Silhouette fotografieren | 8 Schritte zum fertigen Bild

Wenn wir eine Silhouette fotografieren, vermitteln wir dem Betrachter vor allem Emotionen. Das Bild wirkt je nach Motiv geheimnisvoll oder dramatisch. In jedem Fall wird es stimmungsvoll sein. Ich liebe Silhouetten, weil sie dem Betrachter kein klares Bild geben. Vielmehr wird unsere Fantasie beflügelt und unsere Vorstellung gibt dem Bild seinen Sinn. Hier lernst du nun, wie du in wenigen Schritten die perfekte Silhouette fotografieren kannst.

Silhouette fotografieren mit Kind im Sand

Eine wundervolle Silhouette, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Starten wir mit einem passenden Zitat, das ich kürzlich gelesen habe. Passt gerade wunderbar zu dieser Anleitung.

In erster Linie zählt die Silhouette. Niemals überfrachten, nie zu viel Fantasie, das geht nur auf Kosten der Anmut

Yves Saint Laurent

Was Silhouetten besonders macht

Das Motiv soll nur in seiner Kontur vor einem hellen Hintergrund erscheinen. Die Details des Motivs bleiben verborgen. Eine Silhouette besticht durch ihre Einfachheit, aber sie vermittelt viel mehr und erzählt eine Geschichte. Beim Silhouette fotografieren musst du aber einige Grundsätze umkehren. Gelernte Regeln gelten plötzlich nicht mehr.

Normalerweise betone ich, wie wichtig die richtige Verwendung des Blitzlichtes ist. Wenn du gegen das Licht fotografierst, hilft der Blitz, das Motiv auszuleuchten. Nicht so beim Silhouette fotografieren. Hier lautet der Grundsatz, dein Motiv vor einer Lichtquelle zu platzieren. Die Kamera wird gezwungen, die Belichtung auf den hellsten Teil des Bildes auszurichten. Der Hintergrund entscheidet also über die Helligkeit – nicht das Motiv. Dieses wird unterbelichtet und wirkt dunkel oder sogar schwarz.

Es gibt eine ganze Reihe technischer Anleitungen für das Fotografieren von Silhouetten. Aber lass uns versuchen, einige grundlegende Punkte durchzugehen. Vielleicht findest du dadurch schon das, was du suchst. Die Kamera soll denken, dass es die hellen Teile des Bildes sind, die dir wichtig sind.

Silhouette fotografieren mit einer Gruppe

Eine ganze Gruppe von Menschen als Silhouette – stimmungsvolle Komposition.

Silhouette fotografieren Anleitung

1. Wähle ein starkes Motiv

Beim Silhouette fotografieren kommt eine grosse Anzahl von Objekte infrage. Aber einige sind besser geeignet als andere. Wähle ein Motiv mit einer prägnanten und erkennbaren Form. Es soll in der Kontur interessant erscheinen. Du willst beim Betrachter Interesse und Spannung wecken. Silhouetten haben weder Farbe noch Struktur, auf denen üblicherweise ein Bild basiert. Aus diesem Grund muss die Form sehr deutlich sein.

2. Schalte den Blitz zum Silhouette fotografieren aus

Wenn sich deine Kamera im Automatikmodus befindet, wird dir keine Silhouette gelingen. Der Blitz wird aufgrund der Lichtverhältnisse automatisch ausgelöst. Dadurch wird dein Motiv beleuchtet und die Silhouette misslingt. Beim Silhouette fotografieren willst du so wenig Licht wie möglich auf der Vorderseite deines Motivs haben. Also darf der Blitz nicht losgehen. Eigentlich selbstverständlich, aber das Gegenteil habe ich auch schon erlebt.

3. Finde das richtige Licht

Bei der Beleuchtung deines Motivs musst du gegen Regeln verstossen. Einiges, was du gelernt hast, musst du über Bord werfen. Du willst ja eine Silhouette fotografieren. Also anstatt das Motiv zu beleuchten, musst du den Hintergrund in den Vordergrund rücken. Er soll hell erscheinen und nicht dein Motiv. Dieses soll im Dunkeln bleiben. Oder anders ausgedrückt, du willst die Rückseite des Motivs beleuchten und nicht dessen Vorderseite. Aber wie erreichst du das? Am besten stellst du dein Motiv direkt vor die Lichtquelle. Das beste Licht dafür ist ein Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Aber jedes andere helle Licht erfüllt den Zweck ebenso.

4. Gib deinem Bild einen Rahmen

Rahme deine Aufnahme so, dass dein Motiv vor einem schönen, flachen, aber hellen Hintergrund steht. Beim Silhouette fotografieren ist dieser Rahmen sehr wichtig. Der beste Hintergrund ist ein heller, wolkenloser Himmel mit Sonnenuntergang. Die Lichtquelle, in diesem Fall die Sonne, wird hinter dem Motiv positioniert. Sie ist also versteckt oder sie liegt irgendwo im Hintergrund.

Wanderer beim Zelten

Abendstimmung in den Bergen – es muss nicht immer ein Scherenschnitt sein (@Cliford Mervil,pexels.com)

5. Silhouetten trennen

Wenn es mehrere Silhouetten im Bild gibt, sorge dafür, dass sie getrennt bleiben. Zum Beispiel fotografierst du eine Person und einen Baum. Die Person darf nicht vor dem Baum stehen und sich auch nicht an den Baum lehnen. Die beiden Motive würden dann zu einer Form verschmelzen. Das Ergebnis könnte den Betrachter zu sehr verwirren, weil die Formen schlecht erkennbar sind.

