Fotografieren in der Natur: Herausforderungen meistern

Im Gegensatz zur Studiofotografie steht man beim Fotografieren in freier Natur ganz anderen Herausforderungen gegenüber: Wechselnde Lichtverhältnisse, widrige Witterungsbedingungen und oftmals Motive, die nun mal nicht einfach so stillhalten. Mit etwas Übung, wachsender Erfahrung, der richtigen Ausrüstung und ein paar Tipps gelingt es jedoch, besondere und authentische Aufnahmen zu bekommen.

fotografieren in der Natur

Bild: Fotolia, © Smileus

Der Bereich Naturfotografie umfasst zahlreiche weitere Disziplinen, die jede für sich eigene Anforderungen mit sich bringen. Ob Landschaftsaufnahmen, Makrofotografie oder Tierporträts – überall gibt es ganz eigene Stolperfallen zu bewältigen. Dennoch gibt es gewisse Gemeinsamkeiten und Vorgehensweisen, die sich auf alle in gewisser Weise übertragen lassen. Wer sich intensiver mit bestimmten Methoden auseinandersetzt, kann Schritt für Schritt die Qualität seiner Bilder verbessern.

Die richtige Ausrüstung für die Naturfotografie

Je nachdem, in welche Richtung es gehen soll, sind verschiedene Ausrüstungsgegenstände notwendig. Nicht nur für Landschaftsfotos, auch um weiter entfernte Tiere aufnehmen zu können, sollte ein Teleobjektiv angeschafft werden. Eine Brennweite von 200mm aufwärts ist dabei das Minimum.

 

  • Teleobjektiv: Bereits für den kleinen Geldbeutel gibt es leistungsstarke Objektive wie etwa von Tamron (Tamron AF 70‑300mm, Tamron AF SP 70‑300mm) oder Sigma (Sigma 70‑300mm). Unter Berücksichtigung des sogenannten Crop Faktors stehen einem damit bezogen auf eine digitale Vollformat‑Kamera bereits etwa 450mm Brennweite zur Verfügung.
  • Ultraweitwinkel-Objektiv: Für beeindruckende Landschaftsaufnahmen kann dies sehr hilfreich sein. Auch hier gibt es günstige Einstiegsobjektive (z.B. Sigma 10-20mm, Tamron 10‑24mm, Tamron 11‑18mm).
  • Makroobjektiv: Für besondere Nahaufnahmen von Blüten oder Insekten lohnt sich der Kauf eines Makroobjektivs. Hier sollte darauf geachtet werden, dass der Abbildungsmaßstab 1:1 beträgt.
  • Vorsatzlinse: Einsteiger können statt eines teureren Makroobjektivs zunächst auf eine Vorsatzlinse ausweichen (z. B. Raynox DCR-250 Super Macro). Es kann auf ein Zoomobjektiv aufgesteckt oder mit Zwischenringen erweitert werden. So verändert sich je nach Ausstattung die Brennweite.

 

 

Wichtig ist zudem ein gutes und gleichzeitig möglichst leichtes Stativ. Es sollte stabil genug sein, um der Kamera etwa mit schwerem Teleobjektiv im Freien einen sicheren Stand zu gewähren. Hier gilt es, den passenden Mittelweg zu finden. Leichtere Stative aus Aluminium oder Carbon von Manfrotto sind kleiner, handlicher und besser zu transportieren. Komplett ausgezogen sind sie jedoch nicht mehr ausreichend stabil. Etwas hochwertigere Alternativen sind von der Firma Sachter oder von Berlebach erhältlich.

 

Eine stabile und gut gepolsterte Kameratasche schützt die Ausrüstung beim Transport an den Einsatzort. Für den Anfang genügt oftmals auch ein praktischer Outdoor‑Rucksack. Die Kamera und anderen Utensilien können in speziellen Einschlagtüchern untergebracht werden. Alternativ kann eine kleinere Kamera‑Einsatztasche mehrere Gegenstände im Rucksack aufnehmen.

Die Herausforderungen bei der Tierfotografie

In einer abgeschlossenen Studioatmosphäre lassen sich die verschiedenen Faktoren, die eine Aufnahme beeinflussen leichter handhaben oder gezielt selbst beeinflussen. Draußen in der Natur hingegen gilt es, das Bestmögliche aus der aktuellen Situation und den individuellen Gegebenheiten herauszuholen.

 

Beim Fotografieren von Tieren besteht die Herausforderung vor allem darin, sie zum perfekten Zeitpunkt einzufangen. Schließlich sind sie in der Regel ständig in Bewegung. Einsteiger können mit dem Knipsen ihrer eigenen Tiere in der Natur anfangen und so bereits ein gewisses Gespür entwickeln. Hier helfen ein paar Tipps dabei, gute Ergebnisse zu erzielen. Beim Experimentieren mit verschiedenen Formaten, der Serienfunktion und vor allem viel Geduld lernt man einerseits die Kamera besser kennen und andererseits den Umgang mit den Tieren beim knipsen gezielter zu steuern.

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Bild: Fotolia, © K.-U. Häßler

Wer dann einen Schritt weitergehen möchte und „wilde“ Tiere in ihrer natürlichen Umgebung fotografieren will, hat sich damit schon eine gute Basis geschaffen. Die Herausforderung ist dann oftmals, überhaupt das gewünschte Objekt vor die Linse zu bekommen. Mit dem Teleobjektiv gelingt es, auch scheue Tiere von sicherer Entfernung aus großformatig abzulichten. Für scharfe Aufnahmen können dann verschiedene Maßnahmen eingesetzt werden:

 

  • Stativ und Fernauslöser benutzen
  • ISO-Wert erhöhen
  • Belichtungszeit reduzieren
  • Lichtstarkes Objektiv mit Bildstabilisator einsetzen

 

Bewegt sich das Tier kurz vor dem Drücken auf den Auslöser weiter, kann eine Kamera mit dynamischem Fokus sehr hilfreich sein. Dabei wird auf das Motiv einmal fokussiert und der Auslöser halb durchgedrückt gehalten bis zum endgültigen Auslösen. Die Kamera kann dann den Fokuspunkt weiter halten, auch wenn er sich ein Stück weit verändert.

