Food Fotografie Guide | Vom Styling bis zur Nachbearbeitung

Im Bereich der kommerziellen Fotografie ist die Food Fotografie ein relativ neues Thema, das sich aber rasant entwickelt. Mit dem plötzlichen Aufstieg der „Instagram Generation“, ist es nun der Trend, Lebensmittel in ihrer appetitlichsten Form aufzunehmen. Du kennst bestimmt den Satz: „Das Auge isst mit“ und das ist genau die Aufgabe eines Food Fotografen – lasse das Essen so schmackhaft wie nur möglich aussehen! Mit dem Aufkommen von sozialen Medien, haben sich mehreren Nischen in der Fotografie durchgesetzt. Einer dieser Nischen ist die Food Fotografie.

Food Fotografie Gericht

Das Auge isst mit (@Ella Olsson, pexels.com)

#food ist der am meisten verbreitete Hashtag in der gesamten Instagram-Welt und zeigt daher, dass uns das Essen so wichtig ist, dass wir es mit der Food Fotografie festhalten und teilen wollen. Es sind rund 365’000’000 Beiträge im Umlauf, welche mit diesem Schlüsselwort gepostet werden! Von dir als Foodfotograf wird erwartet, dass du sowohl Fotos in Druckqualität, als auch einwandfreie digitale Bilder liefern kannst. Diese sind heutzutage am stärksten gefragt, weil der grösste Teil der Kundschaft immer öfters  ihre Bilder auf Facebook, Instagram oder ihrer Website veröffentlichen möchten.

Der Fokus liegt schlussendlich auf dir, da du mit dem Aufbau der Fotos durch deinen Kunden betraut wirst. Man wird von dir erwarten, dass du die komplexesten Gerichte so fotografierst, dass sie für den Betrachter richtig köstlich aussehen! Die verfügbaren Elemente, die eine Food Fotografie großartig wirken lassen können, reichen von der Beleuchtung über diverse Gestaltungselemente bis hin zur Nachbearbeitung.

Kundenwünsche

Wenn ein Kunde in deine Fotografie-Dienstleistungen investiert, ist die häufigste Anwendung dahinter, die Werbung – sei es online oder offline. Im Online Handel ist der Bedarf an Bildern vor einem „weißen Hintergrund“, bei dem im Wesentlichen ein Lebensmittel wie ein Produktfoto aufgenommen wird, stark gestiegen. Die Kunden verwenden diese Fotos dann oft auch für ihre Website. Aufnahmen mit weissem Hintergrund kann dein Kunde dann auch gleich für Grafikdesigns, Menüs und POS-Material passend verwenden.

Du triffst wahrscheinlich auf Auftraggeber, die speziell für die sozialen Medien ein Food Foto möchten. Ein weiteres Einsatzgebiet für dich, kann auch die Food Fotografie für redaktionelle Berichte sein. Denn in den meisten dieser Fälle, werden die Fotos, die für Social-Media-Zwecke aufgenommen wurden, ebenfalls für die redaktionelle Berichterstattung genutzt.

Food Fotografie asiatische Suppe vor weissem Hintergrund

Ein Produktfoto mit weissem Hintergrund optimal für die Website (@Buenosia Carol, pexels.com)

So klar die Kundenanforderung auch sein mag, einige Lebensmittel sehen mit einem schlichten weißen Hintergrund weniger ansprechend aus. Wenn das der Fall sein würde, dann hast du als Fotograf die Verantwortung, die Aufnahme minimal in Szene setzen zu lassen.

Die richtige Ausrüstung

Als angehender Food Fotograf möchtest du bestimmt wissen, welche Art von Ausrüstung deine Kollegen besitzen? Was macht eine gelungene Food Fotografie aus?

Welche Kamera ist für die Food Fotografie geeignet?

Wenn du dein Bild nicht auf die Größe einer Plakatwand erweitern musst, sollte jede Spiegelreflexkamera mit digitalem Aufnahme-Sensor (DSLR) für dein Food-Foto-Shooting ausreichen.

Es heisst, die Kamera dient nur als Werkzeug – um das zu fotografieren, was sich unser Verstand bildlich vorstellt. Aber eine hochwertige Kamera kann dein Foto in Bezug auf Qualität und Benutzerfreundlichkeit deutlich aufwerten. Wenn du deine Bilder in einer sehr guten Qualität liefern möchtest, ist zum Beispiel ein Smartphone kein wirklicher Ersatz für eine Spiegelreflexkamera.

