102 Portrait­fotografie Tipps | Bessere Porträts fotografieren

Das ist die grösste Portraitfotografie Tipp Sammlung die je auf einer einzelnen Seite zusammengetragen wurde. Um diesen Artikel zu schreiben habe ich über 20 professionelle Portraitfotografen nach deren besten Portraitfotografie Tipps befragt. Nach stundenlanger Arbeit ist daraus nun ein kompletter Portraitfotografie Guide entstanden, welchen ich nun gerne mit euch teilen möchte.

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#1 Fotografiere Personen in ihrer natürlichen Umgebung

Manche Leute gehören einfach nicht in ein Fotostudio. Sie fühlen sich in einem Studio einfach nicht wohl, was sich definitiv in den Portraitfotos wiederspiegeln wird. Anstatt den Grossvater nun in einen dunklen Studio-Keller zu zwingen, fotografiere ihn bei einer Tätigkeit die er liebt. Anstatt ein Kind in schöne Kleidchen für perfekte Studioaufnahmen zu zwängen, fotografiere es auf dem Spielplatz und mache natürliche Momentaufnahmen.

#2 Fotografiere Kinder und Babys nie aus deiner Höhe

Knie dich hin oder lege dich auf den Boden, um Kinder und Babys auf ihrem Level zu fotografieren. Wir wollen ja nicht nur deren Köpfe von oben sehen wie sonst immer. Einen kompletten Guide zur Babyfotografie findest du hier. Im Gegensatz zur normalen Portraitfotografie gelten für Kinder und Babies nochmal ganz andere Spielregeln.

#3 Lass eine Person in den leeren Raum schauen

Platziere die Person auf einer Seite des Bildes und lass sie in die Leere (nicht in die Kamera) schauen. Die Portraitfotos erhalten einen ganz speziellen Charakter und teils ehrlichere Portraitfotos, als wenn sich jemand verkrampft um ein Lachen bemüht. Fenster eigenen sich wunderbar dafür.

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Bild von ajo_drea

#4 Bevorzuge natürliches Licht

Du hast kein teures Studio-Equipment, willst aber natürliche Portraits fotografieren? Normales (künstliches) Licht in einem Haus schmeichelt der Haut nicht gerade. Natürliches Licht, welches durch ein Fenster strahlt ist weich und diffus. Positioniere die Person neben einem Fenster, damit das Licht in einem guten Winkel auf das Model fällt. Das Model sollte nicht gerade aus dem Fenster schauen, sondern leicht angewinkelt. Mit wenig Aufwand kannst du also natürliche Portraits fotografieren, welche du mit Studioausrüstung nie hinbekommen würdest.

#5 Benutze nie den eingebauten Blitz

Egal wie schön dein Model ist, wenn du es frontal mit dem eingebauten Blitz fotografierst, wirkt die Haut sofort fahl und blass. Zudem verlierst du jegliche Tiefe und Kontur im Gesicht. Das passiert, weil das Blitzlicht perfekt in einer Linie mit der Linse steht. Wenn du mit Blitz fotografierst, dann am besten immer seitlich und entfesselt. Hier findest du eine Anleitung und Kamera Einstellungen fürs entfesselte Blitzen.

#6 Fotografiere nicht nur immer Gesichter

Portraitfotografie beschränkt sich nicht auf das Gesicht. Fotografiere mal die kleinen sandigen Füsse eines Kindes das im Sandkasten spielt, die Hände deiner Grossmutter oder das Auge eines Freundes. Manchmal sprechen die kleinen Dinge Bände! Tipp: Arbeite mehr mit dem Makro-Objektiv. Hier findest du ein paar Makro-Objektive. Alternativ kannst du es mit günstigeren Nahlinsen versuchen.

 

#7 Überbelichtung wagen

Normalerweise suchst du als Fotograf immer die perfekte Belichtung. Das Portraitfoto extra zu hell zu fotografieren ist aber weit verbreitet und eine wundervolle Technik in der Portraitfotografie um deinem Bild einen cleanen und einfachen Look zu geben. Das nennt man dann High-Key Fotografie, aber das weisst du sicher schon.

portraitfotografie high key

Bild von Stefanie Etter

#8 Versuche total verrückte Dinge

Du willst coole Bilder von einer Freundin in ihrem Abschlussball-Kleid? Wirf sie in einen Pool – natürlich mit voller Bekleidung. Willst du süsse Babyfotos? Positioniere sie in einer kuschligen Kiste und ziehe ihnen Kleider an die 5 Grössen zu gross sind. Sei kreativ – versuche was anderes.

#9 Winke und unterbreche nicht laufend

Nichts ruiniert einen Moment während einer Familienportrait Session mehr, als wenn du dauernd dazwischen rufst. «Hey Paul, schau mal in die Kamera!» beeinflusst nicht nur Paul, sondern alle Anwesenden – und schon ist dein Portraitfoto zerstört. Ich mein damit nicht, dass du nur Schnappschüsse schiessen sollst. Wenn du die Person aber sowieso ansprichst und den «Flow» des Shootings damit unterbrichst, dann kannst du den Unterbruch auch gleich für richtige Posing-Anweisungen nutzen.

#10 Hohe und Tiefe Winkel richtig einsetzen

In Portraitfotografie Tipp #2 habe ich erwähnt, dass du Kinder nicht von oben herab fotografieren solltest. Der Grund ist ja einfach, dass Kinder sowieso schon klein sind und durch das «von-oben-herab-fotografieren» nicht noch kleiner gemacht werden sollten. Gleichermassen kannst du also eine Person grösser und stärker wirken lassen, indem du sie von unten fotografierst. Michael Jordan von oben zu fotografieren würde also keinen Sinn ergeben, denn als Sport Star soll er ja eben kräftig und gross inszeniert werden. Am Schluss gilt auch in der Fotografie: Alles eine Frage des Blickwinkels und der Perspektive. Hier findest du alle unsere Tipps zu Kamera Perspektiven, du wirst dich wundern, wie sich die Bildwirkung verändern wird.

#11 Wenn eine Person ausdruckslos ist, nimm eine weitere dazu

Immer wenn ich eine Person fotografiere die etwas kamerascheu ist und wenig Ausdruck im Gesicht hat, nehme ich eine zweite Person hinzu. Damit kann eine Unterhaltung entstehen. Ein Beispiel. Kinder zum Lachen zu bringen kann schwierig sein wenn kein Elternteil in der Nähe ist. Diese Technik funktioniert hier genau gleich wie bei Erwachsenen. Wenn eine Person ein wenig unbeholfen und scheu wirkt, starte selbst ein Gespräch (oder nimm jemanden hinzu) und fotografieren dann die besten Ausdrücke.

#12 Zähne mit Photoshop richtig aufhellen

Für eine lange Zeit habe ich die Zähne durch eine bessere Belichtung (exposure) mit dem Pinsel aufgehellt. Mit dem Resultat war ich aber nie richtig zufrieden. Glücklicherweise hat mir ein Fotograf den Tipp gegeben, dass man bessere Resultate erzielen kann, wenn man mit der Helligkeit (Brightness) statt der Belichtung arbeitet. Und siehe da! Praktisch über Nacht hat sich meine digitale Zahnaufhellung drastisch verbessert. Versuche es selbst!

#13 Kontrast je nach Kleidung schaffen

Kürzlich habe ich ein Verlobungsshooting durchgeführt, bei welchem das Paar sehr helle Kleidung getragen hat. Die zukünftige Braut trug helles Pink und der Mann ein hellblaues Shirt. Diese Farben erregen zweifelsfrei die Aufmerksamkeit des Betrachters. Um einen guten Kontrast zu schaffen, habe ich einen dunklen Hintergrund gewählt. Als erstes eine alte graue Backsteinwand und als zweites einen dunklen, unscharfen Hintergrund. Die Resultate waren perfekt! Natürlich kannst du das ganze auch umgekehrt anwenden. Falls dein Model dunkle Kleider trägt, dann positioniere es vor einem hellen Hintergrund um möglichst klare Konturen und Kontraste zu erhalten. In diesem Zusammenhang hilft dir vielleicht auch unser Wissen über Farbräume.

#14 Du fotografierst immer nur die Hälfte!

