Lightpainting – 10 Lichtmalerei Tipps und Anleitung

Lightpainting ist nur eines von vielen Beispielen für Langzeitbelichtungstechniken, mit denen du einzigartige Effekte erzielen kannst. Mit normalen oder hohen Verschlusszeiten ist das nicht möglich. In diesem Beitrag geben wir dir Tipps und erklären dir, wie du deine eigene Lichtmalerei kreierst und was du dafür brauchst.

Lightpainting Lichtmalerei Anleitung

Lightpainting – Lichtmalerei Anleitung

Was ist Lightpainting?

Manchmal auch als Lichtzeichnung oder Lichtgraffiti bezeichnet, ist Lichtmalerei die fotografische Technik, bei der eine bewegte Lichtquelle (z.B. eine Taschenlampe, ein Leuchtstab oder ein Smartphone) verwendet wird, um ein Bild während einer Langzeitbelichtung zu verändern. Anstatt das Bild einfach «normal» aufzunehmen, fügen Lichtmaler ein weiteres Element hinzu, indem sie ein Objekt hervorheben. Das tun sie, indem sie Streifen, Farben oder Blitze im Bild erzeugen.

Lichtmalerei Bewegung

Die lange Verschlusszeit lässt die Bewegung des Lichts verschwimmen.

Kameraeinstellungen für Lightpainting?

Wie bei jeder speziellen Art von Fotografie wirst du viel mit den Kameraeinstellungen herumspielen müssen, um die richtigen Settings für den gewünschten Effekt zu finden. Aber es gibt einige Besonderheiten, die dir den Einstieg in die Lichtmalerei erleichtern können.

Der wesentlichste Unterschied zu normalen Fotos ist die lange Belichtungszeit. Wir sprechen hier von einer sehr langen Belichtung: mindestens 30 Sekunden, wenn nicht sogar länger. Es kommt ein bisschen darauf an, was du zeichnen möchtest. Die lange Belichtungszeit ermöglicht es der Kamera, Bewegungen als Unschärfe einzufangen, während feststehende Objekte scharf bleiben. Im Fall von Lichtmalerei ist diese Bewegung eine Lichtquelle.

Hier sind die grundlegendsten Einstellungen für deine Kamera, die dich zu einer erfolgreichen Langzeitbelichtung und schlussendlich einer Lichtmalerei führen.

  • Modus: Manuell (M)
  • Verschlusszeit: 30 Sekunden oder «Bulb» (B)
  • Blende: 8 oder 10
  • ISO: 100
Malen mit Licht Verschlusszeit

Verwende Verschlusszeiten von 30 Sekunden und mehr.

Kamera für Lightpainting einrichten: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

1 Bestimme die Basis-Belichtungswerte

Du musst die Grundbelichtung des Umgebungslichts bestimmen, bevor du überhaupt neue Lichtmalerei-Elemente hinzufügen kannst. Da du mit langen Belichtungszeiten arbeitest, empfehle ich dir, die ISO-Empfindlichkeit auf sechs Blendenstufen höher einzustellen, als die ISO welche du normalerweise bei der Umgebung verwenden würdest. Wenn du ISO 100 verwendest, musst du also ISO 6400 einstellen. Finde bei diesem ISO-Wert heraus, wie viele Sekunden du beim aktuellen Umgebungslicht belichten musst. Eine Sekunde bei ISO 6400 entspricht einer Minute bei ISO 100. Wenn du die Belichtung in Sekunden herausgefunden hast, stellst du den ISO-Wert wieder auf 100 ein und überprüfst die Belichtung in Minuten. Wenn sie übereinstimmt, hast du deine Grundbelichtungszeit.

2 Fokussieren

Bevor du mit der Lichtmalerei beginnst, solltest du den Fokus setzen – später im Dunkeln kann das nämlich schwierig werden. Hierbei ist der manuelle Fokus sehr hilfreich. Wenn du die Möglichkeit hast, kannst du zum Fokussieren das Licht einschalten. Wenn du draussen bist und deswegen kein Licht hast, kannst du auch eine andere Lichtquelle (z.B. eine Taschenlampe) auf einen Teil deines Motivs richten und dann anschliessend da scharfstellen. Lass das Licht an, solange du fokussierst und schalte es wieder aus, wenn der Fokus sitzt.

3 Starte die Belichtung

Das ist der lustige Teil, denn jetzt kannst du mit dem Malen beginnen! Die meisten Kameras erlauben Belichtungszeiten von bis zu 30 Sekunden. Wenn du eine längere Belichtungszeit möchtest, musst du in den Bulb-Modus wechseln. Der Bulb-Modus bewirkt, dass die Kamera das Foto so lange aufnimmt, bis du den Finger wieder vom Auslöser nimmst.

Lightpainting

Stelle den Fokus ein, bevor du die Langzeitbelichtung startest.

Welche Ausrüstung brauchst du für Lightpainting?

