Digitale Bildbearbeitung – ein Muss für jeden Fotografen?

Digitale Bildbearbeitung ist sozusagen ein zentraler Bestandteil der digitalen Fotografie. Sie beginnt schon mit den Möglichkeiten, die die kamerainterne Hard- und Software für eine unmittelbare Entwicklung der Aufnahmen bietet und mündet in die vielfältigen Gestaltungsoptionen der Nachbearbeitung. Aber ist dieser Aufwand wirklich notwendig? Wir erklären, warum es sich lohnt, sich selbst als Fotografie-Anfänger schon die Grundlagen der Bildbearbeitung anzueignen.

digitale Bildentwicklung

Foto: Jacob Lund © Adobe Stock

Digitale Bildbearbeitung – so einfach wie nie

Vorweg als absolutes Grundargument, warum es durchaus wichtig ist, sich mit der Bildbearbeitung zu beschäftigen: Es gibt im Grunde genommen überhaupt keine Fotografie, die ohne auskommt. Das trifft sowohl auf die moderne Digitalfotografie, aber auch auf analoge herkömmliche Methoden zu. Denn mit Bildbearbeitung ist nicht nur die klassische Nachbearbeitung mit Photoshop gemeint.

Analoge Fotografie – wo beginnt die Bearbeitung?

Analoge Fotografie funktioniert, indem Licht durch die Linse auf ein sensitives Material trifft – alles, was nach diesem Punkt bis zur Fertigstellung eines Fotos passiert, ist im Grunde eine Art der bewussten Vor- oder Nachbearbeitung. Bei der analogen Fotografie beginnt dies schon mit der Auswahl des Films – Schwarzweiß oder Farbfilm, satte oder natürliche Farben und die Körnung (Lichtsensibilität) des Fotos lassen sich damit bestimmen.

Ein weiterer Schritt findet in der Dunkelkammer statt. Beim Entwickeln des Films werden ebenfalls wieder gezielte Entscheidungen getroffen, die das finale Aussehen des Fotos beeinflussen. Jenachdem, ob einfach ein beliebiger Film ausgewählt wurde und die Entwicklung von Fotostudios übernommen wird oder nicht.

Bildentstehung in der Digitalfotografie

Genauso verhält es sich bei der digitalen Fotografie: Der Auslöser wird gedrückt und schon ist das Bild fertig. Doch dazwischen passiert viel mehr, als man vielleicht vermuten würde. Der Bildsensor interpretiert die Licht-, Farb- und Kontrastdaten und setzt sie zu den digitalen Bildinformationen zusammen. Dann bestimmt die Kamera anhand ihrer Voreinstellungen nochmals über Anpassungen der Helligkeit, Schärfe, Kontrast und Farbwerte, damit das Foto so gut wie nur möglich aussieht.

Einige von euch mögen jetzt aufschreien und sagen: „Du sprichst ja von Bildentwicklung, nicht Bearbeitung“. Das ist bis zu einen gewissen Grad richtig. Im erweiterten Sinn werden die vom Sensor aufgenommenen Informationen anhand der Kameraeinstellungen aber so weit verarbeitet, dass man bereits von einen frühen Stufe der Bildbearbeitung sprechen kann.

Es gibt also prinzipiell kaum ein unbearbeitetes Bild. Dennoch ist es sinnvoll, sich bewusst mit den Möglichkeiten der digitalen Bildentwicklung- und Bearbeitung zu beschäftigen. Wie weit du das treiben möchtest, kann dabei ganz an deine individuellen Ansprüche an die Fotografie angepasst werden – von der einfachen Anpassung der Helligkeit einiger leicht misslungener JPEG Fotos bis hin zur Fotografie in RAW-Formaten, was sämtliche Anpassungen für die finale Erstellung des Bildes in deine Hand legt ist alles denkbar.

Das ist auch nicht mehr mit einem großen Aufwand verbunden, denn dank immer fortschrittlicherer Software wird der kreative Umgang mit dem Bildmaterial immer einfacher.