Nein, ich meine damit nicht, dass du eigentlich doppelt so viele Portraits fotografieren könntest. Ich meine damit, dass ein Model nicht nur eine Vorderseite hat. Fotos vom Model welches von der Kamera wegläuft (oder eine sonstige Pose von hinten) kann genauso einzigartig sein wie ein klassisches Portrait von vorne.

portraitfotografie perspektiven hinterkopf

#15 Kenne die spätere Anwendung vor dem Shooting

Wie wird dein Portraitfoto später verwendet? Die meisten Bilder werden ohne bestimmte Verwendung erstellt und einfach generell betrachtet. Manche Bilder eignen sich je nach Verwendungszweck besser im Hoch- oder Querformat. Wenn du z.B. ein Shooting für ein neues Profilbild auf Facebook oder LinkedIn machst, eignet sich das Hochformat besser. Wenn du ein Paar für eine Hochzeitsanzeige fotografierst, passt das Querformat vermutlich besser und es bleibt genug Platz für Text neben dem Paar.

#16 Gesicht des Models nie gegen die starke Sonne richten

Beim Fotografieren bei starker Sonne (vor allem um die Mittagszeit) sollte das Model das Gesicht nicht gegen die Sonne gerichtet haben. Das heisst, nicht in die Sonne schauen. Warum? Das harte Licht wirft unvorteilhafte Schatten auf das Gesicht. Zudem kneifft das Model zwangsläufig die Augen zu. Der beste Weg, um am Mittag Portraits zu schiessen ist, wenn das Gesicht von der Sonne abgewendet wird – also im Schatten ist. Als Fotograf kannst du entweder mit einem Reflektor arbeiten oder entsprechend überbelichten, damit das Gesicht immer noch genug hell und ausgeleuchtet ist. Das gilt natürlich auch wenn du ein Model vor dem Sonnenuntergang fotografierst.

 

#17 Spotmessung ist dein bester Freund

Wenn du dich mit dem manuellen Einstellen der Belichtung nicht wohl fühlst, dann nutze unbedingt die Spotmessung. Mit der Spotmessung setzt du das Messfeld (den Messpunkt) einfach auf das Gesicht des Models, um die optimale Belichtung zu erhalten. Den Hintergrund dann noch etwas überbelichten und schon gelingt ein tolles Portraitfoto. Für manche Fotografen ist die Spotmessung die bessere Option als die Belichtungseinstellungen manuell vorzunehmen.

#18 Gel auf den Blitz

Bei Aufnahmen in schlechten Lichtverhältnissen (oder wenn du einen wirklich leistungsfähigen Röhrenblitz nutzt), kannst du ein oranges Gel auf deinen Blitz auftragen damit das Licht was auf die Person trifft… naja, orange ist. Danach passt du deinen Weissabgleich an (ich mache das meistens später in Lightroom), damit das Motiv neutral aussieht und der Hintergrund sich etwas in blau färbt. Wenn du noch nie von «geling» eines Blitzes gehört hast, wirst du überrascht sein, dass das Gel nicht „geleeartig“ in der Konsistenz ist. Es ist nur ein transparenter, gefärbter Kunststoff. So ein «Gel» kannst du für ca. 30 Euro kaufen (dieser passt auf die meistens Blitze). Diese Gels eigenen sich auch sehr gut zum Experimentieren und damit einzigartige Bildwirkungen zu erzielen.

 

portraitfotografie gel farbfilter

#19 Erst Composing festlegen und dann fokussieren, nicht fokussieren und dann re-composen

Könnte dieser Tipp noch verwirrender sein? Wahrscheinlich nicht. Was ich meine ist, dass du immer zuerst ein Bild/Composing im Kopf haben solltest, bevor du das Motiv entsprechend in den Fokus nimmst. Damit sparst du einiges an Zeit. Wenn du zuerst den Fokus setzt (z.B. auf ein Auge), musst du nachträglich den Bildausschnitt korrigieren. Damit kann sich der Fokuspunkt wieder verschieben und du beginnst von vorne. Also immer zuerst Bildausschnitt wählen, dann fokussieren.

#20 Models entspannen sich sofort mit einem kleinen Requisit

Modeln kann echt beängstigend sein. Nur du gegen den Typen mit der gigantischen Kamera. Wenn ich sehe, dass sich ein Model während dem Shooting unwohl fühlt, suche ich sofort nach einem kleinen Requisit. Das kann irgendetwas sein. Pflücke eine Blume und gib diese dem Model oder der Braut, verteile Kaugummis an einem Paarshooting damit farbenfrohe Blasen entstehen, gib einem Kind ein Spielzeug. Etwas in den Händen zu halten oder sonst etwas aktiv zu werden wirkt bei vielen Menschen sehr beruhigend. Du musst das Requisit nicht einmal zwingend im Bildausschnitt haben (obwohl es meistens doch cool aussieht). Hier kannst du mehr darüber lesen, wie du dein Model motivierst.

#21 Buche ein «echtes » Fotoshooting

Entgegen der landläufigen Meinung, sind Models auch Menschen und keine Objekte. Genau wie du als Fotograf, werden auch sie gerne für ihre Aufwände entschädigt. Ein TFP Shooting ist zwar eine nette Möglichkeit um neue Dinge auszuprobieren und zu experimentieren – sollte aber nicht die Regel sein. Denn auf lange Sicht können die TFP Shootings nicht nur dem Model, sondern auch dir als Fotograf schaden. Wer soll denn in der Branche noch Geld verdienen, wenn jeder immer alles gratis macht? Der Trend geht aktuell soweit, dass jeder der einfach einmal Portraitfotos von sich möchte einfach zuerst mal von TFP spricht. Aus meiner Sicht tut dies dem Markt nicht sonderlich gut. Zudem hat ein «entschädigtes» Model den Vorteil, dass genau deine konkreten Ideen umgesetzt werden, und das Model auch liefern muss! Hier auf pixolum findest du Models aus jedem Bereich.

#22 Kaufe dir ein paar Schals

Meine Freundin, Karin, hat mich auf diesen Tipp aufmerksam gemacht. Sie meint, es sei ein wunderbares Styling Element für Frauen bei einem Portrait Fotoshooting. Ich glaube eher sie erhofft sich durch meinen Kauf den einen oder anderen Schaal abzubekommen =) Nein ernsthaft – in der Vergangenheit habe ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Für wenig Geld kann man sich schon ein Set mit Uni-Farbigen Schals bestellen. Diese wirken dann sehr gut, wenn das Modell (die Dame) z.B. nur ein weisses Shirt und Jeans trägt. Ich persönlich finde, dass sich die Schals vorallem bei gereifteren Personen sehr gut machen. Jüngere Personen sind flinker und wechseln ihre Outfits in wenigen Sekunden. Bei der älteren Kundschaft kann mit verschiedenfarbigen Schals ohne grosses Umziehen schon einiges an Abwechslung ins Bild gebracht werden.

 

#23 Die schlechteste Methode, um einen „ehrlichen“ Ausdruck vom Model zu erhalten

Wann immer ich ein Portrait Shooting mache, versuche ich immer einen Assistenten dabei zu haben der mir hilft, das Model in die richtige Pose und zum Lachen zu bringen. Damit kann ich mich voll aufs Fotografieren konzentrieren. Die Schattenseiten? Ich rege mich immer auf, wenn der Assistent etwas sagt wie «Du siehst so steif aus! Bleib mal locker!» Oh Mann! Zudem habe ich es schon erlebt, dass der Assistent dem Model gesagt habe, es sähe so nicht gut aus… grosser Fehler, der Schuss geht in 100% der Fälle nach hinten los. Du solltest die Model Motivation also vor dem Shooting mit dem Assistenten besprechen.

#24 Framing auf kreative Art verwenden

Lass dein Model durch ein Fenster schauen oder lass es an einem Türrahmen anlehnen – und schon wird deine Portrait Komposition viel ausdrucksstärker und interessanter. Versuche diese diese Technik auch in der Babyfotografie, indem du das Baby durch die Stäbe der Krippe in die Kamera blicken lässt. Auch mit Erwachsenen habe ich das schon ausprobiert indem sie an einem Set durch Gefängnisstäbe gucken – es ist aber nicht der gleiche schmeichelhafte Effekt wie bei einem Baby.

#25 High-Key und Low-Key ausprobieren

Ein High-Key Bild (überbelichtetes Foto) kann für einen sauberen und hellen Look sorgen. Das gleiche Modell mit derselben Pose kann aber mit Low-Key furchtsam, launisch und geheimnisvoll dargestellt werden. Lerne die Menge des Lichts zu kontrollieren und gezielt so zu dosieren, um grosse Unterschiede in der Bildwirkung zu erzielen. Nur mit Licht kannst du verschiedene Gefühle beim Betrachter des Portraitfotos auslösen. Versuche allgemein vermehrt mit dem Histogramm zu arbeiten.