Du benötigst eine gewisse Grundausstattung für die Erstellung von Lichtmalerei-Fotografien, sowie einige etwas kompliziertere Kameraeinstellungen. Wir werden beides durchgehen. Zuerst besprechen wir die Ausrüstung.

  • Kamera: Für Lightpainting brauchst du in erster Linie eine geeignete Kamera. Eine Digitalkamera mit manuellen Einstellungsmöglichkeiten bietet dir die nötige Flexibilität, die du benötigst um beim Lichtmalen die besten Ergebnisse zu erzielen. Du kannst aber auch ein Smartphone verwenden, um Lichtgemälde zu erstellen. Das ist ein guter, preiswerter Einstieg in die Kunst, da die meisten Leute bereits ein Telefon haben. Wenn du dich für diesen Weg entscheidest, brauchst du nur eine spezielle Lightpainting-App, welche die nachfolgenden Tipps irrelevant macht.
  • Stativ: Bei einer Langzeitbelichtung ist der Verschluss lange Zeit offen, was bedeutet, dass jede noch so kleine Bewegung zu einem verschwommenen Bild führen kann. In der Lichtmalerei sind gewisse Unschärfen sogar erwünscht! Jedoch nur die, die du mit deiner Lichtquelle erzeugst. Eine Unschärfe infolge einer Verwacklung der Kamera ergibt ein verwackeltes Bild. Um das zu vermeiden, ist ein gutes, stabiles Stativ Pflicht. Die einzige Ausnahme davon ist kinetisches Licht, aber darüber sprechen wir später.
  • Lichtquellen: Du kannst fast jeden lichterzeugenden Gegenstand als Lichtquelle für eine Lichtmalerei verwenden, wobei jeder einen anderen Effekt mit sich bringt – oder sogar eine andere Farbe. Beispiele für beliebte Lichtquellen für das Lightpainting sind Lichtmalpinsel, Taschenlampen, Laser, Leuchtstäbe, Stroboskoplicht, Kerzen, LED-Leuchten und so weiter. Es lohnt sich, mit verschiedenen Lichtquellen zu experimentieren, um zu sehen, welche für den gewünschten Effekt am besten funktionieren.
  • Fernauslöser: Bei Aufnahmen mit einer langen Verschlusszeit kann selbst die kleinste Bewegung das Bild verwackeln. Das bedeutet, dass du weder die Kamera noch das Stativ berühren solltest, es sei denn, du malst mit kinetischem Licht. Investiere stattdessen in einen Fernauslöser oder einen Kabelauslöser für deine Kamera. Mit diesen Werkzeugen kannst du das Bild aufnehmen, ohne die Kamera jemals zu berühren! Wenn du noch nicht in einen Fernauslöser investieren willst, tut es auch der Selbstauslöser.
  • Stoppuhr: Eine Stoppuhr kann für die Lichtmalerei hilfreich sein, besonders wenn du die Lichtquellen selbst bewegst. Um die Lichtmalerei machen zu können, muss der Verschluss lange genug offen bleiben, und das Zählen der Sekunden im Kopf kann dich dabei ablenken. Stattdessen solltest du eine Stoppuhr verwenden um die Zeit zu messen. So kannst du die Verschluss- oder Bewegungsgeschwindigkeit viel präziser anpassen.
  • Farbfolien: Eine Farbfolie (auf Englisch auch «gels» genannt) ist ein transparentes, farbiges Material, das du über das Objektiv legst, um die Farbe des Bildes zu verändern. Du kannst solche Folien online oder im Kamerageschäft kaufen oder sogar selbst aus farbigen Stücken transparenten Kunststoffs herstellen. Farbfolien eignen sich hervorragend, um den Farbton des Lichts zu verändern. Du kannst sie verwenden, wenn du bestimmte Effekte erzielen möchtest, sie sind aber nicht zwingend notwendig für Lightpainting.
Lightpainting Farbfolien

Farbfolien sorgen für psychedelische Effekte.

3 Haupttypen von Lichtquellen für die Lichtmalerei

Es gibt drei Haupttypen von Lichtquellen für die Lichtmalerei:

Typ 1: Die Lichtquelle im Bild

Die Lichtquelle im Bild bedeutet, dass das lichterzeugende Element ein im Bild sichtbares Objekt ist. Bei dieser Technik betrittst du tatsächlich selbst das Bild und benutzt die Lichtquelle zum „Malen“. Dabei trägst du am besten dunkle Kleidung, damit man dich nachher auf dem Bild nicht sieht.

Lightpainting on camera

Die Lichtquelle selbst ist auf dem Bild erkennbar. (@Olivier Brugger | pixolum)

Typ 2: Lichtquelle ausserhalb des Bildes

Hier richtest du eine Lichtquelle von ausserhalb des Bildbereichs auf eine bestimmte Stelle deines Motivs. Diese Technik eignet sich hervorragend dafür, bestimmte Objekte hervorzuheben oder den Gesamtton des Bildes zu verändern.

