8 Makrofoto Geheimnisse die deine Fotos besser machen

Makrofotos eröffnen uns eine großartige kleine Wunderwelt direkt vor unseren Augen. Eine Welt, an der viele Menschen achtlos vorbeisehen. In der Makrofotografie können Fotografen und Fotografinnen aber auch ihre fotografischen Fähigkeiten und ihren Bildstil weiterentwickeln. In diesem Beitrag vermittle ich Gedanken, Anregungen und Tipps aus meiner langjährigen Erfahrung in der Makrofotografie. Vielleicht inspirieren sie dich zu eigenen fotografischen Entdeckungen?

Makrofotografie Pilze

In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen als langjähriger Makrofotograf. (@Thomas Ruf)

Der Weg zu einzigartigen Makrofotos

Was macht ein gutes Makrofoto aus? Ist es die Schärfe? Ist es das Ungewohnte? Sind es spezielle Formen oder Farben? Oder der kreative Ausschnitt? Meiner Meinung ist das Denken in solchen Kategorien nicht der richtige Ansatz: Makrofotos sind meiner Meinung nach dann gut, wenn sie die Herzen der Betrachter und Betrachterinnen erreicht. Wenn das Bild überrascht, erstaunt oder die Fantasie anregt. Oder bestenfalls alles zusammen. Und nebenbei auch die fototechnischen Qualitätsanforderungen erfüllt.

Leider ist der Weg zu eindrücklichen Makrofotos nicht ganz einfach. Das Lesen von Büchern oder der Besuch von Kursen ist sicher richtig und sinnvoll. Aber das Wichtigste bleiben letztendlich selbst gemachte Erfahrungen, erlebte Fehlschläge und Erfolge. Über genau dieses Thema geht es hier. Ich schreibe über ausgewählte Aspekte und Erfahrungen «meiner» Art der Makrofotografie. Diese bewegt sich im Maßstabsbereich bis ca. 1:1, der mit normalen Makroobjektiven erreichbar ist.

Makrofotografie Fliegenpilz

Ein gutes Makrofoto überrascht, erstaunt oder regt die Fantasie an. (@Thomas Ruf)

Bilder komponieren

Du hast ein tolles Motiv für ein Makrofoto gefunden? Überlege dir, was dich daran besonders begeistert. Versuche diesen Aspekt im Bild entsprechend zu betonen! Untersuche den Bildausschnitt genau. Stimmt die Gewichtung von Hauptmotiv und Umgebung? Gibt es störende Objekte? Wie verlaufen die Linien im Bild? Denk daran, dass du die Kamera in alle Richtungen schwenken kannst. So gestaltest du iterativ den Ausschnitt. Und am besten kontrollierst du am Schluss besonders folgende Punkte:

  • Liegt das Hauptmotiv wirksam im Ausschnitt?
  • Liegt die Schärfe am richtigen Ort?
  • Ist der Schärfetiefenverlauf dem Motiv angepasst?
  • Laufen keine störenden Linien durch das Bild?
  • Verlassen keine Linien auf unschöne Weise den Ausschnitt?
  • Werden keine Objekte am Bildrand unschön angeschnitten?
  • Gibt es beschnittene Lichter bzw. störende Lichtflecke ohne Zeichnung?
Makrofoto Pilze

Liegt das Hauptmotiv gut im Ausschnitt? Stimmt die Schärfe? All diese Dinge gilt es bei der Bildkomposition zu beachten. (@Thomas Ruf)

Bild-Varianten gesucht

Der erste gefundene Bildausschnitt ist selten der beste! Die Begeisterung, so positiv diese ist, blockiert eben auch Ideen für noch bessere Ausschnitte. Betrachte das Motiv deshalb noch einmal sachlich, zumindest so gut es geht. Spiele mit dem Aufnahmewinkel, dem Aufnahmeabstand und verschiedenen Blenden-Einstellungen. Überlege dir immer, wie das Motiv auch anders gesehen werden könnte!

Aufnahmetechnik

Welche Technik benötigst du, um eindrucksvolle Makrofotos zu erstellen? In diesem Absatz teile ich meine Tipps und Erfahrungen rund um das Thema Makrofotografie Equipment.

Die Kamera ist nur ein Werkzeug!

Selbst fotografiere ich seit Jahren mit Pentax-Kameras und Pentax-Objektiven. Im Makro-Bereich verwende ich heute die Pentax K1 Mark 2 (Vollformat) mit dem Objektiv Pentax 100 mm 2.8 Macro WR. Nie mehr missen möchte ich das schwenkbare Display meines Gehäuses für bodennahe Aufnahmen. Für mich persönlich ist das zurzeit die beste denkbare Ausrüstung. Aber das muss nicht für alle Fotografen und Fotografinnen so gelten. Ansprüche, Arbeitsweise und Budget sind individuell viel zu unterschiedlich. Deshalb reagiere ich schon fast allergisch auf «Glaubenskämpfe» und hitzige Diskussionen, warum die Kamera XY die beste sein soll!

