Fine Art Fotografie – Definition und Tipps für künstlerische Fotos

Was ist Fine Art Fotografie und was zeichnet sie aus? Die digitale Fotografie hat die Art und Weise wie und wieviel Menschen fotografieren stark verändert. Jeder der im Besitz einer Kamera ist, kann heutzutage ein Fotograf sein. Viele von ihnen möchten dabei professionelle Fotografen oder Künstler sein. Beides ist möglich, sogar gleichzeitig. Überall im Internet zeichnet sich die Zunahme von jenen ab, die sich selbst Kunstfotografen nennen; somit ist es vielleicht an der Zeit, sich näher anzusehen, was man darunter versteht und wie sie sich von „gewöhnlichen“ Fotografen unterscheiden.

Fine Art Fotografie Definition

Fine Art Fotografie – was macht die künstlerische Fotogrie aus? (@Trace Hudson)

Was ist Fine Art Fotografie?

Direkt übersetzt bedeutet Fine Art Fotografie soviel wie Kunstfotografie. Der Deutsche Begriff trifft aber nicht ganz, was Fine Art eigentlich meint. Denn bei der Fine Art Fotografie geht es nicht primär um Kunstfotografie im klassischen Sinne wie zum Beispiel das Fotografieren von Bildern, Statuen oder Fresken. Vielmehr ist damit eine Art künstlerische Fotografie gemeint. Unter Kunst verstehst du sicher etwas komplett anderes, als die Person die gerade neben dir sitzt oder deine Freunde.

Künstlerische Fotografie bietet sehr viel Freitheit, was die Bildgestaltung anbelangt. Perfekte Positionierungen anhand der verschiedenen Kompositionstechniken wie zum Beispiel der Drittelregel oder dem goldenen Schnitt stehen bei der Fine Art Fotografie nicht im Fokus. Auch keine extreme Schärfe oder perfektes Lichtspiel sind Anforderungen. Wie du gerade merkst, setzt die Fine Art Fotografie ziemlich viele – wenn nicht gar alle – fotografischen Regeln ausser Kraft und lässt dir als Fotograf 100% freien Gestaltungsraum.

Was definiert ein Fine Art Foto?

Ich besitze eine Menge Bilder. Du wahrscheinlich auch. Einige davon könnten sicher als Kunst oder eben Fine Art Fotografie durchgehen. Generell sind die Bild aber nicht das, was ich Kunstfotografien nennen würde.

Bild 1

Kunst oder normale Fotografie

Bild 1: Ist das Kunst für dich? Oder eher Bild 2 weiter unten?

Das zweite Bild würde sich gerahmt und an einer Wand hängend sicher gut machen. Welches sieht für dich eher nach Fine Art Fotografie aus? Bild 1 oder Bild 2? Wenn du mich fragst, dann klar das zweite, obwohl mir das erste Bild optisch mehr zusagt. Der Unterschied von einem „normalen“ zu einem Kunstbild liegt also darin, dass das Kunstbild eine Nachricht übermitteln soll. Ein normales Foto kann den Betrachter hingegen nur schon damit erfreuen, dass es einfach schön oder harmonisch aussieht. Ein Fine Art Bild halt also Charakter, mit seinen Ecken und Kanten. Aber macht es nicht gerade das attraktiv? Lädt zum Verweilen ein? Inspiriert dich, das Rätsel zu lösen oder gar selbst eines zu kreieren?

Bild 2

Fine Art und künstlerische Fotografie entdecke

Bild 2: Wohl eher künstlerisch. Regt zum Nachdenken an. Was will uns der künstler mitteilen?

Wenn ich jemandem aus dem Stand die Merkmale eines Fine Art Fotos erklären müsste (sagen wir mal ein Elevator Pitch wie man das heute nennt), würde ich das wohl anhand einer menschlichen Beziehung versuchen. In den ersten 1 bis 3 Sekunden fühlen wir uns von reiner Schönheit angezogen. Bei der Partnerwahl das Thema Nummer 1. Wenn wir ehrlich sind, beneiden wir auch schon mal Personen in unserem Umfeld, dessen Partner uns rein äusserlich sehr anspricht.

Über die Person an sich wissen wir aber herzlich wenig. Gut möglich, dass sie zwar schön anzuschauen ist, aber nach ein paar Monaten einfach nur noch langweilig. Warum? Weil der Charakter fehlt. Weil die Person eben keine Ecken und Kanten hat, keine Geschichte zu erzählen weiss. Das unterscheidet wohl ein normales von einem Fine Art Bild. Letzteres bleibt in Erinnerung.

