15 Tricks für gestochen scharfe Bilder

Jeder Fotograf möchte gerne scharfe Bilder fotografieren. Hier erfährst du, wie du bei jeder Aufnahme das kleinste Detail festhältst. Eines der frustrierendsten Dinge beim Fotografieren ist ein unscharfes oder verschwommenes Bild. Scharfe Fotos sind viel ansprechender als „weiche“ Bilder. Es ist sehr enttäuschend, wenn man einen besonderen Moment fotografiert und die Bilder dann unscharf sind. Deshalb werde ich in diesem Artikel die Techniken durchgehen, mit denen ich meine Bilder gestochen scharf bekomme.

Scharfe Bilder Zug

Ein schön scharfes Bild vom Glenfinnan-Viadukt in Schottland (@Gabriela Palai | Pexels)

Gründe für unscharfe Bilder

Beginnen wir mit den Gründen, warum ein Bild unscharf sein kann:

  1. Eine lange Verschlusszeit kann zu Verwacklungen der Kamera führen, was dein Bild unscharf macht.
  2. Das Motiv bewegt sich, was Bewegungsunschärfen verursacht. Durch eine lange Verschlusszeit kann dieser Effekt noch verstärkt werden.
  3. Ein falsch platzierter Fokus führt zu einem verschwommenen Bild.
  4. Du hast ein schlechtes Objektiv, das nicht in der Lage ist, scharfe Bilder zu machen.
  5. Dein ISO-Wert ist zu hoch eingestellt, was zu viel Rauschen und Detailverlust führt.

Wie macht man scharfe Bilder?

Um die obigen Probleme zu lösen, musst du sie alle gleichzeitig angehen. Das wird dir helfen, eine optimale Bildschärfe zu erreichen. Es gibt noch einige andere Ursachen für verschwommene Fotos, auf die ich weiter unten eingehen werde. Also: Wie macht man scharfe Bilder?

Scharfe Bilder Haus

Hier sind nicht nur die Kanten scharf… (@Freddie Marriage | Unsplash)

1. Die ISO richtig einstellen

Zu Beginn stellst du deine Kamera auf den niedrigsten ISO-Wert (den Basiswert) ein. Bei meiner Nikon zum Beispiel wäre das 200, das ist aber je nach Hersteller und Modell verschieden. Merk dir: Der ISO-Basiswert produziert die hochwertigsten Bilder und die maximale Schärfe. Je höher der ISO-Wert (Sensorempfindlichkeit), desto mehr Rauschen siehst du im Bild. Am besten liest du auch unseren Artikel über ISO, um dieses Thema besser zu verstehen.

2. Beachte die Freihand-Regel

Die Freihand-Regel (auch Freihand-Grenze) besagt, dass die Verschlusszeit immer mindestens der effektiven Brennweite des Objektivs entsprechen sollte. Bei Zoomobjektiven über 100mm würde ich diese allgemeine Regel unbedingt anwenden und die Verschlusszeit auf denselben Wert wie die Brennweite setzen – wenn nicht sogar höher! Hast du mit deinem Objektiv zum Beispiel auf 125mm herangezoomt, muss die Verschlusszeit mindestens 1/125-Sekunde betragen.

Aber Achtung: Das gilt in dieser Form nur für 35mm-Film- und Digitalkameras (Vollformat). Bei einer DSLR oder spiegellosen Kamera der Einsteigerklasse (siehe auch APS-C-Sensor) gibt es den sogenannten Crop-Faktor, also ein Bildbeschnitt. Wenn du eine solche Kamera besitzt, musst du entsprechend rechnen. Im Beispiel Nikon liegt der Faktor bei 1,5 (1,6 bei Canon), das heisst, du musst die Brennweite des Objektivs mit diesem Faktor multiplizieren, um auf die effektive Brennweite zu kommen. Wenn du ein Zoomobjektiv wie das 18-135mm (für Nikon DX-Sensoren) hast, stellst du die Verschlusszeit auf mindestens den längsten Brennweitenbereich des Objektivs (135mm) ein, respektive auf 135 x 1,5 = 202.5mm, also 1/200.

