Gegenlicht meistern | 10 Tipps zum Fotografieren gegen die Sonne

Das Fotografieren gegen die Sonne führt leider oft zu schlechten Aufnahmen – dabei könnten mit Gegenlicht so schöne Fotos entstehen! In diesem Artikel werde ich meine Erfahrung mit dir teilen und dir meine Technik etwas näherzubringen. Am Ende kannst auch du das Gegenlicht für atemberaubende Schnappschüsse verwenden – garantiert!

Mann bei Sonnenuntergang - Anleitung Gegenlicht Fotografie

Gegen die Sonne fotografieren: Das Gegenlicht ermöglicht atemberaubende Bilder.

Das Gegenlicht kann die Art und Weise verändern, wie du starkes, natürliches Licht betrachtest. Sicher wirst du am Anfang Schwierigkeiten haben, ein gutes Foto mit Hintergrundbeleuchtung zu schiessen – aber es gibt nichts Schöneres, als die atemberaubenden Bilder zu sehen, die du am Ende aufgenommen hast (wenn du es richtig machst, natürlich!)

Natürliches Licht als Hauptlichtquelle kann die lebhaften Farben deines Motivs wirkungsvoll zur Geltung bringen. Der goldene Schein, der dein Motiv umgibt, verleiht deinem Foto einen dramatischen Effekt. Währenddessen erzeugt das weiche, diffuse Gegenlicht einen romantischen und verträumten Effekt, der deine Aufnahmen erheblich verbessern kann.

Was ist Gegenlicht?

Unter Gegenlichtaufnahmen versteht man jede Art von Fotografie, bei der die Hauptlichtquelle hinter dem Motiv positioniert ist. Diese Art der Fotografie wird meist für Porträts im Frühjahr oder Sommer verwendet, wenn die Sonne am hellsten und wärmsten ist. Ein Vorteil dabei ist, dass dein Motiv bei der Aufnahme nicht schielen muss, was das Foto andernfalls ruinieren würde.

Normalerweise wird künstliche Beleuchtung verwendet, um den Gegenlichteffekt perfekt zur Geltung zu bringen. Es gibt aber auch Möglichkeiten, dies mit natürlichem Licht wie der Sonne zu erreichen. Das Licht scheint gegen die Kamera und erzeugt einen dramatisch umrissenen Schein um das Objekt herum. Das Ergebnis ist eine traumhafte Silhouetten- oder Porträtaufnahme. Der Schein betont auch die Form oder ein Gesichtsmerkmal deines Motivs und hebt es aus dem Hintergrund hervor.

Hier sind einige Tipps, die dir helfen werden, den Gegenlichteffekt bei Aussenaufnahmen zu üben:

1. Die beste Zeit für Gegenlichtaufnahmen

Um gegen die Sonne fotografieren zu können, muss die Sonne und das Licht hinter dem Motiv sein. Daher musst du früh am Morgen, direkt nach Sonnenaufgang oder spät am Abend, kurz vor Sonnenuntergang fotografieren. Diese Randstunden sind aus vielerlei Hinsicht optimal. Sicher hastr du schon einmal von der Goldenen Stunde gehört. Normalerweise ist die Stunde nach dem Sonnenaufgang und die Stunde vor Sonnenuntergang die beste Zeit, um in einer schönen Stimmung und mit wundervoll warmen Farben zu fotografieren. Viele der Bilder, die du in diesem Artikel siehst, wurden zu dieser Zeit aufgenommen.

gegenlicht rehe in einem feld mit umriss

Das Gegenlicht sorgt für eine einzigartige Atmosphäre und hebt die Umrisse hervor. (@ajebi unsplash.com)

