Fotografieren mit Blitz | So setzt du Blitzlicht richtig ein

Manche Fotografen sind gegen das Fotografieren mit Blitz oder andere Lichtspielereien. Vielleicht weil es nicht zu ihrem Stil passt, oder weil sie sich mit Blitzlicht nicht wohl fühlen. In diesem Artikel möchte ich auf Situationen eingehen, in denen du Blitzlicht verwenden solltest und wie du es gezielt zu deinem Vorteil nutzen kannst. Ich habe den Artikel in Innen- und Aussenaufnahmen unterteilt, um es für dich einfacher zu machen. Auf die Grundlagen der Blitzfotografie gehe ich hier nicht ein, denn ich nehme an, du verstehst den Zusammenhang zwischen Blitz, ISO, Verschlusszeit und Blende.

Fotografieren mit Blitz und Blitzlich Frau Studio

Fotografieren mit Blitz: Die Position und Stärke nimmt Einfluss auf das Bild.

Wir Fotografen lieben das Gefühl von weichem, natürlichem Licht. In schwach ausgeleuchteten Umgebungen kann es aber von enormem Wert sein, ein künstliches Licht zu haben. Zu wissen, dass du eine verlässliche Lichtquelle hast und somit bereit bist, herausfordernde Aufgaben in jeder Umgebung zu bewältigen – das gibt dir Selbstvertrauen und Sicherheit bei der Arbeit im Feld.

Innenaufnahmen

Warum Fotografieren mit Blitz?

Als Profi solltest du über ein grundlegendes Beleuchtungskonzept verfügen, um den Tag problemlos festhalten zu können. High-End-DSLRs sind flexibel genug, um Bilder in schlecht beleuchteten Umgebungen aufzunehmen, aber du wirst Kompromisse eingehen müssen. Wenn die Lichtverhältnisse schlecht sind, kämpfst du mit verschwommenen Bildern, verursacht durch Bewegungsunschärfe oder Verwacklungen der Kamera. Möglicherweise musst du auch den ISO-Wert hochschrauben, was dann aber zu Rauschen führt, die Farben durcheinanderbringt und den Dynamikumfang stark reduziert. Kurz gesagt, dir bleiben nur sehr wenige Möglichkeiten in der Nachbearbeitung.

Um das zu vermeiden und deine Nachbearbeitungszeit zu verkürzen, solltest du Blitzlicht verwenden. Du kannst mit einem einfachen Setup beginnen, zum Beispiel mit einem an der Kamera montierten Blitz. Du darfst aber auch kreativer werden und den Blitz in einer Off-Kamera-Konfiguration verwenden, um Bilder dramatischer und ausgewogener erscheinen zu lassen.

Ballsäle, Kirchen, Hochzeiten oder Geschäftsanlässe

Hochzeitsballsäle, Kirchen und Empfangsbereiche neigen dazu, eher dunkel zu sein. Hier es deshalb wichtig, eine primäre Lichtquelle zu schaffen, die heller und angenehmer ist als das schwache Umgebungslicht. Das Fotografieren mit Blitz erlauben Kirchen im Allgemeinen nicht bei Zeremonien und die Verwendung von Kunstlicht musst du mit den Kirchenbeamten vor der Zeremonie besprechen. Aber du kannst Stroboskoplicht und Lichtwandler auch an anderen Orten verwenden.

Blitzlicht Kirche

Kirchen sind oft dunkel, daher kann ein Blitz von Vorteil sein. (Adobe Stock)

Blitz richtig einsetzen

So, wie sieht also das grundlegende Setup aus? Wenn du weisse, niedrige Decken hast, kannst du den Blitz auf der Kamera montieren und das Licht von der Decke oder weissen Wänden abprallen lassen. Wenn die Wände / Decken verschiedenfarbig sind, würde ich diese Methode jedoch nicht empfehlen. Das Licht nimmt nämlich den Farbton des Objekts an, von dem es reflektiert wird. Grüne Wände erzeugen zum Beispiel eine „schöne“ grüne Hautfarbe.

Jeder Fotograf, der mehr oder weniger die Kontrolle behalten will über die Zeit, die er an der Veranstaltung und später mit Nachbearbeitung verbringt, sollte eine Bounce-Karte dabeihaben (die braucht nur wenig Platz in der Tasche). Wenn du sie zu Hause oder im Studio vergessen hast, mach dir einfach selbst eine aus weissem Papier. Nimm einen Klebestreifen oder ein Gummiband und mach das Papier auf deinem Blitz fest. Et voilà, schon hast du ein viel schöneres Licht. Hier noch eine Video Anleitung dazu:

Etwas komplexer wird es, wenn du die Lichtquelle von der Kamera trennst. Das wird allgemein als „Off-Kamera-Blitz“ oder entfesseltes Blitzen bezeichnet (Anleitung dazu im vorherigen Link). Du könntest zum Beispiel verschiedene Lichtquellen aufstellen, die den Bereich aus mehreren Winkeln beleuchten: Ein Blitz hinter deinem Motiv, um die Ränder auszuleuchten, und einer dessen Licht reflektiert wird – sei es durch eine Wand oder einen Schirm. So kannst du in Innenräumen grossartige Bilder machen! Mit modernen Kamerasystemen solltest du zudem beide Blitze direkt von der Kamera aus mit Infrarot- oder Funksendern steuern können.

