Was ist Kirlianfotografie? So fotografierst du eine Aura!

Die Technik der Kirlianfotografie ist noch immer eine der spektakulärsten Arten, um ein Motiv zu fotografieren. Doch um was geht es überhaupt? Kann man wirklich die Aura von Lebewesen fotografieren? Diese Methode ist ein kleines Mysterium. Vor allem für diejenigen, die sich gerade erst mit der Kunst der Fotografie vertraut machen. Sicher stellst du dir bereits die Frage, wie du ein solches Bild wie unten abgebildet fotografierst. Lies weiter und finde es heraus!

Kirlianfotografie Münze

Der Kirlianeffekt erzeugt ein ganz spezielles Leuchten. (Adobe Stock)

Die Kirlianfotografie wurde offiziell 1939 von Semyon Davidovitch Kirlian erfunden, wobei man die Studien dieser Methode bis ins späte 18. Jahrhundert zurückverfolgen kann. Der Kirliansche fotografische Prozess enthüllt sichtbare «Auren» rund um das fotografierte Objekt. Diese Bilder haben über die Jahre viele Märchen und Kontroversen nach sich gezogen. Interessanterweise wurde viel davon vom Erfinder und seiner Frau selbst in die Welt gesetzt, um das Phänomen der Kirlianfotografie zu propagieren.

Kirlianfotografie Erfinder

Semyon Davidovitch Kirlian und seine Frau. (Quelle: gdvcamera.com)

Wie du Kirlianfotos machst

Das Vorgehen beim um ein Kirlianfoto zu machen ist ziemlich einfach und erfordert nicht einmal den Gebrauch einer Kamera.

  1. Als erstes platzierst du einen Bogen Fotofilm auf einer Metallplatte.
  2. Anschliessend legst du das zu fotografierende Objekt auf den Film.
  3. Um eine Belichtung zu erzeugen, setzt du die Metallplatte jetzt unter Starkstrom. Die Koronaentladung zwischen dem Objekt und dem Metall wird so auf dem Film festgehalten. Auf dem Kirlianfoto siehst du jetzt eine helle, leuchtende Silhouette rund um das Objekt herum. Diese Silhouette wird durch die Entwicklung des Films sichtbar.

Obwohl die Kirlians diesen fotografischen Prozess 1939 erfunden haben, veröffentlichten sie die Informationen über ihr Experiment erst 1958. So wurde das Phänomen der breiten Öffentlichkeit erst 1970 so richtig bekannt. Interessant, nicht wahr? Falls du dich für noch mehr Fakten dieser Art interessierst, dann lies doch unseren Artikel über die Geschichte der Fotografie.

Kirlianfotografie Werkzeug

Du kannst praktisch jedes Objekt mit der Kirlian-Methode fotografieren. (Quelle: Youtube)

Der Mythos Kirlianfotografie

Die ersten mythischen Erklärungen der Kirlianfotografie kamen von den Kirlians selbst. Sie glaubten, dass diese Fotos die Lebenskraft oder Aura zeigten, die angeblich alle lebenden Dinge umgibt. New-Age-Spiritualisten messen der Aura eine grosse Bedeutung zu und glauben, dass speziell trainierte Aura-Leser wichtige Einblicke in den spirituellen, emotionalen und physischen Zustand einer Person gewinnen können. Die Kirlians waren davon überzeugt, dass diese Bilder emotionale und physische Zustände präzise voraussagen und damit Krankheiten diagnostiziert werden könnten.

Die Behauptung, Kirlianfotografie könne emotionale und physische Zustände abbilden, wurde damals von Energiepraktikern schnell übernommen. Heute wird sie kaum noch als Diagnosewerkzeug verwendet. Dennoch gibt es noch einige Alternativpraktiker die glauben, Kirlianfotografie sei ein akkurates Verfahren, mit dem sie die emotionalen und physischen Probleme ihrer Patienten heilen können.

Die Kirlianfotografie war eine Zeit lang auch ein Grundpfeiler bei der Erforschung des Paranormalen. In den 1960ern und 1970ern wurde sie von den Erforschern des Übersinnlichen mit allerlei unerklärbaren Phänomenen in Verbindung gebracht, wovon eines die Telepathie war. Die Forscher glaubten, dass Telepathie das Resultat kommunizierender Auren sei.