2. Licht filtern und reflektieren

Wenn du zu einer Zeit und einem Ort mit extrem rauen Lichtverhältnissen fotografierst, wirst du wahrscheinlich seltsame Flecken auf deinen Fotos erhalten. Dieser sogenannte Lens Flare wird durch helle Lichtstrahlen verursacht, die in das Objektiv strahlen. Der daraus resultierende Effekt wird zwar nicht immer als negativ betrachtet, lenkt aber oftmals ab. Du kannst Lens Flare auch bei der Nachbearbeitung nachträglich gezielt zu einem Bild hinzugefügen, so wie es viele Fotografen tun. Der Effekt lässt ein Hauptmotiv aber leider oft verblassen. Du kannst das natürliche Licht filtern, indem du entweder eine Gegenlichtblende oder einen Regenschirm als Abdeckung verwendest. Du kannst auch den Schatten von hohem Gras oder Bäumen ausnutzen, um grelles Licht zu vermeiden und es zu blockieren, damit es den Sensor nicht erreicht.

Andererseits ist zu wenig Licht ein genau so schwieriges Szenario für dich als Fotograf. Dies geschieht typischerweise bei Gegenlichtaufnahmen, wenn der Hintergrund heller ist, als das Gesicht des Motivs. Das Gesicht ist bei Gegenlicht meist im Schatten, oder es ist gar nur noch eine Silhoutte erkennbar. Das musst du verhindern. Aber wie? Mit Hilfe eines Reflektors kannst du sehr schattige Bereiche aufhellen. Halte den Reflektor entgegen der Lichtquelle hoch und passe den Winkel und die Position langsam an, bis genug Licht in Richtung des gewünschten Bereichs reflektiert wird und das Motiv richtig ausgeleuchtet ist.

3. Position ändern bei Gegenlicht

Dich dem Licht zuzuwenden bedeutet nicht, dass du immer nur an Ort und Stelle bleibst und nur von diesem Punkt aus fotografierst. Mit der Zeit wirst du lernen, wie das Licht mit und für dich arbeiten kann. Das gibt dir die Freiheit, dich zu bewegen und dein Motiv aus verschiedenen Perspektiven zu fotografieren. Wenn du das nächste Mal gegen die Sonne fotografierst, kannst du dies aus verschiedenen Winkeln tun. Schliesslich kann eine Änderung deiner Position dir helfen, die besten und schmeichelhaftesten Perspektiven für eine traumhafte Beleuchtung zu finden.

gegenlicht baumumrisse in der goldenen stunde

Die Goldene Stunde eignet sich hervorragend, um gegen die Sonne zu fotografieren. (@jan_huber, unsplash.com)

4. Aufhellblitz verwenden

Du kannst den Aufhellblitz (auf Englisch „fill flash“) als zusätzliche Lichtquelle bei einer Porträtaufnahme im Aussenbereich mit Hintergrundbeleuchtung verwenden. Wie schon erwähnt, kann das Gesicht des Motivs durch die starke Beleuchtung von hinten dunkler aussehen als der Rest des Bildes. Um dieses Problem zu beheben, beleuchtest du mit dem Aufhellblitz gezielt die Stellen, an die deine Hauptlichtquelle nicht hinkommt.

Der Aufhellblitz ist eine gute Alternative zu den Reflektoren. Vorzugsweise ist der Blitz extern und zielt nicht direkt auf dein Motiv. Frontal blitzen ist eigentlich fast nie optimal, vorallem nicht bei Portraits. Wenn du das tust, werden deine Bilder flach und fahl – schlicht unattraktiv. Der Blitz ergänzt das vorhandene natürliche Licht, um eine bessere Belichtungsbalance zwischen dem Motiv und dem Hintergrund zu erreichen. Der Aufhellblitz gibt dir noch mehr Freiheit, den Winkel und die Lichtstärke für eine herausragende Aufnahme deines Motivs einzustellen. Wir haben zwei Tutorials zum Blitzen erstellt:

5. Mache dich mit dem Spotmeter vertraut

Die Spotmessung ermöglicht es der Kamera, auf einen bestimmten Bereich des Bildes zu fokussieren und die optimale Belichtung für diesen Bereich zu bestimmen, obwohl der Rest des Bildes noch hell ist. Die Spotmessung ist oft der bevorzugte Messmodus gegenüber anderen, welche eher eine Belichtungsmessung des gesamten Bildes bieten und bei Gegenlicht ein Motiv oft unterbelichten.