#26 Sei nicht stiefmütterlich!

Viele Portraitfotografen würden gerne mehr raus um sich fotografisch komplett auszutoben. Oft sehen sie aber nicht die Möglichkeit, genügend geeignete Modelle zu finden. Glücklicherweise kann aber jeder Mensch ein Portraitmodell sein. Suche nicht ewig nach dem perfekten Model, sondern gönne dir die Herausforderung mit einem Fotomodel das auf den ersten Blick vielleicht nicht passend genug erscheint. Schon oft ist es vorgekommen, dass ein Model kurzfristig abgesagt hat. Habe ich mich da zusammengekauert in eine Ecke gesetzt? Ja, aber aus einem anderen Grund. Letztendlich bin ich einfach auf die Strasse gegangen und habe fremde Leute angesprochen, ob sie eventuell spontan Lust auf ein Shooting hätten. Die Resonanz war echt grossartig und ich habe an diesem Tag viel besseres Bildmaterial kreiert als ich mir das mit dem gebuchten Model je hätte vorstellen können. Also, geh raus!

#27 Nutze Ultra-Weitwinkel Objektive für coole Perspektiven

Portraits mit einem Ultra-Weitwinkel Objektiv zu schiessen kann zu ernsthaften Problemen führen. Jedoch nur, wenn man nicht weiss wie es richtig geht! Weite Linsen verzerren in der Regel die Gesichtszüge, dieses leidige Thema kennst du bestimmt… Trotzdem kannst du damit richtig kreativ werden. Lies dazu unseren Artikel über Weitwinkel-Portraits oder nutze ein Fish-Eye Objektiv und schau was passiert. Ich bin mir sicher, dass du damit einzigartige Portraits schiessen wirst!

 

#28 «Warmer» Blitz für Sonnenuntergang Portraits

Portraits bei Sonnenuntergang gehören zu den Lieblings-Sujets unter Potraitfotografen, aber nur wenige machen es richtig. Ein Sonnenuntergang hat nicht die gleiche Farbtemperatur wie Tageslicht. Das Licht der untergehenden Sonne ist warm, rot, gelb und lila. Kaufe dir einen Gel (wie in #18 beschrieben) und wärme den Blitz damit auf, um die Natürlichkeit des Bildes zu erhalten.

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#29 Kleine Blende bei Ganzkörperportraits

Ich bin fast täglich schockiert wenn ich sehe wie viele Fotografen nicht verstehen, dass die Blende nicht die einzige Kamera-Einstellung ist, die Einfluss auf die Tiefe des Bildes hat. Dazu gehört zum Beispiel die Brennweite, die Grösse der Linse (Wahl des Objektivs), der Abstand zum Motiv, der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund und so weiter. Bei der Aufnahme eines Ganzkörperportraits ist der Fotograf offensichtlich weiter weg vom Motiv. Das bedeutet, dass die Tiefenschärfe viel tiefer ist. Beachte also, dass du eine weit tiefere Blendenzahl (offenere Blende) brauchst, um einen unscharfen Hintergrund zu bekommen. Um eine flache Tiefenschärfe für Ganzkörperportraits zu bekommen, solltest du einmal das 85mm f1.8 für Nikon oder das 85mm f/1.8 Objektiv von Canon ausprobieren.

#30 Gegenlichtblende / Streulichtblende richtig einsetzen

Viele Fotografen fotografieren nie ohne Streulichtblende. Kann man so machen, ist aber nicht immer notwendig. Sicher ist aber, dass wir auf unseren Fotos unschöne Reflexionen und stellenweise Überbelichtung vermeiden wollen. Bei starker Lichtverschmutzung oder Sonneneinstrahlung können die Bilder schnell fahl wirken. Vorallem in der Outdoor-Fotografie empfiehlt sich also eine Streulichtblende, um den Kontrast auf den Bildern möglichst hoch zu halten.  Weitere Gegenlichtblende-Tipps findest du hier.

#31 Schlag für Spaßportraits jeden Horizont in den Wind

Landschaftsfotografen achten typischerweise recht pingelig auf perfekt waagerechte Horizonte. Sie würden wahrscheinlich sofort losheulen, wenn sie diesen Tipp lesen. Doch der Komposition eine schöne Neigung zu geben, kann ein vergnügliches und einzigartiges Portrait hervorbringen. Ich habe einen geeigneten Hintergrund in drei verschiedenen Fotostrecken mit Senioren verwendet. Und siehe da, alle Senioren haben sich für das geneigte Bild entschieden. Das ist ein Favorit der Kunden, auch wenn manche Fotografen denken, dass es ein Klischee darstellt.

#32 Fokussiere bei der Aufnahme von Gruppenportraits immer auf die Person, die der Kamera am nächsten ist

Du wirst es bereuen, wenn du das nicht tust. Wenn nicht, wird die vorderste Person aus dem Fokus herausfallen – auch wenn du eine leicht weitere Blende benutzt. Vertrau mir in diesem Punkt.

#33 Fokus Variation – Bildschärfe hat höchste Priorität

Die Person auf dem Portraitfoto (oder zumindest ein Teil von ihr) sollte perfekt scharf sein. Es gibt nichts schlimmeres, als wenn man als Betrachter einfach keinen scharfen Punkt auf dem Portrait findet, an welchem man sich orientieren kann. Es gibt verschiedene Techniken für scharfe Bilder. Eine davon ist das Focus Stacking, kennst du dich damit schon aus?

portraitfotografie fokus variation

#34 Sichere dir die Freigabe des Models!

Ich habe eine Sammlung dutzender über dutzender großartiger Portraits, die ich nicht kommerziell nutzen kann, weil ich mir nie die Freigabe des Models gesichert habe. Ich habe ein Schwarz-Weiß-Bild von einem obdachlosen Mann geschossen, das zu einem ziemlich berühmten Foto geworden ist. Aber es wird sein Dasein dabei fristen, auf meiner Festplatte zu verstauben, da ich es nicht verkaufen kann. Argh!!! Hier findest du unsere Tipps zu TFP Verträgen.

 

#35 Probiere der Einfachheit halber elektronische Model-Freigaben

Mein Leben hat sich vereinfacht, seit ich eine App auf mein Smartphone geladen habe die eine Freigabe der Models miteinschliesst. Portraitfotografie Kunden oder Models unterzeichnen, indem sie mit dem Finger auf meinem Smartphone schreiben. Es macht die Dinge für mich um einiges leichter! Zudem erhalte ich viel öfter eine Freigabe. Suche einfach “Model Freigabe” im Android oder iPhone App Store, um die für dich passende App zu finden. Ich bewahre außerdem ein paar Freigabepapiere in meiner Fototasche auf, da iStock und andere Mikrostock-Agenturen noch immer keine digitalen Modelfreigaben akzeptieren.

 

Die bekanntesten Apps dafür sind:

 

#36 Lerne die berühmte S-Pose

Jedes menschliche Wesen, das nur im Entferntesten als Portraitfotograf erachtet werden kann, muss die S-Kurve kennen. Diese Pose gehört zum absoluten Grundwissen in der Portraitfotografie. Das Model formt mit seinem Körper ein S. Am besten gelingt das, wenn die Füsse leicht versetzt, der Oberkörper etwas abgedreht und das Gesicht dann gerade nah vorne ausgerichtet wird:

s-pose s-kurve fotografie

Bildquelle: my3boybarians.com

#37 De-fokussiere das Motiv

Manchmal ist die Person der einzige Bestandteil in einem Portrait. Um Technik des „de-fokussierens“ anzuwenden, könntest du z.B den Hut der Person fokussieren. Oder die Person ein paar Schritte entfernt stehen und nach ihrem Hut greifen lassen. Oder du könntest dasselbe mit dem Spielzeug eines Kindes, oder mit den Stöckelschuhen einer Frau machen. So machst du spaßige und kreative Portraitfotos.

#38 Fülle das Bild

Zoome an das Gesicht der Person, an die Augen oder Hände heran. Fülle den Bildausschnitt, damit die spannenden Details des Motivs zu sehen sind. Damit sticht dein Portraitbild auch unter den Millionen von täglichen Schnappschüssen auf Facebook und Co. heraus.

