Langzeitbelichtung – Wasserfall fotografieren mit Schleier-Effekt

Wasserfall fotografieren in wenigen Schritten! Wasser fasziniert immer wieder mit seiner Dynamik, der Frische und den tollen Spiegelungen. Einem Fotografen stehen tausend Möglichkeiten offen, mit der Wasserfotografie zu experimentieren. Eine davon ist das Fotografieren von Wasserfällen, bei welcher man durch Langzeitbelichtung ein Bild mit einem verträumten, weissen Schleier kreiert. Dabei gibt es einige Tipps und Tricks, welche hier verraten werden.

 

 

Wie erhält man den weissen Schleier-Effekt bei Wasserfällen?

Gleich wie beim Fotografieren von Autobahnen, damit Lichtstreifen entstehen, nutzt man auch beim Fotografieren eines Wasserfalls die Langzeitbelichtung. Dabei gibt es doch einige Unterschiede, die es zu beachten gibt. Als erstes sucht man sich natürlich einen Wasserfall, der einem gefällt. Dieser muss nicht riesig sein – im Gegenteil – oft erzielt man gute Resultate indem man klein anfängt.

 

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6 Tipps zum Fotografieren von fliessendem Wasser

 

1) Die richtige Tageszeit mit optimalem Licht

Die Tageszeit spielt unter Umständen eine entscheidende Rolle. Fotografiert man ausserhalb eines Waldes oder bei wenig dichtem Wald mit viel Lichtdurchlass, dann empfiehlt es sich am Morgen oder Abend zu fotografieren, wenn die Sonne tief steht. Denn mit zu viel Tageslicht kann man das fliessende Wasser zu wenig lang belichten, da das Bild sonst zu hell wird. Fotografiert man hingegen in dichtem Wald mit sehr wenig Lichteinstrahlung, empfiehlt sich die Mittagszeit zum Fotografieren, da die Sonne um diese Zeit am höchsten steht und eher Licht von oben eindringen kann. Mit zu wenig Licht könnte es sein, dass die Bilder trotz Langzeitbelichtung zu dunkel werden. In diesem Fall müsste man einen höheren ISO Wert einstellen, was leider schnell einen körnigen Effekt auf dem Bild mit sich bringt.

 

 

2) Das Stativ

Um den weichen Effekt zu erzielen, kann man nicht aus der Hand fotografieren. Ein Stativ ist für die Langzeitbelichtung zwingend notwendig. Bringen Sie ein Stativ mit, welches Sie auch mit gutem Gewissen direkt ins Wasser stellen können. Gummifüsse am Stativ schützen vor dem Rutschen auf feuchtem Untergrund und sind daher auch zu empfehlen.

 

 

3) Wasserfall fotografieren: die Kameraeinstellungen

Das weiche Wasser – oder eben den Schleier-Effekt – erhält man durch Langzeitbelichtung. Das heisst, dass das Foto beispielsweise innerhalb von 4 Sekunden aufgenommen wird. Je länger man belichtet, desto weicher wird das Wasser. Eine zu lange Belichtung kann aber dazu führen, dass gar keine Struktur mehr erkennbar ist, oder das Bild zu hell wird. Je nach Umgebungslicht kann länger oder kürzer belichtet werden. Achten Sie auf die Lichtwaage auf ihrer Kamera, und Belichten sie nicht höher  als 2 Blendenstufen über der korrekten Belichtung.