Kamerainterne Bildentwicklung

Die meisten Kameras ermöglichen es, in Kreativmodi verschiedene manuelle Anpassungen und Effekte an den Fotos vorzunehmen – sowohl vor dem Schnappschuss, als auch zur Nachbearbeitung. Beliebte Modi sind etwa Schwarzweiß-Fotos, Tilt-Shift-Effekte oder selektive Farbfilter.

Wer sich nicht lange mit dem Computer beschäftigen möchte oder die Bedienung aufwendiger Programme lernen will, hat ebenfalls keine Ausrede mehr: Die Bildbearbeitung mit dem Smartphone macht immer größere Fortschritte.

Einfache Workflows mit Apps

Mit kompakten Apps, die eine sehr intuitive Bedienung ermöglichen, haben Fotografen mittlerweile vielfältige Möglichkeiten, die dem Funktionsumfang professioneller Bearbeitungsprogramme erstaunlich nahekommen. Bildbearbeitungs-Apps wie VSCO beispielsweise finden sich auf den Smartphones vieler Profi-Fotografen und sind für die Bearbeitung von immer mehr veröffentlichten Fotos verantwortlich.

Besonders die Einsteigerfreundlichkeit moderner Programme und Apps ist ein großer Vorteil, der Anfängern entgegenkommt. Viele der Tools bieten automatische Anpassungswerkzeuge oder Voreinstellungen, die es ganz ohne Vorwissen ermöglichen, mehr aus den eigenen Bildern herauszuholen.

digitale Bildbearbeitung auf Smartphone

Foto: rcfotostock © Adobe Stock

7 gute Gründe für die Bildbearbeitung

Digitalkameras liefern mit ihren Kameramodi immer besser abgestimmte Fotos. Kann ein Mensch das noch besser? Wenn die Kamera bereits alle möglichen Einstellungen für ein optimal balanciertes Foto selbst vornehmen kann – wozu dann noch Veränderungen an den aufgenommenen Bildern durchführen?

Trotz all der Bequemlichkeit, die die zugegebenermaßen zumeist hohe Qualität kamerafertiger Schnappschüsse mit sich bringt, gibt es noch eine Vielzahl guter Gründe, sich wenigstens mit den Grundlagen der Bildbearbeitung auseinanderzusetzen.

Das liegt hauptsächlich an der Vielfalt der Möglichkeiten, die sich mit der Beschäftigung mit modernen Bildbearbeitungs-Tools erschließen lässt:

1 Bildgrösse

Fotos mit 20 Megapixel oder noch höherer Auflösung nehmen sehr viel Speicherplatz weg und sind für die wenigsten Anwendungen nötig. Daher macht es häufig Sinn, sie entweder stärker zu komprimieren oder die Bildgröße anzupassen, falls man dies nicht bereits in der Kamera so eingestellt hat. Wenn man beispielsweise einen größeren Satz Urlaubsfotos über das Internet verschicken möchte, ist die originale Dateigröße nicht selten ein Hindernis. Alles übers Bilder verkleinern und Kompression kannst du hier in unserem Guide nachlesen.

2 Bildausschnitt

Viele Fotos sind sofort besser, wenn ein Teil davon abgeschnitten wird. Die klassische Retusche. Das beginnt beim Herausschneiden einer unerwünschten Mülltonne im Hintergrund und geht bis hin zur bewussten Auswahl eines besseren Seitenverhältnisses, um eine harmonische Komposition zu erreichen. Auch die Konzentration auf ein Teilelement des Fotos, das dann formatfüllend herausgestellt wird, ist häufig sinnvoll – solange die Auflösung hoch genug ist, damit das Bild dann scharf bleibt.

3 Optische Anpassungen

Wirken die Farben nicht so leuchtend, wie man sich das beim Drücken des Auslösers vorgestellt hat oder kommen feine Details nicht so schön heraus wie erhofft, da der Fokuspunkt minimal verpasst wurde? Auch hier schafft leistungsfähige Bildbearbeitungssoftware Abhilfe. Etwas mit den Farbreglern spielen, einen Filter zur Nachschärfung verwenden und schon entspricht das Foto genauer den eigenen Vorstellungen.