Welches Objektiv eignet sich am besten?

Da Lebensmittel in der Regel kleiner sind als andere Produkte, ist die Wahl des Objektivs ziemlich einfach. Du kannst fast alle Lebensmittel mit einer Brennweite von 24 mm bis 200 mm erfassen. In den meisten Fällen musst du sehr nah ranzoomen, daher bevorzugen viele Fotografen jedes Objektiv mit einer Brennweite über 70 mm. Um breitere Aufnahmen zu erhalten, gehen professionelle Fotografen manchmal bis zu 35 mm tief.
Ein Tipp am Rande: Benutze ein kürzeres Objektiv (F1.4 bis F3.6) um mit der Tiefenschärfe zu spielen ohne das die Qualität des Fotos darunter leiden wird.

Das Stativ

Ein Stativ ist ein unverzichtbares Element in der Food Fotografie, vor allem bei längeren Aufnahmen (Verschlusszeit von 1/30 und darunter). Bei längeren Verschlusszeiten wirst du es schwer haben, deine Arme stabil zu halten, was dir dann verwackelte Bilder bescheren wird. Somit ist das Stativ ein absolutes Muss für deine Ausrüstung, damit du stabile und scharfe Bilder fotografieren kannst.

Die richtige Beleuchtung

So gut natürliches Licht für die Fotografie auch ist, so ist es leider nicht immer verfügbar oder kontrollierbar. Aus diesem Grund sind qualitativ hochwertige Lichtformer erforderlich, damit dein Bild gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Wie du ein Motiv als Food Fotograf beleuchten sollst, ist von folgenden Faktoren abhängig:

  • Markenrichtlinien (“Style Guides”) – diese Richtlinien dienen als Anleitung für dich, um sehen zu können, wie du das Branding des Unternehmens verwenden kannst. Zum Beispiel ob eher dunklere oder hellere Farbtöne eingesetzt werden sollen.
  • Die Art und Weise der Küche –Einige Arten von Gerichten kommen sehr gut an, wenn sie in einer dunkleren Atmosphäre aufgenommen werden (italienische Küche), während andere Zubereitungen attraktiver wirken, wenn das Foto in helleren Farbtönen glänzt. Zum Beispiel Säfte oder asiatisches Essen. 

Auch hier gilt: es ist keine festgeschriebene Regel. Du kannst als Food Fotograf deine ganz eigene Kreativität in Bezug auf die Beleuchtung nutzen.

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Ein professioneller Fotograf würde sein Foto bestimmt mit einer einzigen Lichtquelle, mit den Lichtformern und Reflektoren, beleuchten. Entgegen dem Glauben, spielt das Schattenspiel auch eine sehr wichtige Rolle. Dein Motiv erhält damit die erforderliche Tiefe und Größenwirkung, die normalerweise für eine bestimmte Art von Lebensmitteln zwingend erforderlich ist (zum Beispiel Kuchen und Gebäck).

Food Foto-Shooting Lichtformer

Lichtformer für die richtige Beleuchtung bei Foto-Shootings (@Alexander Dummer, pexels.com)

Food Fotografie Bildaufbau und Kameraeinstellungen

Der beste Winkel

Zum Thema Blickwinkel gibt es keine Faustregel – sei einfach kreativ. Bei flacheren Lebensmittel wie zum Beispiel Pizza oder Fladenbrot empfehlen wir aus einem 90-Grad-Winkel, oder auch verbreiteter bekannt als „Top-Shot“ Kameraperspektive, zu fotografieren.

Food Fotografie Blickwinkel

Pizzas oder Fladenbrote werden am besten aus einem 90-Grad-Winkel abgelichtet (@Narda Yescas, pexels.com)

Lebensmittel wie zum Beispiel Wraps oder Sushi, wobei die Tiefe und Höhe betont werden sollten, fotografierst du am besten in einem Winkel von 30 Grad bis 60 Grad. Auch hier handelt es sich nicht um eine eiserne Regel, die du unbedingt befolgen musst.