Wenn du ernsthaft mit Makroaufnahmen beginnen willst, startest du am besten ein Projekt «Kamera-Ausrüstung». Informiere dich an verschiedenen kompetenten Stellen und bleibe kritisch, wenn jemand von der «besten Kamera» spricht. Setze dir einen Zieltermin. So läufst du nicht in Gefahr, monatelang Testberichte zu lesen bis dir alles im Kopf dreht. Und dann entscheide! Sei dir bewusst, dass Kameras und Objekte zwar wichtig, aber letztendlich nur Werkzeuge sind. Das Bild machst du!

Ohne Stativ geht es kaum

Bei Makrofotos geht es tatsächlich um Millimeter, manchmal auch um Bruchteile davon. Ohne stabiles Stativ geht es deshalb wirklich nicht! Die Gründe sind naheliegend: Die Vermeidung von Verwacklungen und die Möglichkeit, präziser zu fokussieren. Für mich der wichtigste Grund ist jedoch, dass nur die auf einem Stativ aufgesetzte Kamera eine ruhige Bildgestaltung erlaubt. Das gilt übrigens nicht für Makrofotos!

Wenn ich hier ein klares Statement für das Stativ abgebe: Eine große Ausnahme gibt es für mich z. B. bei der Pilzfotografie. Hier lege ich die Kamera mit Vorliebe direkt auf den Waldboden. Genauer gesagt auf einen Stofflappen, den ich forme, bis die Kamera richtig positioniert ist. Auch Langzeit-Belichtungen sind so überhaupt kein Problem!

Einzelbild kontra Bildserien

Manche Fotografen und Fotografinnen sind stets auf der Suche nach dem perfekten Bild. Damit liegt meiner Meinung der Fokus aber allzu stark auf dem Einzelbild. Mir ging es jahrelang auch so. Bis mir eines Tages aufging, warum der Fokus auf Bildserien mindestens so wichtig ist, denn wir lernen…

  • Motive differenzierter zu sehen.
  • «nach einem roten Faden» zu fotografieren.
  • Bilder für zusammengehörende Serien zu suchen
Makrofoto Serie

Durch Bildserien lernt man, ein Motiv differenzierter zu betrachten. (@Thomas Ruf)

Vibrationen vermeiden

Bei Makrofotos können bereits kleinste Kamera-Vibrationen zu einer sichtbaren Bildunschärfe führen. Dazu genügt oft bereits das Betätigen des Auslösers, wenn die Verschlusszeit nicht wirklich schnell genug ist. Deshalb ist in den meisten Kameras eine Funktion «Auslöseverzögerung» eingebaut. Diese sorgt dafür, dass die eigentliche Aufnahme erst 2 bis 3 Sekunden nach der Betätigung des Auslösers erfolgt.

Oft ist diese Funktion hilfreich, aber leider nicht immer! Zwar sind die Kamera­erschütterungen damit zum Zeitpunkt der Aufnahme tatsächlich abgeklungen. Nur ist oft dann auch das Motiv nicht mehr genau am gleichen Ort! Das Problem ist besonders gravierend beim Fotografieren mit kleiner Schärfentiefe und beweglichen Motiven wie z. B. Blumen oder Schmetterlingen. Da genügt der kleinste Windhauch und schon ist es geschehen! Die Varianten «Kabelauslöser» oder «Fernauslöser» bringen hier keine Abhilfe. Auch damit geht es deutlich länger, bis die eigentliche Aufnahme ausgelöst wird, als beim «normalen» Drücken der Auslösetaste.

Unschärfe vermeiden ohne Kabel- und Fernauslöser

Deshalb arbeite in solchen Situationen entgegen der verbreiteten Regel ohne Auslöseverzögerung und ohne Kabel- oder Fernauslöser! Ich beobachte das Motiv durch den Sucher und warte einen ruhigen Moment ab. Dann löse ich im entscheidenden Moment so ruhig als möglich aus. Dabei hilft mir sicher auch der in Pentax-Gehäusen eingebaute hervorragende Bildstabilisator.

Zwar wird von vielen Kameraherstellern davor gewarnt, diesen beim Fotografieren ab Stativ einzuschalten, um verstärkte (!) Unschärfen zu vermeiden. Bei meinen Pentax-Kameras konnte ich das nie nachvollziehen – die Resultate mit dieser Technik sind hervorragend. Und falls der Bildstabilisator bei deiner Kamera auf dem Stativ tatsächlich vor Freude zu zittern beginnt:  Vergiss nicht, dass sich die ISO Werte heute höher hochschrauben lassen, als man denkt. Dazu mehr im nächsten Abschnitt!

Makrofotografie Schmetterling

Das Fotografieren von beweglichen Motiven ist besonders herausfordernd. (@Thomas Ruf)

Keine Angst vor hohen ISO-Werten

Viele Fotografen und Fotografinnen scheinen hohe ISO-Werte zu scheuen wie Katzen den Regen. Es ist natürlich richtig, mit der niedrigsten ISO-Einstellung zu fotografieren, welche die erforderliche Kombination von Blende und Verschlusszeit ermöglicht. Das verhindert vermeidbares Bildrauschen und führt zu einer besseren Abbildung kleinster Details. Aber mit der Einstellung «ich fotografiere prinzipiell nur mit ISO-Werten bis 800» verpassen wir die Chance auf viele grossartige Bilder. Wir erreichen damit vielfach auch nicht die bestmögliche Qualität. Denn was nützt uns ein Bild ohne Bildrauschen, wenn es durch vom Wind verursachte Bewegungen nicht ganz scharf ist? Die heutige Kameratechnik ist nicht die gleiche wie vor 10 oder 20 Jahren – nutzen wir sie doch!

