Das eigene Fotostudio zu Hause einrichten

Man kann durchaus erfolgreich Fotografie betreiben, ohne sich dabei auf einen festen Platz zu verlassen. Aber spätestens, wenn man es auf eine zumindest semi-professionelle Ebene heben möchte, braucht man ein festes Studio. Ganz gleich, was manche vielleicht auch glauben, das muss weder dutzende Quadratmeter groß sein noch in seiner Ausstattung einen Kredit notwendig machen. Man muss nur ein etwas kreativ sein und ein paar Heimwerker-Skills sind auch nicht verkehrt. Doch wie geht das?

Fotostudio zu Hause einrichten

Bildquelle: Fotolia, © LIGHTFIELD STUDIOS

Der Raum

Profistudios sind meist XXL. Das führt dazu, dass bei vielen der Glaube vorherrscht, ein Studio könne nicht unterhalb einer Grundfläche von 10×10 Metern und hallenartiger Deckenhöhe existieren.

Was die Größe eines Studios letztendlich bestimmt ist, mit welchen Abständen man was mit welchem Objektiv fotografieren möchte. Hier kann jeder zuvor selbst ausrechnen, was anhand seiner vorhandenen bzw. möglichen Brennweiten für Bildausschnitte möglich werden.

Tatsächlich ist jeder Raum prinzipiell geeignet, der auf eine Mindest-Seitenlänge von vier Metern kommt. Je mehr, desto besser. Was die Höhe anbelangt, sollte man für stehende Ganzkörper-Portraits die 2,50 m nicht unterschreiten, allerdings ist das sowieso eher theoretischer Natur, weil viele (wenngleich nicht alle) Landesbauordnungen sowieso bei Wohnhäusern diese 2,50 als Mindestmaß fordern.

Fassen wir also kurz zusammen:

  • Mindestfläche 4 x 4 m
  • Mindesthöhe 2,5 m
  • Idealerweise quadratisch, damit man mehrere Wände zu unterschiedlichen Hintergründen machen kann und trotzdem überall die gleichen Foto-Abstände hat
  • Natürliches Licht kann, muss aber nicht. Sind Fenster vorhanden, müssen sie sich komplett abdunkeln lassen

Tatsächlich ist ein solches Zimmer in vielen Haushalten vorhanden; wer Abstriche machen kann, wird mitunter auch auf dem Dachboden fündig. Beim Keller, der sich bezüglich seiner Raumfläche anbietet, muss man messen, da scheitert es oft an der Deckenhöhe.

Fotostudio zu Hause einrichten Ausrüstung

Falls vorhanden kann durchaus eine Wand zum „Shabby Chick“ Hintergrund aufgewertet werden, ist aber kein Muss. Bildquelle: Fotolia, © Gee

Die Wände

Man kann durchaus, wenn man gewillt ist, sein Equipment hin und her zu schieben, alle vier Wände zum Hintergrund erklären. In der Praxis jedoch wird das zumindest bei der Wand mit Tür-Ausschnitt zum Problem.

Wir empfehlen daher folgendes:

  1. Alle Wände sowie die Decke sollten mit einer absolut glatten Tapete auf Stoß tapeziert werden. Möchte man später nicht die Stoßkanten mit Photoshop entfernen müssen, braucht man einen glatten Rollputz oder Ähnliches.
  2. Für maximale Lichtreflexion sollte die Decke weiß gestrichen werden
  3. Ziemlich flexibel wird es, wenn man zwei Wände schneeweiß streicht und eine grau. Eine der weißen Wände kann dann mit einem Hintergrund-System flexibel gemacht werden
  4. Falls Fenster besonders ungünstig liegen, sollte man die Fensterbank entfernen und das jeweilige Fenster durch eine bündig mit der Wand abschließende Spanplatte verschließen
  5. Um Lichtreflexe/Streulicht zu vermeiden, kann es helfen, wenn sich die Wände durch schwarze Vorhänge verdunkeln lassen
  6. Die Tür-Wand sollte zum „Büro“ erklärt werden. Hier steht also der Tisch mit dem Computer, ein Regal für Objektive, Akkus und anderes Zubehör

Die absolute Killer-Applikation bekommt man übrigens, wenn man sich aus Spanplatten, die man mit Scharnieren verbindet, frei aufstellbare Hintergrund wände bastelt und sie beispielsweise mit einer spannenden Tapete bezieht.

Zudem sollte man sich die Zeit nehmen und einige seiner schönsten bisherigen Fotos zu Papier oder Acryl bringen, um die Wände des Studios zu verschönern und man als Fotograf direkt einen Teil seiner Arbeit präsentiert, ohne auf den Computer zurückgreifen zu müssen.

Die Heizung

Je nach Fotograf werden nicht wenige Sessions in einem solchen Studio bedeuten, dass das Model nur in leichte Stoffe gekleidet ist oder sich auch im Geburtstagsdress der Linse präsentiert.

Bitte nicht täuschen lassen, normal angenehme Zimmertemperatur ist zu wenig, wenn man kaum bekleidet ist; dann helfen auch keine Motivationstricks für Models mehr.

Das Fotostudio muss sich deshalb auf ausreichende Temperaturen bringen lassen. Ideal, weil unsichtbar ist natürlich eine Fußbodenheizung. Gibt’s die nicht, sollte man sein Hintergrundsystem an der Wand anbringen, an der der Radiator hängt.

