Analoge Fotografie – Grundlagen und Tipps

Die analoge Fotografie erlebt den zweiten Frühling! Viele Fotografen entdecken die Analogfotografie neu, was aktuell einen regelrechten Trend auslöst. Worin liegt der Reiz in der analogen Fotografie? Im Jahr 1888 wurden die ersten Rollfilme industriell hergestellt. Heute, rund 128 Jahre später, stecken wir schon mitten im digitalen Zeitalter mit weitaus mehr Möglichkeiten. Trotzdem hat auch die alte Technologie gehörige Vorteile, welche dich bestimmt überzeugen werden.

 

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Analoge Fotografie – 128 Jahre zurück

Wir versetzen uns zurück ins Jahr 1888, in welchem die ersten Rollfilme für die analoge Fotografie das erste Mal industriell hergestellt wurden. Ich bin ja der absolute Geschichts-Freak, daher freue ich mich besonders, über dieses Thema zu schreiben. Damit du dich ebenfalls in die richtige Zeit einfühlen kannst, gibts hier ein erstes Foto aus dem Jahr 1888.  Dieses Bild wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer „Kodak 1“ aufgenommen. Mit 25 Dollar dazumal nicht gerade für jeden erschwinglich, aber immerhin doch günstiger als die bis anhin genutzten Falt- und Balgenkameras.

 

analoge fotografie jahr 1888

 

Aus heutiger Sicht war diese Kamera sehr primitiv. Von Belichtungsmessung oder integriertem Blitz keine Spur. Trotzdem konnte man – wie das Bild beweist – schon damals mit einer analogen Kamera und einem Handblitz sehr anschauliche Fotos machen. Chapeau an den unbekannten Fotografen.

 

 

Entwicklung der Analogen Fotografie bis zu den 1930ern

Innerhalb der nächsten rund 50 Jahre kam die Entwicklung nur langsam voran. Immerhin konnte man bald einmal den Film bei Tageslicht wechseln – der Einkapselung des Filmes sei Dank. Einige Dinge haben sich aber bewährt. So nutz man in der analogen Fotografie bis heute noch 35mm Filme. Ein grosser Sprung in der Technik wurde in den 1930er Jahre erzielt. Erstmals gelang es Kodak, eine analoge Kamera mit integrierter Belichtungsmessung, Blitzsynchronisation und Blendenautomatik zu bauen. Dass wir viele gute Bilder der nachfolgenden Kriegsjahre haben, verdanken wir also dem unersättlichen Erfindergeist der damaligen Zeit.

 

 

Der Reiz der Analogen Fotografie Heute

Ist man Nostalgiker, so braucht es keine Argumentation, warum man analog fotografiert. Denn wer das Alte liebt und schätzt, findet in der Analogen Fotografie Genugtuung. Wir leben in einer schnelllebigen, digitalen Welt. Eine negative Nebenerscheinung unseres Zeitalters ist wohl der weniger sorgsame Umgang mit unserem Hab und Gut, und natürlich der Umwelt. Alles kann schnell ersetzt werden. Jeder braucht immer die neusten Gadgets und Technologie. Wenns nicht funktioniert, wird eben etwas anderes gekauft. Man kann durchaus ein paar Parallelen dazu in der digitalen Fotografie finden. Ein Fotograf ist heute mit der digitalen Fotografie nicht gezwungen, sich eine Bildkomposition und die beste Perspektive im Voraus genau zu überlegen.

 

Diese Grafik veranschaulicht den Trend anhand der Anzahl der hochgeladenen Bilder auf Social Media. Heute wird alles fotografiert – meist schnell und unüberlegt. Im Jahr 2014 wurden gemäss dem Artikel von statista.com 1.8 Milliarden Bilder pro Tag hochgeladen. Tendenz: Steigend.

 

analoge-fotografie-vs-digitale-bildmenge

 

 

Eine solche Entwicklung wäre in der Analogen Fotografie nie möglich gewesen. In der Analogen Fotografie hat man nur eine bestimmte Anzahl Versuche, bis der Film voll ist. Es muss also klappen! Und genau darin liegt der Reiz der analogen Fotografie. Nicht verschwenderisch, sondern überlegt. Fotografiert man analog, so muss man sich von Anfang an detailliert mit dem Motiv und Lichtverhältnissen auseinander setzen. Genau beobachten und abschätzen. Test-Schüsse gibt es nicht. Man weiss erst nach der Entwicklung oder beim betrachten des Negativs, ob das analoge Bild gelungen ist. Genau darin liegt aber auch die Ruhe. Analog zu fotografieren bedeutet zu „entschleunigen“ – sich Zeit zu geben.

 

Abgesehen davon haben analoge Bilder einen gewissen Charme. Bilder im „Retro-Look“ sind genau so angesagt wie entsprechende Kleidung oder Möbel. Das beweisen auch die vielen Fotografie Apps auf den Smartphone, bei welchen die analog Filter hoch im Kurs stehen.