Eine Regel, die du aber immer beachten solltest, ist, dass das ganze Motiv, unabhängig vom verwendeten Winkel, abgelichtet werden sollte. Denn die Veranschaulichung eines vollständig fotografierten Lebensmittels, gibt dem Betrachter ein Verständnis davon, worauf es sich einlassen oder was er bestellen wird. Du hast bestimmt schon viele Fotos gesehen, in denen die Pizza oder der Hamburger eine Hälfte des Bildes beanspruchen und die andere Hälfte wurde mit einem anderen Lebensmittel ausgestattet oder gar leer gelassen. Schlussendlich, ist es deine eigene Wahl als Food Fotograf, aber stelle immer sicher, dass du das Wesentliche im Bild einfängst und betonst. Das bedeutet für eine Pizza ist das Wesentliche, die Menge an Käse und die Beläge – für einen Burger ist es eher das frische Brötchen mit dem saftigen Fleisch dazwischen.

Negativer Raum

So wichtig das Erstellen einer „Umrahmung“, oder auch als „Framing“ bekannt, in der Fotografie auch ist, so wichtig ist es auch zu wissen, welcher Bereich im Bild keinen konkreten Inhalt aufweisen soll. Somit lenkst du den Blick deines Betrachters auf dein Hauptmotiv. Verwende den Negativraum bei 90-Grad-Aufnahmen, da er dazu beiträgt, jedem deiner Bilder eine eigene Perspektive zu geben. Wenn du zu viel Raum im Bild hast, neigt dein Betrachter dazu, das Ziel des Bildes zu verlieren und wenn du zu wenig Raum im Bild lässt, neigt dein Betrachter dazu, den Aspekt des negativen Raumes im Bild zu verlieren.

Vertraue dabei immer deinem Auge. Wenn sich der Bereich „leer“ anfühlt, dann ist es so, vertraue einfach deinem Instinkt.

Food-Foto-Shooting Negativraum

Der Negativraum lenkt den Blick des Betrachters zum Hauptmotiv (@Ray Pieta, pexels.com)

Verschlusszeit und Tiefenschärfe

Ein weiterer interessanter Ansatz zum Experimentieren und Entdecken für dich!

    • Eine längere Verschlusszeit ist großartig, wenn du mal eine flüssige Bewegung fotografieren musst.
    • Ein kürzere Verschlusszeit hilft dir, erstaunliche Action-Aufnahmen zu machen von Flammen oder beim Gemüse werfen.
Food Fotografie Flamme

Eine schnellerer Verschluss bringt erstaunliche Action-Aufnahmen (@Min An, pexels.com)

Die Tiefenschärfe, oder wie viele Fotografen es gerne nennen, der „Bokeh-Effekt„, hat seinen ganz eigenen Nutzen. Oftmals musst du nicht einmal das gesamte Bild im Fokus haben. Ein verschwommener Hintergrund (oder auch Vordergrund) hilft dem Betrachter deines Fotos, sich auf das Lebensmittel zu konzentrieren, das du mit dieser Methode hervorhebst.

Eine kurze Anmerkung: Eine übermässige Unschärfe würde dazu führen, dass die Elemente im Rahmen des Bildes unbrauchbar werden. Damit würden die Bilder nicht die erforderliche Wirkung erreichen, die sie sonst gehabt hätten. Es ist ein schmaler Grat zwischen einer sehr geringen und der passenden Tiefenschärfe, bei der die verschwommenen Objekte noch immer eine Rolle spielen.

Food Fotografie Bokeh Effekt

Ein verschwommener Hintergrund dank Bokeh-Effekt (@Rene Asmussen, pexels.com)

Styling und Requisiten

Styling

Das Styling von Lebensmitteln bei der Food Fotografie unterscheidet sich deutlich vom schönen Garnieren auf dem Teller! Die Garnierung der Lebensmittel, ist eher die Aufgabe eines Küchenchefs. Es ist die Art und Weise, wie ein Gericht präsentiert wird. Dann haben wir aber das Styling vom Fotografen, die Ausgestaltung des Aufnahmebereichs. Dieses Detail macht dein Bild für dessen Betrachter optisch greifbarer. Für das Food-Styling benötigst du zwei Elemente – die Hintergrundkulissen und Requisiten.