#39 Kontrolliere die Schärfe der Wimpern

Mit einem Blick auf den Hintergrund deines LCD-Screens ist es schwierig festzustellen, ob deine Aufnahmen im Fokus sind. Ich prüfe die Schärfe jeweils, indem ich auf dem LCD an das Bild heranzoome um die Schärfe der Wimpern zu prüfen. Wenn du einzelne Wimpern ausmachen kannst, weißt du, dass du ein gestochen scharfes Foto vor dir hast. Die Wimpern sehen aus wie ein verschwommener schwarzer Fleck? Dann ist es nicht so scharf =)

#40 Besorge dir einen vertikalen Batteriegriff

Batteriegriffe sind lange Aufsätze, die sich an die Unterseite der DSLR festklemmen lassen und eine zusätzliche Batterie enthalten. Die zusätzliche Batterie sorgt durch das zusätzliche Gewicht für mehr Stabilität, wodurch deine Bilder weniger verwackeln. Wichtiger ist aber noch, dass sich am Batteriegriff ein zusätzlicher Auslöser befindet. In der Portraitfotografie ist das ein enormer Vorteil. Denn so kannst du auch Hochformat-Aufnahmen machen ohne dich total zu verrenken. Du gewinnst an Flexibilität und fängst sicher den einen oder anderen Schnappschuss zusätzlich ein, welcher sonst nicht möglich gewesen wäre.

 

Batteriegriffe sind üblicherweise ziemlich teuer (EUR 200+). Bei Amazon findest du aber einige zu einem guten Preis – eventuell auch Occasionen. Achte auf jeden Fall auf die Modellreihe deiner Kamera, damit der Batteriegriff / Akkupack auch sicher kompatibel ist. Für die gängigsten DSLR-Modelle kannst du dir bei einem Drittanbieter einen Batteriegriff für ungefähr 50 Euro besorgen, der ganz genauso gut ist wie der Batteriegriff einer namhaften Marke.

 

#41 Halte dich aus dem Gesicht des Models heraus

Letztes Jahr habe ich etwas unglaublich Dummes getan, während ich für eine Gesellschaft in Abendgarderobe fotografiert habe. Ich hatte mein 70-200mm f/2.8 komplett vergessen, sodass ich für Candids [offene Portraits] mit einem kurzen 50mm-Objektiv fotografieren musste! Um in dieser Situation mit einem 50mm-Objektiv eine vernünftige Nahaufnahme hinzubekommen, musste ich bis zu 1.5m nah an die Person heran. Das war ein Fehler. Jeder fror vor der Kamera ein und sah schrecklich beklommen aus, sobald ich ihnen mit meiner Kamera so nahe kam. Auf diese Weise habe ich nicht ein (1!) Candid anständig hinbekommen und das ruinierte die komplette Fotostrecke. Ich persönlich fotografiere die meisten meiner Portraits mit einem Objektiv von 100mm oder mehr. Es sei denn, es ist ein Ganzkörperfoto – dann tendiere ich zu 70mm Objektiven. Fazit: Rufe jemaden an, der dir dein Objektiv bringt falls du es vergisst.

#42 Benutze die richtige „Farbe“ des Reflektors

5-in-1-Reflektoren sind sowohl billig als auch unglaublich hilfreich für die Portraitfotografie. Dennoch kaufen die meisten Fotografen einen und haben keine Ahnung, wann die unterschiedlichen Seiten zu benutzen sind. Dann klären wir das jetzt einmal auf wann du welche Seite/Farbe verwenden solltest:

 

  • Durchsichtige/Durchlicht Seite: Eigentlich der optimale und gängigste Reflektor für die Portraitfotografie. Der diffuse Stoff sorg für gleichmässig verteiltes Licht. Also ideal für Outdoor Portraits.
  • Weisse Seite: Zu gebrauchen bei sehr starkem oder Studio-Licht
  • Silberne Seite:  Verwendet man wenn wenig Umgebungslicht vorhanden ist, oder eben ein grosser Bedarf an Licht besteht.
  • Schwarze Seite: Kannst du nutzen um das Licht zu reduzieren oder um Schatten zu werfen
  • Goldene Seite: ist bei warmen Fotostrecken wie z.B. bei solchen mit Sonnenuntergängen hilfreich.
  • PS: Dieses Reflektorset unten auf dem Bild bekommst du hier bereits unter 20 Euro.

wann welcher reflektor portraitfotografie

#43 Täusche dich nicht selbst…

…indem du denkst, dass du ein großartiges Portrait ohne starke Beleuchtung erreichen kannst. Dein Foto wird nicht besser sein als die Qualität des Lichts… Wenn das Licht also mittelmäßig ist, erwarte nichts Besseres als ein mittelmäßiges Foto.

#44 Sei du selbst und fotografiere, was du liebst

Ich denke es ist meistens unvorteilhaft, wenn Fotografen um jeden Preis seltsame Dinge ausprobieren um kreative Portraits zu erstellen. Mach Dinge, die du magst. Wenn du eher der ernsthafte Typ bist, ist das Fotografieren traditioneller Portraits in einem Studio vermutlich das Beste was du tun kannst. Bist du eher der lustige und flirty Typ, dann wird das Fotografieren von Models in einer Eisdiele oder beim Springen auf einem Trampolin wohl deine besten Arbeiten hervorbringen. Lass deine Fotos widerspiegeln wer du bist. Zeige den Menschen was für eine Art der Fotografie dein Herz brennt und deine Leidenschaft weckt.

#45 Nutze das richtige Werkzeug für den Job

Softboxen, Lichtformer, Schirme, und und und…. produzieren allesamt unterschiedliche Qualitäten von Licht. Viele Fotografen kaufen einfach einen und denken, weiches Licht sei gleich weiches Licht. Wie du nun ahnst ist dem aber nicht so. Das richtige Werkzeug ist entscheidend. So spielt z.B. die Wahl des richtigen Werkzeugs für das Abschwächen des Blitzlichts eine entscheidende Rolle und macht einen Riesenunterschied im Portrait.

#46 Hör auf, deine Fehler noch einmal zu erleben

Das erfordert Disziplin, aber es wird dir wahrscheinlich mehr dabei helfen deine Portraitfotografie weiter zu entwickeln als alle anderen dieser Tipps zusammen. Statt die schlechten Fotos einfach wegzuwerfen solltest du dich nach jeder Serie hinsetzen und eben auch die misslungenen Portraits analysieren. Warum liefs schief? Zu eifrig? Die Komposition vorher nicht im Kopf gehabt? Das Model schlecht vorbereitet? Umgebungslicht falsch eingeschätzt?

 

Fotografen haben die schlechte Angewohnheit lediglich ihre guten Aufnahmen zu studieren. Nimm dir die Zeit und lerne aus deinen Fehlern, denn sonst werden sie sich immer wiederholen.

#47 Motiviere dich mit einem Grossformatdruck

Es ist nicht gerade günstig, Fotos gross auszudrucken. Aber ich habe herausgefunden, dass es mich extrem motiviert, wenn ich immer wieder ein neues Foto an meiner Wand habe. Erstelle ein paar Drucke von deinen Portraits und du wirst motiviert sein, weiter zu machen. Außerdem denkst du jedes mal wenn du es ansiehst darüber nach, wie du es beim nächsten Mal ein kleines Bisschen besser machen könntest und deine Portraitfotografie auf den nächsten Level bringst.

#48 Halte dein Model warm

Es ist Sommer in der nördlichen Hemisphäre, aber eine Person in der Kälte stehen zu lassen, wird sich mit der Zeit zu 100% heimzahlen. Niemand sieht mit angefrorenen Ohren und einer roten Nase gut aus. Nimm bei Kälte also eine Decke mit und gönne dem Model ein paar Aufwärmpausen zwischendurch. Nimm auch extra Batterien mit, da Batterien im Winter/bei Kälte schneller leer sind.

#49 Eigne dir den Jargon an, wenn du mit Models zusammenarbeitest

Wenn du versuchst ein Model für deine Fotostrecke zu finden, wirst du lernen müssen, ihre Sprache zu sprechen. Sie beherrschen die Sprache des Geldes fließend, welche es einfach macht ein Model zu finden. Doch wenns um Portraitfotografie geht sagen Models auch so etwas wie TFP, was “Zeit für Drucke” bedeutet. Wenn ein Model sagt, dass er oder sie gewillt ist, eine TFP-Fotostrecke zu machen, bedeutet das, dass du das Model nicht bezahlst. Stattdessen wirst du es mit Fotos aus der Aufnahmestrecke entschädigen. Sehe dich auch vor Akronymen wie TFCD vor (im Grunde dasselbe wie TFP, aber dieses Mal wollen sie digitale Fotos). Oh und manchmal werden die Models richtig faul und sagen nur, dass sie eine TF-Fotostrecke machen wollen. Du kannst dir TF im Sinne von “Gib mir die Fotos und ich pose für umsonst” übersetzen.