Hier sind einige Beispiele:

  • 50mm bei Nikon DX (D3500/D5600/D7500): 1/75 (50mm x 1,5)
  • 100mm auf Nikon DX (D3500/D5600/D7500): 1/150 (100mm x 1,5)
  • 150 mm bei Nikon DX (D3500/D5600/D7500): 1/225 (150 mm x 1,5)
  • 200 mm bei Nikon DX (D3500/D5600/D7500): 1/300 (200 mm x 1,5)
  • 300 mm bei Nikon DX (D3500/D5600/D7500): 1/450 (300 mm x 1,5)

Nochmal zur Erinnerung: Hier geht es nur um Fotos, die durch ein Verwackeln der Kamera unscharf wurden. Wenn du ein sich schnell bewegendes Motiv fotografierst, benötigst du unter Umständen eine kürzere Verschlusszeit, um scharfe Bilder zu machen.

Freihand-Regel

Für scharfe Bilder solltest du immer die Verschlusszeit der Brennweite anpassen. (@jeshoots.com | Unsplash)

3. Wähle den richtigen Kameramodus

Wenn ich bei schwachem Licht fotografiere, verwende ich in 99% der Fälle den Blendenprioritätsmodus und stelle die Blende des Objektivs auf den grösstmöglichen Wert ein. Die grösstmögliche (maximale) Blende ist auch bekannt als die kleinste Blendenzahl. Diese liegt normalerweise im Bereich von f/1,4 bis f/5,6, je nach Objektiv. Zum Beispiel stelle ich beim Nikon 35mm f/1,8-Objektiv die Blende auf den maximalen Wert von f/1,8 ein. Die Kamera misst dann die Szene automatisch und berechnet ungefähr, wie die Verschlusszeit sein sollte, um das Bild richtig zu belichten. Du kannst die Schätzung der Kamera mit der Belichtungskorrektur leicht anpassen. Stell die Kamera also auf den Blendenprioritätsmodus ein und setz den Blendenwert auf die kleinste Zahl. Dann wählst du bei der Belichtungsmessung „Matrix“ (Nikon) oder „Mehrfeldmessung“ (Canon), so dass die gesamte Szene bewertet und die richtige Verschlusszeit gewählt wird.

Scharfe Bilder Blendenpriorität

Bei schlechtem Licht kann der Blendenprioritätsmodus („Av“ oder „A“) helfen. (@botabateau | Adobe Stock)

4. Schnelle Verschlusszeit

Nachdem du die Kamera auf Blendenpriorität eingestellt und die richtige Messmethode gewählt hast, richtest du sie auf das Motiv und drückst den Auslöser halb herunter. Im Sucher solltest du jetzt die Verschlusszeit angezeigt bekommen.

  • Wenn die Verschlussgeschwindigkeit 1/100 oder schneller (höhere Zahl) angezeigt wird, solltest du gut zurechtkommen, es sei denn, etwas auf deinem Bild hat sich schnell bewegt. Ein Teleobjektiv mit grosser Brennweite könnte auch zu Problemen führen, siehe Freihand-Regel. Schiess ein oder zwei Fotos und prüf dann nach, ob das Bild verwackelt ist. Normalerweise überprüfe ich meine Bilder auf dem Display der Kamera um zu 100% sicherzustellen, dass nichts unscharf ist. Solltest du jetzt tatsächlich eine Unschärfe feststellen, verkürze die Verschlusszeit (z.B. 1/200 oder 1/500) und probiere es noch einmal.
  • Wenn die Verschlussgeschwindigkeit unter 1/100 liegt, könnte das heissen, dass zu wenig Licht vorhanden ist. In Innenräumen kann es in solchen Fällen helfen, Vorhänge zu öffnen oder das Licht einzuschalten (unglaublich, ich weiss). Die Verschlusszeit sollte jetzt kürzer werden, da mehr Licht einfallen kann. Scharfe Bilder bei 1/100 und ohne Stativ sind durchaus möglich, es wird aber immer schwieriger, je länger die Verschlusszeit wird.
Scharfe Fotos Verschlusszeit

Kurze Verschlusszeiten können helfen, Unschärfe zu verhindern. (@Vincent van Zalinge | Unsplash)

5. Hoher ISO-Wert in dunklen Umgebungen

Wenn die Bilder jetzt immer noch verschwommen sind, versuch die Kamera so ruhig wie möglich zu halten und mach ein weiteres Foto. Wenn das nicht hilft, stell eine Verschlusszeit ein, die schnell genug ist, um scharfe Bilder zu produzieren und erhöhe gleichzeitig die ISO-Empfindlichkeit. Du kannst das über „Auto-ISO“ (siehe nächster Abschnitt) steuern oder den Wert manuell erhöhen. In dunklen Umgebungen ist es nicht unüblich, hohe ISO-Werte zu verwenden um eine ausreichend schnelle Verschlusszeit zu erhalten. Dieses Vorgehen führt zwar zu mehr Bildrauschen und Körnung, aber wenigstens hast du dann scharfe Bilder.