Bild Vergleich Filter: Digitale Bildbearbeitung

Foto: Stefano Garau © Adobe Stock

4 Fehlerkorrektur

Nicht jeder Schnappschuss kommt optimal oder fehlerfrei aus der Kamera. Bei störenden Bildfehlern oder falsch gewählten Einstellungen kann durch die Nachbearbeitung häufig noch viel gerettet werden. Wenn beispielsweise der Weißabgleich falsch eingestellt war und das Bild einen Blaustich hat oder ein Foto in den Abendstunden oder in dunklen Räumen etwas unterbelichtet ist, lässt sich dies in Sekundenschnelle beheben, um ein makelloses Bild zu erhalten. Auch punktuelle Fehler wie Bildflecken durch Staub auf dem Sensor oder im Objektiv, oder rote Augen durch einen Blitz, können beseitigt werden.

5 Kreative Bearbeitung

Wer gerne Fotos mit einem etwas höheren künstlerischen Anspruch schießt – sei es aus reiner Leidenschaft oder sogar beruflich – kommt an der manuellen Nachbearbeitung nicht vorbei. Ein Foto wirkt vielleicht erst richtig, wenn es nachträglich in Schwarzweiß mit einem hohen Kontrast umgewandelt und ein digitales Passepartout hinzugefügt wird. Auch die nachträgliche Erstellung von Low-Key Fotografie durch Anpassung des Schwarzwertes oder ein gezieltes Nachbelichten des Bildsubjektes werden häufig eingesetzt – die kreativen Möglichkeiten sind nahezu endlos.

6 Vollständige Kontrolle mit RAW

Wer wirklich eine eigene kreative Vision hat und diese möglichst genau umsetzen möchte, kommt nicht drumherum, sich mit der digitalen Bildbearbeitung zu beschäftigen. Damit keine automatischen Korrekturen der Kamera in den Weg kommen, arbeiten viele Fotografen mit vollmanuellen Einstellungen und schießen ihre Fotos im RAW-Format. Das führt zu Dateien, die einerseits vollständig unkomprimiert sind und andererseits nahezu keine Nachberechnungen durch den Chip der Kamera erfahren haben. Rauschunterdrückung, Kontrast, Farbbalance, Weißabgleich und so weiter müssen also zwangsläufig manuell durchgeführt werden. Das digitale Foto muss also aus den gesammelten Rohdaten durch den Sensor erst noch entwickelt werden. Das klingt nach viel Arbeit und ist es auch, doch nur so können Fotografen – das nötige Wissen um die Möglichkeiten im Bildbearbeitungsprogramm vorausgesetzt – exakt ihre Vorstellungen umsetzen.

7 Umfassende Manipulation

Neben der Entwicklung und klassischen Bearbeitung von Fotos gibt es noch die dritte Kategorie: die Manipulation. Bilder können mit hochwertiger Software soweit bearbeitet werden, dass komplett andere und neue Ergebnisse erzielt werden können. Beispiele?

  • Focus Stacking: Zusammensetzen von Bildern mit Fokusvariation
  • Bracketing: Zusammenfügen eines Fotos mit verschiedenen Kamera-Einstellungen
  • Stitching: Zusammensetzen von Panoramabildern
  • Little Planet: Eine neus Sicht, generiert mit mehreren Bildern
  • HDR: Mehr Dynamikunfang mit Belichtungsreihen / Kontrasten
  • Doppelbelichtung: Zwei oder mehr Bilder in einem Bild
  • Composing: Hinzufügen von digital erstellten Elementen

All das sind wichtige Aspekte der modernen digitalen Fotografie. Natürlich ist das auch Geschmackssache, denn viele mögen es lieber realistisch und naturgemäß – doch die Möglichkeiten sind gegeben und viele Fotografen nutzen sie heutzutage aus.

