Ungestellte Hochzeitsfotos mit eigenem Bildstil fotografieren

«Nicht einfach nur ein paar Hochzeitsfotos» – in diesem Beitrag beschreibe ich, warum es so wichtig ist, beim Fotografieren einen eigenen Stil zu entwickeln, warum ich die Hochzeitsfotografie trotz besonderer Herausforderungen liebe und wie sich ein edler, technisch ausgefeilter Bildstil mit Authentizität vereinen lässt.

Hochzeitsfotos Bildstil

(@Stefanie Blochwitz Fotografie)

Hochzeitsfotografie ist oft nicht gerade beliebt unter Fotografen. Lange Arbeitstage, manchmal bis spät in die Nacht, den ganzen Tag über achtsam sein, um keinen besonderen Moment zu verpassen, höchste Konzentration… und zwar bei jedem Wetter! Denn das Brautpaar möchte bei jeden Witterungsbedingungen seinen Hochzeitstag mit ganz besonderen Fotos festgehalten haben. Warum ich die Hochzeitsfotografie trotzdem über alles liebe und leidenschaftlich ausübe? Hochzeiten geben mir unendlichen kreativen Spielraum – was mir als Fotografin mit sprudelnden Ideen und einem Faible für Technik wie gerufen kommt. Ausserdem sind gerade Hochzeitsfotos oft sehr ähnlich, was mich sehr motiviert hat, einen besonderen, edlen Bildstil zu erschaffen – für Brautpaare mit einem besonderen Anspruch.

Ungestellte Hochzeitsfotos – aber professionell

«Wir möchten unbedingt natürliche und ungestellte Hochzeitsfotos!» Mit diesem Wunsch kommen fast alle meine Brautpaare auf mich zu. Meistens haben sie vorher im Internet schon Beispiele meiner Hochzeitsfotografie gesehen und mögen den besonderen Wow-Effekt der Bilder, die dennoch ganz authentisch und ungestellt wirken. Es braucht viel Feingefühl, um zu erkennen, wo ich als Hochzeitsfotografin eingreifen und Hinweise geben muss – und an welcher Stelle ich das Geschehen nur dokumentiere. Selbstverständlich kann ich während der Zeremonie nicht eingreifen – hier arbeite ich als Reportage Fotografin und fange einfach ein, was geschieht.

Eine wichtige Situation, die ich hingegen im Vorfeld mit dem Brautpaar koordiniere, sind die Vorbereitungen bei Braut und Bräutigam. Es wäre schliesslich zu schade, wenn der Brautvater den Raum betritt und seine Tochter das erste Mal im Brautkleid sieht, während ich gerade in einer anderen Ecke Details festhalte und diesen Moment verpasse. Er lässt sich nicht wiederholen. Mit den Eltern wird daher beispielsweise vorab kommuniziert, dass sie erst das Zimmer betreten dürfen, wenn sie von uns dazu aufgefordert werden.

hochzeitspaar vor berglandschaft schwarz weiss fotografiert

(@Stefanie Blochwitz Fotografie)

Emotionale Bilder: Der Blick des Bräutigams

Die meisten von uns kennen es aus Filmen. Der Moment, in dem der Bräutigam das erste Mal seine Braut sieht, ist ein ganz Besonderer. Immer mehr Brautpaare entscheiden sich für ein Fotoshooting bereits vor der Trauung und dieses erste Zusammentreffen halte ich mit meiner Kamera fest. Auch hier sind die Koordination und Kommunikation mit dem Brautpaar entscheidend. Das Brautpaar wird informiert, dass sie nicht in die Kamera schauen, sondern mich für den Moment ausblenden sollen. Sie dürfen den Augenblick ganz für sich geniessen. Eine besondere Technik, die ich hier empfehlen kann: Ich führe mein Brautpaar zunächst Rücken an Rücken zueinander. Das Paar hält sich an den Händen fest und ich zähle bis drei, dann drehen sich beide zueinander um. Diese ersten, unverstellten Momente fange ich ein und greife in die Folgemomente selbstverständlich nicht weiter ein.

hochzeitsfotos vom ersten blick des hochzeitspaars

(@Stefanie Blochwitz Fotografie)

Posing – eine unterschätzte Technik

Posing ist leider inzwischen zu einem negativen Wort geworden – dabei ist es so wichtig. Auch wenn sich ein Brautpaar natürliche Hochzeitsfotos wünscht, braucht es hier und da ein paar kleine technische Anweisungen – ohne jedoch die Gesamtbedeutung des Bilds zu verändern oder die Paare in Posen zu bringen, die ihnen nicht entsprechen. Manche Brautpaare brauchen mehr Hinweise und andere weniger. Eine lockere und lustige Stimmung während des Paarshootings ist wichtig und macht im Endergebnis einen riesigen Unterschied! Kaum ein Brautpaar steht regelmässig vor der Kamera. Deshalb sehe ich es als meine Aufgabe, gute und klare Anweisungen zu geben.