ISO Rauschen

Zu hoch solltest du die ISO nicht drehen, das führt nämlich zu Bildrauschen. (@Kevin Wolf | Unsplash)

6. Auto-ISO aktivieren

Viele Kameras verfügen heute über eine „Auto ISO“-Funktion, die sehr nützlich für die Aufnahme scharfer Bilder ist. Stell sie also ein und leg die maximale Empfindlichkeit auf ISO 1600 fest.

Wenn du die Option einer Mindestverschlusszeit hast, solltest du diese ebenfalls auf „Auto“ stellen. So wird die Freihand-Regel nämlich automatisch angewendet. Wenn du diese Möglichkeit nicht hast, stellst du sie auf 1/100-Sekunde.

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Das ist eine sehr nützliche Funktion, denn, wenn weniger Licht einfällt und die Verschlusszeit unter 1/100-Sekunde sinkt, erhöht die Kamera automatisch die ISO-Empfindlichkeit um die Verschlusszeit über 1/100 Sekunde (oder über der Freihand-Regel) zu halten.

Bei zittrigen Händen empfehle ich dir eine Mindestverschlusszeit von etwa 1/200-1/250. Oder wenn dir die „Auto“-Mindestverschlusszeit-Option zur Verfügung steht, solltest du sie sicherheitshalber in Richtung „schneller“ einstellen.

Einige Kameras verfügen nicht über eine automatische ISO-Funktion. In diesem Fall musst du den Wert manuell anpassen, um dasselbe Ergebnis zu erreichen. Erhöhe einfach die ISO-Werte in dunkleren Umgebungen um die Verschlusszeit auf einem vernünftigen Niveau zu halten. Ich rate davon ab, den ISO-Wert über ISO 1600 oder gar 3200 einzustellen. Warum? Ganz einfach: Alles was höher ist als das, würde bei einer DSLR oder DSLM der Einsteigerklasse zu viel Rauschen erzeugen, was sich negativ auf die gesamte Bildqualität auswirkt. Bei DSLRs älterer Generation wie z.B. der Nikon D90/D200/D3000/D5000 solltest du die maximale ISO-Empfindlichkeit auf 800 halten.

7. Kamera richtig halten

Wenn du deine Kamera in den Händen hältst, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Kameraverschlusszeit und verschwommenen Bildern. Je länger die Verschlusszeit (insbesondere unter 1/100 Sekunde), desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Bilder unscharf werden. Warum? Weil beim Halten der Kamera in der Hand Faktoren wie deine Haltung, Atmung und die Haltetechnik eine grosse Rolle bei der Stabilisierung der Kamera und der Erzeugung verwacklungsfreier Bilder spielen.

Stell dir mal vor, du würdest ein Gewehr in der Hand halten. Da solltest du dich ja auch nicht bewegen, während du versuchst zu schiessen. Du musst also so ruhig und stabil wie möglich stehen, den Schaft fest an die Schulter drücken, ausatmen und dann schiessen. Dieselbe Technik eignet sich hervorragend für die Fotografie, besonders, wenn du es mit langen Verschlusszeiten zu tun hast.

Ich empfehle dir also, die Kamera wie ein Gewehr zu halten (ausser, dass die rechte Hand auf den Auslöser statt auf den Abzug gelegt wird). Mit einem Bein stehst du vorne, während sich dein Köpergewicht über beide Beine verteilt. Ich persönlich atme vor dem Auslösen aus, wenn ich bei langen Verschlusszeiten aus der Hand fotografiere. Das hilft mir, scharfe Bilder zu bekommen. Probiere es mal aus und schau, ob das funktioniert. Dieser Herr hier hat das mit dem Gewehr etwas zu wörtlich genommen: Don’t mess with this photographer

Der Unterschied zwischen einer Kamera und einem Gewehr besteht darin, dass du bei der Kamera zumindest die Verschlusszeit auf eine höhere Zahl einstellen und Verwacklungen vermeiden kannst. Beim Gewehr dürfte das schwierig werden.