Die Bedeutung einer Hintergrundkulisse solltest du nie unterschätzen! Hintergründe verleihen einem Bild den notwendigen Glanz. Eine gute Hintergrundkulisse macht ihren Job im Stillen – sie verleiht dem ganzen Bild einen ästhetischen Ausdruck, ohne die Aufmerksamkeit des Motivs zu verlieren. Kurzgesagt, sie macht das abgelichtete Gericht zum Star der Show. Der Hintergrund sollte einen Kontrast zum Motiv und zur Gesamterscheinung bilden. Neben dem Kontrast können die Texturen und Farbtöne einer Hintergrundkulisse im Wesentlichen nicht störend genug sein. Eine einfache Möglichkeit, mit der Erforschung von Hintergründen zu beginnen ist:

  • Mit farbigen Papieren zu experimentieren und dann langsam zu spezielleren Hintergründen wechseln, die im Überfluss online verfügbar sind.
  • Eine weitere Alternative, die Hintergrundkulissen zu entdecken, ist die Erstellung eines DIY-Hintergrundes.

Hier haben wir noch eine tolles Video gefunden aus dem Leben einer Food Stylistin mit super Food Styling Tipps. Das Video ist nur auf Englisch verfügbar, die Bilder sprechen aber für sich:

Requisiten für die Food Fotografie

Alles, was ein Bild in der Food Fotografie ästhetisch aufwertet, kannst du als Gestaltungselement verwenden. Passende Requisiten für einen Food-Fotografie-Auftrag könnten zum Beispiel Tischelemente wie Salzstreuer, Gabeln, Löffel oder Küchenelemente wie Kräuter, Kochgeschirr usw. sein. Beim Einsatz von Requisiten musst du das Gleichgewicht zum Motiv behalten. Benutze die Gestaltungselemente als Unterstützung für dein Gesamtbild und lasse sie dabei nicht dominieren.

Die eingesetzten Gegenstände müssen umgebungstreu sein – eine bestimmte Küchenkulisse sollte über Gegenstände verfügen, die für eine Küche passend sind. Im Zweifelsfall ist die einfachste und sicherste Methode, die Verwendung von Zutaten, welche das abgelichtete Essen ausmachen.

Seltener wäre die Idee, sich nur auf das Lebensmittel zu konzentrieren und auf die Verwendung von Gestaltungselementen im Bild ganz zu verzichten. Dies ist jedoch deine persönliche, professionelle Entscheidung und abhängig von deinem Food Fotografie Stil und den jeweiligen Anforderungen des Kunden. Ein durch und durch perfekt abgestimmtes Gericht erfordert selten eine Kombination von Gestaltungselementen, der Fokus liegt nämlich darauf, das Motiv in seiner wahren Essenz zu fotografieren.

Food-Fotografie-Shooting mit Requisiten

Requisiten können dein Foto ästhetisch aufwerten (@Daria Shevtsova, pexels.com)

Nachbearbeitung Food Fotografie

Alles wurde gesagt und getan! Die Bilder sind gemäss den Erwartungen des Kunden, du hast jeden Blickwinkel berücksichtigt und all deine Stiloptionen ausprobiert. Zuletzt bleibt noch die Nachbearbeitung. Sie spielt eine sehr wichtige Rolle bei Food Fotografien.

Nicht alle deiner Bilder werden einwandfrei in Bezug auf Gestaltung, Beleuchtung oder Hintergrund sein. Es besteht die Möglichkeit, dass dein auserkorenes Bild, aus unvorhergesehenen Gründen störende Faktoren aufweist. Dies bemerkst du dann erst, wenn deine Kamera am Laptop angeschlossen ist. Einige Lebensmittel haben während des Foto-Shootings einen sehr faden Farbton und deshalb ist die Farbkorrektur in der Nachbearbeitung wichtig.

Dein Endergebnis muss den Gegenstand, bezüglich Farbe und Substanz, in seiner höchsten und doch realistischsten Form wiedergeben. Daher achte besonders während der Food Fotografie Nachbearbeitung darauf, dass alles in sich stimmig und im Einklang mit der Produktmarke deines Kunden ist.

Food Fotografie Nachbearbeitung

Die Nachbearbeitung spielt eine wichtige Rolle (@Jessica Lewis, pexels.com)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Food Fotografie einige Anstrengungen erfordert, um die Lebensmittel optisch ansprechend aussehen zu lassen. Solange deine Aufnahme das Motiv in der richtigen Art und Weise einfängt und die entsprechenden Gestaltungselemente in Einklang bringt, gibt es kein richtig oder falsch. Jedes Food Motiv hat seine eigenen Herausforderungen und genau das wird es für dich so spannend machen.

Im Laufe der Zeit wirst du deinen eigenen Stil entwickeln. Schlussendlich wirst du deine eigene Signatur als professioneller Food Fotograf haben.

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