Ausserdem solltest du Personen beim Silhouette fotografieren nicht frontal aufnehmen. Wenn Du dafür sorgst, dass dein Motiv im Profil erscheint, wird das Bild viel besser. Die Gesichtszüge, also Nase, Mund und Augen, werden dadurch umrissen und erkennbar gemacht.

6. Silhouette fotografieren im Automatikmodus

Die meisten modernen Digitalkameras haben einen ziemlich guten automatischen Kameramodus. Er erkennt, wie ein Bild belichtet werden muss, damit alles gut beleuchtet ist. Die Problematik liegt darin, dass die Kamera das Motiv beleuchten will, anstatt es unterbelichtet zu lassen. Die Belichtungsmessung der modernen Kameras ist darin wirklich äusserst geschickt. Um aber eine schöne Silhouette zu erhalten, musst Du diesen Mechanismus beim Silhouette fotografieren überlisten.

Die meisten Kameras ermitteln die Belichtung, wenn du den Auslöser zur Hälfte nach unten drückst, gleichzeitig mit dem Autofokus. Richte also die Kamera auf den hellsten Teil des Bildes und drücke den Auslöser halb herunter. Bewege dann die Kamera zurück, um das Motiv an die gewünschte Stelle zu rücken. Dann drückst du den Auslöser ganz nach unten und beendest die Aufnahme. Bei den meisten Kameras erhältst du so eine gelungene Silhouette. Mit diesem Trick lässt Du die Kamera denken, dass der helle Teil des Bildes der Mittelton ist. Die dunkleren Stellen werden als Schatten belichtet, genau das willst du erreichen.

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Digitalkameras ermitteln die Belichtung in der Regel mit einer Matrix- oder Mehrfeldmessung. Manche Kameras verfügen aber auch über eine Spotmessung. In diesem Modus kannst du steuern, dass die Messung an einer bestimmten Stelle des Bildes erfolgen soll. So kannst du ganz genau entscheiden, an welchem Punkt des hellen Hintergrundes die Belichtung gemessen wird. In diesem Artikel haben wir alle verschiedenen Belichtungsmessungen deiner Kamera aufgelistet.

7. Silhouette fotografieren im manuellen Modus

Die meisten Kameras verfügen über Bedienelemente, die eine manuelle Belichtung oder Belichtungskorrektur ermöglichen. Das hilft dir mit ein wenig Übung sehr beim Silhouette fotografieren. Du kannst damit eigene, ganz individuelle Einstellungen vornehmen. Die Digitaltechnik lässt dich nach Herzenslust experimentieren, bis du zum gewünschten Ergebnis kommst.

Es gibt einen einfachen Einstieg in den manuellen Modus. Schau dir Belichtung und Blende an, die der Automatikmodus dir vorschlägt. Das ist dein Ausgangspunkt oder Referenzpunkt. Wenn dein Motiv im Automatikmodus zu hell ist, musst du die Belichtung verkürzen. Damit wird das Motiv dunkler. Verkürze die Belichtungszeit um ein oder zwei Stufen und schau dir das Resultat an. Verwende auch die Technik der Belichtungsreihe (auch bekannt unter „Bracketing„), um die optimale Blende und Belichtung zu finden.

8. Fokussierung beim Silhouette fotografieren

In aller Regel möchtest du, dass das Motiv, also die Silhouette, am schärfsten erscheint. Das wird aber schwierig, wenn du mit dem Automatikmodus arbeitest. Wie in Punkt 6 erwähnt, fokussiert nämlich die Kamera gleichzeitig mit der Belichtungsmessung. Durch das halbe Drücken des Auslösers wird also der Autofokus auf den Hintergrund eingestellt. Du willst aber die Silhouette fotografieren, sie soll optimal scharf gestellt sein. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu lösen.

  1. Du kannst die Scharfstellung manuell vornehmen, sofern das deine Kamera zulässt. Stelle zuerst manuell die Schärfe ein. Danach schwenkst du die Kamera und misst die Belichtung. Dann nimmst du dein Bild auf.
  2. Du kannst die Blendeneinstellung variieren. Damit wird es möglich, die Schärfentiefe zu maximieren. Versuche es mit einer kleinen Blende, also einem grossen Blendenwert. So erhöhst du den scharfen Bereich im Bild. Und die Aufnahme wird eher sowohl im Vordergrund als auch im Hintergrund scharf werden.
Silhouette fotografieren in der Dämmerung

So viel Dynamik im Dämmerlicht – ein faszinierendes Bild (@Kuldeepsinh Vaghela,pexels.com)

Silhouette fotografieren – ein abschliessender Ratschlag

Ein Bild einer Silhouette mit einem schönen, scharfen und schwarzen Motiv wirkt kraftvoll. Das macht die Faszination beim Silhouette fotografieren aus. Aber versuche es auch mit einer partiellen Silhouette. Hier lässt man einige Details des Motivs bestehen. Ein Hauch von Licht macht das Bild dreidimensionaler und realer. Und hier liegt auch der grosse Vorteil von den schon erwähnten Belichtungsreihen. Du wirst zwischen partiellen und vollständigen Silhouetten wählen können.

pixolum
Über den Autor

Patrick ist der Gründer von pixolum und versorgt dich seit 2012 mit spannendem Fotografie-Stoff. Neben seiner Leidenschaft für Kameras & Design unterstützt er kreative Köpfe beim Aufbau ihres Business. Er trinkt jeden Tag 7 Kaffees aus der pixolum Tasse, ist absoluter SEO Nerd und beginnt mehr, als er zu Ende bringen kann.

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