Kontrast in der Fotografie: So schaffst du eindrucksvollere Bilder!

Kontrast ist eines der wichtigsten Stilmittel in der Fotografie. Er kann den Effekt eines Bildes komplett verändern. Dafür lässt er sich nicht nur verstärken, sondern auch reduzieren! Für jeden Fotografen ist der Gebrauch von Kontrasten ein entscheidender Schritt in der Entwicklung seiner Bildsprache. Doch was genau bedeutet überhaupt Kontrast in der Fotografie, und wie kannst du ihn am besten nutzen? Hier erfährst du alles, was du wissen musst. Lies selbst! 

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Ein kleines, zartes Lebewesen neben einem großen, starken – das ist Kontrast! (@Meg Kannan, Unsplash)

Was bedeutet Kontrast?

Rein wörtlich genommen bedeutet Kontrast nichts anderes als Unterschied. In der Fotografie versteht man darunter vor allem Unterschiede in Helligkeit oder Farbe innerhalb des Bildes. Schon seit ihren Anfängen war der Kontrast ein wichtiges Element für die Fotografie – nur aus dem Gegensatz zwischen Hell und Dunkel kann überhaupt erst ein Bild entstehen!

Wenn du ein bisschen damit experimentierst, wirst du merken, dass ein höherer bzw. niedrigerer Kontrast deinem Foto eine ganz unterschiedliche Wirkung verleiht. Natürlich wirken die verschiedenen Kontrastarten auch sehr unterschiedlich – ich erkläre dir welche es gibt!

Was gibt es für Kontraste?

#1 Hell-Dunkel-Kontrast

Der bekannteste Kontrast in der Fotografie ist der Hell-Dunkel-Kontrast. Er bezieht sich auf Unterschiede in der Helligkeit zwischen den verschiedenen Bildelementen. Diese sind natürlich in allen Bereichen der Fotografie wichtig, besonders aber in der Schwarz-Weiß-Fotografie. Warum? Ganz einfach, dort fehlen andere Kontraste, zum Beispiel zwischen verschiedenen Farben.

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Hier siehst du ein typisches Beispiel für einen deutlichen Hell-Dunkel-Kontrast (@Christophe Dutour, Unsplash)

Wenn in einem Bild sowohl sehr dunkle als auch sehr helle Töne vorkommen, dann besitzt es einen hohen Hell-Dunkel-Kontrast (auch Helligkeitskontrast genannt). Wenn man in einem Bild jedoch eine große Palette von Tönen zwischen weiß und schwarz erkennen kann, spricht man von mittlerem Kontrast. Fehlen beide Enden der Farbpalette und besteht das Bild aus mittleren Tönen, ist es kontrastarm.

#2 Farbkontrast

Eine andere wichtige Kontrastart ist der Farbkontrast. Um ihn richtig anzuwenden, musst du ein wenig über die Farbenlehre wissen. Aber keine Sorge! Schon mit einem ungefähren Überblick kannst du anfangen zu experimentieren.

Komplementärfarben

In der Kunst verwendet man allgemein ein Diagramm, das Farbkreis oder Farbrad genannt wird. Es stellt die Verhältnisse zwischen den einzelnen Farben dar. Mit seiner Hilfe lässt sich feststellen, welche Farbkombinationen den größten Gegensatz bilden. Diese werden dann Komplementärfarben genannt. Der Farbkreis macht es dir sehr einfach, sie zu erkennen – sie stehen sich nämlich gegenüber. Ein Beispiel für Komplementärfarben ist das Zusammenspiel von Rot und Grün:

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In diesem Bild kontrastieren die Komplementärfarben Rot und Grün (@Steve Johnson, Unsplash)

Hier noch ein Video, falls du dich für die Grundlagen der Farbenlehre interessierst.

Kalte und Warme Farben

Einen Farbkontrast kannst du aber auch ganz ohne den Farbkreis erzeugen. Dafür unterteilst du einfach in kalte und warme Farben. Wenn du diese kombinierst, hast du schon einen Farbkontrast. Zu den kalten Farben zählen zum Beispiel Blau- und Grün-, zu den warmen Farben Rot-, Gelb- und Orangetöne.

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Die warmen Rosa-Orange-Töne der Sonne bilden einen Gegensatz zum kühlen Blau-Grau-Weiß der Landschaft (@Justin Kauffman, Unsplash)

Analoge Farben

Wenn du nach einem etwas schwächeren Farbkontrast als dem der Komplementärfarben suchst, können dir die analogen Farben weiterhelfen. So werden die Farben genannt, die im Farbkreis nebeneinander liegen. Sie kontrastieren zwar auch miteinander, wirken jedoch harmonischer.

Ähnliche Farbtöne

Einen noch schwächeren Farbkontrast erreichst du mit einer Kombination von mehreren Tönen einer ähnlichen Farbe. Diese können sich nur durch die Schattierung unterscheiden. So bleibt der Fokus des Betrachters nicht an dem Kontrast hängen, das Hauptmotiv deines Bildes wird aber deutlich hervortreten.