 

 

Ein gemütlicher DIA Abend

Viele von euch mögen sich noch daran erinnern. Die DIA-Shows in der Schule, oder Zuhause wenn der Grossvater voller stolz die Bilder seiner Enkel präsentiert. Das vertraute „klacken“ beim Wechsel der Bilder und der stockdunkle Raum schufen immer eine gemütliche Atmosphäre. Die analoge Fotografie entschleunigt also nicht nur beim Fotografieren, sondern auch bei der Präsentation der Bilder. Das Grauen vor einer 3-stündigen digitalen Ferien-Bildpräsentation des Bruders der Grosscousine kannte man damals noch nicht.

 

 

 

Analog fotografieren, oder doch digital?

Die Liste der Vor- und Nachteile der analogen gegenüber der digitalen Fotografie ist nahezu endlos. Diese beiden Aufnahmetechniken sind auch schlecht vergleichbar, da sie sich technisch stark unterscheiden und meist für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Die wichtigsten Punkte haben wir hier kurz zusammen gefasst:

 

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Die Vorteile der Analogen Fotografie

 

  • Eine analoge Kamera kann heute günstig auf dem Occassionsmarkt gekauft werden. In Deutschland besitzen immernoch 80% der Haushalte eine Analoge Kamera, weshalb der Markt auch nicht so schnell austrocknen wird.
  • Schwarz-Weiss Fotografie passt zur Analogen Fotografie wie die Faust aufs Auge. Ein Schwarz-Weiss Bild aus einer analogen Kamera wirkt authentisch, und oft realer und künstlerischer als aus der Digicam. Lerne in unserem Tutorial über Schwarz-Weiss Fotografie, wie du mehr Ausdruck in ein Bild bekommst.
  • Der Sucher. Im Gegensatz zu vielen mordernen digitalen Kameras haben analoge Kameras den Vorteil, dass sie immer über einen Sucher verfügen. Nervende spiegelnde Displays bei starker Sonne kennt ein analoger Fotograf nicht.
  • Die Grundlagen der Fotografie neu lernen – ein wichtiger Vorteil der analogen Fotografie. Die fehlende Technik unterstützt dich dabei, Situationen besser einschätzen zu lernen. Du wirst schneller ein Gefühl für die richtigen Kameraeinstellungen wie die Blende entwickeln, da man in der analogen Fotografie schlicht darauf angewiesen ist. Ein grosser Vorteil, auch wenn du später wieder digital fotografierst.
  • Künstlerisch bietet die analoge Fotografie viel Freiraum. Die Chance kopiert zu werden ist eher gering, wohingegen dies bei einem digitalen Bild mit Photoshop schnell einmal möglich ist.
  • Die Entschleunigung in der analogen Fotografie lässt mehr Raum für Kreativität. Bei einer digitalen Kamera liegt der Finger meist konstant auf dem Auslöser. Man will ja nicht den perfekten Moment verpassen und ist allzeit bereit. Hier ein Schnappschuss, da noch ein Lucky-Shot. Im Stress der schnellen Bilder verliert man schnell das Auge fürs Detail. Die Fotografie lebt aber von besonderen und einzigartigen Momenten. Mit der Bedachtheit, welche einem bei der analogen Fotografie auferlegt wird, kann man genau diese festhalten.
  • Analog-Kameras sind häufig kompakt und leicht, weshalb sie sich auch gut als Reisekamera eigenen.

 

 

Die Nachteile der Analogen Fotografie

 

  • Technisch unterliegt die analoge Fotografie klar der digitalen. Auf viele kleine technische Helfer muss verzichtet werden. Das Risiko, dass ein Bild nicht gut wird ( welches unbedingt gut werden muss) ist höher.
  • Zu unsicher in der Auftragsfotografie. Nur sehr erfahrene Fotografen der analogen Fotografen wagen es, Aufträge analog zu fotografieren. Es fehlt schlicht das schnelle Feedback. Ein kurzer Blick auf das gemachte Bild ist nicht möglich. Damit hat der Kunde auch keine Möglichkeit, laufend seine Wünsche zu äussern. Auch eine Hochzeit mit einer analogen Kamera zu fotografieren ist heikel. Was, wenn permanent zu wenig belichtet wird und alle Bilder zu dunkel sind? Du wirst es erst bei der Entwicklung merken. Zudem besteht (wenn auch nur ein kleines) Risiko, dass der Film auf dem Postweg oder im Labor beschädigt wird. Es gibt jedoch viele berühmte Fotografen, welche analog fotografieren.
  • Film muss eingeschickt werden, weshalb immer einiges an Zeit vergeht, bevor man seine Bilder endlich sehen kann. Die Entwicklung der Fotos im Labor kostet in jedem Fall, auch wenn das Bild nicht gelungen ist.

 

 

 

Digital fotografieren, aber analog denken

Es ist kein Geheimnis, wie man die Vorteile der Technik in der digitalen Fotografie mit der analogen Fotografie kombinieren kann. Viele Kundenwünsche und Arbeitsprozesse sind nun einmal auf Effizienz und digitale Verfahren angewiesen. Auf die Spiegelreflexkamera oder Systemkamera (deren Vor- und Nachteile du hier findest) muss nicht verzichtet werden. Trotzdem kann man die Denkweise der analogen Fotografie auf die digitale übertragen. Sorgfältiger arbeiten und sich Zeit nehmen werden sich Positiv auf das Befinden, um damit garantiert auch auf die Bilder auswirken.

 

 

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