7 Tipps für zauberhafte Outdoor Frauenportraits

Outdoorportraits. Ein einfaches Wort, hinter dem sich eine unglaubliche Bandbreite an Möglichkeiten verbirgt. Ich möchte dir in diesem Beitrag zeigen, wie ich dieses Thema angehe und worauf ich achte, wenn ich Outdoor meine emotionalen und verträumten Frauenportraits kreiere.

Frauenportraits vertraeumt

Model: Julia (@Theresa Sujata Senti / Sujata Photography)

Dieses Bild ist an einer meiner liebsten Locations für Frühlingsbilder entstanden. Leider halten sich die Kirschblüten nur ein paar wenige Tage. Das helle Rosa lässt die blauen Augen des Models so richtig schön leuchten!
Theresa Sujata Senti

Ich selbst habe durch die Outdoorportraits mit der Peoplefotografie angefangen und ich liebe diese «einfache» Art von Portraits noch bis heute. Das «einfach» steht bewusst in Anführungszeichen, denn es gibt doch Einiges, worauf du achten kannst, damit das Foto so gelingt, wie du es dir vorstellst. Location, Outfit, Farben… Das sind nur drei der vielen Faktoren, die du bei deinem Bild nicht dem Zufall überlassen solltest. Damit dir auch als Anfänger tolle Frauenportraits gelingen, habe ich dir die für mich wichtigsten Tipps und Regeln zusammengestellt.

#1 Blickwinkel und Bildwirkung

Dein Blickwinkel beeinflusst stark, wie die Frauenportraits schlussendlich wirken. Wenn das Bild sanfte Schönheit, Verträumtheit, Sinnlichkeit oder auch Verletzlichkeit ausstrahlen soll, solltest du als Fotograf das Model von oben fotografieren. Sie sitzt und du stehst. Soll das Foto stolz, stark und majestätisch wirken, hilft es, wenn du dein Model leicht von unten fotografierst (bitte nicht von zu weit unten, wir wollen ja nicht den Inhalt ihrer Nase analysieren 😉). Ich habe oft einen Zweitritt im Auto, den ich entweder nutzen kann, um mich oder das Model daraufzustellen. Das erlaubt einen Perspektivenwechsel, ohne das einer am Schluss Muskelkater hat. Natürlich kannst du dein Model auch auf Augenhöhe fotografieren. Dies ist so zu sagen der neutrale Mittelweg, der die Bildwirkung am wenigsten beeinflusst.

Die roten Hare wurden hier mutig mit den violetten Beeren eines Liebesperlenstrauchs kombiniert. Ich war anfangs nicht sicher, ob sich die Farben vertragen aber das Resultat spricht für sich.
Theresa Sujata Senti

frau blick vertraeumt in kamera aus einem blumenfeld

Model: Svenja Lugano Moreno / Make-up und Haare: Mona Schlüsing (@Theresa Sujata Senti / Sujata Photography)

#2 Der Einsatz von Farben

Versuche bunte Bilder zu vermeiden, es sei denn, das ist gerade das Thema des Shootings. Das gilt für das Model, das Make-up, die Kleider und den Hintergrund. Ziehe neutrale Farben wie schwarz, weiss, grau, braun und beige vor und arbeite Ton in Ton oder setze bewusst einzelne Farbakzente. Ich empfehle dir nie mehr als zwei dominante Farben im Bild zu haben. Oft ist eine davon schon vom Model vorgegeben, zum Beispiel über die Haarfarbe, die Augenfarbe oder falls das Model bunte Tattoos hat. Entweder belässt du es bei der einen dominanten Farbe und arbeitest mit ihr oder du nimmst eine zweite Farbe dazu. Diese darf (annähernd) komplementär zu der ersten dominanten Farbe sein. Ein Beispiel dafür wären blaue Augen und oranges Augen Make-up, rote Haare und grüne Blätter oder ein gelbes Kleid gegen einen blauen Himmel.

