Lizenzfreie Bilder – Chancen und Risiken für Fotografen

Im Internet wimmelt es an Portalen, in denen man kostenlose oder sogar lizenzfreie Bilder finden und herunterladen kann. Die Qualität der Fotos ist mittlerweile sehr gut, weshalb diese Websites stark an Zuwachs gewinnen. Offensichtlich gibt es viele gute Fotografen, die ihre Bilder gratis im Internet anbieten. Die Frage: Warum tun sie das? Gibt es tatsächlich Vorteile oder sogar Chancen für professionelle Fotografen, wenn sie ihr Bildmaterial kostenfrei zur Verfügung stellen? Wie groß sind hingegen die Gefahren? Hier gibt es Gründe, warum man seine Bilder im Netz kostenlos anbietet.

 

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Lizenzfreie Bilder Websites

Um eine Idee zum aktuellen Angebot von lizenzfreien Bildern zu erhalten, listen wir hier einige Websites auf. Damit kannst du als Fotograf ein Gespür dafür erhalten, wie solche Seiten funktionieren. Ein kurzer Blick in die AdWords gibt Aufschluss darüber, wonach die Leute suchen. Das Ergebnis spricht für sich. Allein im deutschsprachigen Raum suchen monatlich 20’000 Personen nach „lizenzfreien Bildern“. Dem gegenüber stehen rund 13’000 Anfragen mit dem Keyword „Bilder kaufen“. Würde man ähnliche Suchbegriffe mit einbeziehen, dann ergibt sich daraus ein Vielfaches. Die Nachfrage nach kostenlosen Bildern ist auf jeden Fall gegeben. Kann man diese Nachfrage als Fotograf irgendwie nutzen?

 

 

Websites mit kostenlosen Bildern

 

 

 

 

Lizenzfreie Bilder anbieten: Die Chancen

 

 

1 ) Orientierung für das eigene Schaffen

Vor allem Fotografen am Anfang ihrer Laufbahn kann das Nutzen von Bilddatenbanken Orientierung bieten. Wie das funktionieren soll? Zu Beginn einer professionellen Laufbahn als Fotograf weiß man vielleicht noch nicht genau, wo man seinen Schwerpunkt setzen möchte. Ist es die Naturfotografie, oder doch die Architekturfotografie? Vielleicht liegt einem auch der persönliche Kontakt, den man als Hochzeits– oder Babyfotograf pflegt. Bietet man kostenlose Bilder in den Bilddatenbanken an, kann man unter Umständen feststellen, welche Bilder aus den verschiedenen Bereichen am besten ankommen. So kann man ohne großen Aufwand ein Feedback erhalten und ein Gefühl dafür bekommen, wo die eigene Begabung sich am besten finanziell auszahlen könnte.

 

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Fotograf: Sean D Brown

 

 

2. Mit kostenlosen Bilder Geld verdienen

Auf bestimmten Bilddatenbanken kann man auch mit gratis Bildern Geld verdienen. Das kann über zwei Wege funktionieren.

 

  • Je nach Bilddatenbank ist es möglich, seine Fotos lizenzfrei zur Verfügung zu stellen und dabei zwischen redaktioneller und kommerzieller Nutzung zu unterscheiden. Hat der Fotograf sein Bildmaterial nur für die eingeschränkte, redaktionelle Nutzung freigegeben, können Interessenten ihn dennoch kontaktieren, wenn sie ein bestimmtes Bild auch kommerziell nutzen möchten. Der Fotograf kann hier verdienen, indem er eine kommerzielle Lizenz verkauft.
  • Bei einigen Portalen mit lizenzfreien Fotos ist die Namensnennung des Urhebers oder Fotografen ein Muss. Das kann vor allem bei der kommerziellen Verwendung für einen Nutzer einschränkend sein. Um die kostenlosen Bilder ohne Namensnennung nutzen zu können, kann man unter Umständen mit dem Fotografen ins Gespräch kommen. In diesem Fall bietet sich für den Fotografen ein Geschäft, wenn er eine kommerzielle Lizenz für dieses Bild verkaufen kann.
  • Auf einigen Portalen findet sich bei jedem Foto ein „Donate“ Button. Auf diesem Weg kann man einem Fotografen freiwillig etwas Geld senden. In Amerika funktioniert das „Donaten“ sehr gut. Europa hat da noch etwas Nachholbedarf. Achtung: Immer darauf achten, ob das Geld dem Fotografen, oder nur der Plattform zukommt.

 

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Fotograf: Markus Spiske

 

 

3) Kostenfreie Werbung und Traffic

Traffic und Links auf die eigene Webseite sind relevant für das Ranking bei Google. Ein wichtiger SEO Faktor also, den man nicht ausser Acht lassen sollte. Bietet man seine Bilder kostenlos auf solchen Portalen an, verschafft man sich die Chance auf diese wichtigen Backlinks auf die eigene Website. In den meisten Fällen kommen diese Links nicht vom Portal selbst, sondern vielmehr von begeisterten Nutzern. Aber nicht nur die Links allein, sondern auch das Interesse der Betrachter kann für mehr Traffic und Besucher auf der eigenen Website führen. Entscheidend dabei ist, dass das entsprechende Bildportal jeweils den Namen des Fotografen bei jedem Bild nennt.