#50 Befestige deine Kamera mit Superklebstoff an deiner Hand

Okay, tu das nicht. Aber es wird beim Aufnehmen der Fotos helfen, wenn du deine Kamera überall hin mitnimmst. 😉 Manchmal wirst du vielleicht einen interessanten, obdachlosen Menschen auf der Straße antreffen, den es zu fotografieren lohnt (ich mache das in der Tat recht regelmäßig). Oder du siehst einfach nur eine für die Straßenfotografie interessante Person.

Wow, noch hier? Weiter gehts mit Portraitfotografie Tipps Part II

#51 Halte dich für Straßenfotografie-Portraits incognito

Kameras sind überall – aber eine riesige Kameratasche mit sich herumzutragen schüchtert die Leute während der Straßenfotografie ein. Ich empfehle daher eine niedrig-profilierte Kameratasche für die Straßenfotografie. Diese Taschen sind gängige, von Straßenfotografen gewählte:

 

 

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#52 Bring eine “Rette den Schnappschuss”- Erste-Hilfe-Ausrüstung mit

Habe ein paar nicht-Fotografie-bezogene Dinge in deiner Fototasche dabei, die hilfreich sind, um eine Aufnahme zu retten wenn etwas schief läuft. Die Erste-Hilfe-Ausrüstung kann Sicherheitsnadeln für “Garderobendefekte”, Heftpflaster, eine Flasche Wasser und eine zusätzliche Batterie sowie Speicherkarte etc. beinhalten.

 

 

#53 Finde interessant aussehende Models

Es scheint so, dass Fotografen immer Models auswählen die ihnen ähnlich sehen. Aber jemanden ganz gegensätzlichen zu finden, kann deine Portraitfotografie wirklich bereichern. Ich bin nicht so sehr der Motorrad- oder Goth-Tattoo-Typ. Umso mehr faszinieren mich eben gerade die vielen Details dieser Personen. Diese Gegensätzlichkeit schürt mein Interesse an der Person und hilft mir, tolle Aufnahmen zu bekommen.

#54 Benutze natürliche Reflektoren

Beim Fotografieren am Strand wird sich der weiße Sand wie ein riesiger Reflektor verhalten, wenn das Model sich hinsetzt oder dem Sand nahe ist. Während des Fotografierens in der Stadt kann der Deckel einer silbernen Mülltonne ein Reflektor sein. Beim Fotografieren nahe dem Wasser kann das Wasser wie ein Reflektor wirken. Erinnere dich daran, dass die Sonne nicht die einzige Lichtquelle ist. Tatsächlich wirft manchmal das, von dem die Sonne reflektiert wird, mehr Licht auf das Motiv als das direkte Licht der Sonne.

#55 Warte auf einen bewölkten Tag

Nichts macht mich glücklicher als das Fotografieren von Portraits an einem bewölkten Tag. Es macht die Beleuchtung ebenmäßig und weich, da die Wolken als ein gigantischer Reflektor fungieren. Außerdem hält es etwas Sonnenlicht heraus, sodass ich das Licht der Umgebung mit meinem Blitzlicht ergänzen kann.

#56 Vergrabe den Lichtständer und benutze stattdessen einen Besenstiel

Wenn ich mit einem Assistenten fotografiere empfinde ich es als wesentlich einfacher, das Blitzlicht am Ende eines hölzernen Stockes zu befestigen, statt einen Lichtständer zu benutzen. Auf diese Weise kann der Assistent den Stock einfach nur halten, statt das Licht auf einem Ständer zu platzieren und sich den ganzen Tag über Sorgen zu machen, dass das Licht im Wind umkippt. Das bewirkt, dass man mit den anderen Sachen sehr viel schneller arbeiten kann.

#57 Schone deine Blitzlichter mit luftgepolsterten Ständern

Wenn du Ständer benutzt (da du keinen Assistenten hast oder im Innenraum fotografierst), gebe die zusätzlichen 30 Euro aus, um luftgepolsterte Lichtständer zu kaufen (oder zumindest mit Federdämpfung). Der kleine Unterschied ist, dass das Licht nicht herunterstürzt sobald du die Klammer löst oder an einem Rad drehst. So kannst du sorglos rumhantieren ohne den Verlängerungsstab festzuhalten. Es ist ohne Zweifel das zusätzliche Geld wert.

 

#58 Lege drei (oder mehr) Fotos in eine Reihe

Wenn ich Kinder fotografiere liebe ich es, durchgehend in Hochformat zu arbeiten. Urplötzlich stapeln sie einen Eimer Sand auf ihrem Kopf, stolpern oder machen etwas lustiges. Nimm dir diese drei oder vier Bilder und verbinde sie mit Photoshop zu einem kleinen Filmstreifen, um eine Kurzgeschichte zu zeigen.

 

 

#59 Lass das Model niemals auf dich warten

Nichts tötet die Spannung und die Energie einer Fotosession so sehr wie wenn das Model 10 Minuten darauf warten muss, bis der Fotograf die Lichter aufgestellt und die Kameraeinstellungen richtig vorbereitet hat. Bereite deine Ausrüstung schon bevor das Model auftaucht vor, um die Anfangsenergie optimal zu nutzen.

#60 Stelle einen Kontrast zwischen Kleidung und Umgebung her

Der Kontrast macht interessante Portraits aus. Fein oder vornehm gekleidete Paare bringe ich für das Shooting an einen alten, rustikalen Ort. Bei leger gekleidete Personen mag ich den Kontrast, wenn ich sie an einem förmlicheren Standort wie etwa einer Kirche oder in einem gepflegten Garten fotografiere.

#61 Leg dir ein passendes System für die Aufbewahrung deiner Speicherkarten zu

Portraitfotografen kehren von einer Aufnahmestrecke für gewöhnlich mit tausenden von Fotos heim. Höchstwahrscheinlich wurden mehrere Speicherkarten benutzt. Wenn du nicht sehr achtsam bist passiert es schnell, dass eine Karte mit Fotos von der Fotostrecke den Weg zurück in deine Kamera findet. Was wenn diese formatiert oder überschrieben wird? Besorge dir also ein System für den Ort, an dem du deine leeren Karten und wo du deine vollen Karten, die auf den Computer übertragen werden müssen, aufbewahrst.

#62 Wenn du deine Lektion bis jetzt noch nicht gelernt hast:

Pass auf den Hintergrund auf. Nichts ist schlimmer als ein toller Gesichtsausdruck des Models mit einem lausigen Telefonkabel oder einem Strommast, die den Betrachter ablenken. Eine wichtige Regel in der Portraitfotografie lautet: Kümmere dich erst um den Hintergrund, dann um das Model.

#63 Beleuchte von Hinten

Ein Blitzlicht hinter der Person aufzustellen oder die Sonne hinter ihr zu haben eignet sich perfekt, um das Model von dunklem Hintergrund abzuheben. Das gilt besonders dann, wenn die Person dunkle Haare hat und der Hintergrund ebenfalls dunkel ist.

#64 Lösche keine Fotos auf der Kamera

Besonders bei Portraits, wo kleine Dinge wie die Blickrichtung des Models und die eventuelle Fehlplatzierung irgendwelcher Haarsträhnen einen großen Unterschied machen wäre es verrückt, die Aufnahmen auf dem LCD zu beurteilen und zu löschen. Warte einfach, bis du die Fotos auf deinen Computer laden kannst bevor du darüber entscheidest, welche Fotos zu behalten und welche zu vernichten sind. Am PC sieht alles einfach nochmal anders aus.

#65 Wenn du ausversehen ein wenig zu viel Blitzlicht benutzt…

…kannst du es im Nachhinein in Ordnung bringen. Ich rede nicht davon, dass du dein Blitzlicht so hell angestellt hattest, dass sich deine Nachbarn beschwert haben. Vielmehr für denn Fall, wenn das Blitzlicht ein klein wenig zu heiß war. Wenn du in RAW fotografierst, kannst du die Helligkeitseinstellungen in Photoshop mit dem Plugin „Camera Raw“ oder gleich mit Lightroom anpassen. Viele Leute versuchen das, indem sie die Belichtungs- oder die Wiederherstellungseinstellungen verändern, aber ich erhalte für gewöhnlich beim Anpassen der Helligkeit die besseren Ergebnisse.