 

Wichtig ist zudem, dass bei der Fotografie wilder Tiere deren natürliche Rückzugsgebiete respektiert werden. Dabei sollte sich jeder an ein paar grundlegende Verhaltensregeln halten.

Die Herausforderungen bei der Makrofotografie

Viele haben bei den Ultra-Nahaufnahmen zunächst Probleme richtig zu fokussieren. Das Makroobjektiv lässt nur einen sehr begrenzten Schärfebereich zu. Deshalb muss genau überlegt werden, welcher Punkt oder welche Details des Motivs scharf abgebildet werden soll. Mit Schließen der Blende ist es möglich, den Bereich etwas zu vergrößern, allerdings natürlich mit Abstrichen bei der Lichtstärke. Dann muss unter Umständen wiederum ein höherer ISO-Wert eingestellt oder die Verschlusszeit verlängert werden.

 

Statt eines Stativs kann manchmal auch ein Bohnensäckchen als Unterlage für die Kamera sinnvoll sein. Gerade die Wahl der passenden Position für die Kamera ist entscheidend für das Bildergebnis. Durch einen kleinen Schwenk kann bereits der Hintergrund mit seiner Struktur oder Farbigkeit oder auch der Lichteinfall verändert und störende Bildelemente ausgeblendet werden.

 

Auch hier hilft es, soviel wie möglich zu experimentieren, um die Kamera und Veränderungen an Blende, ISO-Einstellung, Belichtung oder auch den Einsatz von Filtern kennenzulernen. Werden von einem Motiv verschiedene Aufnahmen gemacht, kann später am großen Bildschirm das schönste Ergebnis ausgewählt werden.

 

Ein besonderer Effekt, der vor allem bei Nahaufnahmen gerne gewünscht wird, ist das Bokeh – eine gezielte weiche Unschärfe des Hintergrunds. Durch die speziellen Eigenschaften der Kameralinse entstehen dabei oftmals kreisförmige, verschwommene Details. Um ein Bokeh als stilistisches Mittel zu erzielen, muss mit dem Abstand zum Motiv, der Brennweite oder auch dem Lichteinfall experimentiert werden.

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Bild: Fotolia, © kulzfotolia

Die Herausforderungen bei der Landschaftsfotografie

Um ein beeindruckendes Bild einer Landschaft zu knipsen, bekommt der Aspekt der Bildkomposition ein besonderes Gewicht. Ist der Ausschnitt etwa zu symmetrisch und gleichmäßig gewählt, kann beispielsweise schnell ein langweiliger Eindruck entstehen. Sich am goldenen Schnitt oder einer Drittelaufteilung zu orientieren sorgt alternativ immer für etwas mehr Spannung.

 

Abwechslung kann zudem auch ein Perspektivwechsel bringen. Wir sind es gewohnt, unsere Umgebung aus unserer Augenhöhe aus zu betrachten. Ein einfacher Wechsel in die Frosch- oder Vogelperspektive verändert das Ergebnis bereits enorm. Meist genügt es hier schon, in die Hocke zu gehen oder auf einen erhöhten Punkt zu klettern. Durch zusätzliche Motive im Vordergrund kann der Aufnahme zudem noch mehr Tiefe verliehen werden.

 

Ein sinnvolles Utensil ist darüber hinaus ein Polarisations- oder Graufilter. Sie sorgen für ausgeglichenere Lichtverhältnisse. Mit Hilfe des Polfilters können Reflektionen reduziert und die Farben verstärkt werden. Der Graufilter hingegen reduziert grundsätzlich den Lichteinfall. Zwar sind dann teilweise längere Belichtungszeiten notwendig, so lässt sich jedoch auch Wasser als fließendes Element fotografieren. Bei einer kürzeren Verschlusszeit wird Wasser ansonsten meist „eingefroren“ dargestellt und wirkt wenig lebendig. Auch Details von Wolken auf einem sehr hellen Himmel lassen sich damit herauskitzeln.

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Bild: Fotolia, © Darius Birstonas

Tipps zum Umgang mit Licht

Gerade das Licht stellt für die meisten in der Natur die größte Herausforderung dar, denn es lässt sich nun mal schwer selbst beeinflussen. Allerdings bietet es gleichzeitig auch einen riesigen Gestaltungsspielraum. Besonders ungünstiges Licht herrscht bekanntermaßen um die Mittagszeit herum, es sorgt dann schlicht für besonders harte und unnatürliche Kontraste.

 

Am frühen Morgen oder auch zur berühmten blauen Stunde am Abend hingegen fällt das Licht eher horizontal und weich. Viele Motive können dann viel vorteilhafter in Szene gesetzt werden. Um die richtige Lichtstimmung zu finden, kann es auch hilfreich sein, ein Motiv zu verschiedenen Zeiten zu betrachten und wieder einmal mehrere Versuche zu starten, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

 

Beim Fotografieren einzelner Details können oft störende Schatten den Gesamteindruck beeinträchtigen. Dann hilft nur gezieltes Beschatten der Szene oder manchmal auch ein Perspektivwechsel. Unter Umständen können dunklere Stellen auch mit Hilfe eines Reflektors aufgehellt werden.

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