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Tipp: Wenn klar ist, dass die Hüllen fallen, dreht der vorausplanende Fotograf mindestens eine Stunde vor Shooting-Beginn die Heizung auf angenehme Temperaturen.

Fotostudio zuhause einrichten Hintergruende

Hintergrundwände mit abstrakten Mustern können eine wertvolle und abwechslungsreiche Ergänzung darstellen. Bildquelle: Fotolia, © Sergei Dvornikov

Das Hintergrund-System

So, wie das Studio sich bisher gibt, sind die Wände durchaus als Hintergrund tauglich. Doch es bleibt das Problem, dass am Übergang zum Boden eine Stoßkante vorhanden ist; Ganzkörper-Portraits sind mitunter nicht drin.

Dagegen sollte man sich ein Hintergrundsystem besorgen. Transportable Systeme gibt es im Handel schon für unter 50 Euro. Allerdings ist es bei diesen Modellen um die Langzeit-Stabilität erfahrungsgemäß nicht so gut bestellt. Empfohlen wird daher lieber eine niedrige dreistellige Summe zu investieren.

Einige Systeme kommen bereits mit je einem schwarzen und weißen aufrollbaren Hintergrund. Mit dieser Basis kann man schon sehr viel machen. Wer sich allerdings die Möglichkeit offenhalten will, per Photoshop sauber freizustellen, sollte zusätzlich auf blau und grün setzen und je nach Model-Kleidung usw. die richtige Farbe wählen.

Ob man sich jedoch auch strukturierte Hintergründe zulegen sollte, ist eine Glaubensfrage. Tatsache ist zwar, dass sie Variation ins Spiel bringen. Aber sie sorgen auch für einen Wiedererkennungswert, der sich über mehrere Models/Shootings durchzieht und den nicht jeder möchte.

Die Blitze

Kommen wir zum zentralen Dreh- und Angelpunkt des Studios. Denn sofern der Raum nicht über eine XL-Fensterwand verfügt, wird er natürlich ein Kunstlichtstudio sein. Allerdings kann man gerade hier sehr viel Geld versenken und dennoch nicht das Optimum für sich bekommen.

Natürlich, bei Profis finden sich gerne die Blitze an einer Aufhängung an der Decke. Das hat viele Vorteile, von denen es schon eines ist, dass eben niemals das Risiko besteht, dass man etwas umstoßen kann. Aber:

  • Ein Befestigungssystem für die Decke geht in der Summe richtig ins Geld
  • Die Decke selbst muss tragfähig genug sein und man selbst in der Lage, alles so anzudübeln, dass es auch jahrelang hält
  • Unter drei Metern Raumhöhe sind die Scherensysteme, welche den Blitz halten, oft selbst im eingefahrenen Zustand zu voluminös, der Blitz hängt zu tief

Tatsächlich kann es deshalb gerade für Heimstudios die bessere Wahl sein, auf ganz normale höhenverstellbare Stative zu setzen, zumal die eben immer flexibler sein werden als ein schienengebundenes Deckensystem.

Stellt sich die Frage, wie viel Blitz man als Einsteiger wirklich benötigt?

  • Zwei Dauerlicht-Leuchten als Basis. Die haben den großen Vorteil, dass sie dem Anfänger eine dauerhaft gleiche Lichtsituation präsentieren. Bitte unbedingt auf LEDs setzen, die heizen das Studio nicht so auf und verbrauchen weniger Strom.
  • ALTERNATIV zwei Studioblitze, die sich auf jeden Fall per Funk ansteuern lassen und gerne auch eine Slave-Funktion mitbringen.
  • Zwei bis drei günstige China-Blitze (Yongnuo und Konsorten) samt Stativen für mobile Kreationen
  • Diffusoren für alle
  • Zwei Softboxen sowohl für Studioblitze wie Dauerlicht-Leuchten, alternativ Durchlichtschirme
  • Je zwei Reflektorschirme in Gold und Silber

Dann besorgt oder bastelt man sich noch zwei Blitz-Tubusse und eventuell verschiedene Farb-Vorsätze und ist für die nächsten Jahre bestens versorgt.

Fotostudio Zuhause Blitze

Blitz-Tubusse sorgen für tolle Spot-Effekte. Allerdings kann man sie mit etwas Geschick auch selbst basteln. Bildquelle: Fotolia, © Victor Kludnov

Die Requisiten

Der finale Punkt auf der Liste sind Requisiten. Tatsache ist, hier kann man sich vollends austoben. Empfehlenswert aber eben groß ist eine Couch, zumindest sollten (Klapp-) Stühle vorhanden sein.

Des Weiteren:

  • Ein kleiner Beistelltisch
  • Ein Sitzsack / sehr großes Kissen
  • Verschiedene günstige Teppiche und Decken
  • Zwei, drei Vasen mit ebenso vielen Kunstblumen
  • Plüschtiere

Diese Basics sollte man in jedem Fall besitzen. Was noch hinzukommt, orientiert sich natürlich auch daran, auf welche Form von Shootings man sich spezialisieren will. Doch immer gilt: Requisiten kann man eigentlich nicht genug haben.

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1 Kommentare

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  1. Avatar
    Annette

    Hallo,
    Mich würde interessieren mit welcher Brennweite man am besten in der Porträtfotografie arbeitet.
    Es wurde nichts über geeignete Objektive geschrieben.

    Grüße
    Annette

    Antworten