Techniken in der Fine Art Fotografie

Vor kurzem habe ich einen Fotografen online irgendwo auf Facebook sagen hören, dass man mit einem Bild verrückte Wege einschlagen kann. So wie etwa mit dem Hinzufügen einer Kurve von Bewegungsunschärfe. Damit darf man es dann Kunstfotografie nennen. Naja. Diese Technik macht ein Bild nicht künstlerisch – es zerstört es wohl eher. Die Geschichte zeigt, dass der künstlerische Wert nicht im Nachhinein hinzugefügt werden kann mit irgendwelchen technischen Mitteln oder Photoshop. Die Kunst entsteht mit der Gestaltung, mit dem Setup – nicht in der Nachbearbeitung.

Es scheint kein gemeinsames Verständnis, endgültige Erklärung oder Definition dafür zu geben, was Fine Art Fotografie ist. Allerdings kann sich eine Mehrheit dafür entscheiden, was es eben nicht ist. Zum Glück gibt es einige Ansätze, wie man Kunstfotografie umschreiben kann. Schau dir bei Gelegenheit einmal unsere Liste der besten Fotografen unserer Zeit an. Bis zu welchem Grad empfindest du ihre Werke als Fineart?

So kannst du dein persönliches Verständnis für Fine Art entwickeln

Während meinem Hochschulabschluss in Kunst bestand ein Teil einer Gruppen-Prüfung darin, die Arbeiten meiner Mitstudenten an einer „Kritikwand“ zu bewerten. Dazu wechselten wir uns jeweils ab. Während dieser Stunden redeten wir über Techniken, was funktionierte und was eben nicht. Außerdem besprachen wir die Ideen, die hinter den Werken stecken sollten und in welche Richtung wir damit hatten gehen wollen.

Fine Art Fotografie Tipps und Tricks

Entwickle ein persönliches Verständnis für Fineart.

Darüber hinaus hatten wir einzelne Tutorenkurse mit Dozenten, die uns dabei halfen, unsere Ideen zu erörtern und herauszufinden, wie wir diese umsetzen könnten. Bezwecken wollte der Dozent wohl damit, dass wir zusammen eine gemeinsame Vorstellung entwickeln, wie wir beim Arbeiten vorgehen. Oder was wir zur Unterstützung der Arbeit nutzen und welche anderen Künstler wir uns ansehen können, die vergleichbare Arbeiten geschaffen haben. Damit sollte uns klar werden, wie diese ihre Ideen übermittelt haben. Diese Kurse waren von unschätzbarem Wert für mich. Sie halfen herauszufinden, was wir da überhaupt taten und in welcher Richtung wir uns weiterentwickeln sollten.

Welche Voraussetzungen muss ein Kunstfotograf erfüllen?

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Du musst keinen Hochschulabschluss in Kunst gemacht haben, um ein Kunstfotograf zu sein. Aber du solltest sorgfältig über deine Arbeit und was du mit ihr erreichen willst, nachdenken. Nun wollen wir mit Praxis-Beispielen konkret werden. Mit der folgenden Herangehensweise und Tipps bin ich sicher, dass du bald stolz vor deiner ersten künstlerischen Fotografie stehst.

12 Tipps für deine erste Fine Art Fotografie

Werden wir nun etwas konkreter. Ich habe für dich einen Leitfaden erstellt, mit welchem du deine erste Fine Art Fotografie erstellen kannst.

Die Vision des Künstlers

Bevor deine Arbeit Kunst werden kann, musst du als Künstler eine Vorstellung davon haben, was deine Arbeit letztlich ausdrücken soll. Die Vision steht noch über der konkreten Idee selbst. Eine Vision ist ein Anliegen. Auf welches Thema möchtest du aufmerksam machen? Es gibt tausende Themen, hier ein paar Beispiele: Tierschutz, Frauenrechte, Männerrechte, Konsumgesellschaft, Soziale hot topics, ein bestimmtes Stadtviertel, Unersättlichkeit, Tradition, bestimmte persönliche Werte oder die alte Dorfkneipe, die abgerissen werden soll.

Das Thema kann für die meisten Menschen noch so unbedeutend sein. Wichtig ist nur, dass dir das Thema persönlich am Herzen liegt. Denn falls nicht, wird man das später auf den Bildern erkennen. Die Vision ist ein Anfang.