Scharfe Bilder still halten

Immer schön stillhalten… (@Edward Boulton | Unsplash)

8. Fokussiere dein Motiv vorsichtig

Du musst lernen, wie man richtig fokussiert und wie man mit Fokusproblemen umgeht. Das ist enorm wichtig, weil sich der Kamerafokus direkt auf die Bildschärfe auswirkt. Die erste Lektion beinhaltet die Unterscheidung zwischen einer Verwacklung, Bewegungsunschärfe und einem Fokusproblem.

Wenn dein Motiv unscharf, ein anderes Objekt (näher oder weiter weg) jedoch komplett scharf ist, liegt vermutlich ein Fokusproblem vor. Wenn das ganze Bild unscharf ist, weist das auf eine zu lange Verschlusszeit hin, sofern du aus der Hand fotografiert hast. Und zu guter Letzt: Wenn ein sich bewegendes Objekt auf deinem Bild in der Bewegungsrichtung verschwommen ist, hast du eine zu langsame Verschlusszeit gewählt und die Bewegung des Objekts kann nicht «eingefroren» werden. Das ist kein Fokusproblem, du musst lediglich eine kürzere Verschlusszeit einstellen.

Tipps gegen Fokusprobleme:

  • Ein Mangel an Licht kann den Autofokus stören und die Scharfstellung durch die Kamera wird ungenau. Gib der Kamera also genug Licht, um richtig zu fokussieren.
  • Der zentrale Fokuspunkt ist im am präzisesten. Wenn du Probleme beim Scharfstellen hast, weil sich der Fokuspunkt woanders befindet, verschiebst du ihn am besten wieder in die Mitte und fokussierst neu. Dann gestaltest du die Bildkomposition wieder neu.
  • Viele Kameras haben einen separaten Knopf, mit dem sich der Fokus steuern lässt, ohne dass du den Auslöser berühren musst. Ich zum Beispiel fokussiere nur mit dem Daumen, während ich den Auslöser mit dem Zeigefinger drücke. Das wird landläufig als «Back-Button-Focusing» bezeichnet, viele sprechen auch vom «AF-On-Knopf». Das ist gewöhnungsbedürftig, wenn du bisher immer durch das halbe Drücken des Auslösers fokussiert hast. Es ist aber sehr nützlich, probier’s aus!
  • Das Autofokussystem der Kamera funktioniert, indem es den Kontrast um den Fokusbereich herum analysiert. Fotografierst du eine saubere weisse Wand, wird die Kamera nicht fokussieren können, weil sie keine Kontrastbereiche erkennen kann. Stellst du aber ein dunkles Objekt vor diese Wand und setzt den Fokuspunkt irgendwo dazwischen, wird die Kamera sofort korrekt fokussieren. Meine Empfehlung ist, den Fokuspunkt auf den Bereich mit dem grössten Kontrast zu legen. Beispiele sind: Kanten von Objekten, Linien, die verschiedene Farben trennen, Zahlen und Buchstaben, die auf Objekte gedruckt sind, usw.
  • Stelle mehrmals scharf, bis das Motiv im Sucher scharf ist. Dafür benötigst du einen guten Sucher und gute Augen. Einige DSLRs der Einsteigerklasse haben einen sehr kleinen Sucher, so dass teilweise nur schwer erkennbar ist, ob der Fokus wirklich sitzt. Siehst du es tatsächlich nicht, kannst du leider nicht viel dagegen tun. Mach stattdessen einfach mehrere Bilder während du den Fokus stetig neu setzt und prüfe die Bilder dann auf dem Kameradisplay.
Scharfe Bilder Fokus

Hier dürfte wohl ein Fokusproblem vorliegen. (@Maria Chernyh | Unsplash)

9. Vermeide Bewegungsunschärfe

Sag den Leuten, sie sollen stehen bleiben und sich nicht bewegen, wenn du sie fotografierst. Bei langen Verschlusszeiten können deine Bilder nämlich immer noch verschwommen sein, weil sich dein Motiv bewegt hat – selbst, wenn du sonst alles richtig machst. Das nennt sich dann Bewegungsunschärfe. Es gibt auch Leute, die diesen Effekt mögen, gerade bei schnellen Objekten wie Autos. Um diesen Effekt selbst zu reproduzieren, stellst du deine Kamera in den Verschlussprioritäts-Modus und setzt den Wert auf 1/100-Sekunde oder weniger. Als Test, bitte dein Motiv, nur die Hand (nicht den Körper) schnell zu bewegen. Das Ergebnis sollte ein scharfes Bild des Körpers der Person sein, während die Hand in der Bewegung verschwommen ist.