TIPP: Der Kontrast in deinem Bild kommt besser zur Geltung, wenn du nicht zu viele verschiedene Farben verwendest. So wird der Blick des Betrachters auf einen bestimmten Gegensatz gelenkt. Ein kunterbuntes Bild hingegen kann verwirrend wirken.

#3 Strukturkontrast

Eine andere Möglichkeit für Kontrast in der Fotografie ist die Kombination verschiedener Strukturen. Damit kann das Material, die Textur oder die Oberflächenbeschaffenheit gemeint sein. Versuche zum Beispiel, weiche und harte oder zarte und grobe Elemente in einem Bild zu verwenden. Oft entstehen solche Kontraste aber auch von selbst in der Natur, wie im folgenden Bild.

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Hier bilden die verschiedenen Strukturen im Sand einen Gegensatz (@Matt Artz, Unsplash)

Besonders geeignet für die künstliche Konstruktion eines Strukturkontrastes ist der Hintergrund des Bildes. Wenn du zum Beispiel ein Objekt mit besonders auffälliger Struktur fotografierst, dann such dir dafür einen möglichst neutralen Hintergrund wie eine glatte Wand oder den blauen Himmel. Falls du keine geeignete Fläche findest, kannst du auch mit der Tiefenschärfe deiner Kamera arbeiten. Mit einer weit geöffneten Blende und einem größeren Abstand zum Hintergrund erreichst du eine geringe Tiefenschärfe. Das heißt: der Hintergrund erscheint verschwommen und weich und erzeugt einen Kontrast zur Schärfe und Textur deines Objekts.

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Natürlich funktioniert dieser Trick auch andersherum. Wenn du ein weiches, zartes Motiv fotografieren möchtest, wird es vor einem auffälligen, groben Hintergrund besonders hervorstechen.

#4 Konzeptioneller Kontrast

Diese Art von Kontrast unterscheidet sich stark von den vorigen. Der konzeptionlle Kontrast ist eher abstrakt und abhängig von der persönlichen Betrachtung. Es handelt sich nicht um einen technischen, messbaren Gegensatz sondern um einen inhaltlichen. Dabei gibt es meist eine Storytelling-Komponente.

Oft werden dafür verschiedene Elemente kombiniert, die man so nicht zusammen erwarten würde. Das kann je nach Bild einen lustigen oder überraschenden Effekt haben oder auch zum Nachdenken anregen. Besonders geeignete Gegensätze für konzeptionellen Kontrast sind alt-neu, groß-klein oder künstlich-natürlich.

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Bei diesem Bild treffen Natur und Architektur aufeinander (@Jeremy Bishop, Unsplash)

Kontrast als Stimmungsmittel

Kontrast hilft dir dabei, die Aussage deines Bildes zu beeinflussen oder besonders deutlich zu machen. Welche Emotionen möchtest du beim Betrachter auslösen? Bilder mit hohem Kontrast wirken meist auffällig, unruhig und intensiv. Sie werden häufig in der Street– und Naturfotografie verwendet. Fotos mit niedrigem Kontrast hingegen können einen verträumten und sanften Effekt haben. Sie sind besonders für Outdoor-Portraits geeignet, vor allem wenn man einen Vintage-Look erzielen möchte. Überlege dir also gut, welche Kontrastvariante für dein Foto passen könnte, bevor du die Kamera in die Hand nimmst.

Tipps für das Experimentieren mit Kontrast

Wenn du anfängst mit Kontrasten zu arbeiten, empfehle ich dir, dich erst einmal auf Schwarz-Weiß-Bilder zu konzentrieren. Wie schon erwähnt, tritt hier der Hell-Dunkel-Kontrast besonders gut hervor. Indem du Farben ausblendest, kannst du dich ganz darauf konzentrieren. Versuche zu beobachten, wie verschiedene Lichtverhältnisse das Bild beeinflussen. Dabei ist ein sehr interessanter Aspekt auch das Zusammenspiel von Licht und Schatten. Damit lassen sich starke und aussagekräftige Kontraste bilden.

Eine andere Trainingsmöglichkeit ist, dir dein eigenes Szenario zusammenzubasteln. So geht’s: Besorg dir im Bastelladen ein paar verschiedenfarbige Pappen, je nachdem was du üben möchtest. Für den Hell-Dunkel-Kontrast sind schwarz und weiß natürlich am besten. Für Farbkontraste suchst du entsprechend nach komplementären oder analogen Farben. Zuhause kannst du dann nach Lust und Laune ausprobieren, indem du sie zum Beispiel als Hintergrund für verschiedene Objekte verwendest. Nimm dir Zeit verschiedene Kombinationen zusammenzustellen und achte auf die unterschiedliche Wirkung. Nach dieser „Trockenübung“ werden dir attraktive Kontraste in der Außenwelt bestimmt sofort ins Auge springen.