Kirlian-Effekt Hand

Kirlianfotografie wird auch heute noch mit Übersinnlichem in Verbindung gebracht. (Adobe Stock)

Die Wissenschaft der Kirlianfotografie

Bei dieser Art von Fotografie kann es schwierig sein, Fakt und Fiktion zu trennen, weil die Fotos sehr real sind und ein tatsächlich auftretendes Phänomen zeigen. Jedoch tritt dieses Leuchten auch bei nicht-lebendigen Objekten auf – ein Fakt, der von vielen ignoriert wird, die an eine übernatürliche Erklärung glauben wollen. Wenn die leuchtenden Auren in der Kirlianfotografie also nicht wirklich von etwas Spirituellem, Übernatürlichem oder gar von unserer Lebenskraft verursacht werden, woher kommen sie dann?

Die Antwort ist Wasser. Die Hochspannung, unter die wir die Metallplatte gesetzt haben, trennt die Elektronen von den Atomen. Die Luft um das fotografierte Objekt wird damit ionisiert. Wenn diese Luft nur geringste Spuren von Wasser enthält, entsteht eine leuchtende Silhouette rund um das Objekt. Wissenschaftler nennen diesen Effekt Koronaplasma-Entladung.

Nehmen wir an, du fotografierst eine Person mit der Kirlianmethode. Wenn die Person stark schwitzt, sei es durch Überhitzung oder vor Aufregung, tritt der Kirlianeffekt besonders an den Händen viel intensiver auf. Das kommt von der erhöhten Feuchtigkeit. Umgekehrt produzieren kalte, trockene Hände einen viel schwächeren Schein. Obschon diese wissenschaftlich präzise Erklärung mittlerweile jedem zugänglich ist, bleiben New-Age-Anhänger der Kirlianfotografie bei ihrer eigenen Erklärung, dass Personen mit besonders hellen Händen natürliche Heiler seien. In Wahrheit haben sie einfach nur schwitzige Hände.

Experimente mit der Aurafotografie

Neben der Feuchtigkeit gibt es auch noch andere Faktoren, die das finale Bild beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel der Druck und der Winkel der Hand auf der Metallplatte. Aber auch die Spannung, die durch sie hindurch fliesst, ist entscheidend. Verschiedene Kirlianfotografien derselben Person können aufgrund dieser Variablen sehr unterschiedlich aussehen, auch wenn sie im Abstand von wenigen Minuten gemacht wurden.

Ein sehr bekanntes Kirlian-Experiment dokumentiert ein langsam sterbendes Blatt. Das Foto wurde gemacht, als das Blatt gerade frisch abgeschnitten worden war. Das Resultat war ein starkes Leuchten. Auf den darauffolgenden Bildern wurde das leuchten immer schwächer, was einst mit der Lebenskrafttheorie erklärt wurde. Allerdings wissen wir jetzt, dass das schwächer werdende Leuchten daher kommt, dass das Blatt Wasser verliert und mit der Zeit austrocknet.

Eine weitere wissenschaftliche Beobachtung

In einem weiteren Blatt-Experiment wurde mit der Kirlianfotografie anfänglich das übliche starke Leuchten (oder die Aura) eingefangen. Dann wurde ein Teil des Blattes abgerissen. Überraschenderweise erschien auf dem darauffolgenden Bild eine geisterhafte Leuchtspur genau an der Stelle, wo kurz vorher noch der fehlende Blattteil war. Danach wurde dieses Ergebnis jahrelang als Beweis für die Theorie der Lebenskraft angesehen. In Wahrheit war das geisterhafte Phantomblatt aber nur Flüssigkeit, die auf dem Glas zurückgeblieben war. Man reinigte die Unterlage und machte ein neues Bild. Und siehe da, das Phantomblatt war weg.

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

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Eine letzte wissenschaftliche Beobachtung ist die folgende: In einem Vakuum tritt der Kirlian-Effekt nicht auf, weil es in einem solchen keinen Wasserdampf gibt. Das verhindert die Ionisierung.

Kirlianfotografie Blatt

Ein Blatt – fotografiert mit der Kirlian-Methode. (@Raul Gonzalez Perez auf Pixels.com)

Fazit

Die Kirlianfotografie hat etwas Ähnlichkeit mit der Infrarotfotografie, denn auch sie ist nicht auf den ersten Blick fassbar und man fragt sich, wie so ein Bild wohl zustande kommt. Obwohl die mystischen und übernatürlichen Erklärungen für das Leuchten auf Kirlianbildern widerlegt wurden, ist die Wahrheit für die wissenschaftlich Interessierten womöglich genauso interessant wie die Fiktion.

Es gibt einige Künstler, die Kirlianfotografie für wunderschöne Bilder verwenden und sie «lebende Kunst» nennen. Genau wie andere Formen künstlerischer Ausdrucksweise, wie zum Beispiel Fine Art Fotografie, sollte auch die Kirlianfotografie bis ins Detail erforscht werden. Wäre das etwas für dich? Probier’s doch einfach mal!

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