Fotos Laptop Workflow

Foto: REDPIXEL © Adobe Stock

Verwalten, Ordnen und Sortieren

Software zur Bearbeitung von Fotos gibt es wie Sand am Meer. Das reicht von kostenlosen Pixelprogrammen, mit denen grundlegende Anpassungen möglich sind, bis hin zu hochprofessionellen Tools mit einem nahezu unendlichen Funktionsumfang, die mehrere hundert Euro im Jahresabo kosten.

Natürlich gibt es dazu auch Open-Source Alternativen, die vollständig kostenlos sind und sich in ihrer Leistung durchaus nicht verstecken müssen. Doch eines haben viele dieser Programme gemeinsam: Sie werden gezielt mit den Anforderungen von Fotografen im Hinterkopf entwickelt. Das bedeutet in der Praxis: Sie bieten nicht nur viele tolle Werkzeuge, um am Aussehen von Fotos zu schrauben, sondern auch viele Komfortfunktionen, die den Workflow vereinfachen und die individuellen Ansprüche von Fotografen für die digitale Arbeit mit Bildern beachten.

Wichtige Features

So ist die Dateiverwaltung häufig ein Teil der Software, der keineswegs unterschätzt werden darf. Bei hochwertigen Programmen ist ein eigener Datei-Explorer mit eingebaut, der exakt auf die Anforderungen der Fotobearbeitung zugeschnitten ist.

  • Dateiverwaltung: Möglicherweise sind die Bilder auf mehrere Verzeichnisse, Ordner und Festplatten verteilt. Damit das nicht bei der Verarbeitung hinderlich ist, können einige Programme diese virtuell zusammenlegen oder mit einem Klick erreichbar machen. Außerdem ist es möglich, bei der Verarbeitung Bilder entsprechend zu benennen, mit zusätzlichen Meta-Informationen zu versehen und in bestimmten Ordnerstrukturen abzulegen – bei hochwertigen Programmen sogar in Form der Massenverarbeitung gleichzeitig für beliebig viele Fotos.
  • Vorschau: Bei der Verarbeitung großer Bildmengen ist die Sichtung sehr wichtig, vor allem eben die Dateivorschau. Diese ist in vielen spezialisierten Programmen deutlich besser gelöst als die Ordneransicht in Windows und kann Fotos beispielsweise größer anzeigen oder auch eine Vorschau von RAW-Bildern generieren, was vor Windows 10 nicht möglich war.
  • Details und Informationen: Infos zur Belichtungszeit, Blende, ISO-Wert, dem Speicherdatum und Informationen zur Kamera werden auf einen Blick angezeigt. Während man sich im Betriebssystem noch mühsam durch die erweiterten Dateiinformationen klicken muss, gehören alle digital hinterlegten Daten zum Foto zu den essenziellen Angaben, die daher stets direkt sichtbar sind.
  • Workflow-Features: Beispielsweise bieten einige Programme die Möglichkeit, einzelne Bilder mit bestimmten Stichworten oder einem Bewertungssystem zu markieren und diese dann gefiltert anzuzeigen. Das erleichtert auf Dauer die Bearbeitung großer Mengen von Fotos, da beispielsweise bei einer ersten Sichtung gute Fotos, die Kandidaten zur weiteren Bearbeitung und eventuellen Veröffentlichung entsprechend markiert werden können. Danach ist es dann sehr einfach, nur diese Fotos anzuzeigen und sich darauf zu konzentrieren.

Speicherung und Integration von Fotos

Bei den bekannten, kostenpflichtigen Programmen ist diesbezüglich an alle Anforderungen von Fotografen gedacht. Viele davon gehen auch mit der Zeit und bieten für die mobile Bearbeitung einen Cloud-Speicher an, der direkt im Programm integriert ist. Das bedeutet: Die Fotos sind online abgespeichert und können von überall aus abgerufen werden, was beispielsweise sehr nützlich für Fotografen ist, die mit einem Computer und unterwegs mit einem Laptop arbeiten.

Bei der Arbeit mit der Software ändert sich sonst nichts – Komfort pur. Wer diese Speicheroption nutzen will, sollte sich im Vorfeld über die verschiedenen Anbieter informieren, deren Lösungen sich durchaus unterscheiden können, nicht nur in Bezug auf den Speicherumfang oder Strukturierung, sondern auch in puncto Datensicherheit.