Fotografieren mit Blitz Bounce-Karte

Mit einer Bounce-Karte machst du das Licht weicher und angenehmer. (Adobe Stock)

Details fotografieren in Innenräumen

Wenn du ein Eventfotograf bist, ist es Teil deiner Aufgabe, Details für den Veranstalter des Events zu fotografieren. Die Veranstalter oder Auftraggeber sind dabei unterschiedlich; es geht hier nicht nur um Hochzeitsplaner, Floristen, Bäcker etc. Als Eventfotograf wird von dir erwartet, dass du alle Details festhältst. Für die Beleuchtung der Details reicht dir die Ballsaal-Ausrüstung, nur ist die Arbeit mit bewegungslosen Gegenständen noch viel einfacher, weil sie sich nicht bewegen oder sprechen. Wenn du unter diesen Umständen das Fotografieren mit Blitz vermeiden möchtest, musst du sicherstellen, dass du zumindest an einem halbwegs gut beleuchteten Ort fotografierst. Hierfür brauchst du ein Stativ und eine lange Verschlusszeit. Das stellt sicher, dass die Kamera genügend Licht einfangen kann, um ein scharfes und ausgewogenes Foto zu erzeugen.

Jedoch macht dich diese Vorgehensweise auch langsamer. Wenn du deine Zeit halbieren und Details schneller fotografieren möchtest, musst du deinen Arbeitsbereich ausreichend belichten – das ist die einzige Möglichkeit. Dazu reicht vielleicht ein On-Camera-Blitz mit einer Bounce Card und/oder einem Diffusor. Mit einem fix positionierten Hintergrundlicht und etwas Fülllicht von der Seite könntest du aber sicher noch einen ausgewogeneren, professionelleren Look erreichen.

Blitzlicht Details

Details kannst du auch bei schlechtem Licht gut festhalten. (@Asiya Kiev auf Unsplash)

Aussenaufnahmen

Fülllicht für eine bessere Ausleuchtung deines Motivs

Die meisten Fotografen halten nichts vom Fotografieren mit Blitz im Freien. Ich gebe es zu, auch ich gehöre ein bisschen zu denen. Ich liebe natürliches Licht, vor allem jenes am späten Nachmittag, das beste Licht überhaupt. Aber im Laufe des Tages wird deine Kamera irgendwann Mühe bekommen mit dem verfügbaren Licht. Jetzt wäre der Zeitpunkt, über alternative Lichtquellen nachzudenken, damit du deinen Job machen kannst. Es ist wichtig, dass du lernst, wie man in solchen Situationen die Beleuchtung aufstellt. Sonnenstrahlen können beim Fotografieren unter Umständen Probleme wie Lens Flare bereiten, aber ohne sie wäre es genauso schwierig, weil dann ein gutes Umgebungslicht fehlt. Also musst du deine Motive mit einer künstlichen Lichtquelle beleuchten, ähnlich wie beim Fotografieren in Innenräumen.

Fotografieren mit Blitz draussen

Um Schatten auszugleichen, kannst du auch im Freien Blitzlicht verwenden. (@Mr Autthaporn Pradidpong auf Unsplash)

Für das obige Bild wurde zum Beispiel ein einzelner Blitz benutzt, der sich leicht rechts neben dem Motiv befindet und mit voller Leistung an einen reflektierenden Regenschirm oder durch eine Softbox blitzt.

Fotografieren mit Blitz bei Gegenlicht

Das Fotografieren von Objekten im Gegenlicht kann mit der Nutzung einer Gegenlichtblende eine schöne Trennung zwischen Motiv und Hintergrund schaffen und den Bildern mehr Tiefe verleihen. Allerdings solltest du wissen, dass du deine Seite des Motivs vielleicht nicht mehr siehst, wenn zu viel Gegenlicht (z.B. die Sonne) vorhanden ist. Dadurch entsteht dann eine Unterbelichtung. Ein Reflektor könnte da helfen – am besten, wenn ihn jemand für dich hält. Aber auch ein Aufhellblitz kann hier wahre Wunder bewirken. Ein einzelner Aufsteckblitz (Off-Camera) wäre hierfür absolut ausreichend. Ich benutze normalerweise einen mittelgrossen Regenschirm oder eine Softbox auf einem Ständer, um so etwas hinzubekommen:

Blitzlicht Gegenlicht

Ist das Gegenlicht zu stark, wird dein Motiv unterbelichtet. Deswegen braucht es mehr Licht von vorne. (@Mr Autthaporn Pradidpong auf Unsplash)

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Falls du auch so einen schönen Sonnenstern (zwischen den beiden Köpfen) mit ins Bild einbauen willst wie oben gezeigt, dann lies unsere Anleitung zu den Sonnensternen.