Kontrastanpassung bei Lightroom

Natürlich ist es in der heutigen Zeit auch möglich, den Kontrast bei der Nachbearbeitung des Bildes zu verändern. Bei Lightroom zum Beispiel kannst du im Entwicklungsmodul den Kontrast des ganzen Bildes (global) anpassen. Dazu bewegst du den Schieberegler einfach nach rechts für mehr, nach links für weniger Kontrast. Einen etwas anderen Effekt bekommst du, wenn du stattdessen die Weiß- und Schwarztöne veränderst. Indem du beide intensivierst, entsteht ein Kontrast.

Neben dem globalen Kontrast kannst du auch mit dem Korrekturpinsel einzelne Stellen des Bildes anpassen. Damit kannst du etwas flexibler und detaillierter arbeiten als wenn du gleich das ganze Bild bearbeitest. Markiere einfach mit dem Pinsel die gewünschte Fläche und finde die richtige Einstellung mithilfe des Kontrastreglers. Die markierte Fläche kannst du dir immer anzeigen lassen, um nicht den Überblick zu verlieren.

TIPP: Neben den bekannten Adobe-Programmen Lightroom und Photoshop gibt es auch günstigere Alternativen für Bildbearbeitungs-Software. Hier haben wir unsere Favoriten für dich zusammengestellt.

Fazit Kontraste

Kontrast ist ein wichtiges und sehr hilfreiches Mittel für jeden Fotografen. Er hilft uns, eine Stimmung oder Aussage auszudrücken und an den Betrachter zu kommunizieren. Der Hell-Dunkel-Kontrast ist der bekannteste und beliebteste, jedoch gibt auch andere sehr wirksame Alternativen. Hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung der Fakten, die du in diesem Artikel gelernt hast:

  • Kontrast in der Fotografie bedeutet Unterschied zwischen den verschiedenen Bildelementen
  • Unterschiede können in der Helligkeit, Farbgebung, Struktur oder inhaltlichen Aussage bestehen
  • Der Hell-Dunkel-Kontrast arbeitet mit den Lichtverhältnissen im Bild und der Verteilung der Töne auf der Skala zwischen weiß und schwarz
  • Farbkontraste können zwischen Komplementärfarben, kalten bzw. warmen, analogen Farben oder ähnlichen Farbtönen entstehen
  • Strukturkontraste zeigen sich zwischen Objekten mit unterschiedlicher Oberfläche oder Beschaffenheit, oder zwischen einem Motiv und seinem Hintergrund. Dazu zählen Eigenschaften wie weich-hart, glatt-rau, zart-grob etc.
  • Konzeptioneller Kontrast ist eher inhaltlich und hängt vom persönlichen Empfinden ab. Er entsteht zwischen gegensätzlichen Motiven mit Eigenschaften wie alt-neu, groß-klein, künstlich-natürlich etc.
  • Für den Gebrauch als Stilmittel gilt: hoher Kontrast wirkt eher aktiv und energetisch, geringer Kontrast sanft und ruhig
  • Um dein Auge zu schulen, such dir erst einmal eine Variante aus und stelle eventuell selbst ein Set zusammen
  • Mit Bildbearbeitungsprogrammen wie Lightroom oder anderen kannst du den Kontrast auch später noch anpassen

Ich hoffe, du kannst mit meinen Tipps etwas anfangen und wünsche dir ganz viel Spaß beim Experimentieren mit verschiedenen Kontrasten! Lass uns gerne in einem Kommentar wissen, welche Erfahrungen du gemacht hast. Hast du vielleicht einen eigenen Tipp für unsere Leser?

Sophia
Über den Autor

Sophia ist Künstlerin, Schreiberin und Lehrerin. Sie liebt nichts mehr als Kreativität und die Schönheit der Einfachheit. So geht sie die Dinge auch etwas langsamer an. Ihr entgeht dadurch aber auch nichts (wirklich nichts) – weder eine fotografische Szene, noch irgendeine Bewegung im Team entzieht sich ihrem Blick.

2 Gedanken und Fragen

  1. Avatar
    Anders Varnaemen

    Nicht „Tiefenschärfe“, sondern „Schärfentiefe“.

    Es geht ja nicht darum, die Schärfe der Tiefe zu beschreiben, sondern die Tiefe der Schärfe.

    Antworten
    1. pixolum
      pixolum

      Hi Andreas – es ist ein Kreuz mit der Schärfentiefe/Tiefenschärfe. Es gibt (leider) keine richtige oder falsche Schreibweise. So spricht z.B. Sony auf deren Website von „Tiefenschärfe“, Wikipedia von „Schärfentiefe“ und der Nächste dann wieder anders. Letztendlich spielt es aber gar nicht so eine grosse Rolle, denn es weiss ja jeder, was gemeint ist. PS: bei Google suchen 3 x mehr Menschen nach „Tiefenschärfe“ statt nach „Schärfentiefe“ – scheint also irgendwie intuitiver zu sein, dieser Begriff. Lg, Patrick

      Antworten

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