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Der Begriff „Spot“ bedeutet, dass es bei dieser Messmethode nur um die Belichtung eines sehr kleinen Bereichs (eines sogenannten „Spots“) geht. Diesen kannst du mithilfe der AF-Messfelder deiner Kamera innerhalb des Motivs manuell auswählen. Die Spotmessung hilft dir sehr gut beim Einstellen der optimalen Belichtung für dein Motiv. Insbesondere wenn der Hintergrund zu hell oder dunkel ist, oder er den grössten Teil des Bildes einnimmt.

gegenlicht blumen gegen das licht fotografiert

Kleine Blumen, welche gegen die Sonne fotografiert wurden. (@themirraz, unsplash.com)

6. Weissabgleich bei Gegenlicht

Der Weissabgleich ist eine der am häufigsten ignorierten Kameraeinstellungen. Nimm dir Zeit, um zu lernen, wie du den Weissabgleich deiner Kamera einstellen kannst. Wenn du verstehst, wie er sich auf die Farbtemperatur deines Bildes auswirkt, kannst du lebendigere und lebensechtere Fotos aufnehmen. Der Weissabgleich hilft dir, die Farben auf deinem Bild so genau wie möglich zu erhalten. Bei Aufnahmen mit starkem Sonnenlicht oder starkem Gegenlicht gestaltet sich dies nämlich oft schwierig, da die Farben durch das starke Licht verblassen können.

Die Farbtemperaturen reichen von sehr kühl (ähnlich dem Farbton eines blauen Himmels) bis zu einem sehr warmen Ton (identisch mit dem Farbton einer brennenden Kerze). Kameras verfügen normalerweise über voreingestellte Weissabgleichseinstellungen wie Auto, Tageslicht, Sonne, Bewölkung und Blitz. Du kannst aber den Weissabgleich auch mit Hilfe einer Graukarte oder manuell mit Kelvin-Temperaturen anpassen. Alle Details dazu findest du im oben verlinkten Beitrag.

7. Vermeide Himmel hinter dem Motiv

Der offene Himmel ist grossartig hinter dir – aber nicht wirklich hinter deinem Motiv. Wenn du richtig belichtest für die Hauttöne deines Motivs, wird der Himmel extrem hell und nur noch ein grosser, hässlicher weisser Fleck auf deinem Foto (siehe Bild unten). Er lenkt ab und zieht die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich. Kennst du schon folgenden Fakt?

Unsere Augen konzentrieren sich immer auf das Hellste auf einem Foto!

Ab und zu fotografiere ich absichtlich den offenen Himmel hinter meinem Motiv. Ich tue das jedoch nur, wenn ich vorhabe, den Sonnenuntergang später noch in das Bild einzufügen. Du könntest in so einem Fall den Sonnenuntergang separat aufnehmen und dem fertig bearbeiteten Bild in Photoshop hinzufügen.

gegenlicht drei männer sitzen auf einer bank

Drei Männer sitzen auf einer Bank mit der Sonne im Rücken. (@Toa Heftiba Şinca, pexels.com)

8. Stell dich in den Schatten

Indem du dich physisch an einen schattigen Ort stellst, beseitigst du die Probleme, die durch das direkt auf deine Linse strahlende Sonnenlicht entstehen. Wenn kein Schatten vorhanden ist, versuche mit der Sonne in einem leichten Winkel zu deiner Kamera zu fotografieren, nie frontal. Achte darauf, dass das Sonnenlicht nicht direkt in die Linse strahlt – es sei denn, du willst absichtlich Lens Flare erzeugen.

