Bildsprache lernen | Grundlagen für bessere Bildgestaltung

Gerade so wie die Autoren grosser Werke der Literatur verwenden Fotografen ihre eigene Sprache, die Bildsprache. Der Betrachter kann sie lesen, um den tieferen Sinn des Bildes zu verstehen. Aber im Unterschied zu Geschichten und Gedichten ist die Bildsprache den Meisten unvertraut. Sie tun sich schwer damit, den Zugang zum Medium zu finden. Dieser Artikel soll dir zeigen, auf was du achten musst, wenn du den wahren Wert einer Fotografie entdecken willst. 

Bildsprache - Strasse zum Horizont

Schwarzweissbild einer Landschaft mit Strasse zum Horizont (@Jan Kroon, pexels.com)

Die Fotografie ist ein sehr demokratisches Medium. Wir alle haben Alben, Smartphones und diverse Profile in den sozialen Medien. Und überall haben wir massenweise Bilder, vom Essen, von Landschaften und von uns selbst. Das ist der Bereich der Schnappschuss Fotografie deren einziges Ziel das spontane Ablichten eines Objektes, einer Person oder einer Landschaft ist. Demgegenüber bietet die Kunstfotografie eine vollständig andere Erfahrung. Kunstfotografien sind nicht einfach dazu bestimmt, einen flüchtigen Eindruck der Realität zu zeigen. Vielmehr sollen sie uns dank ihrer Bildsprache Informationen, Hintergründe und Geschichten bieten oder Gefühle und Eindrücke vermitteln 

Zentral in der Bildsprache – Motiv und Thema

Fotografien entstehen, indem wir ein Motiv fotografieren. Ein Motiv kann alles sein. Ein Berg, ein Bahnhof, eine Person, ein Blume oder eine Fruchtschale. Und jeder Fotograf hat seinen eigenen und einzigartigen Blick auf die Dinge.

Über die Bildsprache gibt der Fotograf dem Motiv eine ganz unverwechselbare Interpretation, wodurch das Motiv zum Thema wird.

Einfach ausgedrückt ist das Motiv einer Aufnahme des „was“, während das Thema das „worüber“ darstellt. Einerseits können Fotografien eine sehr einfache Thematik und einen einfachen Schwerpunkt aufweisen. Die Merkmale einer Blume zum Beispiel, einer Person oder eines Musters. Andere Fotografien, beispielsweise im Fotojournalismus oder im surrealistischen Bereich haben eine sehr komplexe Thematik. Gross oder klein, einfach oder komplex, was auch immer das Thema ist, der Blick auf die eingefangenen Elemente im Bild (Flüsse, Personen, Häuser, und so weiter) ist der erste Schritt zum Verständnis seiner Bedeutung.

Komposition des Bildes

Komposition steht für das Arrangement eines jeden Motivs und Elementes im Bild. Manchmal kann der Fotograf die Motive neu anordnen, um die Komposition und Bildsprache selbst zu erzeugen. Das sehen wir häufig im Bereich der Stillleben Fotografie. Aber andere Bereiche der Fotografie, zum Beispiel die Landschaftsfotografie, erlauben keine solche Manipulationen. Fotografien werden aus Konturen, Formen und Linien zusammengesetzt. Sind sie richtig strukturiert, kann das Arrangement von Konturen, Formen und Linien einen visuellen Pfad erzeugen, der das Auge des Betrachters auf eine kontrollierte und vorhersehbare Art leitet. Das Auge wird entlang diesem Pfad wandern und Linien, Farben und Schattierungen werden die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das nächste Kapitel dieser visuellen Geschichte richten.