Wenn du also absichtlich eine Bewegungsunschärfe herbeiführen willst, verwende lange Verschlusszeiten von 1/10-Sekunde oder sogar mehreren Sekunden (das geht natürlich nur vom Stativ). Aber im Normalfall willst du das ja vermeiden, wenn du Personen oder sonstiges Geschehen ablichtest. Stell also sicher, dass deine Verschlusszeit schnell genug ist. Bei sich schnell bewegenden Motiven gilt die Freihand-Regel nicht, die hilft dir nur, Verwacklungen zu verhindern. Bei Kolibris zum Beispiel könnte ich 1/1000 Sekunde oder 1/2000 Sekunde einstellen und die Flügel wären trotzdem unscharf!

Scharfe Fotos Motion Blur

Lange Verschlusszeit + Bewegung = Bewegungsunschärfe. Jetzt bleibt doch mal stehen! (@Kai Pilger | Unsplash)

10. Nutze die Bildstabilisierung

Vergewissere dich, dass die Vibrationsreduktion (VR bei Nikon) oder die Image Stabilization (IS bei Canon) am Objektiv auf „On“ gestellt ist, falls du eine hast. Viele Zoomobjektive haben eine Art Anti-Verwacklungs-/Vibrationsreduktionstechnologie, die es ermöglicht, mit einer kürzeren Verschlusszeit zu fotografieren und trotzdem scharfe Bilder zu erhalten. Es gibt auch Kamerahersteller, die die Bildstabilisierung gleich in der Kamera verbauen, anstatt im Objektiv (z.B. Sony). Hast du ein solches Objektiv oder eine solche Kamera? Dann versuch, die Verschlusszeit auf einen niedrigeren Wert einzustellen. Du kannst die Mindestverschlusszeit in den Auto-ISO-Einstellungen sogar auf etwa 1/50-Sekunde herabsetzen und erhältst trotzdem scharfe Bilder. In einem anderen Artikel vergleichen wir noch die kamerainterne Stabilisierung vs. Objektivstabilisierung (falls dich das interessiert).

Scharfe Bilder Bildstabilisierung

Heutzutage haben viele Kameras / Objektive einen Bildstabilisator. (@Andre Furtado | Unsplash)

11. Nimm ein lichtstärkeres Objektiv

Besorg dir ein gutes, lichtstarkes Objektiv wie das Nikon 35mm f/1,8 DX oder 50mm f/1,4 / f/1,8. Diese Festbrennweiten-Objektive (auch Prime Lens genannt) sind relativ preisgünstig und liegen zwischen $200 und $400 für das f/1,4-Modell.

Nur sehr wenige Zoomobjektive können die gleiche optische Qualität wie solche mit Festbrennweite erreichen, da Prime-Objektive einfacher aufgebaut und auf die Leistung für nur einen Brennweitenbereich optimiert sind. Natürlich verlierst du die Fähigkeit, Objekte näher ranzuholen, aber Festbrennweiten sind viel lichtstärker als die meisten Zoomobjektive und somit eine exzellente Wahl für schlechte Lichtverhältnisse oder Porträtfotografie.

Aufgrund der geringen Schärfentiefe sind Objektive mit Festbrennweite auch in der Lage, Bilder mit schönem Bokeh (schön verschwommener Hintergrund) zu erzeugen. Als ich mein erstes Prime-Objektiv in die Hände bekam, konnte ich den Schärfenunterschied kaum fassen. Wenn du noch nie ein Objektiv mit Festbrennweite verwendet hast, musst du das unbedingt ausprobieren. Du wirst es nicht bereuen!

Festbrennweite vs. Zoom

Festbrennweiten liefern oft schärfere Bilder als Zoom-Objektive. (@NeONBRAND | Unsplash)

12. Nutze die Schärfentiefe strategisch

Konzentriere dich beim Fotografieren von Menschen oder Tieren immer auf die Augen; respektive auf das Auge, das am nächsten ist. Das ist sehr wichtig, besonders bei grossen Blenden zwischen f/1,4 und f/2,8, da die Schärfentiefe in dem Bereich sehr gering sein wird. Solange das Auge des Motivs scharf ist, wird das Bild höchstwahrscheinlich akzeptabel sein. Schau dir das folgende Bild an:

Scharfe Bilder Schärfentiefe

Die Augen sind unscharf, weil der Fokus falsch gesetzt wurde. (@Olivier | Pixolum)

Wie du auf dem obigen Bild sehen kannst, habe ich das Auge der Katze nicht richtig fokussiert und mich stattdessen irgendwie auf die Nase konzentriert. Vergleichen wir das nun mit diesem Bild:

Scharfe Bilder Schärfentiefe

Da hat jemand ein scharfes Auge. (@Olivier | Pixolum)

Ein riesiger Unterschied. Das zweite Bild sieht viel schärfer aus, obwohl ich die gleichen Kameraeinstellungen verwendet habe.