Hierbei spiegle ich dem Paar häufig die Bewegung. Das bedeutet, dass ich bestimmte Posen zu Hause vor dem Spiegel üben muss, um sie optimal vermitteln zu können. Bevor ich mit dem Brautpaarshooting starte, erkläre ich dem Paar stets das grundliegende Posing. Eine kleine Demonstration, wie man ein Doppelkinn vermeiden kann und auch wie der Oberarm der Braut optimal aussieht, helfen hierbei. Auch Gewichtsverlagerung ist sehr wichtig. Denn obwohl man die Füsse der meisten Bräute unter dem langen Kleid nicht sehen kann, bekommt der Körper eine ganz andere Dynamik im Hüftbereich, wenn das Gewicht verlagert ist. Die Paare haben viel Geld für ihre Hochzeitskleidung investiert, daher sehe ich es als meine Aufgabe, diese schöne Kleidung bestmöglich in Szene zu setzen.

Meine Empfehlung

In meinen Anfängen als Hochzeitsfotografin hat mich das Posing-Thema überfordert – auch weil ich so hin- und hergerissen war, inwieweit es der Authentizität schaden könnte. Einfach nur ein paar typische Posen von anderen Hochzeitsfotos abgucken wollte ich auch nicht. Alles verändert hat für mich das Buch des Fotografen Roberto Valenzuela: «Perfektes Posing mit System». Das kann ich von Herzen empfehlen, denn Roberto zeigt hier nicht einfach nur Posen, die man kopieren kann, sondern erklärt sehr genau, warum eine Pose gut aussieht. Alles wird bis ins kleinste Detail analysiert und mit etwas Übung ist es mir sehr leicht gefallen, seine Tipps nach und nach in meine Shootings einzubauen. Ausserdem bietet er auch im deutschsprachigen Raum immer wieder Posing-Workshops an. Im Jahr 2017 habe ich einen solchen in London besucht. Dies war eine unglaubliche Investition in meine Fotografie, die sich schon nach kürzester Zeit ausgezahlt hatte!

brautpaar posiert auf treppe

(@Stefanie Blochwitz Fotografie)

Hochzeitsfotos mit Wow-Effekt

In den letzten Jahren durfte ich von vielen internationalen Fotografen lernen und konnte meine Hochzeitsfotografie transformieren. Einen der wichtigsten Tipps habe ich auf einem Workshop von New Yorker Fashionfotografin Lindsay Adler erhalten: «Finde Deinen eigenen Bildstil». Diesen Tipp möchte ich gerne weitergeben. Finde deinen eigenen Stil, welcher deine Hochzeitsfotos einzigartig macht und sei mutig, diesen auch durchzuziehen. Selbstverständlich braucht diese Veränderung viel Zeit. Lass dich dabei ruhig von anderen Fotografen inspirieren. Mich haben Hochzeitsfotografen wie Roberto Valenzuela und Rocco Ancora, aber auch Johnson Wee sehr stark bei meinem Bildstil beeinflusst. Ich liebe dramatische Elemente im Foto und ich möchte Bilder kreieren, die künstlerisch sind und besonders als Wandbilder ganz gross zur Geltung kommen. Auf meiner Homepage und Social Media spreche ich daher von «Hochzeitsfotos mit Wow-Effekt».

brautpaar sitzt auf mauer fuer hochzeitsfotos

(@Stefanie Blochwitz Fotografie)

Das Brautpaar im Mondenschein

Während jeder Hochzeit stelle ich mir eine kreative Aufgabe, die ich ausprobiere, sobald ich mein Pflichtprogramm erfüllt habe. Viele Brautpaare zeigen riesige Freude, wenn ich ihnen erzähle, dass ich gern etwas Neues probieren würde. Eins meiner ersten kreativen Hochzeitsfotos ist dieses Bild. Ich war 2 Tage vor der Hochzeit vom Workshop mit Roberto Valenzuela aus London zurückgekommen. Und da war er nun, dieser unglaublichste Mondaufgang in den Bergen. Also habe ich meinen Blitz entfesselt, das Brautpaar auf den Tisch der Terrasse gestellt, den Trauzeugen das Kleid werfen lassen (er musste sich unter dem Tisch verstecken) und habe mein erstes «Backlight» Foto aufgenommen. Ich war selbst überrascht, wie gut das funktioniert hat. Das Brautpaar war hingerissen, die Gäste waren es auch. Mut zum Ausprobieren lohnt sich also. Aber natürlich gelingen solche Fotos nicht immer. Da hilft nur eins: aus Fehlern lernen – und weiter geht’s mit dem nächsten Bild.