Fokus in der Bildsprache

Ein wichtiger Bestandteil der Bildsprache ist der Fokus. Er zieht die Aufmerksamkeit des Betrachters auf bestimmte Motive des Bildes. Indem der Fokus auf ein einziges Motiv konzentriert wird, während der Hintergrund unscharf bleibt, wird dieses Motiv aus der Umgebung herausstechen. Deshalb wird diese Technik für Porträts und in der Tierfotografie oft verwendet. Andererseits können mehrere Motive gleichzeitig im Fokus stehen, wodurch sie in einer Art verbunden werden, die eine Geschichte erzählt. Weiter kann Schärfe einen subjektiven Eindruck der Wichtigkeit eines Motivs vermitteln, wohingegen Unschärfe den Eindruck von Geschwindigkeit gibt.

Bildsprache - Steine im Fokus

Steinmann im Fokus vor verschwommenem Hintergrund (@pixabay, pexels.com)

Licht und Beleuchtung

Das Licht macht ein Bild aus oder kann es unbrauchbar machen. Selbst die besten Motive können fürchterlich erscheinen, wenn sie in einem unvorteilhaften Licht aufgenommen werden. Die Hollywood Fotografen der 1930er und 1940er Jahre wussten um die Bedeutung des Lichts und verwendeten es in ihrer Bildsprache. Sie verwendeten künstliche Beleuchtung, um die etwas zu erzeugen, was sie „Star Beleuchtung“ nannten. Die „Star Beleuchtung“ erhellte drei Viertel des Gesichtes einer Person und führte so zu einem dramatischen, dreidimensionalen Effekt. So entstanden sehr schmeichelhafte Porträts vieler Hollywood Berühmtheiten.

Weniger bekannte Mitglieder der Besetzung wurden in natürlichem Licht fotografiert, was sie weniger als Filmstars und viel eher als ganz normale Personen erscheinen liess. Beim Fotografieren im Freien werden Veränderungen im Licht zu Variationen von Schatten führen. Abhängig von der Tageszeit und von der Sonnenposition kann dasselbe Motiv dadurch auffallend und schön oder aber unheimlich und unnatürlich erscheinen. 

Schauspielerin im Hollywood Stil (@pixabay, pexels.com)

Kontrast in der Bildsprache

Der Kontrast bestimmt den Ton eines ganzen Bildes und ist wichtiger Bestandteil der Bildsprache. Als relativer Unterschied zwischen den hellsten und den dunkelsten Bereichen einer Aufnahme kann der Kontrast ein Bild düster oder erfreulich, zart oder dramatisch machen. Bilder mit hohem Kontrast weisen einen erheblichen Unterschied zwischen Highlight und Schatten auf. Bilder mit wenig Kontrast sind tatsächlich nur Graustufen mit wenig Abweichung zwischen dem einem und dem anderen Schatten.

  • Fotografen verwenden hohen Kontrast, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und starke Emotionen zu wecken.
  • Mit wenig Kontrast vermitteln sie die Vorstellung von Stille und Glückseligkeit.
  • Wenn ein Bild vor allem aus dunklen Grautönen und Schwarz besteht (Low-Key-Fotografie), kann es dramatisch, geheimnisvoll oder sogar maliziös erscheinen. 
  • High-Key Bilder mit hellen Grautönen und Weiss erzeigen eine leichtere und optimistische Atmosphäre und geben dem Betrachter den Eindruck von Freude oder Jugendfrische.

Farbkontrast

Jeder Maler muss eine Farbpalette wählen. Und so muss jeder Fotograf eine Auswahl von Farben wählen, um unterschiedliche visuelle Effekte zu erzeugen und eine Stimmung oder Idee in der Bildsprache zu vermitteln. Der Farbbereich kann auffallend und mutig oder gedeckt und raffiniert sein. Um ausdrucksstarke und bewegende Farbbilder zu machen, müssen Fotografen sich auf eine ganz neue „Grammatik“ einstellen. In der Schwarz-Weiss Fotografie erzeugt das Licht unterschiedliche Töne von Schwarz, Grau und Weiss und damit die Atmosphäre des abschliessenden Bildes. In der Farbfotografie werden die grössten dramatischen Effekte durch das Nebeneinanderstellung konträrer Farben erreicht. Die Farben müssen auf der Farbskala möglichst weit voneinander entfernt sein, zum Beispiel Rot und Grün oder Orange und Blau.