Die Blätter im Hintergrund sind nur etwa 3 Wochen im Jahr so schön rot. Die Farbe des Outftis wurde entsprechend ausgesucht, die Spitze gibt dem Bild noch etwas mehr Leichtigkeit.
Theresa Sujata Senti

frauenportraits mit roter farbe im hintergrund und auf dem kleid des models

Model: Tanja Müller (@Theresa Sujata Senti / Sujata Photography)

#3 Die Location und der passende Hintergrund

Nachdem du nun entschieden hast, wie dein Blickwinkel gegenüber dem Model sein soll und welche Farben zu deinen Frauenportraits passen, musst du dir als nächstes Gedanken um den Hintergrund machen. Das kann alles Mögliche sein, vom Graffiti an einer Unterführung (Vorsicht wegen der Farben!), über einen Wald, bis zur neutralen weissen Hauswand. Gerade bei verträumten Frauenportraits braucht es eigentlich nicht viel – der kleine Rosenstrauch der Nachbarn ist oft schon mehr als ausreichend. Halte daher die Augen offen, wenn du zu Fuss, mit dem Rad oder dem Auto unterwegs bist. Gerade öffentliche Parks oder der Aussenbereich eines Firmengeländes können tolle Möglichkeiten bieten. Sei dir auch bewusst, dass viele Locations nur ein paar Tage oder wenige Wochen im Jahr wunderschön aussehen, den Rest der Zeit sind sie sehr unscheinbar. Es lohnt sich also immer, mit einem wachen Blick unterwegs zu sein.

Ich empfehle dir einen eher dunklen Hintergrund zu wählen. Das Gesicht deines Models sollte das Hellste im Bild sein, denn unser Blick wird automatisch von hellen Bereichen angezogen. Auch sonst sollten im Hintergrund keine Elemente sein, die vom Model ablenken. Wenn Elemente wie zum Beispiel Blumen im Hintergrund zu sehen sind, sollten sie eine Ergänzung zum Model sein.

#4 Strukturen und Muster

Strukturen und Muster machen das Bild spannend. Sei es ein strukturierter Hintergrund, oder, wie ich es auch gerne mache, Struktur in den Kleidern. Spitze bietet sich für Frauenportraits besonders an. Wichtig ist auch, dass die Struktur einfarbig ist und sich ins Gesamtbild einfügt. Wenn dein Model tätowiert ist, würde ich empfehlen auf zusätzliche Strukturen im Bild zu verzichten, damit der Gesamteindruck nicht zu nervös wirkt. Ein weiteres tolles Strukturelement sind die Haare. Wenn dein Model lange Haare hat, bitte sie, Wellen oder Locken zu machen. Das funktioniert immer, auch bei tätowierten Models und es sieht einfach spannender aus als gerade Haare.

Da das Model am ganzen Körper stark tätowiert ist, wird hier alles Andere ruhig gehalten. Ein schlichter, schwarzer Hintergrund, ein unaufdringliches schwarzes Oberteil und dank der geschlossenen Augen auch eine sehr ruhige Ausstrahlung des Models.
Theresa Sujata Senti

frauenportraits mit schwarzem hintergrund und tätowiertem model

Model: Sandy TrueBodyArt / Make-up und Haare: Tanja Vernucci (@Theresa Sujata Senti / Sujata Photography)

#5 Blende und der Bokeh-Effekt

Für meine Frauenportraits arbeite ich meist mit einer sehr offenen Blende. So verschwimmt der Hintergrund und das Model wird nochmals stärker betont. Je nach dem mit welchem Objektiv du arbeitest, bekommst du zudem einen wunderschönen Bokeh-Effekt, der das Bild für den Betrachter nochmals spannender macht. Objektive, die für ihr schönes und einzigartiges Bokeh bekannt sind, sind zum Beispiel das Helios 44-2 58 mm f2 oder das Trioplan 100 f2.8.

#6 Photoshop

Wenn die Realität nicht all deinen Wünschen entsprechen kann – dann gibt es immer noch Photoshop. Die oben genannten Eigenschaften unter einen Hut zu bekommen ist nicht immer einfach, gerade Outdoor musst du oft Kompromisse eingehen. Doch insbesondere was die Farben betrifft, kann im Post-Processing noch viel herausgeholt werden. Grüntöne sind hier ein typisches Beispiel. Outdoor kommt man um diese Farbe meist nicht herum, ausser man ist in einer Stadt oder in der Wüste. Sehr oft ist Grün dann eben diese eine Farbe zu viel. Aber das Grün kann auch sehr einfach in eine andere Farbe umgewandelt werden. Dazu verrate ich dir jetzt Schritt für Schritt meine Lieblingsmethode, welche ich bei vielen meiner Frauenportraits verwende.