Der Einstieg in die Bildbearbeitung

Einstieg Bildbearbeitung PC

Foto: REDPIXEL © Adobe Stock

Was angesichts der Möglichkeiten der Bildbearbeitung nicht vergessen werden sollte: Die Rolle des Fotografen bei der Bildaufnahme, bei der Motivwahl und allen Prozessen, die überhaupt erst zu einem Bild führen, wird durch sie nicht geschmälert.

Vielmehr ist sie eine Erweiterung der bewussten Entscheidungen, die Fotografen treffen können, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Mit genügend Übung, etwas Weitsicht und der entsprechenden Vorstellungskraft beziehen erfahrene Fotografen die Möglichkeiten ihrer Bildbearbeitungsprogramme schon bei der Planung und Konzeptualisierung des nächsten Fotos mit ein.

Was beudeutet das in der Praxis?

Eine Szene wird auf eine bestimmte Art hergerichtet und ausgeleuchtet, die dann später mit den richtigen Anpassungen erst zum finalen Werk wird. Das erfordert eine gute Kenntnis des Funktionsumfanges, um schon beim Ablichten vorausschauend alles so vorzubereiten, dass in Kombination mit den zukünftigen Manipulationen das angedachte Endergebnis entstehen kann.

Das klingt natürlich recht kompliziert – aber ist ohnehin eher ein Konzept, das nur für fortgeschrittene Fotografen wichtig ist. Wer sich erstmalig mit digitaler Fotografie und somit der Bildbearbeitung beschäftigt, sollte sich ohnehin langsam herantasten, nach und nach verschiedene Funktionen kennenlernen und zusammen mit dem eigenen Stil und Geschmack eine eigene „Handschrift“ entwickeln.

Denn wichtig ist letztendlich nur, dass dein Foto dir selbst gefällt – aber dennoch gibt es einige Tipps, die dabei helfen, von Anfang an die richtigen Handgriffe zu üben:

  1. Bildbearbeitungsprogramm: Wähle entweder zwischen Photoshop und Lightroom (verlinkt eine Gegenüberstellung) oder eine andere Photoshop Alternative.
  2. Einfach beginnen: Für Computer-Experten sind viele der Programme zwar recht intuitiv, aber die schiere Flut der verschiedenen Werkzeuge und Einstellräder kann durchaus überfordern. Daher ist es wichtig, vorerst mit einigen einfachen, aber wichtigen Optionen einzusteigen: Rotation für einen geraden Horizont oder senkrechte Bildlinien, Crop-Tool (sichtbarer Bildausschnitt) für gezielte Komposition und automatische Belichtungskorrektur für optimale Helligkeit und Kontrast. Dann können nach und nach weitere manuelle Korrekturen hinzugefügt werden.
  3. Nicht übertreiben: Das ist der häufigste Fehler, der Anfängern in der Bildbearbeitung zum Verhängnis wird. Einstellungen, die ein Bild spektakulärer werden lassen – allen voran der Kontrast- und Sättigungsregler – richtig einzuschätzen ist nicht gerade einfach. Das typische Anfängerproblem ist dann, dass die Effekte zu hoch eingestellt werden und das Foto beispielsweise stark übersättigt ist. Hier gilt daher die Faustregel, dass weniger oft mehr ist. Um zu verhindern, dass man in diese Falle tritt, ist es beispielsweise hilfreich, das Foto im aktuell bearbeiteten Zustand regelmäßig mit dem Original zu vergleichen, um eine bessere Einschätzung zu haben.
  4. Monitor richtig kalibrieren: Das A und O in der Bildbearbeitung ist eine gute Farbdarstellung des eigenen Monitors. Sonst kann es schnell passieren, dass ein bearbeitetes Bild zuhause noch wunderbar aussieht, aber auf einem anderen Monitor oder etwa nach der Entwicklung auf Papier plötzlich viel zu hell oder zu dunkel wirkt oder einen leichten Farbstich hat. Zur optimalen Kalibrierung können diverse Beispielbilder und Online-Tools herangezogen werden – sowohl die Einstellungen am Monitor selbst, als auch im Grafiktreiber des Betriebssystems sind hier wichtig.
  5. Die wichtigsten Tools: Jedes Programm hat natürlich seinen ganz eigenen Funktionsumfang. Doch die Grundfunktionen, die für die digitale Bildbearbeitung absolut unerlässlich sind, teilen sie eigentlich alle. Dazu gehören die Einstellungen zur Belichtung (Helligkeit, Kontrast, Sättigung, Schwarz- und Weißpegel, Kurven), Detaileinstellungen (digitales Nachschärfen, Rauschentfernung, Kantenschärfung) und die Anpassung der Farben (Weißabgleich, Kanal-Mixer, Schwarzweiß-Optionen, Dynamik). Ein guter Ansatz für absolute Anfänger ist es, einfach die automatische Belichtungskorrektur zu nutzen und dabei darauf zu achten, welche Werte sich genau verändern. So entsteht schneller ein Gefühl dafür, was die einzelnen Regler tun können.
  6. Profile nutzen: Das mag vielleicht wie eine Profi-Methode klingen, doch lohnt sich bereits für Einsteiger. Es ist in vielen Programmen möglich, selbst gewählte Voreinstellungen abzuspeichern und als Profil auf anderen Fotos mit einem Klick anzuwenden. Wer bereits mit seiner Kamera vertraut ist und merkt, dass bei jedem Foto zuerst einmal ähnliche Einstellungen gewählt werden, kann somit den Bearbeitungsprozess deutlich beschleunigen. Individuelle Anpassungen für jedes Foto können dann natürlich einzeln folgen.