 

Werden die kostenfreien Bilder rege genutzt, verbreitet sich der angegeben Name des Lizenzträgers sehr gut und schnell im Internet, im besten Fall erhält man viele, hochwertige Links.

 

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Bilder gratis anbieten: Die Risiken

 

Natürlich gibt es nicht nur Vorteile wenn man seine Bilder gratis im Netz anbietet, sondern auch Risiken. Wer sein Standbein in einer exklusiven Nische wie der Modefotografie oder dem Interior-Design hat, sollte wohl eher darauf verzichten. Nicht zuletzt darum, weil man seine Bestandskunden nicht benachteiligen will. Ein zu aggressives „Verteilen“ von lizenzfreien Bildern kann auch schnell zu Prestigeverlust führen.

 

 

1 ) Unaufhaltsame Verbreitung der Bilder

Einmal gratis ins Netzt gestellt gibt es kein Zurück. Bietet man lizenzfreie Bilder an, so muss man damit rechnen, dass sich diese Bilder unaufhaltsam im Netz verbreiten. Von einem Portal zum anderen, von der Website bis zum Print. Irgendwann verläuft sich die Quelle, womit sich auch die Namensnennung und der damit verbundene Werbeeffekt erledigt hat.

 

 

2) Unkontrollierte Nutzung

Vor allem wenn Risiko 1) eintrifft, sind dem Nutzer keine Grenzen mehr gesetzt. Woher auch. Wie soll er wissen, welchen Regelungen / Lizenzbestimmungen ein solches Bild unterliegt, wenn er es auf irgendeinem Bildportal ohne weitere Informationen findet? Dieser Umstand führt schnell zur unrechtmässigen Nutzung der Bilder – z.B. für kommerzielle Zwecke. Gleichzeitig kann man diesen Punkt aber auch wieder etwas relativieren. Kaum ein grosser Konzern (mit welchem sich sonst richtig gutes Geld verdienen liesse), würde ein lizenzfreies Bild für eine grosse Werbekampagne nutzen.

 

 

3) Keine Namensnennung

Einige lizenzfreie Bildportale weisen den Nutzer explizit auf die notwendige Namensnennung des Urhebers hin. Kontrollieren tut das aber letztendlich niemand. Dieser Umstand hat dazu geführt, dass die meisten Portale die Nennung mehr als freiwillige, nette Geste darstellen, und nicht als Pflicht. Immer wieder kommt es vor, dass Bilder ohne diese Nennung verwendet werden. Wenn man die Kontrolle als Fotograf behalten möchte, muss man sich selbst darum kümmern. Das ist zugegebenermaßen eine schwierige Aufgabe. Wenn man dem Missbrauch entgegen wirken möchte, es es jedoch ein Muss. Glücklicherweise gibt es aber schon einige gute Tools auf dem Markt, welche einem Fotograf diese Arbeit weitgehend automatisiert und abnimmt.

 

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Fotograf: Unbekannt

 

 

Aber ganz ehrlich – alles kann man nicht haben. Entweder man gibt sein Bild frei und schenkt es der Welt, oder man lässt es bleiben. Klagen kosten viel Nerven und Zeit. Lenkt die Gegenpartei nicht ein und es kommt zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung, ist das eine zeitaufwändige Sache. Bevor man Bilder gratis im Netz anbietet, sollte man sich diesem Risiko bewusst sein.

 

 

 

Tipps und Fazit zu kostenlosen Bildern im Netz

 

  • Biete nur kostenlose Bilder an, welche du nicht für andere Zwecke verwenden möchtest. Z.B ein paar Bilder aus einer Serie, welche du nicht weiter nutzt.
  • Kostenlose Bilder anzubieten ist eine Marketing-Strategie. Mit guten Bildern kannst du deine Bekanntheit steigern, mehr Traffic und Links auf deine Website erhalten.
  • Platzierst du ein Bild auf einem Gratisportal, dann musst du es loslassen. Niemand hast mehr die Kontrolle darüber wie sich das Bilder verbreitet und letztendlich genutzt wird.
  • Es steht dir frei, die Nutzung mit diversen Tools zu kontrollieren und allenfalls etwas dagegen zu unternehmen. Im Normalfall bringt das aber nicht viel. Wenn du dich dafür entscheidest, sind das die logischen Nachteile, welche man hinnehmen muss.
  • Aus meiner Sicht sollte man offen sein für die Entwicklung. Wer sich gegen Neues sträubt und wehrt, wird langfristig nicht am Puls der Zeit leben und sein Geschäft weiterbringen können. Aber eben: Alles mit Mass!

 

 

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