  1. Lege eine Einstellungsebene «Kanalmixer» an
  2. Wähle den Ausgabekanal Blau
  3. Setze folgenden Werte:
    Rot: -50 %
    Grün: +150 %
    Blau: 0 %
  4. Jetzt sollten deine Grüntöne nicht mehr grün, sondern blau/cyanfarben sein
  5. Setze den Ebenenmodus der Kanalmixer-Ebene auf «Aufhellen»
  6. Lege eine Farbton/Sättigungs-Ebene an, die aber nur auf die Kanalmixer-Ebene darunter angewendet wird
  7. Wähle nun bei Farbton/Sättigung die Cyantöne aus
  8. Wenn du jetzt den Regler für den Farbton verschiebst, wirst du feststellen, dass du alle deine (ehemaligen) Grüntöne nun ganz einfach umfärben kannst
  9. Es bietet sich zudem an, auch mit den Reglern der Sättigung und der Helligkeit zu spielen

Falls du im Hintergrund noch helle Bereiche hast, die vom Model ablenken, kannst du diese entweder mit dem Stempelwerkzeug entfernen oder den Blick über eine dunkle Vignette und gezieltes aufhellen des Gesichts lenken.

Bei diesem Bild wurde der grüne Hintergrund mit der im Text beschriebenen Methode blau gefärbt, um einen noch stärkeren Kontrast zu den roten Haaren des Models herauszuarbeiten.
Theresa Sujata Senti

model blickt vertraeumt in kamera mit bokeh effekt im hintergrund

Model: Leonie Wawro / Make-up und Haare: Jeanne-Kay Kruger (@Theresa Sujata Senti / Sujata Photography)

#7 Gezielte Planung

Kommen wir zum Schluss noch zu dem, was eigentlich ganz am Anfang eines jeden Shootings steht – die Planung. Es kommt selten vor, dass ich ganz ohne Plan an ein Shooting gehe. Das Herangehen an die Planung kann ganz unterschiedlich sein, je nach Startpunkt. Nehmen wir mal an, dein Startpunkt ist der wunderschöne, blühende Magnolienbaum, den du entdeckt hast. In dem Fall solltest du dir erst die Location selber genauer anschauen.

  • Wie hoch oben sind die Blüten?
  • Kommen die Äste bis herunter oder brauchen sowohl du als auch das Model etwas zum Draufstehen damit du die gewünschte Perspektive bekommst?
  • Ist die Location frei zugänglich oder musst du noch irgendwo eine Bewilligung einholen?
  • Der Magnolienbaum mit seinen weiss-rosa Blüten gibt die Farben vor. Sag deinem Model also, sie soll weisse und rosa Outfits mitnehmen und auch das Styling in den diesen Tönen halten.
  • Schick dem Model am besten ein paar Fotos von der Location, damit es sich besser vorbereiten kann.
  • Suche im Web, auf Instagram/Facebook und Pinterest, Bilder von Shootings mit Magnolienbäumen und teile auch diese Bilder mit deinem Model. Zum einen liefert es weitere Inputs für die Outfits und dem Styling, zum anderen bringen dich die Bilder vielleicht auf Ideen, die du vielleicht selber so nicht gehabt hättest.

Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Tipps ein bisschen weiterhelfen konnte und dich vielleicht auch zum einen oder anderen Experiment inspiriert habe. Wenn ja, würde es mich natürlich sehr freuen, das Resultat zu sehen! Viel Spass bei der Umsetzung und ich wünsche dir immer gutes Licht!

Theresa Sujata Senti
Über den Autor

Theresa Sujata Senti ist eine kreative Fotografin, die sich ganz der Peoplefotografie verschrieben hat. Sie liebt es, Menschen von ihrer schönsten Seite zu zeigen. Ob dies in Form von verträumten Portraits, spektakulären Fashionbildern oder emotionalen Mensch-Tier-Bildern passiert, ist dabei so individuell wie die Person, die vor der Kamera steht. Eindrucksvolle Arbeiten findest du auf der Website.

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