13. Wähle eine scharfe Blende

Auch die Blende spielt eine Rolle, um eine optimale Schärfe zu erreichen. Für Landschaftsaufnahmen verwende ich meist Blenden zwischen f/8 und f/11, während ich für Porträts Blenden von f/1,4 bis f/8 verwende, je nachdem, was ich mit dem Hintergrund machen möchte. Die meisten Objektive sind zwischen f/5,6 und f/8 am schärfsten. Wenn du an einem hellen, sonnigen Tag fotografierst, solltest du die Blende auf eine Zahl zwischen f/4 und f/8 einstellen und schauen, ob das einen Unterschied macht. Denk einfach daran, dass das Spielen mit der Blende die Schärfentiefe verändert und sich auf das Bokeh auswirkt, was normalerweise wichtiger ist als der Schärfe-Effekt.

Scharfe Bilder scharfe Blende

Kleinere Blenden produzieren manchmal schärfere Bilder. (@Griffin Wooldridge | Unsplash)

14. Reinige deine Objektive

Ein Amateurfotograf trat einmal an mich heran und bat mich um Rat, was er tun könne, um mehr Kontrast und Schärfe in seine Bilder zu bringen. Als ich das vordere Element seiner Linse sah, schlug ich ihm gleich vor, vielleicht mal das Objektiv zu reinigen. Es war so schmutzig, dass es mir ein Rätsel war, wie er so noch Bilder machen konnte. Ein schmutziges und fettiges Objektiv garantiert Fehlfunktionen beim Fokus und einen schlechten Bildkontrast.

Scharfe Fotos Objektiv reinigen

Ein bisschen Putzen kann helfen, die Dinge etwas klarer zu sehen. (@James Pond | Unsplash)

15. Nutze bei schlechtem Licht ein Stativ

Besorg dir ein Stativ für Situationen mit wenig Licht. Für die Aufnahme von Blitzgewittern, Feuerwerken, Stadtlichtern und anderen coolen Dingen bei Nacht ist ein stabiles Stativ ein Muss! Kauf aber kein billiges Stativ, du brauchst etwas Robustes, das deine DSLR oder DSLM trägt. Ein Selbstauslöser-Modus oder ein Kabel-/Drahtlos-Auslöser ist ebenfalls sehr hilfreich, um Verwacklungen zu minimieren.

Wenig Licht Stativ

Manchmal ist ein Stativ nötig, wenn zu wenig Licht vorhanden ist. (@Aliko Sunawang | Unsplash)

16. Serienaufnahmen

Stell deine Kamera in den Serienbildmodus (auch «continuous shooting» oder «burst mode» genannt), dann fotografierst du das Motiv in mehreren sehr schnell hintereinander aufgenommenen Einzelbildern, indem du den Auslöser gedrückt hältst. Besonders bei sich bewegenden Motiven, wie z.B. spielende Kinder, verbessert der Serienbildmodus die Chancen, dass du mindestens eine gute Aufnahme erhältst. Mit den meisten heutigen Kameras kannst du mindestens drei Fotos pro Sekunde schiessen, oft sind es sogar mehr. Wenn du dann noch ein wenig mit dem Motiv mitschwenkst, kannst du scharfe Fotos machen, auch wenn dieses nicht stillsteht.

Manchmal bekommt man gerade genug vom Gesicht (z.B. eines fröhlich rennenden Kindes) in den Fokus, dann wird alles andere durch die Bewegung verschwommen und hinterlässt eine schöne Isolation, die die Emotion dieses Moments hervorhebt.

Fazit scharfe Bilder

Scharfe Bilder zu machen ist ein Thema, das oft unterschätzt wird. Früher dachte ich, einfach nur die Kamera still zu halten würde schon reichen – aber das wurde ich schon oft eines Besseren belehrt. Auf meinen Reisen hatte ich in der Vergangenheit häufig Probleme mit unscharfen Bildern. Das passiert mir auch heute noch – nur weiss ich jetzt, was ich dagegen tun kann! Solange du die Tipps aus diesem Artikel befolgst, kann nichts schiefgehen. Frohes Knipsen!

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