Lightpainting off camera

Eine Lichtquelle ausserhalb des Bildes hebt den Felsen hervor.

Typ 3: Kinetische Lichtmalerei

Bei der kinetischen Lichtmalerei bewegst du die Kamera, nicht die Lichtquelle. So kannst du zum Beispiel eine Kerzenlichtmalerei mit dem Licht einer Kerze erstellen oder wie hier auf dem Bild die Nachtlichter in einer Stadt grob verzerren.

Lichtmalerei kinetisch

Bei der kinetischen Lichtmalerei bewegt sich die Kamera, nicht das Motiv.

Fünf Tipps und Techniken für Lightpainting

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Es gibt eine Reihe von verschiedenen Techniken der Lichtmalerei, die du dir merken solltest. Dazu gehören:

  1. Male aus verschiedenen Blickwinkeln
    Anstatt von hinter der Kamera oder direkt auf die Kamera zu leuchten, kannst du das auch von der Seite oder von oben machen, um bestimmte Texturen hervorzuheben. Oder beleuchte dein Motiv auf Bodenhöhe, um der Oberfläche mehr Dimension zu geben und Details hervorzuheben. Dieser Effekt eignet sich besonders gut für grasbewachsene Flächen.
  2. Trage die richtige Kleidung
    Wenn die Lichtquelle selbst im Bild ist, solltest du sicherstellen, dass das Licht im Mittelpunkt des Fotos steht und nicht die Person, die es hält. Dazu musst du dunkle, nicht reflektierende Kleidung tragen.
  3. Verwende zum Testen einen Rotfilter
    Beim Vorbereiten deiner Aufnahmen ist es wichtig, dass deine Augen an die Dunkelheit gewöhnt bleiben. Normale Taschenlampen nehmen dir die Nachtsicht, deswegen solltest du versuchen, einen Rotfilter auf deinen Testleuchten anzubringen.
  4. Experimentiere mit verschiedenen Oberflächen
    Reflektierende Oberflächen wie Metall, Glas und Spiegel können in der Lichtmalerei überraschende Effekte erzeugen. Hingegen rauere Oberflächen wie Putz und Holz absorbieren mehr Licht, während transparente Materialien wie Stoff deine Lichtquelle auf interessante Weise filtern können.
  5. Experimentiere mit der Bewegungsgeschwindigkeit
    Wie hell dein Lightpainting sein wird, hängt davon ab, wie schnell du die Lichtquelle bewegst. Je länger du eine Lichtquelle an einer bestimmten Stelle hältst, desto länger muss der Kamerasensor sie absorbieren und desto heller erscheint sie auf dem fertigen Foto. Experimentiere mit schnellen und langsamen Bewegungen, um Schattierungseffekte zu erzeugen, die deine Fotos komplexer machen.
Lichtmalerei experimentieren

Lass deiner Kreativität freien Lauf.

Drei berühmte Lightpainting-Fotografen

Obwohl es Lichtmalerei schon fast so lange gibt wie die Fotografie selbst, haben Digitalkameras die Techniken des Lichtmalens einfacher denn je gemacht. Einige der allerersten Lichtgemälde kreierte ein französisches Fotografenpaar. Étienne-Jules Marey und Georges Demeny befestigen im Jahr 1889 mehrere Glühbirnen an einem ihrer Assistenten, der sich dann damit durch das Foto bewegte. Das daraus resultierende Lichtgemälde sieht im Vergleich zu den heutigen, eher psychedelisch anmutenden Arbeiten der Künstler sehr einfach aus.

Hier sind einige zeitgenössische Fotografen, die für ihre Arbeit mit der Lichtmalerei bekannt sind:

  1. LAPP-PRO
    Die Person hinter LAPP-PRO ist JanLeonardo und er ist einer der bekanntesten Fotografen für Lightpainting. Seine Arbeit kombiniert choreographierte Manipulation von Licht, Performancekunst, Zeit und Fotografie.
  2. Hannu Huhtamo
    Hannu Huhtamo ist bekannt für seine Blumen und Strukturen, die aussehen, als könnten sie CGI-Kreationen sein.
  3. Michael Bosanko
    Das Werk von Michael Bosanko hat eine spielerische, skurrile Qualität. Er verwendet Licht, um jenseitige Szenen zu schaffen, die Menschen, Tiere und bekannte Motive beinhalten können.

Sei beim Zeichnen mit Licht kreativ

Das Wichtigste bei der Lichtmalerei ist, dass du experimentierst und Spass hast bei der Entwicklung deines eigenen Stils. Lightpainting ist ein Medium, das so viele Ausdrucksmöglichkeiten bietet, also tauche ein und schau, was dich so richtig packt!

Lust auf eine Challenge? Versuch doch mal mit unserem Tutorial zum Fotografieren mit brennener Stahlwolle ein tolles Bild zu zeichnen.

Lightpainting Titelbild

Lichtmalerei ist eine Kunst.

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