Bildbearbeitung

Persönlich fotografiere ich ausschließlich im RAW-Format auf und entwickle die Bilder danach in Lightroom. Das große Photoshop setze ich nur für ganz spezielle Retuschen oder die professionelle Bild-Aufbereitung (z. B. Farbraumkonvertierung, Soft-Proof, Großformat-Bilder) ein.

Lieber zu viel als zu wenig!

Meiner Erfahrung nach entwickeln die meisten Fotografen und Fotografinnen ihre Bilder zu intensiv. Das führt dann oft zu Tonwertabrissen und Farb­verschiebungen, wenn das Bild in einen anderen Farbraum konvertiert oder ausgedruckt wird. Ohne in das Gebiet der Bildbearbeitung ganz abzutauchen, einige meiner zentralen Erfahrungen:

  • Wer seinen Monitor nicht kalibriert, darf mit Bildbearbeitung gar nicht erst beginnen
  • Bei der RAW-Entwicklung der Bilder Sättigung und Kontrast zurückhaltend entwickeln
  • Die Schluss-Bildentwicklung erst nach der Konvertierung im Zielfarbraum durchführen
  • Für Print-Zwecke Bilder «1 Blende» heller entwickeln
Noch ein wichtiger Grundsatz

Werden Bilder für die professionelle Weiternutzung abgegeben, z.B. an eine Grafikagentur, so sind die Bilder besonders zurückhaltend zu entwickeln! Lieber zu wenig als zu viel Sättigung und keine Beschneidung der Lichter und Schatten (nur Spitzlichter dürfen absolut weiß bzw. nur die dunkelsten Stellen absolut schwarz sein). Aber: Entferne immer alle Sensorflecken!

Makrofotografie Blümchen

Mein Tipp für die Nachbearbeitung: Weniger ist meistens mehr! (@Thomas Ruf)

Der Weg zum eigenen Bildstil

Es war die Makrofotografie bzw. genauer die Pilzfotografie, die mich dazu gebracht hat, meinen Bildstil bewusst weiterzuentwickeln (wobei schon gesagt ist, dass manches unbewusst abläuft). Der Auslöser dazu war, dass meine Pilzaufnahmen kaum zueinander passten und Serien kombiniert werden konnten. Deshalb begann ich vor vielen Jahren, mich mit dem Thema „Bildstil“ zu befassen. Ich fing an, kritisch zu beurteilen, welche Sichtweise, Farbgebung usw. zu meiner Persönlichkeit passt und welche nicht. Auf diese Weise entwickelte sich meine «Art», Bilder zu gestalten und zu entwickeln. Dabei stand immer ein Grundsatz im Vordergrund: Der persönliche Bildstil soll spürbar sein, hat sich aber immer dem Motiv unterzuordnen – und nicht umgekehrt. Fotografische Effekte dürfen nicht Selbstzweck sein!

Heute kann ich Fotografinnen und Fotografen nur empfehlen, am eigenen Bildstil zu arbeiten. Dieser Prozess ist natürlich nie abgeschlossen. Rückschritte sind unvermeidbar, weil man negative Entwicklungen erst im Rückblick oder aufgrund von Kritik feststellen kann. Aber der Weg lohnt sich. Auf einmal stehen Bildserien und nicht das Einzelbild im Vordergrund. Dadurch kommst du auch weniger in Versuchung, Bilder übertrieben zu entwickeln. Die vielen Schockfarben-Fotos in «Social Media»-Kanälen lassen grüßen…

Nun aber raus!

Zum Abschluss jetzt das Allerwichtigste: Nimm deine Kamera und geh raus! Bleibe neugierig und entdecke die zahlreichen Wunder direkt vor deinen Augen. Stelle dir saisonale oder thematische Aufgaben und verfolge diese konsequent. Vergiss dabei nicht, den Moment und das Naturerlebnis zu geniessen. Wenn du das tust, werden dich die Makrofotos garantiert nie mehr loslassen!

Makro Schnecke

Geh raus und probier dich aus! In der Natur warten tolle Motive auf dich. (@Thomas Ruf)

Über den Autor

Motive aus der magischen kleinen Welt stehen im Mittelpunkt von Thomas Rufs fotografischem Werk. Als selbständiger Ingenieur und Fotograf bewegt er sich mit seinen Bildern im Spannungsfeld zwischen Technik und Kunst. Fotografie ist nicht nur die große Leidenschaft von Thomas Ruf. Sie ist in den vergangenen Jahren auch zu einer wichtigen beruflichen Nische geworden. Eindrucksvolle Arbeiten findest du auf der Website.

0 Gedanken und Fragen

Hinterlasse deine Meinung und Fragen

 

Magst du diesen Beitrag?