Eine Idee ausarbeiten

Kunst handelt von einer Idee, einer Aussage oder einem Gefühl. Dem Künstler geht es um etwas, das er über seine Arbeit vermitteln will. Ebendiese Vision oder Aussage mag etwas Kleines sein, ein einzelnes Wort so wie „Hingabe“, oder aber es handelt sich um eine ganze Feststellung, wie etwa die Art, in welcher sich der Mond auf die Gezeiten auswirkt. Entwickle deine Idee nun weiter und werde konkreter. Recherchiere das Thema, falls notwendig. Zu diesem Zeitpunkt kannst du dir nun überlegen, wie du das Bild aufbauen möchtest. Die kreative Phase hat begonnen. Nimm dir Zeit dafür – und allenfalls ein Glas Wein.

So findest du schneller eine Idee

Brainstorming ist eine großartige Methode. Setze dich hin und schreibe einfach Ideen auf.

  1. Für welche Themen brennst du? Worin liegt deine Leidenschaft?
  2. Welche Botschaften möchtest du vermitteln?
  3. Was für Motive würdest du gerne fotografieren?
  4. Welche Techniken interessieren dich?

Schreib einfach auf und schenke dem was du notierst nicht zu viel Beachtung. Es geht nur darum, deine Gedanken zu Papier zu bringen. Wahrscheinlich ergibt dein Gekrizzel am Anfang noch keinen Sinn. Das Gesamtbild wird sich aber ergeben. Falls Brainstorming nicht so deine bevorzugte Art ist, dann kannst du hier ein Dutzend Kreativitätstechniken für die Ideenfindung ausprobieren.

Sobald du mit dem Brainstorming fertig bist, solltest du die wesentlichen Punkte zusammen haben, um welche sich deine Arbeit drehen soll. Wenn du möchtest, kannst du nun jeden Punkt oder jede Idee nach verschiedenen Kriterien bewerten. Vergib z.B. Punkte von 1-10 für Relevanz, Zeitgemäss, Machbarkeit, Kosten und dein Gefühl.

Fineart Fotografie Ideen sammeln

Aus meiner Sicht ganz klar Kunst (@Edvinas Siauciunas)

Die Botschaft

Ich habe in einem meiner Werke den Konsum thematisiert und ein paar Ausstellungen gemacht. Diese basierten auf dem Konzept und der Idee, dass wir unsere Häuser in riesige Schutthalden (Mülleimer) verwandeln.

Deine Botschaft auszuarbeiten oder auch die Motivation dahinter, kann ein kleinwenig knifflig sein. Eventuell möchtest du für ein Thema wie Konsum die Auswirkungen auf die Umwelt erkunden oder was mit all den Gütern passieren wird, wenn wir immer weiter kaufen. Mein Tipp: Übernimm dich nicht gleich von Anfang an. Starte ein kleineres, überschaubares Projekt, das du in 1-2 Wochen fertigstellen kannst.

Technik & Bildstil

Deine Arbeit braucht eine gewisse Beständigkeit. Wenn all deine Arbeiten zusammentreffen, müssen Ähnlichkeiten darin erkennbar sein. Oftmals nutzen Künstler dasselbe Medium und die gleichen Techniken für jede einzelne Idee. Wie bei einer Fotocollage müssen die einzelnen Werke zusammen passen, damit das Gesamtwerk Sinn ergibt und verständlich wird. Wenn du deine Bilder in einer Galerie aufhängen würdest, müsste allen eine gewisse Einheitlichkeit gemeinsam sein. Falls du noch keinen hast, kannst du hier nachlesen, wie du deinen individuellen Bildstil entwickeln kannst.

Gesamtwerk

Wenn du eine Ausstellung planst, erhältst du höchstwahrscheinlich Vorgaben vom Organisator, was die Anzahl der Werke betrifft. Falls du keine Vorgaben erhältst oder du deine eigene Ausstellung organisierst, solltest du dich trotzdem von Anfang an auf eine bestimmte Anzahl Bilder festlegen, die du kreieren möchtest.

