondern auch von Modell zu Modell unterschiedlich. Bei der Nikon D5500 erfolgt dies beispielsweise über die Menüeinstellung (Info-Taste). Professionellere Kameras, wie die Nikon D810 oder die Nikon D5 haben oben links eine separate Taste für die Belichtungsmessung. Bei Canon-Kameras ist dies leider auch von Modell zu Modell unterschiedlich. Im Allgemeinen kann man jedoch sagen, dass dies über eine Tastenkombination (Taste „Set“), ein Kameramenü oder eine Belichtungsmessungstaste in der Nähe des oberen LCD-Bildschirms erfolgt.

Zusammenfassung

  • Durch die Belichtungsmessung wird die Belichtungszeit und die Blendenöffnung bestimmt.
  • In den meisten Fällen ist es sinnvoll, die Mehrfeldmessung zu benutzen.
  • Die mittenbetonte Messung lohnt sich, wenn sich die Belichtung nach der Mitte des Bildes richten soll.
  • Die Spotmessung lohnt sich, wenn sich die Belichtung nur an einem Punkt im Bild orientieren soll.

Obwohl die Messsysteme immer ausgefeilter und zuverlässiger werden, wird es immer wieder Situationen geben, in denen du den Messmodus wechseln oder eine manuelle Korrektur einschalten musst, um mit unangenehmen Lichtverhältnissen fertig zu werden. Du alleine weisst, wie dein Motiv aussehen soll. Die Kamera kann nur eine intelligente Vermutung anstellen.

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2 Kommentare

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  1. Avatar
    Pawel

    Ist es möglich alle diese Beiträge als Buch zu kaufen? So

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    1. pixolum
      pixolum

      Hallo Pawel – leider noch nicht, wie arbeiten aber an verschiedenen eBooks. Melde dich doch bei unserem Newsletter an. Dann wirst du informiert, sobald das eBook erscheint. Liebe Grüsse, Patrick

      Antworten