#66 Kaufe ein 50mm f/1.8 Objektiv

Das ist ein fantastisches Objektiv für 100 Euro! Wenn du keines besitzt, bist du verrückt. Hier ist ein Link zum Canon EF 50mm und hier ist ein Link zum Nikon 50mm (Vorsicht, Nikon-Nutzer, dieses 50mm besitzt keinen Fokus-Motor; solltet ihr also eine D3100 oder D5100 verwenden, wird sie nicht automatisch fokussieren. Das hier ist ein 50mm f/1.8 mit eingebautem Motor.). Achtet bitte auch auf das richtige Filtergewinde.

#67 Benutze Fenster als eine riesige Softbox

Um das Licht noch weicher zu bekommen, kannst du einen matten Plastikduschvorhang als Diffusor über das Fenster hängen. Das ist PERFEKTES Licht für diejenigen, die keine schicke Blitzlichtausrüstung besitzen!

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#68 Prophezeie voraus, wie die Leute miteinander umgehen

Das gilt vorallem, wenn du Candids [offene Portraits] aufnimmst. Candids sind eine echte Herausforderung in der Portraitfotografie. Schwierig aufzunehmen, es sei denn, du kannst schnell reagieren, wenn das Model den genau richtigen Gesichtsausdruck zeigt oder die genau richtige Bewegung macht. Verfolge immer aufmerksam was dein Motiv so macht, um die nächste Bewegung vorauszusehen. Die Person auf dem Bürgersteig wird ihre Hand heben und laut rufen, wenn ein Taxi vorbeifährt. Der Bräutigam wird lächeln, sobald die Braut den Kirchgang hinaufschreitet… das gegnerische Team wird niedergeschlagen wirken, wenn das Spiel endet und es verloren hat. Vorherzusagen was passieren wird kann dir dabei helfen, spontane Candid-Fotos mit dramatischen Gesichtsausdrücken hinzubekommen.

#69 Gruppenportraits – Köpfe auf unebene Linie bringen

Versuche beim Aufnehmen von Gruppenportraits die Köpfe auf eine unebene Linie zu bringen. Gruppenfotos sehen nie gut aus, wenn sich die Leute in perfekten Reihen aufstellen. Das nächste Mal wenn du eine kleine Gruppe wie etwa eine Familie fotografierst, versuche die Höhe ihrer Köpfe zu variieren. Damit schaffst du eine interessantere und natürlichere Komposition. Ich arrangiere das meist so, indem ich die Gruppe auf einigen großen Felsbrocken oder einem Hügel sitzen lasse. Achte darauf, dass sie eine unebene Linie bilden.

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#70 Abstand ist der Schlüssel zu Gruppenportraits

Es ist beinahe unmöglich, Leute in einem Gruppenportrait nah zusammen zu bringen. Die Leute fühlen sich durch mehr Abstand zueinander wohler. Aber ein Foto scheint sich immer zu verbessern, je enger die Gruppe zusammensteht. Motiviere die Leute zum kuscheln!

#71 KÜSSE dein Model

Okay, das war nur ein einschlägiger Titel um dich dazu zu verleiten, diesen Portraitfotografie Tipp zu lesen. Was ich damit sagen will, ist: Halte es schlicht und lass auch mal gut sein. Die ganze Zeit mit Softboxen und an der Kulisse herumzufummeln, wird das Foto nicht besser machen. Manchmal ist es das Beste, sich nur mit der Kamera, einem Objektiv und einer Person hinzusetzen und sich selbst zu sein.

#72 Lerne dein Motiv kennen

Dieser Portraitfotografie Tipp wird oftmals von Fotografen übersehen oder ignoriert. Jene besitzen aber um ehrlich zu sein noch nicht das Geschick ein Portrait zu machen, welches die Persönlichkeit des Menschen widerspiegelt; aber das ist absolut unerlässlich. Ich habe kürzlich Verlobungsfotos von meinem Schwager aufgenommen. Da ich weiß, dass er mehr der traditionelle Mensch ist, wusste ich bereits im Voraus welche Aufnahmen er mögen wird und welche nicht. Nimm dir die Zeit.

#73 Lange Nasen sollten direkt in die Kamera blicken

Um den ablenkenden Anblick von langen Nasen zu minimieren, fotografiere das Model direkt von vorn und mit leicht angehobenem Kinn. Das hilft dabei den Makel zu kaschieren und den Betrachter so dazu zu bringen, die Person ohne Ablenkung anzusehen. Vorausgesetzt natürlich, dass das Model die Kaschierung wünscht.

#74. Kenne deine Ausrüstung in- und auswendig

Der Gesichtsausdruck einer Person kann sich von einem Augenblick zum nächsten rasch verändern. Zu wissen, wie du deine Kameraeinstellungen ohne hinzusehen ändern kannst, verbessert deine Chance spezielle Momente flink einzufangen.

#75 Versuche die flache Seite der Hand nicht abzubilden

Hände können verwirrend und unnatürlich groß aussehen auf einem Foto. Vorallem wenn sie der Kamera in einem 90 Grad Winkel zugewandt sind. Weise dein Model an, die Hand leicht gewölbt und nicht frontal zur Kamera zu halten.

#76 Wähle die Posen vor dem Shooting

Erstelle eine Shooting Liste mit allen Posen die du gerne fotografieren möchtest. Oft hilft es sogar, ein paar Pose-Bilder von vorherigen Shootings auszudrucken. Damit bist du gut vorbereitet, trittst professionell auf und kannst die Energie des Shootings voll nutzen. Schwierigere Posen müssen trainiert werden. Sowohl vom Model als auch vom Fotograf. Nimm dir pro Shooting jeweils maximal eine schwierige Pose vor, für welche du etwas mehr Zeit einberechnest. Setz dich an einem freien Tag hin und verwende ein wenig Zeit darauf, dir kreative Posen auszudenken. Scheue dich nicht, neue Dinge auszuprobieren, denn deine Portraitfotografie lebt zu einem bestimmten Teil davon.

#77 Benutze einen Polfilter bei Brillenträgern

Polfilter (oder Polarisationsfilter) helfen Spiegelungen auf dem Glas oder glatten Oberflächen zu minimieren. Nichts ist schlimmer als von einem Shooting zurück zu kommen und zu merken, dass sich bei jedem Portraitfoto ein Glanz/Schimmern auf der Brille des Models/Kunden spiegelt.

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Schraube bei Brillenträgern einfach einen Polfilter auf dein Objektiv und die Sache ist grösstenteils gelöst. Hier findest du ein paar Polfilter. Achte auf das Filtergewinde, damit es auf dein Objektiv passt.

 

#78 Lerne, eher den Goldenen Schnitt als die Drittel-Regel zu berücksichtigen

Der Unterschied zwischen dem Goldenen Schnitt und der Drittel-Regel ist geringfügig. Aber ich finde, dass die Fotos oftmals viel natürlicher wirken, wenn ich das Auge der Person etwas mehr ins Zentrum rücke als der Drittel-Regel zufolge.

#79 Sei kein DSLR-Snob

Ich weiß, du kannst bessere Bilder mit deiner DSLR aufnehmen als mit deinem Handy oder deiner Kompaktkamera. Verpasse aber nicht die Gelegenheit, einen tollen Gesichtsausdruck oder einen schönen Moment einzufangen, nur weil du deine DSLR nicht dabei hattest. Fotografiere mit was auch immer du dabei hast. Übrigens.. kennst du schon die Unterschiede zwischen einer DSLR und DSLM?

#80 Erstelle eine Ausrüstungs-Liste und kontrolliere sie zweimal

Auch wenn du deine Ausrüstung schon tausendmal zusammengepackt hast, solltest du eine „Vor-dem-Shooting-Checkliste“ anfertigen wie Fluglinienpiloten sie verwenden. Und sie natürlich jedes Mal benutzen. Leere deine Fotografie-Tasche oder deine Weste und packe dann alles wieder an seinen ordnungsgemäßen Platz. Kontrolliere die Batterien, formatiere deine Karten um und probeknipse jede Kamera und Objektivkombination um sicherzugehen, dass du für alles bereit bist.