Wenn ich eine Hochzeit bis Mitternacht begleite, handelt es sich meist um einen sehr langen Arbeitstag. Besonders am Abend merke ich dann, dass die Gäste alle schon mal abgelichtet wurden. Das Programm wurde von mir auch bereits festgehalten – inklusive der Klassiker, wie Torte anschneiden und der erste Tanz des Brautpaars. Als Zusatz-Special kreiere ich dann gerne Abendstimmungsfotos. Denn der Moment, in dem es eindunkelt, ist einfach fantastisch. Beim Eindunkeln oder auch wenn es bereits ganz dunkel ist, ist der Kreativität mit dem Blitz nämlich keine Grenze gesetzt. Hinzu ziehe ich auch häufig die Abendbeleuchtung, wie zum Beispiel Lichterketten. Diese Fotos lassen sich prima vorbereiten, während das Brautpaar noch am Essen ist. Mit guter Vorbereitung muss ich das Brautpaar dann nur wenige Minuten am Abend aus ihrer Feier herausziehen, um eine ganz spezielle Magie zu kreieren. Diese Hochzeitsfotos sind bei allen meiner Brautpaare gleichermassen beliebt und zeichnen meinen besonderen Bildstil aus.

hochzeitsfotos brautpaar im mondschein

(@Stefanie Blochwitz Fotografie)

Der extra Schritt für besondere Hochzeitsfotos

Ich liebe technische Spielereien und arbeite für mein Leben gerne mit Blitzen, aber auch mit Doppelbelichtungen direkt in der Kamera. Bei Blitzfotos finde ich es besonders wichtig, dass ein Bild nicht «zu Tode geblitzt» wird. Zu Hochzeiten gehe ich grundsätzlich nur noch mit meiner Assistentin. Diese bezeichne ich gerne als meine Sonne. Der Vorteil eines externen Blitzgerätes/Studioblitzes ist, dass ich auch genügend Leistung habe, gegen die Sonne zu blitzen. Die letzten Jahre hatte ich stets die Profoto B1X mit dabei, inzwischen habe ich auf Godox AD300 gewechselt und bin sehr zufrieden. Auch meine Assistentin geniesst das geringere Gewicht dieses Blitzes, welcher über eine überraschende Leistung verfügt.

Durch die Blitzlichtfotografie bin ich unabhängig vom Wetter. Bereits in der Vorbesprechung mit dem Brautpaar empfehle ich den Paaren, sich eine gute „Schlechtwetterlokation“ auszusuchen. Besonders bei mir in der Nähe kenne ich viele Geheimtipps, wo ich besonders gerne fotografiere. Ich liebe Schlösser, Burgen und alte Gebäude. Aber auch ein alter Holzstall kann sehr reizvoll für ein Fotoshooting sein. Wenn ich ehrlich bin, bevorzuge ich ein schönes Gebäude gegenüber der Natur. Hier kann ich mein Licht genau dahin setzen, wo ich es gerne hätte. Bei meinen Zeitplänen muss ich viel in der Natur fotografieren, wenn die Sonne am höchsten steht, also um die Mittagszeit. Dort fühle ich mich limitierter. Auch für das Brautpaar ist ein schönes, kühles, altes Gebäude viel angenehmer als die pralle Mittagshitze. Für viele Brautpaare kann das grelle Licht der Mittagssonne eine Herausforderung sein, und unweigerlich fangen die Augen an zu tränen, besonders wenn man empfindliche Augen hat.

Fazit

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

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Einen besonderen Bildstil zu erschaffen hat also echte Vorteile. Ich kann mich als Fotografin voll entfalten, bin unter vielen wieder erkennbar und ich kann mir sicher sein, dass meine Brautpaare genau zu mir passen. Sicherlich wird nicht jedes Brautpaar meinen Stil lieben, aber das ist für mich auch völlig ok. Für alle anderen Geschmäcker gibt es schliesslich genügend Fotografen mit grossartigen anderen Bildstilen! Und diejenigen, die zu mir kommen, sind dafür umso begeisterter von ihren Bildern mit Wow-Effekt und sich ganz sicher, dass sie mich wollen und Niemanden sonst.

hochzeitfotos von tanzendem hochzeitspaar

(@Stefanie Blochwitz Fotografie)

Stefanie Blochwitz
Über den Autor

Stefanie ist seit über 10 Jahren Fotografin für Hochzeiten und Portraits mit grossem Fotostudio in Flims, Schweiz. Ihre Arbeit als Fotografin wurde bereits mehrfach mit internationalen Awards ausgezeichnet. In Zusammenarbeit und stetiger Fortbildung mit unterschiedlichen international erfolgreichen Fotografen erweiterte sie ihr Wissen laufend und leidenschaftlich! Geboren und aufgewachsen ist Stefanie im schönen Norden Deutschland, aber zuhause ist sie seit über 17 Jahren am Fusse des Flimsersteins in Graubünden. Seit 2010 folgt Stefanie ihrer Berufung und Leidenschaft als selbständige Fotografin. Sie setzte neuste Technik und Trends für ihre Fotografie ein und liebt es, die Kraft des Moments in ihren zeitlosen Bildern festzuhalten. Eindrucksvolle Arbeiten findest du auf der Website.

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