9. Lens Flare bei Gegenlicht

Das Thema Lens Flare hatten wir bereits. Da es aber ein sehr häufiges „Problem“ ist beim Fotografieren gegen die Sonne, hat es nochmal einen Tipp verdient. Falls du Lens Flare magst und es unbedingt auf deinen Fotos haben willst, dann musst du es richtig positionieren. Keinesfalls sollte Lens Flare dein Motiv überlagern oder verdecken. Trotz meiner vorherigen Aussage kannst du mit Lens Flare ein paar kreative Aufnahmen machen. Die meisten Betrachter mögen es jedoch, wenn das Gesicht und die Augen nicht verblasst, sondern gut erkennbar sind. Verblasste Bilder sind generell eher weniger beliebt, besonders wenn die Sonne mit voller Wucht auf deine Linse scheint.

Gegen die Sonne fotografieren im Wald mit Lens Flare

Lens Flare neben dem Motiv ist ok – überlagernd eher nicht.

Um dies zu verhindern, musst du dein Motiv direkt vor einen Baum oder einem anderen Objekt positionieren (wie im Bild oben), damit die hellen Lichtstrahlen der Sonne blockiert werden. Gegen die Sonne fotografieren bedeutet nicht, dass die Sonne direkt hinter deinem Motiv sein muss. Habe keine Angst, dich nach rechts oder links zu bewegen, bis die Sonne seitlich steht und das Licht nicht mit voller Kraft in dein Objektiv strahlt. Wenn du gerade erst mit der Gegenlichtfotografie anfängst, schlage ich dir vor, diesen Vorgang mit einer Puppe und einem Stuhl zu üben. Eine Gegenlichtblende oder deine Hand zur Abdeckung ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, um Lens Flare bei Gegenlicht zu reduzieren.

10. Zu guter letzt: Die Nachbearbeitung

Ich beginne mit der Nachbearbeitung immer in Lightroom und beende sie in Photoshop. In Lightroom habe ich die Temperatur- und Farbschieberegler so stark eingestellt, dass sie mehr Wärme und Magenta für einen fröhlichen Stil bieten. Eine Vision im Kopf zu haben, wie dein Bild nach der Bearbeitung aussehen soll, wird dir helfen, von A nach B zu gelangen. Ich wusste, dass ich dieses Bild warm und dramatisch haben wollte, mit ganzem Fokus auf den Hund.

gegenlicht bearbeitung in photoshop

Bearbeitung eines Fotos in Lightroom.

Sobald ich in Photoshop bin, arbeite ich mithilfe von vielen Ebenen. Hier sind die Schritte, die ich bei diesem Foto angewendet habe, um den warmen, dramatischen Stil zu erreichen und verstärken:

  1. Ich habe meinen Hintergrund abgedunkelt und den Kontrast hinzugefügt, indem ich ein paar Kurvenebenen erstellt und mit verschiedenen Überblendungsmodi gespielt habe.
  2. Ich habe dem Bild eine zusätzliche Farbtonung mithilfe von Kurven und Volltonfüllungsebenen hinzugefügt. Der Labrador im Vordergrund wirkt dramatischer durch zwei getrennte Ebenen. Eine diente zur Aufhellung des Lichts und eine zweite zur Verdunkelung der Schatten.
  3. Nachdem die Farbtonung und Kontrastierung abgeschlossen war, schnitt ich das Bild nach meinem Geschmack zu.
  4. Danach fügte ich mithilfe von Ebenen eine weiche, verschwommene Vignette hinzu. An diesem Punkt habe ich noch die Schärfe eingestellt und dann abgespeichert!

Am Ende angelangt hoffe ich nun, dass du so einiges neues über das Gegenlicht lernen konntest und hoffentlich auch bald schöne Gegenlichtaufnahmen machen wirst!

Hast du auch schon mit dem Gegenlicht gekämpft? Hast du weitere Tipps für uns?

Magst du diesen Beitrag?

1 Kommentare

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  1. Avatar
    Semih

    Danke für die Tipps! Besonders der Hinweis auf Lightroom ist sehr beruhigend da die meisten Bilder ohne „Entwicklung“ und Bearbeitung sehr fade wirken.

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