Perspektive oder Standpunkt

Ein weiteres Element, welches in Betracht gezogen werden muss, ist die Art und Weise, wie der Fotograf die Position seiner Kamera in Bezug auf das Motiv wählt. Der Fotograf kann das Motiv von oben fotografieren, von einem Kran oder Flugzeug aus. Dadurch kann er grosse Gegenstände klein erscheinen lassen. Fotografieren aus diesem Winkel, also aus der Vogelperspektive, erzeugt beim Betrachter ein überlegenes oder beschützendes Gefühl gegenüber dem Motiv.

Bildsprache Vogelperspektiive

Highway and der Ozeanküste aus der Vogelperspektive (@pixabay, pexels.com)

Eine Position auf Augenhöhe bewirkt eine tiefere Verbindung zwischen dem Betrachter und dem Motiv. Diese Perspektive erzeugt die Illusion, dem Motiv direkt gegenüberzustehen. Die Perspektive der Augenhöhe wird in der Porträtfotografie meistens verwendet, weil sie auf einfache Weise das Gefühl von Identifikation und Vertrautheit vermittelt. Wenn aus der Froschperspektive, also von unten fotografiert wird, befindet sich der Betrachter in der Position eines Insekts. Dies ist die bevorzugte Perspektive von Fotografen, die das Gefühl von Verletzlichkeit oder Furcht wecken wollen. Aus dieser Sicht erscheinen selbst normale Motive einschüchternd. 

Wenn du Thema, Kontrast, Fokus, Perspektive und Komposition betrachtest, kannst du bestimmte Rückschlüsse über den Inhalt eines Bildes ziehen. Indem du dich auf die Elemente der Bildsprache des Fotografen fokussierst, kannst du das Bild wie ein Buch lesen. So entdeckst du, was der Fotograf ausdrücken will. Ein Motiv kann um des Motivs willen fotografiert worden sein. Ein Bild kann eine grössere Geschichte über eine bestimmte Gegend oder Gesellschaft erzählen. Es kann darauf abzielen, eine Gefühlsregung zu provozieren oder eine Idee zu vermitteln. Ohne Rücksicht auf die Motivation, nur indem wir uns die Zeit nehmen die verschiedenen Elemente eines Bildes zu verstehen, werden wir seine wahre Botschaft entdecken.

Was bedeutet visuelle Gestaltung?

Unsere Fotoausrüstung

Du fragst dich mit welcher Ausrüstung wir fotografieren? Hier findest du unser Equipment.

Ausrüstung anzeigen

Visuelle Gestaltung klingt wie eine schicke Umschreibung für die Komposition. Aber tatsächlich ist sie deren Steigerung. Es geht dabei nicht nur darum, dass alles sauber ausgerichtet ist und der Drittelregel entspricht. Vielmehr geht es darum, mit dem Fluss und der Dynamik der Bildelemente zu spielen. Ich möchte hier darum die Nuancen und Werkzeuge besprechen, die du verwenden kannst, um deine Komposition zu verbessern und das maximal Mögliche aus jeder Szene zu machen.

In der Vergangenheit kam es immer wieder vor, dass ich eine Fotografie betrachtete. Und dabei konnte ich fast den Wind in der Szene fühlen, oder die salzige Luft des Ozeans riechen. Eine wunderbare Bildsprache. Der Fotograf hatte das Bild in einer Art und Weise aufgenommen, die bei mir Erinnerungen weckte. Erinnerungen an ähnliche Szenen, die ich tatsächlich erlebt hatte. Auf einem sehr hohen Niveau reagieren Menschen auf Bilder auf einige wenige Arten.