#81 Bring dich in die Fotografie ein

Geh nach draußen und fotografiere zusammen mit anderen Fotografen… nicht nur mit Leuten aus deinem Interessensgebiet, sondern mit jedem, der nach draußen geht. Achte auf ihren Stil, auf Pack-Tipps, auf ihre Ausrüstung, wie sie fotografieren, was sie fotografieren… und dann verbringe Zeit damit, am Tagesende auf alles zurückzublicken. Hoffentlich an einem Computer, aber sogar auf die LCD-Screens der jeweils anderen zu schauen kann eine große Hilfe sein. Ich lerne jedes Mal etwas Neues dazu, was mein Portraitfotografie Know-How weiter ausbaut.

#82 Denke so, als würdest du einen Film drehen

Manchmal ist es hilfreich, eine Tonne von Bildern aufzunehmen, um den perfekten Gesichtsausdruck einzufangen. Oder ist es doch besser, wenn man sich etwas bremst und in der Portraitfotografie methodisch vor geht? Beides hat seine Berechtigung, je nach Situation. Versuche aber tendenziell mehr methodisch vorzugehen, da der Lerneffekt damit einfach grösser ist. Richte jedes Bild perfekt her, bevor du den Auslöser drückst und nutze eine Belichtung. Denk nach und mach langsam.

#83 Halte Ausschau nach Gummi!!!

Ich musste lachen, als ich diesen Tipp von einem Portraitfotografen erhalten habe, weil ich dir gar nicht sagen kann wie viele Stunden ich in den letzten paar Jahren damit verbracht habe, Haargummis aus dem Portraitfoto zu photoshoppen. Die Kunden oder Models vergessen einfach immer, diese Dinger aus den Haaren zu nehmen. Tu dir den gefallen und weise das Model darauf hin, die Retouche wird dich sonst Stunden kosten…

#84 Es muss nicht alles makellos und hübsch sein

Zum Beispiel kann das Fotografieren eines Zweijährigen, der sich in einem Wutanfall auf den Küchenboden schmeißt tatsächlich eine tolle Aufnahme hervorbringen. Vorallem wenn der Fotograf von tief unten aus aufnimmt und der Zwerg auf einmal riesig erscheint. Genauso kann das Fotografieren eines komplett verschwitzten Kerls und verdreckten Kanisters zu einem dramatischen Schnappschuss beitragen. Suche nicht immer nur nach hübschem Zeug. Die Portraitfotografie beschränkt sich nicht auf hübsche Gesichter.

#85 Wenn du für Kunden fotografierst, schreibe ihre Namen auf eine Haftnotiz

…und befestige diese an der Rückseite deiner Kamera. Du kannst auch medizinische Klebestreifen benutzen und sie mit einem Marker beschreiben. Ich hasse es wirklich, wenn ich den Kundennamen mitten in der Aufnahmestrecke vergesse. Es ist sehr peinlich, im Weiteren sagen zu müssen: „Und… ehm… würdest du… ja, du… bitte deinen Kopf nach vorn drehen?“. Ein wirklich wichtiger Punkt. Professionell Portraitfotografie zu betreiben bedeutet sich zu organisieren.

#86 Dämpfe deinen Aufsteck-Blitz

Ich persönlich benutze den Gary Fong Blitzvorsatz um mein Blitzlicht zu dämpfen. Wenn ich zwecks Feier- oder Veranstaltungsfotografie im Innenraum fotografiere, ist dieser Aufsatz optimal. Er sorgt für schön verteiltes, warmes Licht. Aber es funktioniert ebenso gut mit Tupperware.

#87 Perfektioniere dein Aufsteck-Blitzlicht

Wo das erzielen eines perfekten Fotos mithilfe einer Softbox eine Menge Geschick verlangt, ist es gleichzeitig ziemlich schwierig mit einer Softbox ein SCHLECHTES Foto aufzunehmen. Kameraeigene (Aufsteck-) Blitzlichter sind gänzlich anders. Es braucht einiges an Übung, um damit etwas genau richtig aussehen zu lassen.

#88 Passe das Licht an, um tiefe Augenhöhlen auszuleuchten

Bei manchen Leuten liegen die Augen sehr tief im Kopf, weit weg von den Augenbrauen. Das führt oft zu tiefen Schatten unterhalb der Augen. Um diesem Problem zu entgehen, senke einfach die Lichter ein bisschen herab, sodass sie das Licht unter die Brauen werfen.

#89 Lerne klare Posing-Anweisungen zu geben

Es braucht viel Übung und Geduld bis du in der Portraitfotografie die richtige Art gefunden hast, deine Kunden einfach und verständlich in die Posen einzuweisen. Mit der Zeit wirst du lernen, wie du eindeutige Anweisungen gibst. Zum Beispiel sage ich den Kunden und Models häufig: „Zeige fürs nächste Bild keine Zähne, aber denk einfach dass du lachst, wenn du posierst.“ Der Kunde versteht diese Anweisung immer leicht. Andere Fotografen bitten den Kunden an warme Kekse zu denken, aber das ist viel viel viel zu abgedroschen für meinen Geschmack.

#90 Kenne die Tipps zum Verstecken von Falten

Wenn dein Motiv ein bisschen reifer ist und Falten oder tiefe Lachfalten hat, befolge diese Portraitfotografie Tipps:

 

  1. Benutze lieber mehr frontales Licht statt Seitenlicht
  2. Ziehe das Licht nah heran und nutze eine grosse Lichtquelle, um es ungewöhnlich weich zu bekommen
  3. Anstatt den Kunden lächeln zu lassen, befolge lieber Tipp #89 und lass sie einfach über das Lächeln nachdenken

#91 Wähle dein Model mit Bedacht aus

Ich muss immer lachen wenn ich die Models sehe, welche Fotografen für ihre kommerziellen Shootings aussuchen (z.B. iStock Portraitfotografie). Sie scheinen immer das „heißeste“ Mädchen auszusuchen das sie finden können, statt eine sympathisch aussehende Person zu engagieren, die attraktiv und nahbar aussieht. Die Wahrheit ist, dass manchmal das „heiße Mädchen“ auch irgendwie schäbig und… unnahbar wirkt. Wie viele Firmen kennst du, die eine unnahbare Person als Gesicht der Firma wollen? Nicht viele! Such dir jemanden aus, der attraktiv und nahbar ist – ein Model welches das „Mädchen von Nebenan“-Aussehen besitzt. Stöbere doch mal durch unsere Modelkartei.

portraitfotografie models finden

Bild: Das ist Sabrina, ein pixolum Model aus Düsseldorf

#92 Stell deinen Bildstil auf Portrait um – auch wenn du in RAW fotografierst

Canon nennt sie Bildstile und Nikon bezeichnet sie als Bildsteuerung. Wie auch immer man es nennt… die Art und Weise wie die Kamera ein Bild aufgrund des eingestellten Bildstils entwickelt, hat bedeutenden Einfluss auf das Foto. Vielen Fotografen wird beigebracht, dass der Bildstil keine Rolle spielt, wenn man im RAW-Format aufnimmt. Begründet damit, dass man später ja ohne Datenverlust alles ändern kann. Das stimmt aber nur zu einem Teil. Denn auf dem LCD wird das Bild bereits mit dem verwendeten Bildstil als JPEG angezeigt. Das beinflusst dich in der Art wie du das Bild belichtest und die Beleutung setzt. Da ich neben der Portraitfotografie hauptsächlich Landschaften fotografiere muss ich immer daran denken, zum Portraitbildstil zu wechseln wenn ich Menschen fotografiere. Andernfalls vermassle ich das Licht-Setting wenn ich auf Grund des Vorschaubildes meine, es bestehe ein zu starker Kontrast.

#93 Hör auf damit, blindlings zu schärfen

Es ist absolut notwendig, Portraits zu schärfen… und dann wieder nicht. Das Schärfen und die „Klarheit“ in Photoshop oder Lightroom nach oben zu schieben ist nicht dieselbe Sache. Dummerweise schärfen viele Fotografen weltweit ihre Portraits, indem sie die Unschärfe-Maske oder den „Schärfe“-Regler in Lightroom für das gesamte Bild benutzen. Portraitfotografie erfordert unbedingt ein selektives Schärfen. Augen und Haare sollten durchaus ein bisschen geschärft werden, doch die Haut sollte üblicherweise eher verwischt statt geschärft werden. Nimm dir die zusätzlichen 30 Sekunden für deine Portraits, um selektiv zu schärfen und du wirst eine deutliche Verbesserung in deiner Bildqualität erkennen.