Sonnentage – der Kampf gegen Lichtflecken und tiefe Schatten

Als nächstes kommt die Problematik des Fotografierens an sonnigen Tagen, wenn die Sonne direkt über uns steht. Mit hartem Licht kannst du wunderschöne Bilder zaubern, für Porträts ist es aber meist ungeeignet. Ähnlich wie beim Fotografieren mit Gegenlicht würde ich empfehlen, einen einfachen Regenschirm oder eine Softbox zu benutzen. Wenn du dein Blitzlicht dann noch richtig positionierst, kannst du so hässliche Schatten auf den Gesichtern der Menschen vermeiden. Hast du schon einmal was von „Waschbär-Augen“ gehört? Eine witzige Bezeichnung, wenn die Augenhöhlen nicht genug ausgeleuchtet sind.

Blitzlicht sonnige Tage

Das Licht der Mittagssonne ist sehr hart, deswegen musst du eventuell etwas gegensteuern. (@Renato Abati auf Pexels)

Vermeiden von Hautverfärbungen durch die Umwelt

Ein Leser hat uns mal folgende Frage gestellt:

Gibt es eine gute Möglichkeit, bei Aufnahmen inmitten von üppigem Grün die grüne Reflexion auf der Haut zu vermeiden? Es macht mich wahnsinnig, die gelbgrünen Hauttöne korrigieren zu müssen!

Bei der Arbeit mit natürlichen Reflektoren wirst du immer mal wieder auf das Problem stossen, dass dein Motiv die Farbe der reflektierenden Umgebung annimmt. Ich habe beim Fotografieren mit Blitz oft das gleiche Problem, das kann in der Nachbearbeitung tatsächlich ärgerlich sein. Obwohl es dafür keine In-Camera-Lösung gibt, kannst du etwas dagegen tun. Dafür stellst du neben deinem Motiv einen Reflektor auf. Auch mit Regenschirmen oder Softboxen kannst du dein Objekt belichten und es so mehr oder weniger vom Hintergrund isolieren, was auch Farbreflexionen verringert. Ich persönlich finde aber, dass Blitzlicht in solchen Situationen oft einfacher ist als ein Reflektor, besonders, wenn ich meine Objekte aus verschiedenen Winkeln beleuchten möchte.

Fotografieren mit Blitz Umgebungslicht

Das Blitzlicht verhindert, dass das weisse Kleid die Farbe der Umgebung annimmt.

Spass haben mit neuen Ideen

Unabhängig davon, wie hektisch der Tag auch gewesen sein mag, solltest du dir selbst etwas Raum für Kreativität lassen. Du kannst mit etwas ganz Einfachem beginnen und dann später mehr variieren, wenn du deine Ausrüstung besser verstehst. Wenn du eine Hochzeit fotografierst, arbeitest du wahrscheinlich an einem langen Tag mit dem, was dir gerade in den Sinn kommt. Und da sich leider nicht vorhersagen lässt, was mit Wetter, Unterkünften und anderen unplanbaren Dingen passieren könnte, bist du vermutlich auch nicht daran interessiert, etwas Neues auszuprobieren. Aber ich bitte dich; gib dir selbst etwas mehr Anerkennung und erweitere deine eigenen Grenzen. Du musst nicht etwas komplett Verrücktes machen, es soll sich lediglich etwas von anderen Hochzeiten unterscheiden.

Blitzlicht Farbfolien

Verschiedene Farbfolien geben dem Bild einen sehr speziellen, coolen Look. (@Phix Nguyen auf Unsplash)

Ein kleines Beispiel: Hast du schon einmal transparente, farbige Folien beim Fotografieren mit Blitz verwendet? Nein? Das solltest du mal versuchen, sieht echt cool aus. Diese findest du verlinkt in unserer Fotoausrüstung. Einfach die Folie beim Abdrücken vor den Blitz halten. Indem du solche Mini-Projekte während der „Stresszeit“ durchführst, kannst du nachher besser einschätzen, wozu du in der Lage bist, wenn du auf Knopfdruck kreativ sein sollst. Zu den Folien gibt es hier noch ein gutes Video.

Fazit

Das Blitzlicht hilft dir, eine andere Dimension der Fotografie zu nutzen. Manchmal hast du keine andere Wahl, als einen Blitz zu verwenden. Aber wenn du es tust, dann will ich dich ermutigen, dir Raum für Kreativität zu lassen. Unabhängig von der Art der Fotografie, die du machst, ist es nur eine weitere Fähigkeit, die dich herausfordern und motivieren wird, etwas anderes zu tun.

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