Wasserfall mit Sonnenuntergang

Wasserfall im Sonnenuntergang (@Sachin C Nair, pexels.com)

Fotografien wecken Emotionen, Erinnerungen oder Gefühle dadurch, was der Betrachter im Bild sieht. In vielerlei Hinsicht ist die Wahrnehmung des Betrachters seine Realität. Wenn das Bild einen geliebten Menschen zeigt, wird der Betrachter sofort mit Erinnerungen an diese Person überflutet, seien sie nun gut oder schlecht. Diese Erinnerungen können starke Emotionen auslösen. Die Reaktion auf das Bild kann durchaus heftig ausfallen, abhängig von der ausgelösten Emotion. Dasselbe gilt für Szenen von Landschaften oder Meerlandschaften und Stränden. Das Ziel jedes Fotografen sollte es sein, die Szene visuell anhand der Bildsprache auf eine Weise zu übersetzen, dass sich der Betrachter persönlich angesprochen fühlt oder aber sogar an diesem Ort sein möchte.

Das Ziel lautet hier, deine Wahrnehmung in der Komposition zu ändern. Du musst dich von den gedanklichen Einschränkungen der Drittelregel lösen und neue Wege öffnen, um die Möglichkeiten des visuellen Designs zu erkunden. Verstehe mich nicht falsch! Ich möchte nicht unterstellen, die Drittelregel sei falsch. Sie ist ein relevantes und nützliches Werkzeug. Ich sage nur, dass sie nicht das einzige zur Verfügung stehende Mittel darstellt. Zudem musst du auch einen Weg finden, um deine ganz eigene Bildsprache und deinen unverkennbaren Bildstil zu finden. Wenn du alle Regeln zu 100% einhältst, wird dies ein schwieriges Vorhaben.

So wird dein Bild spektakulär!

Licht, Farben und Formen spielen alle eine integrale Rolle im visuellen Design. Die Verwendung dieser Werkzeuge ist eine gute Ausgangslage. Aber jetzt diskutieren wir einige Details, die uns zu wirkungsvolleren Entscheidungen im visuellen Design führen werden. Die Idee ist hier, dein gutes Bild wirklich spektakulär zu machen. Die nachfolgenden zusätzlichen Elemente zählen hier dazu:

Form ist sehr nahe an Gestalt, aber in diesem Kontext der Bildsprache beziehe ich mich auf die Form eher in einem dreidimensionalen Sinn. Die Form wird erweitert, wenn die Gestalt des Motivs durch seitliches Licht hervorgehoben wird. Wenn die Sonne einen runden, polierten Felsblock von der Seite beleuchtet, wird die runde Form des Felsens zur Geltung gebracht. Dies vermittelt dem Betrachter mehr Informationen über das Motiv. Seitliches Licht hebt auch die Struktur des Motivs hervor. Dies ist ebenfalls eine Schlüsselinformation über das Motiv. Mit seitlicher Beleuchtung kannst du die Gestalt und Form des Motivs in einer Art und Weise zur Geltung bringen, dass der Betrachter die dreidimensionalen Aspekte fast spüren kann. Das ist ein wirklich mächtiger Ansatz, um visuell zu kommunizieren.

Holzmaserung eines Baumstammes

Holzmaserung eines gefällten Baumes (@FWStudio, pexels.com)

Wenn du in deinem Bild Form und Struktur wirklich herüberbringen willst, ist die seitliche Beleuchtung dein bester Freund. Weiches seitliches Licht ist umso besser. Ganz wichtig dabei ist die Erkenntnis, dass seitliche Beleuchtung die Dimensionalität deines Bildes verstärkt. Probiere es bei deiner nächsten Exkursion aus. Beobachte, woher die Sonne scheint und schiesse ein Bild des Motivs mit der Sonne über deiner Schulter. Bewege dich dann zu der einen Seite des Motivs und schiesse ein weiteres Bild. Das Ergebnis wird dich überraschen. Und wenn du das im weichen Licht des Sonnenaufgangs oder Sonnenuntergangs machst, werden die Resultate noch erheblich besser werden.

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