#94 Probiere eine Silhouette aus!

Der beste Zeitpunkt für das Fotografieren einer menschlichen Silhouette ist, wenn die Sonne tief am Horizont steht und die Form des Models klar profiliert ist. Zum Beispiel wäre es der ideale Zeitpunkt für eine Silhouette, wenn kleine Kinder bei Sonnenuntergang den Strang entlang rennen.

#95 Beleuchte dein Motiv natürlich mit künstlichem Licht

In einigen meiner liebsten Portraits wurden andere Lichtquellen als ein Blitzlicht oder die Beleuchtung im Freien genutzt. Es gibt da eine Menge anderer „natürlicher“ Lichtquellen, die du für das Erzeugen einer dramatischen Stimmung in der Portraitfotografie nutzen kannst. Diese Art von Beleuchtung erzeugt eine Stimmung, die auf keinem anderen Weg erlangt werden kann. Folgende Beispiele:

 

  • Eine Kerze, die ein Person nahe an das Gesicht hält
  • Licht, das im Dunklen von einem Monitor abstrahlt und auf das Gesicht einer Person fällt.
  • Das Licht einer Strassenlaterne
  • usw usw…

#96 Wenn du HDR benutzen wirst, setze es klug ein

HDR Fotografie bringt neben tollen Effekten leider auch viele negative Effekte mit sich. Zum Beispiel erhöht HDR das Korn (nicht das Bildrauschen!), bringt Texturen hervor, erzeugt unnatürliche Farben und füllt in allem die Schatten. Unglücklicherweise sind all diese Dinge schlecht in der Portraitfotografie. HDR kann perfekt sein bei Portraits, wenn ein bestimmter Bildeffekt gewünscht ist – diese „Grunginess“. Ich kann mir das gut vorstellen für ein Schwarz-Weiss Foto eines bärtigen Mannes in einem Dritt-Welt-Land, die meisten Models wollen diese Texturen und Grunginess aber eben nicht. Doch manchmal wollen wir trotzdem ein HDR-Portrait aufnehmen, um dem Hintergrund einen coolen „Look“ zu geben. Um das Beste aus beiden Welten mitzunehmen, kannst du als erstes das HDR Bild normal entwickeln. Im zweiten Schritt nimmst du nur eines der HDR-Bilder (ein Shot aus der Serie) und entwickelst es als normales Portraitfoto. Überlagere danach die beiden Bilder und nutze die Masken, sodass die Haut aus dem traditionellen Bild zu sehen ist, aber der Hintergrund des HDR sichtbar ist. Jetzt hast du das Beste aus beiden Welten.

#97 Wenn du etwas zuschneidest, vollziehe eine vollständige Amputation

Das Zuschneiden einer Person kann heikel sein. Anfängerfotografen nehmen häufig Ganzkörperfotos auf, da sie sich nicht ganz sicher sind, wo sie den Körper schneiden sollen. Der beste Tipp, den ich dir geben kann, ist, den Körper halb wegzuschneiden. Wenn du zum Beispiel einen Teil des Kopfes wegschneidest musst du dich vergewissern, dass nicht nur die oberste Kopfhaut aus dem Rahmen abgeschnitten ist. Wenn du die obere Hälfte des Kopfes wegschneidest, schneide in die Stirn hinein, sodass der Betrachter merkt, dass du es mit Absicht getan hast. Viele Fotografen lehren, nicht entlang der Gelenke zu schneiden (Knie, Ellbogen, Handgelenke, etc.). Das ist auch ein guter Rat. Ich glaube aber, dass sie damit nur sagen wollen, dass du bewusst croppen sollst, Wenn du etwas vom Körper wegschneidest, schneide eine Menge ab.

#98 Nutze Hintergründe auf eine kreative Weise

Studio-Hintergründe (du weißt schon, diese fleckig vorgefärbten, die so aussehen als wären sie von einem zweijährigen gefärbt worden) sorgen generell für ein ziemlich stumpfsinniges Portrait. Aber es gibt eine Möglichkeit das zu beheben! Der Grund, warum der gemusterte Hintergrund so langweilig aussieht besteht darin, dass er gleichmäßig beleuchtet wird. Denke daran: das Licht ist in der Portraitfotografie ALLES! Durch das Drehen des Hintergrunds in einen zur Kamera ausgerichteten Winkel, wird ein Teil davon in den Schatten fallen, wohingegen die andere Seite heller bleibt. Dieser Kontrast lässt den Hintergrund-Look zehnmal interessanter aussehen. Du kannst dasselbe mit einem weißen Hintergrund machen. Die der Kamera näher gelegene Seite wird weiß und die hintere Seite dunkelgrau erscheinen, da es das Licht nicht so stark auffangen wird. Diese Steigerung kann einen wirklich kreativen Hintergrund abgeben.

#99 Bringe einen billigen Liebesroman in die Fotostrecke ein

Jetzt kommt ein wirklich cooler Portraitfotografie Tipp, den ich mir mal ausgedacht habe. Die Idee ist, während der Fotosession ein Spiel zu spielen. Zum Beispiel habe ich mir überlegt, einen billigen Liebesroman zu einem Verlobungs-Shooting mitzubringen. Wenn das Paar ein bisschen steif wirkt und nicht miteinander spielt oder lacht, hole ich das Buch heraus und lasse sie damit beginnen, ein Spiel zu spielen. Sie müssen dann das Buch öffnen und ihrem Partner einen kompletten Satz aus dem Liebesroman vorlesen, ohne zu lachen oder zu lächeln. Das führt zwangsläufig zu hysterischem Gelächter! Damit bekommst du traumhafte Gesichtsausdrücke… während der ganzen Zeit stehst du ein paar Meter entfernt und hältst diese tollen Momente fest.

#100 Benutze den richtigen Fokus-Modus

In der Hitze des Gefechts bei einem Portrait-Shooting gehen oft die kleinen Dinge vergessen. Für 99% aller Portraits benutze ich den Einzelschuss Fokus-Modus. Oft schwenkt man aber mit der Kamera, wenn zum Beispiel der Bräutigam springt oder sich sonst eine spannende Szene gleich nebenan abspielt. In solche Fällen muss du daran denken, von einem dauerhaften Fokus (Nikon) oder AI Servo (Canon) umzuschalten, sodass das Foto scharf wird, auch wenn das Motiv sich bewegt. Hier findest du noch ein paar Tipps zum fotografieren von bewegten Motiven.

#101 Bleibe immer am Drücker

Du wirst in der Portraitfotografie niemals den perfekten Ausdruck festhalten, wenn deine Finger nicht förmlich das Leben aus deinem Auslöser prügeln. Tolle Ausdrücke einzufangen heißt eine Menge Fotos aufzunehmen! Bleibe aufmerksam, damit du den perfekten Moment nicht verpasst.

#102 Bezahle im Voraus

Dieser Artikel schrieb sich nicht von selbst. Es kostet mich VIEEEEEEL Zeit um Posts wie diesen für die Community zu schreiben. Deshalb würde ich es sehr schätzen, wenn du diesen Post über Facebook/Twitter/Google+ teilen würdest. Die Buttons dafür findest du gleich etwas weiter unten – direkt unter diesem letzten Portraitfotografie Tipp. Danke!

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3 Kommentare auf "102 Portrait­fotografie Tipps | Bessere Porträts fotografieren"

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Schiliro Giuseppe
Gast

Wow.. echt toller Beitrag. Vielen Dank

Andrea
Gast

Beim Warten auf den Pöstler, der mit meinen Portraitbüchern zu mir unterwegs sein sollte, habe ich diesen Blogbeitrag über Pinterest gefunden. Wow, ich bin sprachlos! So viele, tolle Tipps! Für mich als Neue einfach perfekt! Vielen herzlichen Dank.
Ich habe erst seit ein paar Wochen eine Systemkamera, aber es hat mich gepackt und ich bin fleissig am Üben. Portraits sind noch totales Neuland; ausser ein paar verzweifelte Versuche mit meinem kleinen Sohn, der nie (!) still hält und ein paar (überraschend gute) „blinde“ Selbstportraits. Ich muss dringend auf die Suche nach Models 🙂
Liebe Grüsse
Andrea
http://www.unterwegsmitjunior.ch

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