Künstelisch fotografieren Technik

Bild 1 des Gesamtkunstwerks (@Evie Shaffer)

Sobald alles fertig ist, wirst du auf Einzelstücke stoßen, die sich einfach nicht einfügen lassen. In einem solchen Fall ist es im Sinne des Gesamtwerks immer besser, auf das Bild zu verzichten. Auch wenn du noch so viel Arbeit hinein gesteckt hast. Falls du an deiner Objektivität zweifelst was die Auswahl betrifft, dann Frage ein paar Kollegen um Unterstützung.

Künstelisch fotografieren Gesamtwerk

Bild 2 des Gesamtkunstwerks (@Evie Shaffer)

Künstelisch fotografieren Bilstil

Bild 3 des Gesamtkunstwerks (@Evie Shaffer)

Erklärung des Künstlers

Ein Statement des Künstlers ist üblich. Also eine kurze Erläuterung dazu, worüber deine Arbeiten sind, warum du sie geschaffen hast und wie.

Wenn du eine Galerie besuchst, betrachtest du vielleicht eine Arbeit und fragst dich, wovon sie handelt. Auch wenn du denkst, das Thema richtig erfasst zu haben, suchst du nach der Erklärung des Künstlers. Mit dieser Erklärung findest du heraus, was die genauen Absichten des Künstlers und seine Begründung dafür waren, die Arbeit zu diesem Zweck und auf diese Art und Weise zu erschaffen. Hier hast du viel Spielraum. Sag auf jeden Fall etwas. Wie viel du sagen willst, ist dann dir überlassen. Jenachdem wie viel Interpretationsspielraum du dem Betrachter geben willst.

Beispiel und Tipps für dein Künstler-Statement

Dein Statement sollte in einer Art geschrieben sein, die ich Kunstsprache nenne. Was heisst das? Du solltest dich einer Wortwahl bedienen, die in die Kunstwelt passt. Es muss sich gut anhören. Wenn du dich für Galerien bewirbst, ist dein Künstlerstatement das, wonach du als erstes beurteilt wirst. Sozusagen dein CV (Lebenslauf) bei einer Bewerbung.

Hier ist ein Beispiel einer Erklärung, die über die Arbeit rund um das Thema Verwahrlosung verfasst wurde:

Es liegt in der Natur des Menschen, seine Umgebung in Gebilde und Formen zu modellieren und anzupassen, die er als angenehm empfindet. Wir leben in diesen Bauten – arbeiten in ihnen und finden Unterhaltung und Nahrung im Inneren. Wir verbringen Zeit in Räumen, die dafür entworfen worden sind, uns über viele Lebensphasen hinweg beim Lernen zu helfen. Wenn die Gebäude nicht länger in Stand gehalten werden können, fallen sie rasch dem Zerfall anheim.

Meine Arbeit ist es, die Geschwindigkeit des Verfalls näher zu betrachten und zu zeigen, wie ähnlich er demjenigen des Menschen ist. Wie schnell können wir in denselben Zustand der Verwahrlosung geraten, wenn sich länger niemand mehr um uns kümmert. Mittels Fotografien von alten und seit kurzem verlassenen Gebäuden, möchte ich der Metapher vom Zustand des Menschen und verwaisten Gebäuden auf den Grund gehen.Der Künstler

Du brauchst noch Hilfe und Inspiration? Das Internet ist voll von künstlerischen Statements, hier findest du eien tolle Anleitung.

Zum Schluss

Die künstlerische Arbeit sollte etwas von dir selbst enthalten. Etwas, wobei du  leidenschaftlich empfindest. Sorge dich nicht darüber, was andere Leute denken. Wenn dir klar ist, was deine Vorstellungen beinhalten, was dein Motiv ist und wie du deine Arbeit gestalten willst, dann sollte dein Statement einfach aufzutreiben sein und du wirst dich selbst auf einem neuen, aufregenden Pfad wiederfinden.

Wenn du nur wunderschöne Fotos ohne alles obig Erläuterte aufnehmen willst, kreierst du wahrscheinlich keine Kunstfotografien. Wie auch immer, wenn du eine Vision oder eine Botschaft hast, dann erschaffst du mit hoher Wahrscheinlichkeit Kunst.

pixolum
Über den Autor

Patrick ist der Gründer von pixolum und versorgt dich seit 2012 mit spannendem Fotografie-Stoff. Neben seiner Leidenschaft für Kameras & Design unterstützt er kreative Köpfe beim Aufbau ihres Business. Er trinkt jeden Tag 7 Kaffees aus der pixolum Tasse, ist absoluter SEO Nerd und beginnt mehr, als er zu Ende bringen kann.

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