  1. Modus: Stellen Sie die Kamera in den manuellen Modus M
  2. Fokus: Fokussieren Sie mit dem Autofokus oder manuell auf den Wasserfall und stellen Sie den Autofokus am Objektiv danach ab
  3. ISO: Der ISO Wert wird so tief wie möglich eingestellt, im Optimalfall auf 50 oder 100
  4. Blende: Die Blende muss geschlossen werden. Damit sind auch die Details im Hintergrund scharf und es kann länger belichtet werden, da durch die kleine Öffnung weniger Licht auf den Sensor fällt. Verwenden Sie also eine sehr hohe Blende, z.B. 36.
  5. Belichtungszeit: Stellen Sie nun die Belichtungszeit auf 2-15 Sekunden, je nachdem wie weich das Wasser aussehen soll.
  6. Lichtwaage: Kontrollieren Sie anhand der Lichtwaage, dass das Bild nicht zu stark über oder unterbelichtet ist. Wenn Sie in RAW fotografieren und das Bild erst später entwickeln, können 1-2 Blendenstufen nachträglich korrigiert werden.
  7. Auslöser: Falls Sie keinen Fernauslöser haben, stellen Sie den Selbstauslöser auf 2-10 Sekunden ein, damit das Bild durch das manuelle Auslösen mit den Fingern nicht verwackelt.
  8. Testbilder machen und die oben beschriebenen Werte je nach Umgebungslicht anpassen

 

 

4) ND-Filter oder Graufilter für längere Belichtungszeit

Bei viel Tageslicht kann es trotz geschlossener Blende sein, dass die Belichtungszeit auf nur einen Bruchteil einer Sekunde eingestellt werden kann, damit das Bild nicht zu hell, resp. überbelichtet wird. Mit einer solch kurzen Verschlusszeit bekommt man den gewünschten Effekt nicht hin. In dieser Situation hilft ein ND-Filter (Graufilter), welcher auf das Objektiv geschraubt wird. Mit einem Graufilter verdunkelt man faktisch die Umgebung und kann dadurch länger Belichten.

 

 

5) Den optischen Sucher abdecken

Auch durch den optischen Sucher kann Licht auf den Sensor fallen. Die Belichtung kann dadurch gestört werden. Bei den meisten Kameras befindet sich am Träger (Umhangschlaufe) ein Teil aus Gummi oder Plastik, welches anstelle der Augenmuschel auf den optischen Sucher gesteckt werden kann, damit diese abgedeckt ist und kein Licht einfallen kann.

 

 

6) Bearbeitung mit Lightroom oder Photoshop

Mit Lightroom oder Photoshop kann dem Bild je nach Geschmack eine Charakteristik gegeben werden. Lieber warm und eine Traumwelt schaffen? Oder doch eher etwas kalt und mystisch? Auch mit dem Spiel der Farbkanäle lassen sich tolle Effekte erzielen.

 

langzeitbelichtung wasserfall tutorial

 

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Ausrüstung und Vorbereitung – was brauche ich?

Wasserfälle in einem Wald oder sonst einer Detailreichen Umgebung sind optimal, da so ein hervorragender Kontrast zwischen dem weichen, fliessenden Wasser und der Umgebung geschaffen werden kann. Ein paar Tipps, damit Sie optimal vorbereitet sind:

 

  • Gutes Schuhwerk – im Wald gibt es oft moosige und rutschige Stellen, gerade in der Umgebung in welcher Wasser fliesst. Mit wasserdichten Schuhen mit guten Profil steht man sicherer, und kann sich und die Kamera optimal positionieren
  • Regenschutz – Eine wasserdichte Jacke und Hosen schützen vor der Nässe. So kann man sich auch ohne zu zögern mal ins nasse Moos setzen und sich voll auf die Fotografie konzentrieren
  • Stativ – ein leichtes Stativ mit gutem Halt
  • Fernauslöser – Wenn Sie einen Fernauslöser haben, nehmen Sie diesen unbedingt mit. Damit müssen Sie nicht manuell Auslösen und laufen nicht in Gefahr, dass das Bild verruckelt
  • Kamera – Die Kamera mit einem Weitwinkel-Objektiv darf natürlich nicht vergessen werden.
  • Speicher – Prüfen Sie nochmal nach, ob genug Speicherplatz auf der Karte vorhanden ist, bevor Sie losgehen
  • Plastikbeutel – Falls es regnet oder bei einem grossen Wasserfall eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit herrscht, kann die Kamera zum Schutz in einen durchsichtigen Plastikbeutel eingepackt werden. Damit lässt sie sich weiterhin problemlos bedienen.
  • ND Filter – Damit länger belichtet werden kann ohne dass das Bild zu hell wird
  • Polfilter – Falls man keine Spiegelungen im Wasser möchte

 

 

 

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