Die Suche nach dem eigenen Bildstil

Systemkamera

Foto: Mariano Gila © Adobe Stock

Wer schon einmal durch die gesamte Instagram-Seite von Hobby- oder Profifotografen gescrollt hat, hat es mit Sicherheit schon einmal bemerkt oder zumindest unbewusst wahrgenommen:

Alles wirkt, wie aus einem Guss. Die verschiedensten Fotos und Motive passen doch irgendwie zueinander und fügen sich zu einem harmonisch wirkenden Ganzen zusammen. Als Beispiel einmal die Sammlung des britischen Profis Craig Whitehead – trotz unterschiedlicher Motive folgt alles einer zusammenpassenden Ästhetik. Das geschieht nicht durch Zufall, sondern ist eher das Ergebnis bewusster Entscheidungen in der Nachbearbeitung.

View this post on Instagram

Another day in Saint Denis #virtualstreetphotography

A post shared by Craig Whitehead (@sixstreetunder) on

Die Beschäftigung mit den Möglichkeiten der Bildbearbeitung kann dabei helfen, einen individuellen Stil zu finden, dem man folgen möchte – und daher dazu führen, dass im Umkehrschluss bereits beim Fotografieren bereits die richtigen Entscheidungen getroffen werden.

Ein Beispiel: Wer sich etwas mit den Möglichkeiten der Tonwertkorrektur bei Schwarzweiß-Fotos vertraut macht, versteht schnell die Wirkung von Helligkeitskontrast im Motiv und achtet unterwegs mit der Kamera verstärkt auf Szenen, die schon die entsprechenden Lichtverhältnisse mitbringen. Somit ist die Bildbearbeitung auch für die persönliche Weiterentwicklung als Fotograf ein tolles Werkzeug.

pixolum
Über den Autor

Patrick ist der Gründer von pixolum und versorgt dich seit 2012 mit spannendem Fotografie-Stoff. Neben seiner Leidenschaft für Kameras & Design unterstützt er kreative Köpfe beim Aufbau ihres Business. Er trinkt jeden Tag 7 Kaffees aus der pixolum Tasse, ist absoluter SEO Nerd und beginnt mehr, als er zu Ende bringen kann.

0 Gedanken und Fragen

Hinterlasse deine Meinung und Fragen

 

Magst du diesen Beitrag?